Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 35 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 35. Gestell befindliche Polster, die Hände ergriffen eine Qnerstange. der übrige Körper blieb frei beweglich. Die Störungen des Gleichgewichtes wurden durch Ausstrecknng der Beine nach rechts und links oder nach vorn und rückwärts pariert. Im Jahre 1894 war schon ein fünfzehn Meter hoher Hügel bei Groß-Lichterfelde. nächst Berlin.- aufgeschütlet. von dessen Spitze Lilienthal bei seinen Gleitfiügen absprang. Ein Jahr später versuchte er den Knnstflng mit zwei übereinander gestellten Tragflächen, von je 5*/., Meter Spannweite und 9 Quadratmeter Inhalt. Auf diese Art erzielte er Gleitflüge von großer Höhe. Das Landen geschah noch immer durch Verlangsamung der Geschivindigkeit. Durch Zurücklegen des Körpers wurde der Apparat hinten mehr belastet und vorn ausgerichtet, woraus die Beine wie beim Sprunge nach vorn gestreckt werden mußten. Lilienthal konstruierte auch einen Apparat zum Ruderflug, eine Maschine mit Flügeln nach Art der großen Raubvögel als Realisierung der in dem Werke über den Vogelflug aufgestellten Grundsätze. Der Apparat, dessen Flügelschläge durch einen Kolbenmotor mit zwei einfach wirkenden Zylindern bewirkt wurden (zur Speisung des Motors diente Kohlensäure in einem Eisenbehälter), war ein Motorflieger, ein Zwischending, halb Drachenhalb Schwingenflieger, den man am treffendsten als Motor- Segelflieger bezeichnen könnte, vorläufig nur ein Versuchsapparat, mit dem längere Flüge gar nicht möglich waren, da die Funktionsdauer des Motors nur einige Minnten währte. Wer weiß, wie weil Lilienthal es auch auf diesem Gebiete gebracht hätte ohne den verhängnisvollen Todessturz, der allem ein jähes Ende bereitete. Allem? Gewiß nicht. Das Schicksal, das Lilienthal, dem Bahnbrecher, gegenüber so tückisch war, hat die Menschheit durch würdige Nachfolger entschädigt. Vom Gleitflieger zum freifliegenden. manutragenden Drachenflieger ist nur ein Schritt. Rüstet man einen Gleitflieger mit einem Propeller ans, den ein Motor attlreibt, so entsteht der Motorgleitflieger, beziehungsweise der Drachenflieger. Den einzigen trennenden Schritt zu vollmhren, blieb Lilienthal versagt. Der erste Flug mit Drachenfliegern gelang Sautos-Dnmont am 23. Oktober 1906. als er im freien Fluge 60 Meter znrücklegte. Was seither namentlich die Brüder Wright leisteten, ist zu allgemein bekannt, um näher besprochen werden zu müssen. Wie weit es aber in der Zukunft noch kommen mag, es kann nur das Piedestal erhöht werden, ans welchem Lilienthal thront, ein Erfinder von Gottes Gnaden, dessen Andenken ewig leben wird in der Geschichte der Wissenschaft. Allgemeine jüdische Kolonisations- Organisation. (Schluß.) Ich komme nun zur Beleuchtung des Aufbaues der A. I. K.-O., um Ihnen darzutnn, mit welchen Instrumenten unsere Organisation ihre Ausgabe lösen will. Wie schon der Titel: „Allgemeine" besagt, will die A. Z. K.-O. alle wirklich maßgebenden, autoritativen Elemente der Judenheit vereinigen, weil tatsächlich nur bei der Zusammenfassung aller Kräfte der Judenheit, ihrer leistungsfähigsten Individuen und Vertretungen, ein so großes Werk durchznführen ist. Unsere Organisation wendet sich also in ihrer Propaganda in erster Linie an die führenden, einflußreichsten und wohlhabendsten Kreise der Judenheit; dem entspricht auch unser Mitgliedsbeitrag, der zwar in den Satzungen mit 10 Mk. normiert ist, in der Praxis aber mit 20 Mk. beginnt und bis 500 hinaufgehen soll. Wir werden uns in zweiter Linie an die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt wenden, deren vitalstes Interesse es erfordert, daß der jüdische Emigranteitstrom abgelenkt und dauernd einem Abflußgebiete zugeführt werde. Wir wollen schließlich um unser Werk die beiden großen jüdischen Parteien, das liberale und das orthodoxe Judentum, gruppieren. Wenn wir nun auf unsere noch ganz kurze, vorbereitende Tätigkeit einen Blick werfen, so können wir mit Genugtuung feststellen, daß uns vor allem dieses letzte, außerordentlich bedeutsame, aber auch schwierige Werk gelungen ist. Es freut mich hervorheben zu können, daß wir dies der Initiative und dem Entgegenkommen der strenggläubigen Kreise in Frankfurt und Berlin verdanken. Die führenden Persönlichkeiten dieser Kreise hielten es für ihre Pflicht, an diesem großen, allgemein jüdischen Rettungswerk mitznarbeiten, nachdem ihnen die Sicherheit gegeben worden war, daß dieses Werk — entsprechend den Ueberzeugungen derjenigen, denen es zugute kommen soll — in vollem Einklang mit den Anforderungen des überlieferten Judentums durchgeführt werden wird. An der Spitze der A. I. K.-O. stehen zwei Körperschaften: Der Vorstand mit einem mehrgliedrigen Präsidium und der große Zentralrat, der mit der Zeit etwa 200 Mitglieder umfassen dürfte. Wenn Sie in unserem Prospekt die Zusammensetzung dieser beiden Körperschaften prüfen, so werden Sie neben den Ihnen bekannten Persönlichkeiten aus dem liberalen Lager die Führer der konservativen Kreise bemerken. Dieselben Verzeichnisse werden Ihnen auch Aufschluß darüber geben, daß es uns in der kurzen Zeit unseres Bestandes gelungen ist, die maßgebenden Persönlichkeiten in einer ganzen Reihe von jüdischen Gemeinden für unser Werk zu gewinnen. Um nur einiges hervorzuheben: In Frankfurt, Hamburg, Breslau, Köln, München, Mannheim, Posen, ferner in Wien und in Prag, in den großen russischen und polnischen Gemeinden wie Moskau, Petersburg, Odessa, Kiew, Riga, 'Wilna, Warschau, Lodz sind die maßgebenden Persönlichkeiten dem Zentralrat der A. I. K.-O. beigetreten. In einigen russischen Städten und in Hamburg sind bereits Lokalkomitees der A. I. K.-O. gegründet, in den übrigen Städten werden sie im Herbst formell gebildet werden.- Alle diese organisatorischen Erfolge sind ohne jegliche laute Reklame, ohne öffentliche Versammlungen, ohne Hilse der Presse, einzig und allein aus dem Wege der Propagande von Mund zu Mund und in geschlossenem Kreise erzielt worden. Durch die Ereignisse in der Türkei werden wir nun gedrängt, unsere Arbeiten mit der größten Intensität zu führen, um dem Appell der führenden Kreise der Jnngtürken, der hier zu ihrer Kenntnis gebracht wurde, tunlichst bald gerecht werden zu können. Meine Herren, Sie werden es in der Tat zngeben, daß wir hier vor einer historischen Gelegenheit stehen, die sich so bald nicht wiederholen wird. Die Türkei braucht dringend Menschen und Kapital zur Jnwertsetzung ihrer leerstehenden Gebiete, unsere armen Glaubensgenossen bedürfen ebenso dringend eines leerstehenden Gebietes; und daß sich unseren wohlhabenden Glaubensgenossen die Möglichkeit erschließt, in diesem Kolonisationsgebiete ihr Kapital nutzbringend anzulegen und gleichzeitig den Armen Existenzmöglichkeiten zu verschaffen, ist sicherlich ebenfalls nicht zu verachten. Wenn wir aber aus Ziel gelangen wollen, können wir uns auf moralische Kundgebungen allein nicht beschränken, wir müssen auch die finanzielle Seite ins Auge fassen. Die A. I. K.-O. wird in 'einem etwas späteren Stadium, sobald sie mindestens eine halbe Million gesammelt und ihre vorbereitenden Studien abgeschlossen hat, an die Gründung einer Erwerbsgesellschaft, einer Landkompagnie oder Parzelliernngsbank herantreten. Vor allem aber muß sie einen großen Kolonisationsfonds schaffen, um ein großzügiges Ansiedlungsiverk in Fluß bringen und dauernd für alle -mit diesem Werk verbundenen Ausgaben sorgen zu können, die'die auf Gewinn berechneten Erwerbsgesellschaften allein nicht zu tragen vermögen. Es freut mich nun. feststellen zu können, daß unsere Organisation schon in den ersten Wochen ihrer stillen Propagandatätigkeit nicht nur Verständnis und Sympathien in den führenden Kreisen der Judenheit gesunden, sondern auch einige finanzielle Ergebnisse erzielt hat. Gleich am Beginne unserer Tätigkeit hat Herr Geheimrat Aron die hochherzige Spende von 12.000 Mark für die Zwecke der A. I. K.-O. gezeichnet; ihm folgte eine andere bekannte Berliner Persönlichkeit, die für einen genauer umschriebenen wirtschaftlichen Zweck 30.000 Mark stiftete. Ebenso hat das