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Die Wahrheit · 1909-10-22 · Heft 41 (22.10.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 41 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Oktober 1909 begonnene 4. Kuartat ersucht, | damit die regelmäßige Expedition des Mattes Keine Nntervrechung erleide.! Abonnements-Bedingungen: i Ganzjährig Kr. 14.— Kalöjährig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.50.! K. k. Poftsparkafsen-Konto 1VV.S18. > — Probenummern gratis zur Verfügung, zi:. j Der jüdische Kataster. Von * * *! Die organische Methode von Spencer nnd Schäffle wird von der neuesten Soziologie zum alten Eisen geworfen. Die Gesellschaft ist wohl ein Gebilde, aber doch nicht ein derartiges, daß man ohne anhaltende Studien — das Talent dazu vorausgesetzt — von der Medizin zur Politik übergehen kann. Es wird! auch um die Oberstabsärzte nicht besser bestellt sein, wie um j gewöhnliche sterbliche Schüler des Aeskulap; vielleicht noch etwas i schlimmer. In einem hiesigen jüdischen Blatt ergreift der Ober- > stabsarzt Herr Dr. Oswald B y k das Wort gegen — nun die geschätzten Leser müssen es schon im voraus ahnen, wenn ein großer Israelit plötzlich sein jüdisches Herz entdeckt — den jüdischen Kataster. Dr. Oswald Byk, wenn wir nicht irren, ein Bruder des verstorbenen Dr. Emil Byk, hat das Bedürfnis., die jüdische Kurie, die übrigens mittlerweile auch vom Bukowinaer Landtage zu den Toten gelegt wurde, niederzuargnmentieren, richtiger ad absurdum zu führen. Hätte es Herr Oberstabsarzt Byk nur bei löblichen Ermahnungen bewenden lassen, wir könnten über dieselben ruhig zur Tagesordnung übergehen, aber, wie gesagt, der Herr Oberstabsarzt beweist und aus Geschichte und Gegenwart wird die Schädlichkeit der nationalen Politik ad oculos demonstriert. Ach! Wie gut ist es, ein Oberstabsarzt zu sein und ein Verwandter von Emil Byk obendrein. Was für eine Antwort hätte der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" einem anderen erteilt, der zu ihm mit einem solchen Artikel gekommen wäre? Sie wäre gewiß nicht schmeichelhaft gewesen. Aber einem hochverehrten Oberstabsarzt druckt man einen Aussatz ab. der von jüdischer Geschichte keine Ahnung ausweist, der logische Widersprüche begeht und dem das A-B-C der Politik im allgemeinen nnd der jüdischen im besonderen ganz nnd gar fehlt. — Allerdings mit der Reservation, daß man mit dem Inhalt des Artikels nicht einverstanden ist. Wie dürste denn sonst ein Satz bestehen, „daß die Juden in' Polen solange in der Kultur znrnckblieben, als sie die Autonomie besaßen und daß sie erst dann das helle Licht der Sonne erblickten, als sie die Autonomie verloren und — hier setzt das Ungeheuerliche ein — sich den Elementen des Landes anschlossen." Wer nur einmal den kleinen Grätz in die Hand nahm, muß wissen, daß die Glanzperiode des polnischen Judentums die Zeit der vier Länder-Synode d. h. die Zeit der Autonomie war, daß der Rückgang nnd die Verknöcherung von da an datiert, als die Autonomie immer mehr in Verfall geriet und daß die polnischen Juden nach dem Verfall der vier Lander- Synode sich nie dem Polentum bewußt oder unbewußt angeschlossen haben. Aber alles wird übertroffen von dem, was Herr Oberstabsarzt Dr. Byk über jüdische Wahlbezirke nnd nationale Kurien — ich kann es schon nicht anders bezeichnen — faselt. Als Beweis, daß der nationale Kataster für Inden schädlich ist, führt er die Reichsratswahleu in Brody und Slryj an. wo im ersteren Falle Stand mir mit Hilfe der Rutheuen gewählt und im letzteren ein Sozialdemokrat entsendet wurde. Ja, weiß denn Herr Oberstabsarzt Byk nicht, daß in Galizien der nationale Kataster nicht existiert? Weiß er nicht, daß man dort mit Zustimmung Dr. Emil Byks nur ein paar sogenannte jüdische Wahlbezirke kreierte, aber dafür, weil es der göttliche Polenklnb wollte, von vornherein sorgte, sie den Inden bei der erstbesten Gelegenheit entreißen zu können? Ich nehme an, daß er es weiß — sicherlich aber der Herausgeber der Wochenschrift — und dann begeht er eine bewußte Konfusion. Denn ist ein Volk national katastrierl, so können die ihm zugewiesenen Mandate nie in fremde Hände geraten und nur die sogenannten abgegrenzten Wahlbezirke, für die der selige Abgeordnete Doktor Byk mit seiner ganzen Sippe eintrat, konnten Resultate wie Stryj zeitigen. Und wenn Dr. Byk schreibt: „Aus diesen beiden Fällen ist zu ersehen, daß selbst rein jüdische Wahlbezirke den Juden nicht gesichert sind, wenn sie nicht als solche geschlossen, sondern als Parteigänger verschiedener Richtungen stimmen" (Wochenschrift S. 714, Nr. 42), so müßte ein gewöhnlicher Mensch mit normaler Logik den Schluß ziehen: ergo sind die

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