Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 38 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. * Die Wahrheit Nr. 38. auch jetzt noch keine große; um so erstaunlicher ist die Menge hervorragender Waffentaten, für die solche Offiziere mit allerhöchsten Dekorationen begnadet wurden. Ich habe in meiner ganzen Dienstzeit keinen israelitischen Offizier kennen gelernt, der seinen Platz nicht ganz ansgefüllt hätte; sie verbinden durchweg mit viel Wissen großen Eifer und höchstes Pflichtgefühl — letzteres vor dem Feinde bis zur Selbstaufopferung." Wenn in Preußen der Jude die verfassungsmäßig ihm zufteheude Zulassung zum Offizierkorps nicht erreichen kann, so beruht dies lediglich auf den exklusiven Standesanschauungen unserer Junker, die das Heer als ihre Domäne anseheu und sogar den christlichen bürgerlichen Offizier nur als ein notwendiges Uebel dulden. Wie souverän und verächtlich sie hiebei mit Gesetz und Recht umspringen, dafür liefert die „Deutsche Tageszeitung" wieder ein klassisches Beispiel. Ich hatte jene Kabinettsordre, die den christlichen Charakter der zum Offiziersbernf znznlassenden jungen Leute betont, für ungesetzlich erklärt. Das agrarische Organ, in dessen Besitze sich wahrscheinlich die preußische Verfasfuugsurkunde niemals befunden hat, behauptet dem gegenüber einfach, daß jede Kabinettsordre, solange sie nicht aufgehoben, giltig sei. Man sieht: sie lebt und webt noch in den Vorstellungen des Absolutismus, mit der stillschweigenden Voraussetzung natürlich, daß die Vollgewalt der Krone an dem Uebermut und an den materiellen Interessen der Junker ihre sebstverständliche Schranke findet. Daß aber die Verfassung jede in der gehörigen Form veröffentlichte Kabinetsordre nur den Behörden, aber keineswegs dem Landtage gegenüber für verbindlich erklärt, davon hat sie natürlich keine Ahnung. Es lohnte sich in der Tat, eine Volksvertretung zu haben, wenn diese nicht einmal die Verfassungs- Mäßigkeit königlicher Kabinettsordres prüfen dürfte. Im übrigen ist jene Kabinettsordre dadurch aufgehoben, daß eine neuere allerhöchste Verfügung vom April 1908 es ausdrücklich für unstatthaft erklärt, jemanden nur um deswillen von der Beförderung, beziehungsweise der Wahl zum Offizier auszuschließen, weil er Jude fei. Man darf bei einer Kabinettsordre doch nie voraussetzen, daß sie nur erlassen sei, um die öffentliche Meinung zu beruhigen, darf also auch erwarten, daß endlich auch bei uns das verfassungsmäßige Recht zum Siege gelange! Die Abhängigkeit und Untertänigkeit unseres Offizierskorps ist eine so unbedingte, daß die maßgebenden Behörden keinen Widerstand finden werden, wenn sie ernsthaft geeigneten und befähigten Juden den Osfiziersstand eröffnen wollen. Nur von ihrem guten Willen hängt es ab." Es ist seit lange ein offenes Geheimnis, daß die Rücksichtnahme der russischen Regierung auf ihre auswärtigen Anleihen eine wesentliche Rolle in ihrem Verhalten zur Judeusrage spielt. Von besonderem Interesse ist es nun, dies vom Finanzminister Kokowzew offen eingestanden und deutlich hervorgehoben zu sehen. Das jetzt publizierte Journal über eine Ministerberatuug vom 22. Juli 1909 enthält hierüber wichtige Angaben, die als Beitrag zur Judenpylitik der russischen Regierung besondere Beachtung verdienen. In der genannten Sitzung wurde über das Aufenthaltsrecht der jüdischen Kaufleute in Moskau, die seit dem Jahre 1899 in der Stadt ansässig sind, beraten. Zunächst wurde eine schristiiche Meinungsäußerung des Premierministers Stolypin verlesen, der in der Sache einen gemäßigten Standpunkt einnahm und für eine „wohlwollende Behandlung der Frage in den Grenzen der Möglichkeit", „mit vornehmlicher Berücksichtigung der Interessen des allgemeinen Kaufmannsstandes", plädierte. Der Finanzminister Kokowzew und der Handels minister Timirjasew gingen noch weiter in ihrem Eintreten zugunsten der Inden und erklärten, „der Allerhöchste Erlaß vom 3. Februar 1898 ist zumindest nicht klar und bedarf entsprechender Erläuterungen und Ergänzungen. Die Ausführung des darin vorgezeichneten Verfahrens gegen die Inden würden den ohnehin in schwieriger Lage sich befindenden Finanz- und Handelsmarkt schädigen. Eine Liquidierung der großen jüdischen Handelshäuser, deren Umsatz Hunderte Millionen Rubel jährlich beträgt, würde nicht nur die Inhaber derselben treffen, sondern auch den mit den Inden durch Handelsbeziehungen verbundenen christlichen Bürgern Schadeii bringen. Außerdem würden dadurch viele ausländische Firmen, die den jüdischen Kauflenten in Moskau Kredit gewähren, Schaden erleiden; eine Ausweisung dieser Inden aus Moskau würde ihren Bankerott verursachen. Und da die Einigkeit der Inden groß ist, und sie alle geeigneten Mittel zum Schutze ihrer Interessen anwenden, und einen großen Einfluß in den kapitalistischen Kreisen und der Presse besitzen — würden sie wegen der Ausweisung einer ganzen Gruppe von Juden ans Moskau heftige Angriffe gegen die russische Regierung Hervorrufen und der Regierung die Aufnahme einer auswärtigen Anleihe im Bedarfsfälle sehr erschweren. * * . * Es ist also eine offiziell bestätigte Tatsache, daß die jüdische Finanzwelt ihren Einfluß zur Verbesserung der Lage der russischen Juden geltend machen kann, und dies scheint auch in letzter Zeit geschehen zu sein. Allein so oft die Regierung einige Zugeständnisse machen will, stößt sie ans den Widerstand des Verbandes der echt russischen Leute, die, wenn man ihr jedesmaliges Auftreten nicht überhaupt als ein von der Regierung ansgeführtes Scheinmanöver ansehen will, noch immer mächtiger als diese selbst sind. Sie drohten ja, als der Handelsminister sich für die jüdischen Kausleute einsetzte, mit Repressalien und haben nunmehr ihre Drohungen auch ansgesührt. Wie nämlich Privatnachrichten ans Kiew melden, haben dort neuerlich große Ausschreitungen gegen die Inden stattgesunden. Namentlich in der Vorstadt Solomka, wo die Juden in dichten Massen ansässig sind, haben die Honligans arg gewütet. Bewaffnete Banden der Liga echt russischer Leute durchzogen das Judenviertel und mit dem Ruse: „Da habt ihr die Gleichberechtigung!" demolierten sie die jüdischen Wohn- und Geschäftshäuser und schleppten alles, was nicht niet- und nagelfest war, mit sich fort. Die Inden versteckten sich ans den Dachböden und in den Kellern, viele, die sich 'zur Wehre setzten, wurden erschösse n oder blutig geschlagen. Selbst Frauen und Kinder wurden nicht geschont. Die Polizei sah diesen wüsten Ausschreitungen u ntätig zu. Erst ans vielfache Bitten einer jüdischen Deputation beim Generalgouverneur I w a u o f s wurde Militär requiriert, das in wenigen Stunden die B a n d e n a u s e i n andertrieb. Keiner der Honligans wurde verhaftet. Zahllose Verwundete wurden ins Spital, viele Ermordete in die Leichenhalle transportiert. Die Zensur wird mit großer S t r e n g e gehandhabt, damit das Ausland n i ch t s erfahre. * * * Wie die „Jewish World" ans zuverlässiger Quelle mitteilen kann, stammt der vielgefeierte Entdecker des Nordpols Cook ans einer Frankfurter jüdischen Familie Koch. Dr. Cook war gleich seinem Vater Arzt ■ und wauderte in jungen Jahren nach den Vereinigten Staaten aus, erwarb sich in einem Landdistrikt im Staate New-Iork eine kleine Praxis und änderte seinen Namen in „Cook" um, wie dies viele Tausende vor und nach ihm getan haben, wenn sie fanden, daß ein angelsächsischer Name in Amerika ein Vorteil ist. Der Vater Cooks starb, als sein Sohn, der spätere Entdecker des Nordpols sechs Jahre alt war, und hinterließ seiner Witwe und seinen vier Kindern eine winzige Farm, von der sie ihren Unterhalt bestreiteit mußten. Da kamen denn Zeiten der Not und des Elends, und schließlich zog die Familie nach Brooklyn, um dort ihr Auskommen zu finden. Der junge Cook mußte hier tüchtig Geld verdienen Helsen und verkaufte Gemüse auf dem 'Markt. Die kurze Zeit, die er für sich übrig behielt, verbrachte er mit Lesen. Mit eiserner Energie sparte er jeden Pfennig und hatte allmählich so viel zusammen, daß er ein Milchgeschäft anfmachen konnte. Er trug selbst die Milch bei seinen Kunden ans und mußte schon um 1 Uhr nachts anfangen, die Milch einznkaufeu; bis 7 Uhr morgens hatte er dann mit dem Anstragen zu tun. Um 9 Uhr saß er schon wieder auf ben Stndienbcinken der Columbia-Universität und rvidmete sich einem angestrengten medizinischen Studium bis um 4 Uhr nachmittags. Daun machte er die lange Reise von der Universität nach Brooklyn zurück und las und