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Die Wahrheit · 1909-09-10 · Heft 36 (10.9.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 36 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheil Seite 7. Nr. 36. Dause zu zwingen. Es sollen auch tatsächlich viele ans Veranlassung eines ihrer gelehrten Mitglieder Micha die Dause zum Scheine angenommen haben, damit sie nur das nackte Leben netten konnten. Von Trier zog die Horde (am 3. Mai 1096) nach Speier und schleppte gleich bei ihrer Ankunst viele Juden in die Kirche, um sie dort gewaltsamerweise zu tausen. Da aber jene die Annahme der Tanse entschieden verweigerten, so wurden -sie schonungslos niedergemetzelt. Viele Inden wandten sich an Den Bischof Johannsen um Beistand, bei dem sie auch tatsächlich eine Zufluchtsstätte gefunden. Dieser edle Kircheusürst, dessen Name von der Nachwelt mit Achtung genannt zu werden verdient. nahm sich ihrer frenndlichst an und ließ sogar gegen die frommen und geweihten Mörder einschreiten und viele derselben hinrichten. Vierzehn Tage später kam diese Horde nach Worms, um hier das heilige Werk der Menschenschlächterei aufs neue zu beginnen. Die armen Inden setzten sich wohl anfangs zur Wehr, mußten aber bald der allzngroßen Uebermacht unterliegen. Nur sehr wenige nahmen zur Taufe ihre Zuflucht, die meisten entleibten sich selbst, ehe noch die Blutmenscheu an sie herankamen. Biele Juden haben im Palaste des Bischofs Allebrandus eine Zufluchtsstätte gefuuden, allein als dieser ihnen beim Herannahen der Wallbrüder hedelltete, daß er sie nicht länger schützen könne, es sei denn, sie entschließen sich zur Annahme der Taufe, baten sie um kurze Bedeickzeit. Kaum aber verließ sie der Bischof, als sie sich im Palaste entleibten. Als die geweihten Kreuzfahrer bald erfuhreu, daß die Juden sich selbst, entleibten, wurden sie noch rasender denn zuvor und raubten und mordeten nach Herzenslust. In ihrer chHialischen Wut haben sie selbst die heiligen Schriften, die sie in den Synagogen, wie in Privathäusern gesunden, zertreten und geschändet. Von Worms zog die geweihte Mordbande nach Mainz. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Israelitische K u l t u s g e m e i n d e.) Die Betsitzckarten, die von den bisherigen Inhabern bis nun nicht erneuert, .wurden, gelangen ab 1. September I. I. zum allgemeinen Verkaufe, und zwar: Für die Gemeindetempel Stadt und Leopoldstadt: I., Seitenstettengasfe 4; für Fünfhans : XV., Turnergasse 22; für Ottakring : XVI., Hubergasse 8; für Währing: XVIII., Schopenhauerstraße 39; für Floridsdorf: XXI., Holzmeistergasse 12. Der Kartenvorverkans findet täglich, mit Ausnahme von Samstag, in der Zeit von 9 Uhr vorm bis 2 Uhr nachm, statt. Wien. (T e m p e ln n d K a n t o r j u b i l ä u in.) Der i j r a e l. Tempel-Verein für die beiden Gemein de bezirke Mariahrlf und Neub a-u begeht am 1. Tage Roschhaschono, das ist Donnerstag, den 16. d. M. 9 Uhr vormittags im Tempel VI.. Schmalzhofgasse 3, in festlicher Weise die Feier des 25-jährigen Tempeljubiläums und gleichzeitig das 25-jährige Amtsjubiläum seines Oberkantors, Herrn Simon D ü n m a n n. Wien. (Verein „1 6 Ii 1 a 8 H a u e o r i m".) Gottesi e n ft e a n den hohen Feiertagen für die Jugend finden in folgenden Bethüusern statt: I., Seitenstettengasse 2. 2. Stock (Religionsschule); II., Ferdinandsstraße 23 (Beth Hamidrasch); II., Malzgasse 16, 1. Stock (Talmud Thora-Schule); II., Tempelgasse 3 (Bibelschnle); VI., Kollergerngasse 1; XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Kleines Bethans; XX., Klosterneuburgerstraße 14, 1. Stock (Kindergarten). Die Verteilung von unentgeltlich en Eintrittskarten erfolgt: Für den I. und II. Bezirk im Lokale 1., Seitenstettengasse 2, 2. stock; für den VI. Bezirk im Lokale VI., Kollergerngasse 1; für den XVIII. Bezirk im Lokale XVUL, Schovenhauerstraße 39; für den XX. Bezirk im Lokale XX., Kluckygasse 7. Sonntag von 2—4 Uhr nachmittags und Montag von 7—9 Uhr abends. Eintritt ohne Karten nicht gestattet! Erwachsene haben keinen Zutritt! Gebetst uiibeit: Abends wie in denBethäusern derKilltnsgemeinde, morgens 8Uhr. Wien. (F ü n f k l a s s i g e Knabe n-B o l k s s ch u l e mitOeffentlichkeitsrecht des Vereines „Talmud Thora", W i e n. II. , M a l z g a s s e 16.) Die Schülereiuschreibnngen für das Schuljahr 1909/10 finden am 12., 13. und 14. September von 8—12 Uhr vormittags im I. Stock des Schnlhanses statt. Schüler der I. Klaffe brauchen Gebnrts- und Impfschein, bisherige Schüler der Anstalt die Schulnachricht, solche aus anderen Schulen die Schnlnachricht mit der Uebersiedluiigsklausel. Für Kinder, die noch nicht volle 6 Jahre alt sind, ist die Altersdispens bei dem Bezirksschulräte, Sektion II.. Karmeliterplatz 9, einzuholen. Wien. Mittwoch, den 8. d. M. x/2 4 Uhr nachm, fand im Leopoldstädter Temvel die Trauung des Fräulein Olga Krämer, Tochter des bekannten.Cafetiers Hermann Krämer (Cafö Orient, Praterstraße) mit Herrn Med. Dr. Rudolf Wohlmnth statt. Dem Trauungsakte, den Rabbiner Dr. S ch m i e d l und Obcrkantot Gut m a n n vollzogen, wohnte ein so zahlreiches Publikum bei, daß das Gotteshaus in allen Räumen von Hochzeitsgästen gefüllt war. Wien. Sanrstag, den 4. d. M. ist einer der populärsten Balbatirn j>es Leopoldstädter Tempels, Herr Äeruhard Reicher, im 74. Lebensfahre plötzlich gestorben. Der Heimgegangene, ein seltenHguter pnd edler Mensch, hatte stets für Bedrückte und Notleidende ein warmfühlendes Herz und eine offene Hand, die in diskretester Weise unzählige Guttaten vollbrachte. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 6. d. M. unter überaus starker Teilnahme statt und viele hervorragende Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft, sowie der Kultusgemeinde. u. A. die Herren David Ritter v. G u t m a n n, Mamhner v. M a r k h o f, Salo Cohn, Bankier Ziehrer, Oberrabbiner Dr. L ö w ans Szegedin, Kultusvorsteher S. Steiner. die Vorsteher der Chewra Kadischa B r e i t n e r. Kan n, Otto, Tempelvorsteher Wasservogel rc. eingefnnden. Nachdem Oberkantor Don Fuchs unter Assistenz des I. Kantors Schleifer und des Chores die Trauergesänge in erhebender Weise exekutiert hatte, wurde die Leiche auf den Zentralfriedhvf überführt, und dort zur ewigen Ruhe bestattet. Baden. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde der stimmbegabte und als tüchtiger Chasen bekannte Kantor, Herrr F. Roth aus Neusatz, als Oberkantor gewählt. Durch Vertragsverhältnifie gebunden, ist es Herrn Roth — zum Bedauern der Badener Gemeinde — nicht möglich, vor den hohen Festtagen sein neues Anit anzutreten. Prag, 6. August. (Besuch des Erzherzogs Franz Ferdinand auf dem alten Prager Judeufriedhof.) In der gestrigen Sitzung der Prager israelitischen Kultusgemeinderepräsentauz teilte der Vorsitzende Dr. R o s e n b a ch e r mit, daß gelegentlich des jüngsten Besuches des Erzherzogs Franz Ferdinand auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag der Erzherzog gerade dazu kam, als der Maler Profefior Singer mir der Herstellung einer Skizze einer Partie, des Friedhofes beschäftigt war. Die Repräsentanz wendete sich an das Obersthofmeisteramt des Erzherzogs mit der Birte, die Widmung des nunmehr fertiggestellten Bildes anzunehnien. Darauf ist vom Kammervorsteher Baron R u m e r s k i r ch die Antwort eingelanfen, daß der Erzherzog die beabsichtigte Widmung mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen und das Geschenk gern annehmen werde. Der Erzherzog spreche da ür sowohl der Gemeinde als auch Profefior Singer den freundlichsten Dank aus. Prag. Höchst zeitgemäß ist soeben im Berlage von Richard B r a n d e i s in Prag ein vielen Großen nud Kleinen iür die nächsten Tage willkommenes Buch „W ü n s ch e z u in neuen Jahre" (Preis 70 Heller) erschienen, das eine reiche Sammlung von Wünschen in Poesie und Prosa enthält. Nagy-Kanizsa. In der Plenarsitzung am 31. August ist dem Chordirigenten Herrn Moritz E ck st e i n, die von der hohen Ungar. Regierung ihm verliehene vierzigjährige Dienstmedaille, vom Gemeindevorstande unter Worten der wärmsten Anerkennung seiner Verdienste, im Beisein seiner Familie und des bereits ähnlich dekorierten Kantors Goldmann feierlichst überreicht worden. G. Agram Die königl. kroat. slavon. Landesregierung hat den Knltusgemeinden Kroatiens und Slavoniens ein zweites Musterstatut übermittelt, welches in den Hauptpunkten den Wünschen des Kantorenverbandes Rechnung trägt. Der Hauptanteil an diesem Erfolge gebührt dem Vereins- Präsidenten Oberkantor R e n d i in Agram. Köln. Der IX. Zionistenkongreß wird in der Zeit vom 26. bis 31. Dezember d. I. in Hamburg abgehalten werden. Der Tagung kommt insofern eine ganz besondere Bedeutung zu, als sie zum erstenmal Gelegenheit bieten wird, die Stellungnahme der zionistischen Bewegungen gegenüber den veränderten Verhältnissen im Orient vor dem Forum der Gesamtpartei zu besprechen. Weiter werden die Erörterungen über die Schaffung eines ausgedehnten Agrarkredits für Palästina einen breiten Raum im Rahmen der Verhandlungen einnehmen. Die früheren Kongreffe haben mit Ausnahme des vierten, der im Jahre 1900 in London tagte, und des letzten im Haag, sämtlich in Basel stattgefunden. Der letzte Kongreß versammelte über 600 Delegierte ans allen Teilen der Welt und hatte sich hauptsächlich mit Fragen der praktischen Palästinaarbeit zu befassen. (Alle Rechte Vorbehalten.) Gin neues licht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Nenftadt). (Fortsetzung.) Jetzt war auch diese mühevolle Arbeit erschöpft und es war bereits acht Uhr geworden. Dr. Süß erhob sich. Der Sekretär wollte sich empfehlen, da hielt ihn Dr. SüßDirück. „Aber, was fällt Ihnen ein, Herr Sekretär. Sie lverden mir doch das Vergnügen machen und bei uns zum Nachtmahl bleiben?' „Herr Doktor, so sehr mich diese Einladung freut, so muß ich doch bitten-" „Seien Sie ganz unbesorgt. Ich habe es meiner Frau bereits gesagt. Sie hat für Sie koschere Selchwaren gekauft." „Wirklich? Zn liebenswürdig, Herr Doktor!" Der elektrische Luster gab dem Speisezimmer eine erfrischende Helle. Der Sekretär küßte der Frau Doktor die Hand und dankte ihr für die zarte Rücksichtnahme. Dann wurde im trauten Familienkreise unter lebhafter Konversation gespeist. Dr. Süß pflegte mit seiner Frau nur selten über Khillesachen zu reden, denn er wußte wohl, daß ein Geheimnis, das

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