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Die Wahrheit · 1909-08-27 · Heft 34 (27.8.1909) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 34 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. 'Die Wahrheit Nr. 34 berufen? Was ist das Resultat? Befragen wir die Tagespresse, so finden wir, daß der Leitartikel der Seite 2 widerspricht und Seite 2 widerspricht ihrerseits dem Bericht. Man darf also nur mit Wahrscheinlichkeit operieren und dies wollen wir auf Grund der verschiedenen Berichte und Andeutungen versuchen. Wer hat die Konferenz einberufeu, d. h. ans wessen Initiative ist dies geschehen? Daß Bienerth mit ihr einverstanden war, ist zweifellos. Aber die Frage ist die: wollte er sie haben, hatte er sie ins Leben gerufen? Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Situation. Erinnern luir uns, daß es Glombinski war. der mit der Slawischen Union schon einmal eine ganze Nacht unterhandelte, ziehen wir in Betracht, daß die Polnische Volkspartei auf dem Sprung steht, den Polenklub zu verlassen, so ergibt sich uns ein ziemlich klares Bild. Das Ministerium Bieuerth-Bilinski wird in zweifacher Weise angegriffen: systematisch und persönlich. Die demokratischen Parteien kämpfen gegen den versteckten Absolutismns, der das Parlament zum Widerstand reizt, um ihm dann seine Ohnmacht zu zeigen; gegen den Absolutismus, der das Parlament als einen Lehrjnngen betrachtet, der erst die Gesellenarbeit zu liefern hat, um seine Fähigkeiten zu beweisen; gegen den Absolutismus, der das Parlament als eine Gnade, ein Geschenk und nicht als Recht des Volkes ansieht; gegen diesen Koerberianismns ohne dessen Beweglichkeit und Phraseologie kämpfen alle demokratischen Parteien. Zweitens wird die persönliche Zusammensetzung des Kabinettes angegriffen. Man denke über Herrn Stapinski wie man will — man sagt J ihm Beziehungen zu dem konservativen polnischen Hochadel nach i und namentlich zu Bobzynski und Abrahamowitz — dies aber muß > man ihm lassen: Die Ministerfchast des vielgewandten Stanislauer . Bilinski ist wirklich schon des Guten zuviel. Er, Bilinski, ist! sein Landsmann, er kennt ihn und mag ihn daher nicht. j Aber nicht nur Stapinski, sondern noch viele andere ver-! stehen es noch immer nicht, warum man es gerade nötig hatte, , abgetackelte Politiker und Parlamentarier zur Regierung zir bei rufen; endlich, daß die polnische Gesellschaft nur mit stiller! Wehmut und mit blutendem Herzen — die Rolle des Polenklubs! gegen die slawischen Brüder erträgt. Wenn Herr Stapinski mit! Udrzal und Praschak fraternisiert, wenn er eine slawische Politik j fordert, so befinden sich alle polnischen Herzen und auch ein; großer Teil der Köpfe auf seiner Seite. Nur der Terror, nur! die rücksichtslosen Machtmittel, die dem Polenklub im Laitde zur! Verfügung stehen und die eiserne Zuchtrute, mit der er Presse; und Volk beherrscht, verhindern jede offene Auflehnung; dafür; aber nimmt das dumpfe innere Murren zu, stetig zu. Der l Führer des Polenklubs ist daher gezwungen, Fühlung mit der Slawischen Union zu suchen — oppositionell darf der Polenklub nicht werden, er ist seit 1869 gouveruemental — wenn es ge-; lingen soll, sich mit ihnen auf ein halbangängliches Programm; zu einigen, so hat man das Volksparlament gerettet, sich nach , oben und unten verdient gemacht; und iveun es mit Bienerth; nicht gehen kann — mau ist doch nicht bienerthsondern regierungstreu — bei einer neuen Kabinettsbildung an Stelle Bilinskis, wofür mau sich fähig und berufen fühlt, zu treten. Man kann aber auch mit Bienerth bei einer Rekonstruktion an-; kommen, also: Konferenz. Diese ist demnach die Konkretisierung der sortgesetzlen Bemühungen Glombinskis, mit der Slawischen Union auf sozusagen gouvernementalem Wege zu einer Verständigung > mit oder ohne Bienerth zu gelangen. Bienerth mußte zwar gute! Miene zu bösem Spiele machen, suchte aber trotzdem die Situation : für sich auszuuützen. Daher die widersprechenden Nachrichten j und Schlüsse; daher die Schroffheit der Forderungen und die! Höflichkeit der Verhandlungsformen der Führer der Slawischen , Union auf der Konferenz; daher die Mißachtung der Konferenz- Wünsche von seiten der Negierung. Sucht Glombinski über den; Kopf des Ministerpräsidenten hinweg mit der Slawischen Union j ein Modus vivendi zu treffen, überhaupt die Grundlage zu! einer parlamentarischen Regierung zu legen, so sucht Bienerth! seinerseits, den Brand auf Böhmen zu lokalisieren, ihn dort zu , löschen, die Glieder der gegnerischen Phalanx zu trennen, um! seinem Ministerium das Leben zu retten. Daß ihm dies gelingen * wird, glauben wir nicht. Der Kampf gegen die protestantische Theologie.*) Die protestantische Theologie hat uns Jltden viele schietunheilbare Wunden geschlagen. Sie hat unsere heilige Schrift zerpflückt linb zerfetzt, sie hat unseren Gott, den Schöpfer der Welt, zum Fetisch, zum spezifisch jüdischen Nationalgott nmgedichtet, sie hat unsere Moral verlästert und unsere Vergangenheit besudelt — alles natürlich im Namen der Wissenschaft, zur Verherrlichung des Christentums! Denn wie groß steht nicht der Christeugott da gegenüber dem kleinen Nationalgott der Juden! Wie herrlich leuchtet nicht die Moral des Christentums gegenüber der Gesetzlichkeit der Pharisäer! — Was kümmerte sie da der Einwand, daß ja die erste Zeile der jüdischen oeil. Schrift schon den Gott verkündet, der Himmel nnd Erde geschaffen! — WaS verfing es, wenn ihnen nachgewiesen wurde, daß die Moral des Christentums sich als eine in vieler: Punkten übertriebene r a b b i n i s ch e Moral herausstellt! Unbeirrt fuhr die protestantische Theologie fort, alles Jüdische in den Kot zu zerren, und alles Christliche als göttlich, als etwas einzig Dastehendes zu verherrlichen. Ja, als ihre Wissenschaft sie dazu zwang, die Göttlichkeit ihres Heilands Jesu Christi anszngeben, fuhren sie dennoch fort, wenigstens den Menschen Jesus von Nazareth bis in den Himmel zu verherrlichen und ihre ganze Religion auf den jüdischen Rabbi Jesus zil gründen. Und wenn, wie Chamberlain, der Judenhaß es verbot, der bewies einfach, daß Jesus gar kein Jude, sondern — ein Arier war! Man denke sich nun den Schmerz dieser Theologen, wenn ihnen mit gründlicher Gelehrsamkeit bewiesen wird, daß es weder einen Inden, noch einen Arier Jesus gegeben habe, daß seine Person keine historische, sondern eine mythische sei! Aber die phrasengewaltigen protestantischen Theologen wissen sich zu helfen. Die H a r n a ck, P f l e i d e r e r, Bo u s s e t fahren unbeirrt fort, aus die einzigartige Persönlichkeit Jesu ihre so herrliche Religion zu begründen, als ob weiter nichts geschehen wäre! Unter diesen Umständen darf man sich nicht wirndern, wenn ein Kollege dieser hochmütigen Vertreter ihrer Religion, die nicht genug ans die heuchlerischen Pharisäer schimpfen können, wenir also em, Kollege von ihnen, der Theologe Schweizer in seiner Schrift „Von Reimarns bis Wrede" der Hoffnung Ausdruck gibt, die Theologie rverde einmal ganz ehrlich werden, jedoch hinzufügt, dies sei — eine „Prophezeiung auf die Zukunft." Auch D r e w s. der in selnem vortrefflichen Buche „Die Christusrnythe" alle Gründe zusammengesaßt hat, die gegerr die Annahme eines historischen Jesus sprechen, täuscht sich nrcht mit der Hoffnung, die protestantischen Theologen zur Ehrlichkeit zu zwingerr. Er wendet sich vielmehr an diejenigen Gebildeten, „welche die Art, wie man diesen Gegenstand in wissenschaftlichen Kreisen zu behandeln pflegt, nicht ohne tiefe Beschämung, ja Entrüstung gewahren können" und die in dieser Angelegenheit klar sehen möchten. Und sollte, wider Erwarten, die Ehrlichkeit dennoch siegen, so würde dieses Werk den Todesstoß ins Herz der protestantischen Theologie bedeuten. Dr. K a h a n, Znaim. Mas ans nottnl. „Wer wird künftig deinen Kleinen lehren Speere werfen nnd die Götter ehren?" Schiller. Immer näher rückt der Zeitpurrkt heran, iuo sich allenthalben die lichten und luftigen Schulräume unserer nach Wissen dürstenden Jugend öffnen werden, rnn sie dem biblischen und pädagogischen Grundsätze gemäß: „Unterrichte das Kind seinen natürlichen Anlagen angemessen," in die verschiedenen Wissenszweige eiuznführen. Fast in jeder Familie, in der schulpflichtige Kinder vorhanden sind, ist die „Schule" bereits Gegenstand eifrigster *) Di e C h r i stu s IN y t h e von Arthur D r e w s, Professor in Karlsruhe. Jena, Eugen D i e d e r i ch s Verlag. M. 2.—.

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