Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 34 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 84. Die Wahrheil Seite 7. -welche Metamorphose sich in dem Wesen dieses Mannes vollzog; in den geweihten Hallen schien der Greis sich znm Jüngling zu verwandeln, da schwelgte seine Brust, und wahre Glückseligkeit spiegelte sich auf seinem bleichen, kraukhaften Antlitz. Aber nicht allein seelischer Erhebung war Jakob G o l d n e r fähig, sondern auch viele Liebesgaben von ihm zieren das Gotteshaus in der Kluckygasse. Ein Safer Thora mir Kle kodesch, ein wertvolles Parochet, der Trauungsbaldachin und vieles andere sind Spenden der Eheleute Jakob und Anna G o l d n e r. Ueberdies gehörte G o l d n e r zahlreichen Humanitären Vereinen als Mitglied und eifriger Förderer an. .Im gesellschaftlichen Verkehre der schlichteste und jovialste Mensch, war er reilnehmend und hilfbereit, so oft sich eine Gelegenheit hiezn darbot; niemals hat Jakob G o l d n e r einen Hilssbedürscigen abgewiesen. Bei dem Leichenbegängnisse manifestierten sich auch die Sympathien, welche sich der Heimgegangene bei der Brigittenauer Judenschaft erworben hatte, in imposanter Weise. Unter Vorantritt des Temvelvorstandes und eines Vertreters der Kultnsgemeinde. Herrn Knltusvorsteher Steine r, wurde die Leiche zunächst znm Tempel in der Kluckygasse. der hell erleuchtet war und dessen Tore weit offen standen, geführt, dann ging es im langen Zuge hinaus nach dem Zentralfriedhofe. Herr Rabbiner Dr. Armin Ä b e l e s widmete dem Verblichenen einen seine Verdienste um den Brigittenauer Tempelverein würdigenden Nachruf und Herr Oberkantor Josef B a s s e r, von einem Männerqnartett assistiert, exekutierte die lirnrgischen Gesänge in ergreifender Weise. Zuletzt nahm der Obmann, Herr Hermann E l tbogen, in der Zeremonienhalle von dem verblichenen Kollegen namens des Tempelvorstandes herzbewegten Abschied. Herr Jakob G o l d n e r entstammte einer angesehenen Kanfmannsfamilie aus Jassy in Rumänien und domizilierte seit mehr als 30 Jahren in Wien. Anläßlich seiner vor drei Jahren gefeierten silbernen Hochzeit überreichte ihm der Brigittenauer Tempelvorstand das Diplom als Ehrenmitglied. Jakob Gvldner ist -68 Jahre alt geworden und hinterläßt eine tiefgebeugre Witwe und fünf Kinder. Die allgemeine Teilnahme, welche sich der Familie zuwendet, ist eine innige und aufrichtige und möge diese den Schmerzersüllten znm Tröste gereichen. Wien. Am 18. d. M. ist hier Herr Bernhard Thenmann, Schwiegervater des ehemaligen Redakteur» der „Neuzeit", Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Rabl, im 88. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand am 20. August unter zahlreicher Teilnahme statt. Wien. Im hiesigen Rothschildspitale verschied vor einigen Tagen der rühmlich bekannte Gesangslehrer Emil Sattler an den Folgen einer an ihm vorgenommenen Overation. Der Verblichene bildete eine große Anzahl von in der Folge bekannt gewordenen Schülern ans. Darunter befinden sich von in Wien bekannten Künstlern unter anderen die Damen .Josefine Glöckner, Marie S e i f e r t, die Kouzertsünger Schweizer und G ä r t n e r, welch letzterer jetzt selbst eine hervorragende Stellung als Gesangslehrer einnimmt, ferner Hans S ch ü tz und der neuesten» für die Wiener Hofoper engagierte Rudolf H o s b a u e r. Am 18. d. M. fand nun auf dem Zentralfriedhofe unter großer Beteiligung die Beisetzung der irdischen Ueberreste Sattlers statt, bei welchem Anlasse Direklvr Ludwig Horch am offenen Grabe namens der Freunde des Verewigten tiesempfundene Worte der Anerkennung sprach, in denen er den Verblichenen als Künstler und als Menschen von den besten und edelsten Charaktereigenschaften würdigte. Wien-Floridsdorf. Eine ebenso seltene wie herrliche Feier wurde Samstag, den 21. August l. I. vormittags im hiesigen Tempel begangen. Herr Rabbiner Dr. Rose n m a n n nahm die Weihe der diamantenen Hochzeit des Ehepaares S a l o m o n und C ä c i l i e Dnldner in überaus würdiger Weise vor. In meisterhafter Deutung eine Verses der Haftara Jesaia, Kap. 52, 7, wußte der gewandte Redner die Zuhörerschaft, unter der sehr viele Nichtjuden sich befanden, derart zu stimmen, daß fast kein Auge tränenleer blieb. Im Namen des Bürgermeisters der Stadt Wien überbrachte der Obmann-Stellvertreter des Bezirksrates, I. S ch ö p f l e n t h n e r, die Glückwünsche. Herrr Dr. König hielt gleichfalls eine Ansprache im Namen des Knltusvorstandes der Wiener Gemeinde, wobei er ein Schreiben des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern vollinhaltlich verlas. Die beiden Kantoren H. R o s e n b e r q e r und I. E i b e n s ch ü tz, welche je einen zu diesem Anlasse verfaßten Mischeberach hielten, versahen ihre Funktionen in exakter Weise. Amstetten. Am 18. d.« M. wurde der allerhöchste Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers in feierlichster Weise begangen. Unser verehrter Tempelvorsteher, Herr Alexander Deuts ch, trug in exakter Weise das „Na trwu" und einige Psalmen vor. Nach dem Minchagebete vielt Herr Rabbiner Dr. Ch. B e r t i s ch eine patriotische Rede, in der er aus die Regententugenden und insbesondere aus die Weisheit und Friedensliebe unseres gütigen Monarchen hinwies. Mit einem Gebet für das Wohlergehen des Kaisers und des Reiches bei geöffneter Lade und dem Absingen der Kaiserhymne, schloß die erhebende Feier. Außer den Mitgliedern unserer Kultnsgemeinde wohnte diesem Festgottesdienste auch der Bezirkshauptmann Statthaltereirat Baron Lederer bei, der sich über alles sehr lobenswert und anerkennend aussprach. Freiberg. Anläßlich des Ablebens des Ehrenvorstandes, kaiserl. Rat Ignatz Fluß, wurde im Tempel ein Trauergottesdieust abgehalten. Das dicht gefüllte Gotteshaus war nicht nur von jüdischen Familien, sondern auch von vielen anderen Vertretern verschiedener Vereine besucht. Die Andacht wurde von einem gemischten Chore mit Harmouiumbegleitnng durch das Matowu eingeleitet, bei welchem die klangvolle und geschulte Stimme des Herrn Kantor L ö w e n r o s e n zur Geltung kam. Hierauf ivurde das Niueha-Gebet verrichtet, nach Beendigung desselben sang der Chor das Schiwisi, worauf. Herr Kantor Löwen rosen das Wirken des Verewigten schilderte und endigte mit einem Gebet in deutscher und hebräischer Sprache für das Seelenheil de» Verstorbenen. Der Chor intonierte nachher einen deutschen Trauerchoral. Die Leidtragenden sprachen das Xaäisoh-Gebet, womit die feierliche Trauerandacht ihren Abschluß fand. Jägerndorf. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät wurde am 18. d. M. um in/2 Uhr ein Festgottesdienst abgehalten. Der voll beleuchtete mit Blumen dekorierte Tempel bot einen imposanten Anblick. Eingeleiter wurde die Feier durch ein Präludium für Orgel, welches Herr Kanror B e h r zu diesem Anlasse komponiert hatte. Darauf folgten die von Herrn Kanror B e h r mit vielem Geschmack einstudierten Chöre und die von ihm gesungenen Soli machten auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Sodann bestieg Herr Rabbiner Dr. R u d 0 l f e r die Kanzel und hielt eine formvollendete Festrede. Mit Absingung der Bolkshymne schloß die schöne Feier. Dem Vorstände der Kulrusgemeiude wurde seitens aller Anwesenden die vollste Allerkennung ausgesprochen. 8. L. Ustron (Schlesien) Nach siebenjähriger verdienstvoller Amtstätigkeit scheidet unser allseits sehr beliebter und hochgeachteter Kantor, Herr Josef N ürn berge r, aus unserer Gemeinde. Was wir au diesem seltenen Funktionär verlieren, dessen sind wir uns voll und ganz bewußt: einen ausgezeichneten Kantor, einen sehr seltenen Kore und einen vorzüglichen Pädagogen. Sehr fesselnd waren auch die von Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Predigten, in denen er es verstand, alle, die dem Gottesdienste beiwohnten, zur Andacht und Erhebung zn leiten. Besonders unvergeßlich machte sich jedoch Herr Kantor Nürnberger durch fernen Wohltätigkeitssinn und sein höchstes Verdienst sind die Sammlungen zur Gründung eines Friedhofes, welcher dank seines unvergleichlichen Eifers so schnell als möglich errichtet werden konnte. Wir beglückwünschen die Kultnsgemeinde Saatz zur 'Wahl eines solchen Mannes und wünschen Herrn Kantor N ü r u b e r g e r Glück und Freude in seiner neuen Stellung. Drohobycz. Dienstag den 31. August, 12 Uhr mittags, findet im Tempel in Lemberg die Trauung des Herrn Jakob Z u v n i k, Sohn des Herausgebers der „Drohobyczer Zeitung", mit Fräulein Sylvia M 0 sk 0 v i c i ans Falt'.ceni statt. Budapest. Seine Majestät hat dem Präses der Altoiner israel. Kultusgemeinde. Dr. Josef Stern, den Titel eines Königlichen Rates verliehen. Möge diese erfreuliche Tatsache hier verzeichnet werden und als Beweis dafür dienen, daß man an politischer Bedeutung hervorragend, gesellschaftlich allerseits geehrt und anerkannt sein und dabei ein gutgläubiger Jude bleiben kann. Dr. Josef Stern, der langjähriges Mitglied der hauptstädtischen Repräsentanz ist. hat sich durch einen anerkennenswerten Eifer und seine außerordentliche Intelligenz bei der Kommune eine einsinßreiche Stellung erworben und war stets dabei bedacht, seiner Konfession im allgemeinen Ehre und Nutzen zn bringen, seiner Gemeinde im besonderen hilfreich beizustehen. In seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Gemeinde ist ihm nichts zu mühsam, wenn es gilt, die Jnstilurionen derselben in der Entwicklung um einen Schritt vorwärts zu bringen. Die Verehrung, welche die ganze Bürgerschaft des Bezirkes ohne Unterschied der Konfession ihm entgegenbrlngt, fand eklatante Aeußerung in einem Bankett, welches gelegentlich seiner Ernennung znm Königlichen Rar veranstaltet wurde, an dem neben zahlreichen Bekannten und Freunden auch der Oberbürgermeister Karl I u l e p und viele Zelebriräteu der Stadtverwaltung teilnahmen. Wir wünschen unserem Präses eine lange, ersprießliche Wirksamkeit. Szeuiez. In tiefe Trauer wurde unser geehrtes Mitglied Herr Ludwig L i n d n e r durch den Tod seiner edlen, hochherzigen Gattin versetzt, die kinderlos im Alter von kaum 60 Jahren das Zeitliche segnete. Die teure Verblichene erfreute sich im Kreise ihrer Verwandten und Bekannten großer Beliebtheit, was sich auch durch die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung manifestierte, wobei Herr Rabbiner Marmor st e i n in beredten, gefühlvollen Worten dem Schmerze des trauernden Gatten und der Leidtragenden Ausdruck gab. Möge dem trauernden Gatten die allgemeine Teilnahme znm Tröste und zur Aufrichtung gereichen und das Andenken dieser frommen Frau gesegnet sein! Paris. Der neue französische Ministerpräsident B r i a n d hat gleich nach seiner Ernennung einen seiner ältesten und verläßlichsten Mitarbeiter G r ü n e b a u m-B a l l i n zum Bureau-Direktor des Ministeriums des Innern ernannt. M. Grünebanm-Ballin war im vorigen Ministerium Oberbeamier im Sraatsraat und ein Vertrauter Briands. der sich die großen Fähigkeiten Grünebaums hoch einschützte. Auch andere jüdische Mitarbeiter Briands aus älterer Zeit wurden jetzt zn höheren Stellungen berufen. So wurde jetzt Sazi as znm Spezialsekrerür des Conseilspräsidenten. Maurice Leven, ein Sohn des Präsidenten der „Alliance Jiraelite Universelle" zum Sous-Chef des Kabinetts des Ministers für öffentliche Arbeiten, Bernard Larroque zum Sous-Chef des Justiz-Ministeriums und Levy Ullmann Professor an der Rechrsfakulrät zn Lile, zum zweiten Sekretär des Finanzministeriums ernannt. Bedeutet auch die Förderung dieser guten Franzosen, die Inden kaum dem Namen nach noch sind, keinen inneren Gewinn für das Judentum so darf doch nur Hinsicht auf die neuerliche Hetze der dentsch-anrisemitschen Presse, besonders der „Kreüzzeitung", die neuerdings in leicht durchsichtiger Tendenz von den bitteren Erfahrungen faielt, die Frankreich mir seinen jüdischen Offizieren und Beauiren gemacht haben soll, das Vertrauen, das der neue Ministerpräsident seinen jüdischen Mitarbeitern erwies, besonders hervvrgehoben werden. Petersburg Wie „Rjetsch" meldet, wird im russischen Kriegsministerinm jetzt die Erfindung des jüdischen Ing. M. E i s e n st e i n ausgeprobt, die geeignet ist, große Sensation hervorznrufeu. Ingenieur Eisenstein hat ein neues System der drahtlosen Telegraphie erfunden, durch welches ein Telegraphieren ans sehr weite Strecken ohne Drahtverbindung möglich ist. Eine Probe mir einem Telegramm von Petersburg nach Konstantmopel ist tadellos gelungen. Das Kriegsministerlum beschloß, Telegraphenstationen nach Eisensteinschem System in Petersburg, Moskau, Bobonisk und auf einer der Uralspitzen zu errichten. Ingenieur Eisenstein