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Die Wahrheit · 1909-09-24 · Heft 38 (24.9.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 38 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der der Regierung vorgelegte Wahlrefonnentwnrs für;! den Bnkowinaer Landtag, der infolge Auftrag des Ausschusses!! bei Revision der Landtagswahlordnnng den Schutz der nationalen! l Minoritäten zn berücksichtigen hatte, bringt ein böchst bedenlungs-! volles Novum, nämlich die Bildung eines befonderen jüdischen; Wahlkatasters. Die Inden, die 13 Perzent der Gefamtbevölkernng bilden und bisher immer mit den Deutschen gewühlt haben,! respektive von ihnen vergewaltigt wurden, werden nunmehr, > gleich den übrigen Nationalitäten, die nach ihrer Bevölkerungs- > ziffer festgesetzte Zahl von Mandaten in einer eigenen Kurie wühlen und auch im Landesausschnsfe durch einen Beisitzer ans der Mitte der jüdischen Abgeordneten vertreten sein. * Warum sollte das, was in der Bukowina möglich ist, nicht auch in anderen österreichischen Kronländern, wo nationale Kataster bestehen, und in erster Reihe in Galizien mit seinen kompakten jüdischen Wählermassen, durchführbar sein? Aber hier herrscht der allmächtige Polenklub, der die Inden nicht zu politischem Einstnß gelangen lassen will und sie nur mit schönen j Worten zn ködern versteht, wie dies erst jüngst der galizische j Landsmannminister Dr. Dnle m b a getan, der an Stelle des j verstorbenen Landtagsabgeordneten Frucht m a n n mit Hilfe! der jüdischen Stimmen mit großer Majorität gewühlt wurde.; In seiner Kandidatenrede, die er vor der Wahl hielt, berührte j er selbstverständlich auch die Judenfrage. Die einzige Lösung der Jndenfrage, sagte der Minister, ist, wenn sie überhaupt existiert, die gänzliche Gleichberechtigung der Juden mit der übrigen Bevölkerung. Als Beweis dafür, daß das Land sich für die Lage der Inden interessiere, sei eben die Enquete über die Notlage der galizischen Juden, deren Einberufung der Landtag beschlossen hat. Im Auditorium befanden sich Inden, die mit dieser mageren Erklärung des Ministers und nunmehrigen Landtagsabgeordneten der von Juden dicht bewohnten Stadt Stryj nicht zufrieden waren und sie richteten an den Redner einige Anfragen. So interpellierte Dr. Schiff, wie es komme, daß in keiner Landesanstalt jüdische Beamte eingestellt werden, obgleich die Juden in eminenter Weise zur Entwicklung des Landes beitragen und trotzdem es allerorten anerkannt wird, daß die jüdischen Beamten ihre Pflichten in mustergiltiger Weise erfüllen. Ferner fragte Dr. Schiff, woher es komme, daß der Minister die Schänkerfrage, durch welche die Existenz tausender jüdischer Familien-berührt werde, auch mit keinem Worte erwähnt habe. > Auf die erste Frage antwortete der Minister, daß er seinen! ganzen Einfluß anwenden wolle, damit die Gleichberechtigung auch in der Praxis durchgesührr werde, und daß man bei Anstellung von Beamten sich von der Religion des Bewerbers nicht beeinflussen lasse. Hinsichtlich der Schänkerfrage, meinte Minister Dnlemba, die Angelegenheit sei gar nicht so schlimm, wie allgemein angenommen wird und versicherte, daß niemandem ein Unrecht widerfahren werbe. Nun, wir werden bald sehen, was der Herr Minister von seinen Versprechungen halten wird. * * Oberst a. D. G ä d k e, der das Kapitel der Inden im deutschen Heere schon wiederholt eingehend erörtert und dabei auch die für die Inden ungleich günstigeren Verhältnisse in der österreichischen Armee behandelt hat, veröffentlicht im „B. T" folgendes, ihm neuerdings zngegangenes Material: „Wir sind immer geneigt, Oesterreich als das Land der Reaktion, des Beharrungsvermögens, des Stillstandes zu betrachten. In vielen Beziehungen trifft dies heutzutage zweifellos nicht mehr zu; man wird vielmehr ohne weiteres zngeben müssen, daß Preußen-Deutschland auf manchen Gebieten von der Donaumonarchie überflügelt worden ist, daß hier und da schon modernere Anschauungen zur Herrschaft gekommen sind als in unserem junkerlich regierten Staate. Preußen genießt heutzutage den wohlverdienten Ruf, zwischen Rußland und Spanien in der Mitte zu stehen. „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte!“ Das gilt sogar auf dem Gebiete des Konfessionalismus. Das streng katholische Oesterreich denkt hier liberaler und weitherziger als Preußen, das sich auf seine „Bildung" so viel zugute tnl. Mit ihrem Bildnngsdünkel sollten unsere Junker wirklich bescheidener sein, er hat pathologische Züge ausznweisen. Angeregt durch meinen Aufsatz über das Militärkabinett, in dem ich die Ausschließung der Inden aus dem Offizierskorps als verfassungswidrig nachwies, teilte mir ein österreichischer Schriftsteller eine Liste jüdischer höherer und höchster Offiziere mit, die teils im österreichischen Heere Dienste tun, teils vor nicht langer Zeit durch Tod oder Verabschiedung ausgeschieden sind. Es sind dies: 1 Feldmarschalllieutenant, 3 Generalmajore. 10 Obersten, einschließlich eines Linienschiffskapitüns, 11 Oberstlientenants, 17 Majore. Es sei bemerkt, daß die Angaben auf amtliche Auskunft beruhen, wobei das Reichskriegsministerium dem österreichischen Verfasser das größte Entgegenkommen bewiesen hat. Ein christlicher Feldmarschalllieutenant aber schreibt ihm bei dieser Gelegenheit : „Die Zahl israelitischer Offiziere war und ist relativ

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