Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 40 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 11. dir. 40. (Alle Rechte Vorbehalten.) Gin neues Licht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) Die Herren waren in der Wohnnng angelangt. Der Sekretär stellte seine Frau vor. „Gnädige Frau müssen entschuldigen", sagte Dr. Fnchs, „wenn ich es wage, in cUh' trau res Heim einzudringen, aber ich bin ein echt jüdisches Haus so gewohnt, daß ich innig bitten muß, mich hier anfznnebmen." „Seien Sie herzlich willkommen, lieber Herr Doktor! Ich werde mich aufrichtig freuen, . wenn Herr Doktor auch morgen mein Gast sein wollen." „Diese Einladung macht mich wirklich glücklich." Wie ihn alles so auheimelte. DieSabbathleuchter, dieBarches, der Wein, alles wie zu Hause. Der Hausherr sang das Schalom aleicliem *), die Hausfrau ging geschäftig hin und her. Alles war blink und blank. Die Einrichtitng nicht kostbar, aber nett, jede Ecke geschmackvoll ansgesüllt; das verriet eine tüchtige Hausfrau, eine esches chajil (ein Biederweib). Und wie gut ihm alles mundete! Sonst pflegte er in der Fremde alles heritnterznwürgen, hier mtlßte er alles loben. Das macht jede Hausfrau glücklich, wenn ihre Speisen gelobt werden. Der Frau Sekretär gefiel der stille, bescheidene junge Mann überhaupt sehr gut. Er mußte sie lebhaft an ihren Sohn erinnern, der gerade bei einem Zionistenkongreß weilte. Der Hausherr hatte soeben die Semiroth **) beendet, da fragte ihn Dr. Fnchs, ob auch er Zionist sei. „Mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Aber ich kann mit den jungen Leuten nicht sympathisieren, die die Religion von der Nation trennen wollen." Ja, das ist leider das Traurige. Unsere Jugend sieht in der Ausübung der Religion einen Zwang, eine Beschränkung der persönlichen Freiheit!" „Wir Juden sind ja erst durch unsere Religion eine Nation geworden. Der Glaube an den ein- .zigen Gott ist enge mit dem Nationalbewnßlsein verknüpft. Nimmt man tl n s die Religion, so i st das I n d e n t u m t a lsüchlich verschwunden und was übrig bleibt, gleicht zivilisierten Wilden." „Ganz richtig. Nur die Religion erhält die Menschheit auf einer hohen Kulturstufe." „Unser Staat war ja von jeher th eokr a tisch und als er monarchisch wurde, war unser Religionskodex unsere Verfassung. unser Strafgesetz, unsere Sittenlehre, unsere Geschichte, unser alles." „Die Jugend fürchtet merkwürdigerweise religiös zu sein, weil sie dadurch den Borwurf ans sich laden könnte, klerikal zu sein." „Wir sind ja bne chorim (Kinder der Freiheit); unsere Religion ist ja so freisinnig und demokratisch wie keine andere." Es war spät geworden und Dr. Fuchs empfahl sich von seinen liebenswürdigen Gastsreundeu. Im Hotel sah er die Predigt nochmals durch; sie war nicht überladen, sondern kurz, schön und gemeinverständlich. Samstag vormittags war das Gotteshaus so dicht gefüllt, wie es sonst nur an hohen Feiertagen der Fall war. Alles watfestlich gekleidet, nur Steinherz, der sich ans einem Stock gestützt zu seinem Sitz schleppte, kam im alten Rock mit einem alten -Lodenhut. Nachdem der junge Prediger vor offener Bnudeslade mit lauter Stimme das Kaisergebet gesprochen, traten Dr. Süß und Tempelvorsteher Bär ans ihn zn und luden ihm ein, die Predigt zu halten. *) Begrüßung des Sabbathes im Hause. **) Sabbathlieder bei Tische. Eine merkliche Blässe überzog seine Wangen, als. er nach einem kurzen, innigen Gebete, das er vor der Bundeslade verrichtet hatte, die Kanzel betrat. Die Frauen musterten ihn mit ihren Lorgnons, die Mädchen lächelten von der Galerie herab, während die Herren ruhig und aufmerksam dasaßeu. Die Tore waren gesperrt, um jede Störung zn vermeiden. Der schöne Mann, den der Ornat trefflich kleidete, mußte auf alle den besten Eindruck machen. Nur Steinherz räusperte sich recht laut und sagte zil feinem Nachbar: „S e h' dir an da. H ä n d s ch a ch har er!" Schön und deutlich klang die klare Stimme in der sarazenischen Halle, als Dr. Fllchs begann: Na fcowu. oholecho Jaakow? mischkenothecho Israel! W i e s ch ö n s i n d d e i n e Zelte, Jakob! Deine W 0 h n u n g e n Israel! Und nun bezeichnete er mit oholecho die Gotteshäuser, mit mischkenothecho die Behausungen. S ch ö it seien die Synagogen, wenn sie täglich von andächtigen Leuten gefüllt seien, s ch ö n, wenn stets eine festlich gekleidete Menge erscheine, um den einzigen Gott, den Gott unserer Väter, zn lobpreisen. Schön, wenn nicht allein die die Männer, sondern auch Frauen und Kinder in den heiligen Hallen dem Gottesdienste beiwohnen und dem Gottesworte lauschen; s ch ö 11 seien diese Hallen, wenn die Priester, die darin für ihre Gemeinde zu Gott beten, geehrt und geschützt, mit Liebe und Achtung ausgezeichnet würden. Die Wohnungen seien aber nur dann s ch ö n. wenn die Bewohner einen gottestürchtigen Wandel führen, wenn jüdischer Sinn, jüdisches Gefühl, jüdische Sitte die Herzen fülle, wenn die züchtige Hanssrail ihre Kinder in der Ltebe zn Gott, zur Religion und den Nebenmenschen erziehe. Wenn Einigkeit herrsche. Wohltütigkeitssinn und ein edles Streben nach allem Guten, Schönen und Erhabenen. Dann wohne Glück und Zufriedenheit in den Häusern und in der Gemeinde; dann könne jeder m i t F r e u d e i u d i e G 0 t t e s h ä tl s e r b l i ck e u, mit W v n n e in die Wohnungen treten und ausrufen: Na towu oholecho Jaakow, mischkenothecho Israel! Mit einem warm empfundenen Gebet für Kaiser und Vaterland, für die Gemeinde und Gemeindemitglieder schloß Dr. Fnchs. Alles war von der schönen Predigt entzückt nnd jeder suchte den jungen Mann nach dem Gottesdienste auf, um ihm beglückwünschend die Hand zn drücken. Dr. Süß und Dr. Ehrlich strahlten vor Freude. Beim Ausgange trafen sie mit Eisik Steinherz zusammen. Dr. Süß fragte ihn: „Nun. was sagen Sie zu der Predigt? „Die Predigt Hab' ich schon einmal gehört, ich weiß nur nicht wo." „Aber gut war sie." „Hören Sie mir ans. Zweimal hat er sich geräuspert." „Sehen Sie, das habe ich nicht einmal bemerkt." (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dem Judentum. Robert Oesterreicher, geb. 27. März 1887 in Wien, ledig, Glasergehilfe, XL.. Wolfsaugasse 8. Fräulein Tr. D w 0 r a O r ch e r 0 w l t s ch, geb. 15. März 1882 in Theodvsia, ledig. VIII., Josefstädterstraße 9. Dr. Otto Pollak Edler von Par n egg, geb. 20. Oktober 1878 in Wien, ledig. Industrieller, I., Nibelungengasse 7. Frieda Kary, geb. P i ck, geb. 28. April 1884, Karlowitz (Böhmen), geschieden. Private, I.. Hotel Residenz. Rosa Koppel, geb. 30. Oktober 1881 in Wien, ledig, Private, II. Untere Augartenstraße 1 a. Alfred Pollak, geb. 18. Jänner 1885 in Wien, ledig. Fabriksleiter, XVI., Grundsteingasse 12. Louis Klinger, geb. 11. Dezember 1881 in Holics, ledig, Kellner» 11., Ansstellungsstraße 29. Adolf P i l p e l, geb. 24. Jänner 1874 in Wien, ledig, Optikergehilfe, 111., Kegelgasse 2 b. ♦ Rheumatische, gichtische. Kopfweh, Zahnschmerzen? Haben Sie sich durch Luftzug. Erkältung was zugezogen? versuchen Sie doch den schmerzstillenden, heilenden, stärkenden Feller's Fluid m. d. ITC. „Llfafluid". Der ist wirklich gut! Das ist nicht blos Reklame! Probedutzend 5 Kronen franko. Erzeuger nur Apotheker Feller in Stubica Llsaplatz No. (53 (Kroatien).