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Die Wahrheit · 1909-10-15 · Heft 40 (15.10.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 40 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 40. Wie«. (Bethausverein „Am Volkert.") Schon seil Jahren verfolgt dieser streng konservative Bethausverein das Ziel, einen stattlichen Tempel zu erbauen und hiemit eine Religioussctiule. eine für diesen Stadtteil höchst notwendige Institution zu verbinden. Stets scheiterte die Durchführung und Verwirklichung dieses erstrebenswerten Zieles an den knappen verfügbaren Geldmitteln. Nun ist es durch die Munifizenz und durch die für jüdische Zwecke stets bereite Opferwilligkeit des Vereins-Obmannes, Herrn Adolf S ch r a m e k. gelungen, wenigstens einen der beiden Herzenswünsche ins Leben zu rufen, dieGründung der Religio usschule für Knaben der Volks- und Bürgerschulen. Die Einschreibungen haben bereits begonnen und werden Sonntag am 10. Oktober zwischen 10 bis 12 Uhr vormittags fortgesetzt. Nebst dem Unterrichte in den Gebeten und in Thora wird auf Hebräisch-Schreiben und Hebräisch- Sprecheu großes Gewicht gelegt, wobei in erster Linie auf den Urquell jüdischen Wissens, die hebräische Grammatik, besondere Rücksicht genommen wird. Dem Vereine ist es gelungen, zwei tüchtige Schulmänner für die beiden Abteilungen zu gewinnen, sodaß der langgehegte Lieblingsgedanke des ersten Förderers dieser Religionsschule, des Herrn Elkan Bauer. Obmann-Stellvertrerer dieses Vereines, erfüllt erscheint. Selbstverständlich ist die tunliche Erweiterung dieser, in diesem Bezirksteile einzigen Institution ins Auge gefaßt. Innsbruck Vier Tage beschäftigte ein Wiener Täufling, Namens Fröhlich, die Geschwornen Innsbrucks und im Laufe der Verhandlung zeigte sich der Oeffentlichkeit die obikure Seele eines Meschumed in ihrer ganzen Verworfenheit, die den tiefsten Eckel und Abscheu der Oeffentlichkeit hervorricf. Dieser Prozeß verdient samt und sonders der Wiener jüdischen Bevölkerung vorgehalten zu werden, sic spiegelt sich in demselben besser wieder, als ui Bedas trefflichem Sarkasmus, oder Schnitzlers freien Charakteristiken, und mau hatte ja Gelegenheit zu sehen, wie diese dürren Blätter, wie diese Feiglinge, deren Namen allwöchentlich die Spalten der jüdischen Zeitungen und die Herzen ehrlicher Inden mit Trauer ausfüllen, aussehen. Ein 24jähriger Täufling stand vor den hiesigen Geschivornen wegen Betrügereien, falscher Vorspiegelungen rc. und zu ihrer Entschuldigung hatte dieses Jndioidium keine andere Verantwortung als daß er leider dem Judentume von Geburt angehörte, jedoch mit 14 Jahren kofessionslos und mir 17 Jahren bei der Taufe angelanat war, daß er seitdem christlich-sozialer Parteimann, mir den meisten Häuptern dieser Partei, natürlich auch mit V e r g a n i bestens befreundet sei und als solcher dürfe er von Tiroler Geschworenen, die von Natur aus christlich-sozial seien, nicht verurteilt werden. So sicher rechnete er auf die vorgebrachte Konklusion, daß er sogar den Staatsanwalt in frechster Weise höhnte und diejenigen, die ihn verurteilen würden, als dunime Kerle bezeichnet?. Der Täufling, mitseiner eigentümlicbenLogik, getraute sich noch am Schluffe der Verhandlung, nachdem ihm in allen Punkten seine Schuld nachgewiesen worden war. den Geschworenen zuzurufen : „Nicht Milde, mchr Gnade sondern Gerechtigkeit fordere ich von Ihnen, denn ich bin ein christlich-sozialer Parteimann!" Der Staatsanwalt replizierte zu den Geschworenen: Jhr-begeht ein gutes Werk, wenn Ihr diesen Menschen in allen Punkten schuldig sprecht, worauf ihm auch Gerechtigkeit widerfuhr. 13 Monate schwerer Kerker und jeden dritten Monat ein Jom Kippur war das Fazit. So schauen die Wiener Meschumodim aus! Czeruowitz. Sonntag den 10. d. M. fand im jüdischen Nationalhause zn Czeruowitz eine Versammlung von Delegierten aller Bukowinaer jüdischen Kultusgemeinden zur Beratnlig gemeinsamer national-jüdischer Angelegenheiten statt. Budapest. Der berühmte Bildhauer Julius Donath ist am 28. September 1909 gestorben. Sein Hinscheiden hat in den Künstlerkreisen Ungarns lebhafteste Teilnahme erweckt. Seine zwei größten Arbeiten sind das Elisabethdenkmal in Bartfafürdo und das Berbo'czy-Monument in Budapest. Bezüglich dieses Monumentes ist hervorzuheben, daß dieses Monument eines der 10 Denkmäler ist, welche der König im Millenniumsjahre der Nation geschentt hat und daß allgemein anerkannt wird, wonach von allen 10 Denkmälern das durch Donath geschaffene Denkmal künstlerisch das schönste ist. Budapest. Am 29. September starb hier eine hervorragende Gestalt unseres öffentlichen Lebens, Herr Generalrat Alexander Deutsch von Halom. Der Verblichene war lange Jahre hindurch Vizepräsident der Pester Lloyd-Gesellschaft, leitendes Mitglied der Budapester Handelsakademie, Börsenrat, Generalrat der Oesterreich-Ungarischen Bank, Vizepräsident der größten ungarischen Mühle, der Ofen-Pester Dampfmühl- Aktiengesellschaft rc. rc. Als er vor einigen Jahren kränklich wurde, legte er den grüßen Teil seiner Ehrenämter nieder, doch alle Ehrenämter, welche er bei jüdischen Institutionen inne hatte, hatte er bebalten und förderte mit ganzer Kraft bis zur letzten Stunde die Interessen dieser Institutionen. Besonders dem Alters-Versorgungshaus unserer Chewra Kadischa brachte er stets das größte Jntereffe eutgegen, er gab oft größere Beträge, um den Aufenthalt der Siechen je angenehmer zu machen und selbst ein Kranker, suchte er oft die Kranken und Siechen auf, um denselben Trost zu spenden. Am 30. September fand unter außerordentlich großer Teilnahme die Leichenfeier statt. Der geräumige Hof des Trauerhauses erwies sich als viel zu klein, um die Verehrer und Freunde aufzunehmen. Es waren unter anderen erschienen: Geheimer Rat Graf Andreas Csekonits, der Generalrat der Oesterreichisch - Ungarischen Bau! unter der Führung des Gouverneurs Geheimen Rates Dr. Alexander von P o p o v i c s, der Vizegouverneur G. R. Josef von T a r k o v i ch und Baron W i n t e r st e i u, Generalsekretär Josef von Pranger, der ung. Regierungskomissär Staatssekretär Dr. von Papp, sowie der Beamtenkörper mit dem Vorstand Dr. F l i t t n e r an der Spitze, die Vizepräsidenten der Budapester Börse Jaques von Simon und Direktor Karl Weiß, Baron Peter Herzog, in Vertretung der Pester Lloyd-Gesellschast die Vizepräsidenten Dr. Adolf K o h n e r und Franz S z e k e l y, in Vertretung der Handels- und Gewerbekammer Leo L ü n c z y. der Professorenkörper der Handelsakademie unter Führung des Direktors köngl. Rat Wilhelm Szupan, der Vorstand der Pester isr. Religionsgemeinde unter Führung des Hosrates Dr. Philipp Weinmann und Ludwig Adler, der Vorstand des Heiligen Vereines unter Führung, des Präsidenten Julius Winterberg, eine Abordnung der Gemeinde Vecses, rc. rc. An der Bahre, welche die Pfleglinge des isr. Siecheuhauses, die Zöglinge des isr. Knabenwaisenhauses und des isr. Handels- und Ackerbauvereines, die Feuerwehrleute der Mühle und die Diener der Oesterreichisch-Uugarischen Bank flankierten, hielt Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn ein tief ergreifendes Gebet, worauf Oberkantor Lazarus.mit dem verstärkten Chor die Trauergesänge exekutierte. In Ansehung des Snkoth- Feiertages geleitete eine große Trauergemeinde die Leiche zu Fuß nach dem Kerepeser Friedhof, wo der Sarg in der Familiengruft beigesetzt wurde. Nagy-Szombat Es soll auch weiteren Kreisen bekannt werden, daß unser Oberkantor, Herr Osias Köpfst ü ck an den jüngst verflossenen Feiertagen sich ganz besonders ausgezeichnet hat. Die schöne Stimme des Kantors, der gediegene Vortrag und der durch Herrn F. Spwakow vorzüglich geschulte und geleitete Chor boten bei erhebender Andacht einen wahren Kunstgenuß, und Vorstand und Mitglieder brachten wiederholt ihre besondere Zufriedenheit zum Ausdruck. Stuttgart. Die „Necknei-Zeitung" schreibt anläßlich der Manöver in Württemberg: Geradezu rührend herzlich und aufopfernd ist in diesem Krieg in Friedenstagen die Haltung der Bevölkerung gewesen. Das wehrhafte Geschlecht, das im. Tauber» tale, längst dem Kocher und der Jagst und in den Bergen nach dem Odenwald hin sitzt und von Landsknechtszeiten her dem Waffenhandwerk hold war, bat einen gar trefflichen Manöver- Resonanzboden abgegeben. Willig, ja mit einer Begeisterung, die sich in über das vereinbarte Maß weit hiuansgehender Verpflegung des einzelnen Mannes ansdrückte, hat das liebenswerte, frohe Völkchen jener Weingegend die Einquartierungslasten getragen. Auch der starke jüdische Bevölkernngseinschnß dort an der badischen und württembergischen Landesgrenze, hat trotz dev gerade fallenden hohen Feiertage, in der bereiten Gastfreundlichkeit der Aufnahme mit seinen christlichen Mitbürgern gewetteifert. Zwei liiedliche kleine Episoden seien in diesem Zusammenhang hier registriert: In Mergentheim, wo es ein koscheres Hotel gibt, wies die unter den hebräischen Schildzeichen hängende Qnartiertafel die Kreideankündigung aus: „Einquartiert, Vizeseldwebel Christ". Und wenige Schritte weiter ließ, direkt unter der Firmentafel „S. Rothschild, Bankgeschäft", .der Name „Militärische Pumpstation" allerhand lustige Deutungen zu. Saloniki. Die israelitischen Handlverker, unterstützt von einigen hiesigen Fabrikanten, haben auf Anregung der Vereinigung der früheren Schüler der Alliance Israelite Universelle und mit deren Beihilfe eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse veranstaltet, die die allgemrine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Wie immer, so ist auch hier der Anfang sehr schwer gewesen. Die Arbeiter und Handwerker begriffen den Zweck des Unternehmens nicht, schienen mißtrauisch zn sein, so daß es unmöglich war, der Ausstelluug den geplanten Umfang zn geben. Man wird jedenfalls bald den Nutzen dieses Unternehmens einsehen, und hoffentlich gelingt es, eine zweite Ausstellung ins Leben zu rufen, die dem Publikum alle Erzeugnisse vor Augen führt, die die heimische Arbeitskraft und die Industrie schafft. Das wäre eine dankenswerte Aufgabe, denn nicht nur unter den Israeliten, sondern auch unter den Angehörsgen aller anderen Nationalitäten finden sich sehr tüchtige Leute, deren Arbeiten um so höher zu veranschlagen sind, als sie nicht die Anleitung und nicht die Hilfsmittel besitzen, wie dies in europäischen Staaten der Fall ist. Wenn aber heute schon ohne besondere Vorbildung und Schulung, ohne entsprechende Modelle so Gediegenes geleistet wird, so muß dies anerkennend vermerkt werden und die israelitischen Arbeiter von Saloniki, die ihre Produkte ausstellten, sich der öffentlichen Kritik unterwarfen, verdienen alles Lob. Die Ausstellung fand in den Räumen der Mädchenschule der .Alliance Israelite Universelle statt und umfaßt Möbeltischlerei, Bauklempnerei, Tapeziererarbeiten, Parfümerien, Seifen, Bürstenbinderei, Schuhwaren, Herren- und Damenkonfektion, Hüte,. Drucksachen, Stickereien, Garnspinnerei, Wattefabrikation, Pumpen und' Armaturen, Färberei u. a. m. Die Eröffnung fand am 3. Oktober in Anwesenheit eines gewählten Publikums statt. N-ttz. Guten Appetit. Gesunden Magen haben wir und kein Magendrücken, keine Schmerzen, seit wir Feller's abführende Pillen m. d. M. „Elsapillen" benützen. Wir sagen Ihnen aus Erfahrung, versuchen Sie diese auch, sie regeln den Stuhl und fördern die Verdauung. 6 Schachteln franko 4 Kronen. Erzeuger nur Apotheker Feller in Stubica Elsaplatz No. 153. (Kroatien.)

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