Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 41 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 41. meistern. Vorübergehenden Zeitströmungen und wissenschaftlichen Hypothesen, die mit Unrecht als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft ansgegeben werden und überdies zumeist außerhalb des Judentumes ausgetaucht und gegen dasselbe gerichtet sind, soll die durch Jahrtausende bewährte Kraft unseres Religionsgesetzes geopfert werden. Selbst in die Schule und in das Gotteshaus sollen diese verhängnisvollen Lehren hineingetragen werden. Die Jugend soll durch die Verkündigung haltloser Behauptungen über unser heiliges Schrifttum verwirrt, ja es soll selbst der Religionsunterricht dem oft unreligiösen Charakter des Familienhauses entsprechend erteilt werden. In den Synagogen soll die hebräische, die Juden der ganzen Welt vereinigende Sprache noch weiter zurückgedrängt werden. Die Gemüter werden durch radikale Reformpläne, über deren Unwirksamkeit die Geschichte längst ihr Urteil gefällt hat, beunruhigt; die Eintracht im Innern, deren wir heule dringender als je bedürfen, wird gefährdet; die Schar derjenigen, welche der Religion entfremdet sind, wird durch solche, das Pietätsgefühl schwer verletzende Mittel nicht verringert, sondern vermehrt. Als in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts derartige extreme Bestrebungen sich zuerst bemerkbar machten, traten ihnen alsbald hervorragende Männer entgegen, welche Entscheidungen über Fragen des religiösen Lebens nur ans Grund sorgfältiger, historisch-wissenschaftlicher Forschung für zulässig erklärten. Sie haben dadurch die drohende Gefahr einer liefen Zerklüftung von der deutschen Judenheit abgewehrt und ans die Ausgestaltung ihres inneren Lebens einen maßgebenden Einfluß gewonnen. Im Geiste dieser vorbildlichen Meister wollen wir angesichts der Erscheinungen der jüngsten Gegenwart eine Verbindung unserer Gesinnungsgenossen unter dem Namen „Freie jüdische Vereinigung" ins Leben rufen. Wir wollen danach trachten, der Religion ihre Macht über die Gemüter wieder zu gewinnen, damit sie wie in den Tagen unserer Väter das Leben wieder heilige und verkläre. Wir wollen die Einheit in den Gemeinden erhalten und nicht den Zwiespalt in ihnen noch erweitern; wir wollen die Autorität der Quellenschriften nuferer Religion nicht erschüttern und unser Judentum nicht zum Spielball jeder modernen Strömung machen lassen; wir wollen das jüdische Bewußtsein 'stärken. Bei aller Treue gegen die Heiligtümer unserer Väter dürfen und wollen wir uns jedoch auch den Ansprüchen der Zeit nicht verschließen, soweit diese dem Wesen unseres Bekenntnisses nicht widersprechen. Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Wissenschaft des Judentums das Leben des Judentumes bedeutet, wollen wir sie pstegeu und fördern. Sie soll uns bei den auf die Gestaltung des modernen jüdischen Lebens gerichteten Bestrebungen den Weg für unsere Wirksamkeit weisen. Wir wollen die Partei der Versöhnung sein, die Partei, welche die durch die Geschichte bestätigte Wahrheit vertritt, daß nicht Willkür, sondern Treue, nicht Niederreißen, sondern Aufbauen, nicht Trennung, sondern Verbindung in unserer Zeit lins helfen kann; die Partei, die weiß, was die Gegenwart verlangt, aber auch weiß, daß die Gegenwart ihrem Wesen nach die Vergangenheit, aus der sie hervorgewachsen ist, nicht verläugnen darf; die Partei, die eine Spaltung der Judenheit verhüten will. Wir wissen, wie schwierig es ist, in unserer von Gegensätzen zerrissenen Zeit solche Ideale zu verwirklichen. Aber in Anbetracht der drohenden Gefahr, halten wir es für unsere heilige Psticht, uns zu vereinigen, um aufklärend und belehrend, mahnend und warnend zu wirken. Wir wollen dafür sorgen, daß unse Kinder als moderne Menschen erzogen werden, daß ihnen aber auch das Erbe unserer Väter unangetastet übergeben werde. Wir wollen unsere Kraft dafür einfetzen, daß Wahrheit und Frieden in den Gemeinden der deutschen Judenheit gefördert werde. Wir wollen ein Werk des Friedens, und jeder, der an diesem Friedenswerke Mitarbeiten will, sei uns willkommen! Dr. B e e r m a n u, Kreisrabbiner in Insterburg; Dr. Behrens, Rabbiner in Göttingen; Dr. B e r g e r, Rabbiner in Krotoschin; Dr. Biram, Rabbiner in Hirschberg (Schlesien); F. Blum, Rabbiner in Mühlhausen i. Els.; Dr. B r a n n, Dozent am jüdisch-theol. Seminar in Breslau; Dr. Do clor, Landesrabbiner in Kassel; M. E l l g u t h e r, Rabbiner in Neisse; Dr. Elboge n, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaften des Judentums in Berlin; Dr. Jos. Esche l b a ch e r, Rabbiner in Berlin; Dr. Max Eschelbach er, Bezirksrabbiner in Bruchsal; Dr. F. Feilchenfeld, Landesrabbiner nr Schwerin i. M.; D. I. Fi nkels ch er er, Rabbiner in München; Dr. Flaschner, Rabbiner in Bernberg; Leo Fränkl, Herzog!. Landesrabbiner in Meiningen; Dr. Frau k, Rabbiner in Köln a. Rh.; Dr. S. Freund, Rabbiner in Hannover, Dr. Fr i e d m a u n, Rabbiner in Lublinitz, Dr. G r a b o w s k ir Rabbiner in Barmen; Dr. Grone m a n n, Landesrabbiner in Hannover, Dr. Groß, Stadt- und. Distriktsrabbiner in Augsburg; Dr. Grünthal, Rabbiner in Pinne; Dr. M. G n tmann, Rabbiner in Cnlm a. W.; Dr. Horovitz, Docent am jüdisch-theol. Seminar in Breslau; Dr. I a r a c z e w s k i, Bezirksrabbiner in Mühringen; L. Kahn, Bezirksrabbiner in Heilbronn; Dr. K n o l l e r, Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover; Dr. Kopfstein, Rabbiner in Bentben O.-S.; Dr. M. K r a k a n er. Stiftsrabbiner in Breslau;. Dr. Th- Krön er, Kirchenrat und Stadtrabbiner in Stuttgart; Dr. H. K r o u e r, Bezirksrabbiuer in Oberdorf; Dr. K n s ch n i tz k y, Stadtrabbiner in Bayreuth; Dr. W. Landsberg, Bezirksrabbiner in Kaiserslautern; Dr. I. L e v y, Rabbiner in Brumath; M. L e v y, Rabbiner in Hagenau i. Els.; Dr. Lewinsky, Landrabbiner in Hildesheim; Dr. L o e w y, Rabbiner in Grandenz; Dr. V. Marx, Rabbiner in Westhofen im Elsaß; Dr. B. Meyer, Rabbiner in Thann i. Els.;. Dr. W. M ü n z, Rabbiner in Gleiwitz; Dr. N. Netter, Oberrabbiner von Lothringen in Metz; Dr. Peritz, Rabbiner in Liegnitz; Dr. Perlitz, Rabbiner in Nakel; Dr. Pick, Rabbiner in Straßburg, W.-Pr.; D. Ran, Rabbiner in Pleß; Dr. M. Rawicz, Bezirksrabbiner in Offenburg; Dr. R o s e n b e r g , Rabbiner in Thorn; Dr. F. R o s e n t h a l, Rabbiner in Breslau; Dr. Ludwig R o s e n t h a l, Rabbiner in Köln a. Rh.; Dr. Salzberger, Rabbiner in Erfurt; Dr. Sander, großh. Provinzial-Rabbiner in Gießen; Dr. Silberstein, Rabbiner in Elbing; Dr. Stein, Rabbiner in Worms; Dr. Stier, Rabbiner in Berlin; Dr. Theodor, Rabbiner inBojanowo; Dr. Tr eitel, Bezirksrabbiner in Laupheim; Dr. Ungerleider, Rabbiner in Berlin; Dr. Walther, Herzog!. Ilnhaltischer Landesrabbiner in Dessau; Dr. Weiße, Rabbiner in Berlin; Dr. Werner, Rabbiner in München; Dr. Wolfs, Rabbiner in Bischheim im Els.; Dr. Z i m e l s , Rabbiner in Karlsruhe i. B.; Dr. M. S. Z u ck e r m a n d e l, Rabbiner des Mora Leipzigerschen Beth-Hamidrasch in Breslau. Verschiedene Unchrichlen. Wien. Freitag, den 22. Oktober, Abends Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. Der Vorstand des Vereines zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten veranstaltete für seinen verstorbenen Präses, Banrat Donat Zifferer, am 17. d. M. eine solenne Tranerfeier. der der Gesamtvorstand dieses Vereines, die Familie und viele Trauergäste beiwohnten. Die Gebete trug Kantor P e k a r n i k vor, bie- Rede hielt Prof. A n t s ch e r l, er schilderte in derselben das Wicken Donat Zifferers und hob seine besonderen Verdienste um den Verein hervor. Die Feier machte in dem Tempel IX., Müllnergasse, den Zifferer' nach Fleijcher's Plänen so schön erbaut hatte, daß er zu den Sehenswürdigkeiten Wiens gehört, tiefen Eindruck. Das Andenken des Verewigten ehrten alle am Schlüsse durch Erheben von den Sitzen, das Kaddisch-Gebet, in das die Zöglinge mit den Responien tief gerührt einfielen, war der Dank, der einem Manne galt, der 30 Jahre im Vereine für jüdische, junge Handwerker erfolgreich gewirkt hat. Ehre seinem Andenken! Wien. Sonntag, den 24. d. M. findet im Vestibül des Rvthschild- Spitales die Begrüßung des Hofrates Professor O s e r anläßlich seines 70. Geburtstages durch den Vorstand der Israel. Kultnsgemeinde statt. Wien. (Sonntag. den 24. d. M., ^4 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des an dieser Synagoge als Kantor fungierenden Herrn ©tiefer Kischner mit Fräulein Bronislava P e s ch e s statt. Wien. (P r i v a t t u r n s ch u l e.) An der vom Landesschulrate konzessionierten Privatturnschule für Knaben und Mädchen, die sich in dem Prachtturnsaale der neu erbauten Schule im 2. Bezirk, Malzgasse Nr. 16,