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Die Wahrheit · 1909-09-24 · Heft 38 (24.9.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 38 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38. Die Wahrheit Seite 7. Her traditionellen Melodien und in seiner mnsikalischen Ansgabe wurde er von Chor und Orgel ausgezeichnet unterstützt. Nach dem Gottesdienste versammelten sich zur eigentlichen Feier des Kautorjubiläums die Festgäste, der gesamte Vorstand, der Rabbiner und die Tempelsnnktionäre, sowie zahlreiche Gemeindemitglieder im Sitznngssaale und Präsident Dr. Engel hielt folgende Ausvrache an den Jubilar: „Liebwerter Herr Oberkantor! Aus den heiligen Räumen, in welchen wir soeben andächtigen Sinnes ein dreifach Fest gefeiert, begaben wir uns in diesen herrlichen Saal, gleichfalls von Meister Fleischers kundiger Hand erbaut, um noch im besonderen und in weltlicher Weise Ihr 25-jähriges Amtsjsubilänm als Oberkantor dieser Gemeinde festlich zu begehen. Es ist ja nur natürlich, daß eine jüdische Gemeinde den so bedeutungsvollen Abschnitt im Leben eines seiner hervorragendsten Funktionäre nicht sang- und klanglos vorübergehen lassen konnte, insbesondere dann nicht, wenn Sang und Klang rühmlichst bekannte Eigenschasten dieses Jubilars bilden. Wenn wir all der wundervollen Gaben gedenken, die Sie, verehrter Herr Oberkantor. uns durch ein Vierteljahrhnndert in reichster Fülle geboten, wenn wir, um nur einige zu nennen, iJhr erschütterndes „Schemah Jsroel", dieses Gebet aller Gebete, Ihre tiefbewegenden Segenssprüche beim Anzünden des Chanukalichtes und vor dem Verlesen der Megilloh Esther, den ergreifenden Sanetokef-Sang mit den Vorausbestimmnngen in des Menschen Leben und die zahllosen anderen köstlichen Melodien uns vergegenwärtigen, die Sie machtvoll Ihrer Kehle entströmen lassen, dann können wir wohl mit dem Sänger sagen: „Welch reicher Himmel, Stern an Stern, wer zählet ihre Namen!" Und hiezu Ihr gottessürchtiger Sinn, Ihr tiesreligiöses Empsinden und Ihre Friedfertigkeit, Eigenschaften, welche mit Ihrer klassischen Sangesknnst vereint, uns wohl berechtigen, Ihnen den Ehrentitel eines wahren Priesters unserer erhabenen Religion zu verleihen. Empfangen Sie deshalb, Herr Oberkantor, für dieses beispielgebende Wirken den aufrichtigen Dank und die warme Anerkennung seitens des Vorstandes und der ganzen Gemeinde. Und mit diesem Danke verbinde ich den Herzenswunsch, daß Gott der Allmächtige, welcher die Geschicke der Menschen lenkt und leitet, das Ihrige zum Guten wende, daß Sie noch viele, viele Jahre im Vollbesitze Ihrer stimmlichen Mittel, gesund an Leib und Seele bleiben mögen — das walte Gott!" Hierans überreichte Dr. Engel namens des Vorstandes dem Jubilar einen prachtvollen silbernen Becher und eine von den Vereinsmitgliedern und Bezirksvereinen gesammelte Ehrengabe, zu welcher zur Anerkennung des Jubilars auch die Knltusgemeinde einen namhaften Beitrag geleistet hatte. Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav Kohn gratulierte namens des Knltusvorstandes dem Vereine zn dem heutigen Feste, anerkannte seine hervorragende, bahnbrechende Tätigkeit zur Aesthetisiernng des Gottesdienstes, beglückwünschte ihn zu seinen ausgezeichneten Funktionären und wünschte ihm ferneres Gedeihen. Die Wünsche des österr.-ungar. Kantoren-Vereines überbrachte Sekretär Dr. L ö w y, der in seiner Ansprache an den Jubilar dessen fachmännische Bedeutung und treue kollegiale Gesinnung würdigte und zur Erinnerung an den Jubeliag einen silbernen Pokal mit eingrav.ierter Widmung überreichte. Die Glückwünsche der Vereinsmitglieder brachte Herr Emil Barkan zum Ausdrucke und in besonders gemütvollen Worten versicherte kaiserl. Rat Friedrich P o l l a k. der schon vor 25 Jahren zur Zeit der Anstellung Oberkantor D ü nm a n n s dem Vorstatlde angehörte, den Jubilar auch für die Zukunft des vollsten 'Wohlwollens des Vorstandes. Kantor Czuzka überreichte den im Golteshanse vorgetragenen Mischeberacli in kalligraphischer Ausführung und Chordirigent Erbe n und Organist Herz namens des Chorpersonales einen silbernen Lorbeerkranz. Es gratulierten ferner dem Vorstande und dem jubilierenden Oberkantor die delegierten Damen und Herren der Bezirksvereine, Herr Franz Frankl namens des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk. Herr Dr. K r e n b e r g e r für den Tempelverein im XIII. Bezirk und Herr F e l f e n b u r g für den Bethausverein in Gumpendorf. Der Jubilar dankte tief gerührt für die ihm bereiteten Ovationen und besonders herzlich waren die Dankesworle, die er an den Vorstand und an seine Mitarbeiter und Delegierten des Chores richtete. Um 1I21 Uhr war die schöne und erhebende Feier, die den Tempelverein und ihren Funktionär in gleicher Weise ehrte, beendet. Der cFulef mii> der ßsrog. (Eine Fabel.) Der Lules und der Esrog, die doch seit jeher harmonisch nebeneinander lebten, gerieten einst in Uneinigkeit und der stolze schlanke Palmenzweig blickte verächtlich auf den kleinen runden Esrog herab und ries: „Ich verstehe meine Verehrer und Anbeter garnicht, daß sie mich, den majestätischen Palmenzweig, für immer an die Seite einer so winzigen Frucht, wie du bist, gestellt haben." Da entgegnete der kluge Esrog: „Das konnten deine Verehrer und Anbeter wohl riskieren, nachdem sie die nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen hatten, deinen Stotz einzndämmen. „Welche Vorsichtsmaßregel meinst du denn?" fragte gespannt der Lnlof. „Das sollst du gleich erfahren", sagte der Esrog. „Damit du dich nicht so ,spreizest', hat man dich mit mehreren Ringen gefesselt und dir obendrein noch von jeder Seite einen Wächter gestellt, die Myrthe und die Weide, welche dir Bescheidenheit und Einfachheit predigen sollen; während ich jedermann durch meine fleckenlose Schönheit und meinen lieblichen Dust erfreue, ohne die geringste Fessel zu tragen." „Dein Duft aber ist gerade dein Unglück", rief zornig der Lnlef. „Denn nachdem du deine Schuldigkeit getan hast, steckt man dich in einen Topf, kocht dich wie eine gewöhnliche Frucht zu Kompott und setzt dich Schabbes mittags ans den Tisch, um dich gemütlich zu verspeisen." „Und wie ist dem Ende?", erwiderte lächelnd der Esrog. „Man reißt dich in schmale Streifen, wickelt dich um kleine Weidenstränßchen, .klopft' mit dir seine Sünden ab und steckt dich dann in den Ofen." Der Lnlef schwieg und wurde nachdenklich. — Endlich sprach er freundlich zum Esrog: „Ich sehe, daß du recht hast und daß alles auf dieser Welt vergänglich ist; darum wollen wir wie bisher iu treuer Gemeinschaft zusammenhalten." Und so ist es denn auch geblieben. Louis Böhm, Hildesheim. Verschiedene Nachrichten. Wien. (T a l m u d s ch u l e der israelitischen Kultusgeine in de Wien.) Die Einschreibungen an der Talinudschnle der israelitischen Knltusgemeinde Wien finden M on ta g, den 4. Oktober und Dienstag, den 5. Oktober 1909. von ö—6 Uhr nachmittags, im Bet-Hamidrasch-Lokale, II., Ferdlnandsstraße 23, statt. Wien. (Kaiser Franz Jvsef-J n b i l ä u m s - S e e h o sv iz>. In der Vorwoche ist hier die zweite Serie der Kinder augekommen, welche der „Kaiser Franz Josef-Jubilänms-Ieehosvizverein" nach Grado entsendet hatte. Die Kinder wurden im Westbahnhos von ihren Eltern und von den Mitgliedern des Vorstandes empfangen. Ihr gutes Aussehen verriet, daß die Kur erfolgreich war. Bei allen wurden ansehnliche Gewichtszunahmen und eine wesentliche Besserung ihrer Leiden konstatiert. In Grado hatten sich die Knrkoinmission. der Bürgermeister sowie auch die Kurgäste der Kinder mit größtem Wohlwollen angenommen, Badearzt Dr. M a r i n a z hat ihnen die sorgfältigste Pflege angedeihen lassen. Der Seehospizverem ist bekanntlich eine der ersten Gründungen, die anS Anlaß des 60-jährigen Regieruugsiilbiläums des Kaisers und in Erfüllung des kaiserlichen Wunsches, daß sich die Wohltätigkeit vornehmlich auf die armen Kinder erstrecken soll, ins Leben gerufen wurde. Wien. („K aiser Franz Joiefs-Ferienhei ui"). Knapp vor Schulbeginn sind in der Vorwoche die Schützlinge des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" ans heu Kolonien Perrau und Tischnowitz am Nordbahnhof eingetroffen. Deren blühendes Anssehen und die ansehnliche Gewichtsznnahllie gabeir Zeugnis von der nmfassenden Fürsorge, welcher dieser Verein den Kindern angedeihen läßt. Fast 600 Schützlinge waren in diesem Jahre in beit Rekonvaleszenten- und Erholungskolonieu des Ferienheim nncergebracht, woselbst nicht nur in hygienischer, sondern auch pädagogischer Beziehung mustergilrige Einrichtungen bestehen. In besonders

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