Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 34 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hektars Tages- und Monragspresse schlagen die Söhne des griechischen Hauses blutig. Der Telamonier Bäudler ist schon lange mit dem ganzen Parlamentarismus unzufrieden, er will ihn nicht mehr dulden — und er wird die Bande, wie es einst von Schloß Liebenberg aus geschah — warum darf es nicht von Kitzbühel, Fichtegasse, Alserstraße, geschehen — wie die Kinder Israels zur Buße und Bekehrung in alle vier Enden der Welt zerstreuen. Das „Volksblatt" ist mit dieser Strafe einverstanden und hegt nur Bedenken, ob eine derartige Strafe nicht einer Verjudung gleichkommt. In der Verurteilung des Parlamentes stinlmen alle überein. Das Parlament hat vieles begangen: es existiert, es fordert Gehirnanstrengung, es verlangt, daß man sich mit ihm beschäftigt, und es hat für den Ministerpräsidenten nicht die Arbeit geleistet, worauf er ein Recht hat, und überlegt man sich die Sache, wozu der ganze Hokuspokus? Schön ruhig zuhause bleiben, die Küche schließen, anshnngern lassen; sie werden schon kommen, die armen Hascherl. Nun ja. Wenn man das Verbrechen begeht, kein reicher Mann zu sein, wenn man die Diäten braucht, so wird man schon zur Mama, zur Stiefmutter kommen, mit einem Gesichtchen voll Tränen und um Butterbrot bitten. Und sind es Starrköpschen und kommen nicht, desto besser. Wie bequem hatte es der Koerber, der große, große Staatsmann. Bleibt nur Kinderchen schön rnhig draußen. Ich besorge mir meine Ausgänge mit dem Vierzehnrädrigen selbst. Ach die gute alte Zeit, die kehrt nie zurück. Die maßgebenden Faktoren wollen das Volksparlament, wofür sie' sich so eingesetzt haben, nicht ans Müssiggaug sterben lassen. Dort in jenen Kreiselt weiß man, daß Snsterschitz nicht so ein wildes Kind ist. Er weint die Nächte hindurch. Genug gestraft. Ente gute Wärterin muß doch verstehen, was dem Kinde fehlt, sie muß das Mittel, das besänftigt und süßen Schlaf bringt, kennen. Und lvenn sie nichts lveiß, als weineit lassen — so — so taugt sie nicht. Und Nachfolger sind in Fülle da. Also Konferenz Patroklns-Glombinski: Augezogen in der Rüstung des Ministerpräsidenten verläßt er die Sommerfrische, ich Hütte sie gerne mit Namen genannt, wenn ich nur müßte '— und begab sich auf den Kriegsschauplatz am Franzensring. Die Sozialdeniokraten werden znerst nicht eingeladen und Austerlitz schweigt. Er, der sonst so beredt zu sein weiß, raucht ruhig seine Havanna und duldet. Es wird ein Rätsel bleiben. - So herausfordernd durste der galizische Professor nicht sein, wenn er nicht seine Gründe dabei hätte. Erwies man damit Viktor Adler einen Gefallen, um ihm seilte Badekur nicht zu stören? Seit wann erfreut sich der Führer des Proletariates einer so zarten Rücksichtnahme vonseiten der Allpolen? Ließ er vielleicht andenten, es wäre der Sozialdemokratie erwünscht, nicht dabei zu sein, weil sie weder Ja noch Nein sagen kann? So bleibt die Frage immer offen: Warum die zärtliche Rücksichtnahme? Oder war die Nichteinladung nur die Konsequenz des Systems, d. h. der Systemlosigkeit? War»nn also schrie Austerlitz nicht Zelermordio: Das Proletariat ist in Gefahr? Ewiges Fragezeichen . . . Wenn es gestattet wäre, Vermutungen ansznstellen, so würden wir sagen: Glombinski hat mit Zustimmung Bienerths, aber nicht zum Wohle seines Ministeriums, die Nichteinladung beschlossen. Bienerth dachte, den Sozialdemokraten eins zu versetzen; ihnen seine Stärke zu zeigen. Patroklils, der an Stelle Odysseus-Bilinski treten möchte, war gern bereit, dem Ministerium in freundschaftlichster Weise ein Bein zu stellen, llnd Adler war mit dieser Dummheit höchst zufrieden. Es ist keine Schande. Die Sozialdemokratie trifft der Parlaments-„Lokont" am härtesten; viele Abgeordnete brallchen die Diäten, die aber nur durch Par lamentserössnung, d. h. von Bienerths Gnaden zu erlangen sind. Und abgesehen davon, hätte man sich ans eine bestimmte Anschauung, Prophezeiung. Abmachung festlegen müssen. Und wer will, wer darf dies in einer Zeit, wo der deutsche Heurige vom czechischen Pilsner bedroht ist, wagen? Ja, der Nichtparlamentarier weiß nicht, was das bedeutet, wenn die Czechen plötzlich eine Liebe für das schöne Niederösterreich fassen. Für die Väter des Volkes ist dies die folgenschwerste Zeit; rechnet man dazu, daß in so einer national erregten Zeit eine Gemeindevertretung inBöhmen den Beschluß fassen kann, das alte gute deutsche Nachtwächter-„Wer da" durch ein tschechisches zu ersetzen, so wird man die Behutsamkeit der Parteiführer begreifen. „Nicht dabei gewesen zu sein, schadet nie", sagt ein altes Sprichwort. Zuletzt wurden die Sozialdemokraten doch geladen. Warum? Weiß wieder uiemaud. Geheimnis, so wie das gange Ministerium, so wie die ganze Konferenz .... Warum ist Beck gefallen? Warum trauern die Sozialdemokraten so um Beck, den sie doch seinerzeit hart bekämpften? Warum stürzte Geßmann sein eigenes Ministerium? Warum Bienerth? Warum ließ die Slaivische Union die reinen Regiernngsnotwendigkeilen rnhig Gesetze werden lassen und obstruierte nur die Vorlagen, die die Volksinteressen betreffen? Aus wessen Veranlassnttg und gn welchem Zweck wurde die Konferenz eilt-