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Die Wahrheit · 1909-08-21 · Heft 33 (21.8.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 33 (21.8.1909)
Date
1909-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrcheit h. Sldiniiiisl, IIIIÜI!: | Wien. 11/, l'Unuiraiiafie ‘27.ji TflrpDwi« brr S>i'iutsrei 1Ö3HS j fl. J. österr. Postsparkasia- Scheck-Kouto Nr. 100.918. Znicrat'- Tie viermal geiliotteil- NonvareiNe-Zeile 2:> Heller. NdonuciilculSn. Nmcillonrdelräae sind in Uliien znoldar und klnadnr. nakhängige Aeitschrifi für Mische en^ Erscheint jeden Ar ei tag. Motto : „Dr»s 8iegel (Lottes i»l Wahrheit!“ IMiiiMläQvit) . . 5k >4 - tzuldjatzria! .. tt 7 — j^iir (i iiltii^hfunttf: i.id> >a >k >>> >V»i f Vlii-liiiiJ): 'M(Uiililt)ilv) ...» 'Dl»tt K 'Hubel »der lü ,licr Nr. 33. Mir», 21. Anglist HM)8. Inhalt: Ans der Woche. — Die Familie Rothschild. — Liberales Judentum. — Zur Geschichte der Judenemauzipatiou in Oesterreich i/1848—1908). — Verschiedene Nachrichten. — Denkwürdige rabbinische Aussprüche. — Feuilleton: Die alte Rebezin. Ans drr Woche. Man wird an den dunklen Ehrenmann erinnert, der mit seiner Beute davoulansend „Halt's den Dieb!" ruft, wenn man von den Antisemiten aller Couleurs immer wieder die Klage, oder vielmehr die Anklage hört, die in den Worten gipfelt: „Jüdischer Fanatismus!" Auch das „Vaterland", welches immer wieder an seinen antisemitischen Rückfällen leidet, d. h. — mit Hinblick ans die so mächtigen und einflußreichen Hintermänner des klerikalen Blattes — richtiger gesagt, an dessen antisemitischen Rückfällen die Juden zu leiden haben, schlägt uns diese Beschuldigung des Fanatismus in einem langen Hetzartikel ins Antlitz. Unter „Fanatismus" veröffentlichte das „Vaterland" eine „Psychologische Studie", die sich angeblich gegen den Fanatismus richtet, in Wirklichkeit aber von einem fanatischen Geiste der Unduldsamkeit und Verlenmdungssncht beseelt ist. Dem „Vaterland" mag es, das sei ohneweiters zugestanden, ganz wider den Strich gehen, wenn die Kirche und ihre Institutionen von fanatisierten — Gegnern angegriffen und geschmäht werden. Aber nur der antisemitische „Fanatismus" ist die Quelle. — und um dies zu beweisen, bedarf es nicht erst einer weitläufigen „psychologischen Studie" — ans der eine Behauptung entspringt, wie die folgende, die im „Vaterland" zu lesen ist: „Eine dritte Gruppe von Fanatikern an Hochschulen liefern die Nachkommen jenes Volksstammes, welchem der Christen haß im Blute liegt." Da ist jedes Wort eine in Gift getauchte, böswillige Verleumdung! Niemals haben die Juden Haß gegen die Christen empfunden, auch nicht in den Zeiten der furchtbarsten, blutigsten Verfolgungen, denn die Religion der Juden verbietet d e n H a ß g e g e n M e n s ch e n, m ö g e n diese auch g r i m m i g e F e in d e sein. Das „Vaterland" lügt und verleumdet, wenn es seine aufhetzende und aufreizende Beschuldigung sogar soweit ausdehut, daß der „Christenhaß" überhaupt den Juden im Blute liegt, während es doch durch tausendjährige Beispiele ans allen Zeiten bekannt ist, daß die Juden bei ihren Werken der Humanität immer das Gegenteil von „Christenhaß" bekundeten, und jenen Christen gegenüber, die auch für die Juden Wohlwollen und Menschlichkeit als Richtschnur des Handelns und Fühlens gelten ließen, geradezu über- 'schwängliche Dankbarkeit empfanden. Das „Vaterland" hat in seiner „psychologischen Studie" sich eine kleine Fälschung gestattet: Nicht der Christenhaß liegt den Juden im Blute, wohl aber liegt der , Judenhaß den Antisemiten im Blute. Und, die Ehrlichkeit verdient gewissermaßen eine Anerkennung, die Antisemiten : machen in der Regel auch gar kein Geheimnis daraus, daß. sie; den Haß gegen die Juden sozusagen mit der Muttermilch in sich : gezogen. Wir sagten, daß den Juden der Christeuhaß schon darum ferne liege und ferne liegen m ü s s e, weil die Religion der Juden den Haß verbietet. Das „Vaterland" könnte freilich ent-; gegnen, das Christentum verbiete nicht allein den Haß gegen Menschen, sondern lehre selbst die Liebe gegen den Feind, was - aber bekanntlich nicht gehindert hat, daß unter der Flagge des l Christentums die greulichsten Judenverfolgungen inszeniert wurden.! Ja, da ist denn aber doch ein kleiner Unterschied. Die Juden i haben eben niemals das Kunststück zuwegegebracht, die schlichten,! echt menschlichen Lehren ihrer Religion auf dem Wege von der! Theorie zur Praxis zu fälschen und in ihr Gegenteil um-! zugestalten. Die Bekenner des alten Testamentes haben es gehört,! daß man selbst den Feind nicht hassen, bei seinem Untergang! sich nicht freuen dürfe, ihm vielmehr in der Not beistehen müsse.! Diese Lehre liegt ihnen im Blute, sie war und ist die Trieb- ■ feder ihrer Handlungen im Verkehre mit ihren Nächsten, die sie j lieben, wenn sie von ihnen nichts Böses erfahren, denen sie! aber unter k e i n e n U m st ä n d e n H a ß entgegen- ' bringen dürfen. * *! * j Die Antisemiten, von denen wir zu allen Zeiten sagten, j daß sie die Lehren des Evangeliums mit Füßen treten und das Recht verwirkt haben, sich Christen zu nennen, haben sich die Sache anders zurechtgelegt. Sie haben gehört, daß das Nene Testament seinen Bekennern die harte Pflicht auferlegt, selbst den Feind zu lieben. Das halten sie für unmöglich, für eine leere Phrase, aber sie stempelten jeden Juden zum Feind, den man hassen dürfe. Die Antisemiten, die von den Lehren des Neuen Testamentes schon darum nichts wissen wollen, weil diese ganz und gar den Geist des Judentums atmen, seine Fortsetzung und Ergänzung bilden, müssen naturgemäß bei einiger Konsequenz zu erbitterten Gegnern des Christentums werden, welches ihnen die Betätigung ihrer unseligmachenden Lehre des Hasses unmöglich macht. * * * Wir könnten das „Vaterland" selbst als lebendige Illustration für unsere Behauptung verwerten. Das „Vaterland" hat seit Jahr und Tag eine Art von Januskopf. Es sieht heute anders aus als gestern, und morgen anders als heute. Abwechselnd war es bald antisemitisch und konkurriert mit dem „Deutschen Volksblatt", bald, versuchte es. christliche Lehren zur

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