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Die Wahrheit · 1909-08-06 · Heft 31 (6.8.1909) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 31 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 31. aufrüttekndeil letzten Dezennien auch darin einen tiefwurzelnden und hochbedeutsamen Umschwung gebracht. Unsere Generation ist Zeugin dessen, wie aus demselben historischen Prozesse, der im jüdischen Leben ungeahnte Strebungen nach nationaler Regenerierung schafft, zugleich nicht nur eine itmfangreiche und vielversprechende Literatur erwächst, sondern auch die hebräische Sprache frische Kräfte schöpft, um auf deu jüdischen Organismus befruchtend zurückzuwirken. Noch sind es mühevolle Anfänge, lastende Versuche, in deren Dienst viele junge Talente ihre Individualität stellen, aber auch schon jetzt entwickelt sich neben einer allgemeinen hebräischen Presse, die allein Zehntausenden Juden die Güter des Geistes bringt und die jüdischen Volksinteressen konzentriert, neben einer im Aufblühen begriffenen Belletristik und einer auf alle Lebenswie Zeitprobleme reagierenden Publizistik ein ausgedehntes hebräisches Schulwesen, das hie und da in Osteuropa, namentlich aber in Palästina die Sprache der Väter zur Unterrichtssprache erhebt, weiter ausbildet und zu einem lebensfähigen Element adelt. Drüben im Osten gibt es schon ganze Scharen von Kindern, denen das Hebräische zur Muttersprache geworden, die im Hebräischen ihre psychische Vereinheitlichung stählen und auch in der Alltäglichkeit ihre Wiedergeburt voll erleben. Derselbe Orient kennt bereits ganze Gebiete, in denen die durch ihre Geburt sprachlich, getrennten Jndenteile natürlicherweise nur im Hebräischen ein Verständigungsmittel finden, und beweist mit zwingender Logik, daß die Sprache der Bibel mit ihren weiteren Formierungen das natürliche einigende Band der Gesamtjudenheit zu werden berufen ist. Niw wer dem sich erneuernden Volksorganismus fernsteht, vermag immer noch den an seiner Trivialität dahinwelkenden Gedanken weilerzutragen, daß das Hebräische, gleich dem Lateinischen und Griechischen, nur noch die Sprache des Wissens und Gebetes, nicht aber die des Lebens und der siegendenZukunst sei. Selbst in jenen Ländern, in denen das Hebräische einem verwüstenden Jndifferentismus znm Opfer gefallen ist. fühlt man leise sich durchringende, bald bewußte, bald unbewußte Strebungen, ein merklich erwachendes und steigendes Interesse für die totgeglaubte und aufgegebeue Sprache.unserer Väter. Wo aber, wie in den Ländern der großen Judenmassen, das Interesse in die Tat sich umgesetzt hat, da haben die positiven Ergebnisse bereits ihre Geschichte hinter sich und sind eine Folge mannigfacher Unternehmungen und Notwendigkeiten. Allein, was alle diefe über die ganze Welt zerstreuten Kräfte schaffen, spiegelt nur das Sehnen des jüdischen Volkswillens nach Wiederaufbau der zerstörten Werte wieder, entbehrt aber der Einheitlichkeit. des programmatischen Zieles, der kraftschaffenden und richtunggebenden Zentralisation. Aus dieser Erkenntnis erwuchs der Gedanke au die Unentbehrlichkeit eines Kongresses für hebräische Sprache und Kultur, der sich mit den kurz gestreiften Problemen eingehend befassen und der Konsolidterung der hebräischen Kräfte organisatorisch dienen soll. Diese Erkenntnis hat auch das Unterzeichnete Komitee veranlaßt, von einer Spezialkonferenz die Aufgabe der vorbereitenden Schritte zu diesem Kongreß mit Freuden zu übernehmen, von der Hoffnung getragen, daß dieser Anfang zum Ausgangangspunkt weiterer Entwicklungsmöglichkeiten werden wird. Aus dem Appell zur Einberufung des Kongresses geben wir im nachstehenden einen Auszug: „Es sind in unserer Zeit mancherlei Organisationen und Institutionen begründet worden zur Pflege der hebräischen Sprache, zur Förderung der hebräischen Literatur, zur Ausgestaltung der hebräisch-sprachlichen Erziehung; aber alle diese Gründungen und Gruppierungen, die nur dem Wohlwollen und der Initiative von Privaten überlassen sind, zersplittern ihre Kräfte, durchkreuzen einaudeL^,o1)L^_streben gar einaitder entgegen. Jeder einzelne arbeitet nach eigener Einsicht und auf eigene Verantwortung, und darum bleibt diese Arbeit nur Stückwerk. Streben wir daher danach, der hebräischen Kultur die Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, die ihr gebühren, so müssen wir den Weg aller Gemeinschaften gehen, die leben wollen: wir müssen eine Gesamtorganisation schaffen, die alle Kräfte des lebendigen Hebräismus in sich sammelt und zu organischer Tätigkeit vereinigt. Um diese Organisation zu schaffen, berufen wir alle, die gleich uns ihre Notwendigkeit erkannt haben, zu einem Kongreß für hebräische Sprache u n d K u l t u r. der im Dezember dieses Jahres stattfindeu wird. Die Aufgabe des Kongresses wird darin bestehen: 1. Die Grundlagen und das Programm einer Gesamtorganisation zur Förderung der lebendigen hebräischen Sprache, der hebräischen Literatur und der hebräisch-sprachlichen Erziehung auszuarbeiten. 2. Eine sichere reale Basis — etwa in der Form der Begründung eines Fonds — zu finden, die allen Teilen dieser Tätigkeit den Bestand sichern soll. Der hebräische Kongreß ist nicht die Versammlung dieser oder jener Gruppe und Partei, sondern eine allgemein nationale Versammlung, und jeder Jude, der die hebräische Sprache als unsere Nationalsprache betrachtet und an einer organischen Arbeit im Dienste ihrer Wiedergeburt mitzuwirken wünscht, kann daran teilnehmen. Die Tagesordnung und die in Aussicht genommenen Referate, sowie die genauen Angaben über Zeit und Ort, werdeit demttächst bekanntgegebeu werden. S. I. A b r a IN o w i t s ch (M e n d e l e m o ch e r s e f o r i m) (Odessa). A ch a d H a a m (London). A. L. B e n-A v i g d o r (Warschau). E. B e n Zehn da (Jerusalem). Sch. Ben Zion (Jaffa). Ch. N. Bialik (Odessa). Dr. Markus Brande (Lemberg). Jacob C a h a n (Bern). Professor H. P. C h a j e s (Florenz). Dr. I. C h a f v n o w i tz (Bialystok). S. D n dnow (Petersburg). Dr. M. Ehrenpreis (Sofia). Jsak Epstein (Lausanne). Salomon Eppstein (Petersburg). David Frischmann (Warschau). Jehuda G r a s o w s ky (Beyruth). Professor Josef Halevi (Paris). S. A.Hörodezky (Bern). Markus Kahan (Jaffa). Dr. I. Katzenelensohn Petersburg). Professor Leon Kellner (Czernowitz). Dr. Josef Klausner (Odessa). Ä. L. Lewinsky (Odessa). M. L. Lilienblum (Odessa). Dr. I. L. Magnes (New-Iork). Jakob M a s e (Moskau). Dr. I. Nie m erower (Jassy). Dr. Max Nordan (Paris). I. Ch. Rawnitzky (Odessa). Professor Boris Schatz (Jerusalem). Salomon Schiller (Lembergl. S. S ch n e i e r (Warschau). S ch o l e m Aleichem (Cervi). Dr. N. Slouchz (Paris). N. S o k o l o w (Köln). Dr. N. S y r k i n (New-Iork). Dr. Osias Thon (Krakau). Dr. E. W. T f ch l e n o w (Moskau). M. M. u s s y s ch k i n (Odessa). Dr. Ch. Zhitlowsky (New-Uork). Hillel Zeitlin (Warschau). David 2) e 11 i it (Jerusalem). Zentral-Ko in itee der „Jvria". Z e u t r a l-K o m i t e e des Lehre r-V er b an d e s in P a l ästin a. Hebräischer Lehrer- Verband i n Ruß l an d. H eb räisch er L e hr er-V er b a nd in Oesterreich. „H a s o m i r" i n W a r s ch a u. Das vorbereitende Komitee in Berlin: Dozent Dr. E. B a n e t h. Rüben B r a i n i n. Dr. Martin Bube r. Bertbold F e i w e l. S. I. H u r w i tz. Dr. Schmarja L e w i n. Rabbiner Dr.. Emil L e v y. Dr. Heinrich Löwe. Privatdozent Dr. Engen M i t t w o ch. A. L. M o tz k i n. Rabbiner Dr. M. Warschaue r. Dr. L. W i l e n s k y. Das Sekretariat: B. Gott lieb. Josef Lin. Adresse: Herrn Dozenten Dr. E. Baneth, für Kulturkongreß-Komitee. Berlin 0., Rosenthalerstraße 25. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der durch seine Herzensgute und seinen Wohltätigkeitssinn in den weitesten Kreisen bekannte Juwelier, Herr Salomon H e r z l, beging am 3. d. M. in Böslau sein silbernes Hochzeitssest. Wien-Floridsdorf. (Diamantene Hochzeit.). Samstag, den 21. August l. I., begeht das Ehepaar Herr und Frau Salomon und C ä c i l i e D u l d n e r, Floridsdorf, Ostmarkstraße 56, im Kreise der Kinder, Enkel und Urenkel in vollster Rüstigkeit und Lebensfrische das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 86., die Frau im 80. Lebensjahre, ist seit 1849 verheiratet und hier wohnhaft. Das Ehepaar erfreut sich sowohl im XXI. Bezirke als auch im Kreise seiner Bekannten und Freunde ohne Unterschied der Konfession und Nationalität allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. J. E. Baden Herr Oberkantor Majer S e i f f e r t wurde, wie berichtet, auf Grund eines Probegesanges von der Bukarester Kultnsgemeinde als Oberkantor engagiert. Samstag, den 31. Juli, widmete ihm Herr Rabbiner Reich in seiner Wochenpredigt Worte der Anerkennung, welche von den vielen Anhängern des Oberkantors Seiffert mit großer Befriedigung ausgenommen wurden. In der Einleitung betonte er den Wert und die Wirkung der Musik bei den Juden, die trotz der Verfolgungen! von außen in ihrem Heim und im Tempel sich mit fanatischer Anhänglichkeit dem Genuß jüdischer Musik Hingaben. Oberkantor Seifferts Abschiedsvortrag übte auf die andächtigen Zuhörer, unter denen sich außer den Badenern eine große Anzahl von Kurgästen befand, einen nachhaltigen Eindruck. Luhatschowitz. Auf vielseitiges Verlangen der Luhatschowitzer Kurgäste wurde der hier weilende Oberkantor Osias Kopfstück aus Tyrnau am 17. Juli mit einem Freitag-Abend-Gebet beehrt und sein

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