Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 33 (21.8.1909)
- Date
- 1909-08-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Die Wahrheit Nr. 33 Lette 4. Geltung zu bringen, und dann stand es im heftigsten Kampfe J mit den antisemitischen Hetzblättern. Freilich, das „Vaterland" macht manchmal auch krampfhafte Versuche, Christentum und Antisemitentum gleichzeitig zu vertreten. Aber der Versuch mißlingt und muß mißlingen, denn es geht doch schließlich nicht, gleichzeitig das Evangelium zu bekennen und es zu beschimpfen. Der Antisemitismns aber lebt v o n d er V erhöh n u n g und B e f u d e l n n g des Evangeliums. Das weiß — in seinen christlichen Tagen — das..Vaterland" ganz gut. * Die Erkenntnis, daß ein wahrer Christ alles eher als ein Antisemit fein könne, hat schon manchen hohen Kirchenfürsten zu Bekenntnissen gezwungen, die in gewissem Sinne jeden — Rabbiner höchlich entzücken dürsten. Kürzlich erst har S. Brandes in einem großen deutschen Blatte Stellen aus einer Schrift eines dänischen Bischofs zitiert, die wert sind, von Christen lind Juden mit Interesse gelesen zu werden. Da heißt es z. B. u. A.: „Das jüdische Volk ist nicht allein merkwürdig, es ist ganz und gareinzig dastehend. Die Juden sind in unserer Mitte und legen nicht durch ihr Bekenntnis, wohl aber durch ihr Dasein Zeugnis von der Wahrheit der Offenbarung ab. Ueber 1800 Jahre ist es jetzt, daß Jerusalem vernichtet wurde, und noch heutigen Tages besteht die jüdische Nationalität. Denkt nur, wenn Dänemark zugrunde ginge, wenn die Dänen als Sklaven verkauft und in der ganzen Welt zerstreut würden, wie lange würde es wohl währen, bis jede Spur der dänischen Nationalität verschwunden wäre? Wenn wir das sehen, sehen wir nicht mit eigenen Augen ein Wunder?" Der dänische Bischof begegnet sich hier mit dem großen Historiker Johannes Müller, der die Juden das Wunder der Weltgeschichte nennt. Aber der Bischof kommt zu anderen Folgerungen als der Historiker. Erfragt: „Woher kommt das?" Und seine Antwort, der eigentlich nolens volens jeder gläubige Christ beistimmen muß, lautet: „Weil die Inden das auserwählte Volk Gottes waren." Als der eingeborene Sohn Gottes sich mit Menschenuatur bekleidete, umkleidete er sich auch mit einer Nationalität. Mit welcher? Mit der jüdischen. Deshalb stellt sich die jüdische Nationalität so hoch, deshalb sage ich, daß sie m i t R e ch t sich die k ö n i g l i ch e n e n u t. Christus sitzt zur Rechten des Vaters und lenkt die Welt nicht allein als Gottes-, sondern auch als Menschensohn. Wenn dem so ist, so nimmt die jüdische Nationalität tatsächlich an der Weltenlenkung teil, und alle anderen Nationalitäten steheir mithin in einem Vasallenverhältnis zu ihr." Zu solchen Folgerungen gelangt ein Kirchenfürst, der zu den gelehrtesten und gläubigsten Männern gehörte! Es ist seltsam, aus dem Munde eines Bischofs eine Verherrlichung und Hochstellung des Judentums gerade zu einer Zeit zu vernehmen, in der wir schmerzersüllt so oft erfahren müssen, daß Juden, Abkömmlinge der Besten und Vornehmsten unseres Stammes ihrer Religion den Rücken kehren und sich feige von Seite ihrer Glaubensgenossen schleichen! Der Bischof als Apolyget des .Judentums, und Juden dessen Schmäher und Beschimpfer! * * * Solche Bischöfe sind freilich nicht nach dem Herzen der Antisemiten, aber auch nicht uach dem Sinne jener Ultramontanen, denen die Herrschaft der katholischen Religion mehr gilt, als die Religion. Das Ideal dieser plaudert in offenherziger Weise ein katholischer Geistlicher, namens Hans Kirch steig er, aus. Er schreibt im zweiten Band seines Werkes „Beichtspiegel", Seite 223 u. ff.: 4 Bischof (instruiert einen neu installierten Pfarrer): „Der Priester darf nie vergessen, daß die Schule immerfort das Kind unserer Mutter, der heiligen Kirche, ist und bleibt, wenn uns auch der glaubenslose Staat dieses Kind geraubt und durch Gesetze, die der heilige Vater selbst abscheuliche genannt hat, an sich kettet. Wenn auch beraubt und verfolgt, sind und bleiben wir die von Gott ausgestellten Herren über die Schule und über die Lehrer. Die Lehrer sind unsere Untergebenen, wenn sie auch noch so hochmütig an uns vorübergehen. Es ist ein Verrat an der Kirche, den ein Priester begeht, wenn er die Neuschule und ihre Lehrer nicht bekämpft, sondern sich sogar durch Freundschaft mit den Lehrern herabwürdigt." Wir mären nicht überrascht, wenn sich heransstellte, daß Kirchsteiger nur die Maske eines Geistlichen anlegte und eine Satire bot. Aber selbst als Satire dürfte dieses Bild unseren christlichsozialen Lehrern eine Warnung sein. Sie zeigt nämlich, wohin es mit dem Lehrer kommen wird, wenn die christlichsoziale Aera andauert, die ohne die Hilfe der Lehrer niemals zur Herrschaft gelangt wäre. * * * Wir erhalten von einem Freunde unseres Blattes folgende Zuschrift: „Mit Interesse und inniger Teilnahme las ich die Zeilen der Erinnerung, die sie dem armen Inden Schwarz widmeten, dessen geniale Idee dem — Grasen Zeppelin Ruhm, Ehre und — Reichtümer bringt. Graf Zeppelin erinnert sich offenbar nicht mehr, wem die „Idee" feiner Erfindung gehört. Das ersehe ich aus seinem „Dankschreiben" an das deutsche Volk, in welchem es heißt: „Aus Anlaß meiner Fernfahrt nach Mainz und der Vernichtung meines Luftschiffes sind mir ans' allen Teilen meines Vaterlandes und selbst aus dem Altslande so überaus zahlreiche Beweise der Teilnahme und des unerschütterlichen Vertrauens zu meinem Werk übermittelt worden, daß ich nicht imstande bin, allen, die meiner so gütig gedacht haben, persönlich zu danken. Ich bitte deshalb, auf diesem Wege die Versicherung ansdrücken zu dürfen, daß neben meinem eigenen festen Glaitben an die Richtigkeit meiner Idee nichts so sicher imstande war, mich nach dem großen Unglück wieder aufznrichten und zu schleuniger Wiederaufnahme meiner Arbeiten anzusporuetl, als der Gedanke, daß das ganze deutsche Volk, dem mein Werk von Anfang au gewidmet war, sich hinter mich gestellt und in beispielloser Begeisterung und Opferfrendigkeit mich mit den Mitteln ausgerüstet hat, das zerstörte Luftschiff durch ein neues, ans Grund der letzten Erfahrungen lveiter verbessertes Fahrzeug zu ersetzen. Bewegten Herzens spreche ich dem ganzen deutschen Volke meinen innigsten Dank aus. Ich betrachte es als meine heilige Ehrenpflicht. mich des Vertrauens, das man mir entgegenbr.ingt, würdig zu zeigen." „Mein" Werk. „Meine" Idee — des Inden Schwarz, dem die Idee gehörte, gedenkt der Herr Graf nicht. Das erachtet er eben nicht als „heilige Ehrenpflicht." Die Familie Rothschild. Anläßlich der Besprechung des von Dr. Alexander Dietz erschienenen Buches „Stammbuch der Frankfurter Juden", bemerkt Herr Professor Dr. Biach unter anderem in Pr. 15799 der „N. Fr. Presse": „Dietz ist aber auch zu ganz neuen Resultaten gelangt. So war früher die Kenntnis von der Vergangenheit der Familie von Rothschild nicht über den Begründer des Welthauses Mayer Anschel Rothschild hinansgegangen, während sie jetzt durch Dietz als eine Altfranksnrter, seit wenigstens 1530 dort ansässige Familie nachgewiesen ist" rc. Dieser Bemerkung meines sehr verehrten Freundes, gestatte ich mir noch folgende Ergänzung beiznsügen: In Nr. 49 der „W. Mitt." (1856) wird nämlich über die Familie Rothschild folgendes mitgeteilt: „Bekanntlich war der erste Gründer der weltbekannten Häuser Rothschilds nicht bloß Finanzier, sondern auch Gelehrter. Nicht allein mit einem bei Geschäftsleuten ungewöhnlichen jüdischen Wissen ansgerüstet, kam der mehr durch seine musterhafte Redlichkeit als durch seinen Reichtum berühmt gewordene Meir Rothschild nach Frankfurt, sondern als verdienstvoller Archäolog und ausgezeichneter Numismatiker, was ihm sogar später den Umgang mit gekrönten Häuptern verschaffte. Wenigen dürste es bekannt sein, daß die Freiherren v.- Rothschild auch sehr geachtete Nabbinen unter ihren Ahnen zählen. Nach dem Memorialbuch zu Worms (so berichtet der Verfasser der „N. Z ") war R. Mendel Rothschild 1732 mehrere Jahre Prediger in Prag, hieraus Rabbiner in Bamberg, später Landesrabbiner in Hessen und zuletzt Rabbiner in Worms, wo er 14 Jahre das Rabbineramt bekleidete. Die angedeutete Stelle in jenem Buche lautet: „Mendel war