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Die Wahrheit · 1909-07-30 · Heft 30 (30.7.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 30 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. 30 ziemlich nahe standen, er hat dessen Werk in Wort und Schrift gefördert. „Jehndi" ist Zionist von Herz l'scher Observanz. Und auch der große Jnangnrator der zionistischen Idee hätte manche Erscheinungen in dem. was. sich heute Zionismus nennt, nicht gebilligt. „Jehndi" wendet sich gegen die Gleichgiltigkeit im Jndentnme, gegen die Schönrednerei und den Jngendnnterricht, wie sie bei uns herrschen. Er wendet sich gegen die materialistischen, rohen Anschaltungen, die viele unserer Jünglinge beherrschen, welche von allem hören wollen, nur von der Religioit nicht. „Jehndi" ist snr eine Erneuerung und Belebung des religiösen Gedankens und hat die Idee eines „Jndeittages" in diesen Blättern, sowohl als auch in anderen, schon vor langer Zeit propagiert. Auch er ist für die Ansräumuitg des „Schuttes der Jahrhunderte", wie diese Ideen in dem jetzt erschienenen, sehr lesenswerten Buche von Dr. Moritz Lazarus „Die Erneuerung des Judentums, ein Aufruf", heransgegeben von Frau Ruth Lazarus, propagiert wird. „Jehndi" zankt nicht, flennt nicht, klagt aber diejenigen an, welche jeden „anschnodderu", der verlangt, Zionismus. Nationalismus mögen mit der Religion „außerhalb unabhängig vom Kultnsgeiueinderabbiuer und Tempel" Hand in Hand gehen. Das ist auch „Jehudis" Meinung. Er kann sich eben Judentnm ohne Religion nicht denken. Herrn I. Mendel freundschaftlichen Gruß! Um die Aufnahme vorstehender Zeilen in die nächste Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes bittet mit höflichen Grüßen „Jehndi". Verschiedene Aachrichten. Wien. Samsrag am 31. Juli. Predigt im Stadttempel. Wien. („L i v i a s Che n", II., Stefaniestraße 2.) Samstag, den 31. d. M.. 5 Uhr nachmittags, Vorrrag des Herrn I. R o s n e r über „Pirke Avory". Wien. Ein braver und wackerer Mann, im Bannkreis der Seitenstettengaffe anfgewachien und ihr mir Leib und Seele ergeben, der mit seinen Jngenderinuerungen noch an die hervorragenden Persönlichkeiten der älteren Generation der Wiener Knlrusgememde anknüpsle, da dieselbe wohl eine große Gemeinde, aber noch keine Großgemeiude war, der ehemalige offizielle journalistische Chronist für alle jüdischen und besonders Kahalsangelegcnheiten, Redakteur Friedrich H e r r n f e l d. ist Freitag, den 23. d.M. nach kurzem Leiden im 59. Lebensjahre gestorben. In den' zahlreichen Kreisen, mit denen Friedrich Herrnseld während seiner langjährigen journalistischen Tätigkeit in Ausübung seines Berufes oder gesellschaftlich in Berührung war, wird sein Hinscheideu aufrichtige Teilnahme erwecken. Liebenswürdig und herzensgut, stets von frohem Humor beseelt, bescheiden in seinem ganzen Wesen, war er eine sehr sympathische Erscheinung, der njeinand übel wollte. Der „Friede!" — unter diesem Namen kannte man ihn fast besser, als unter seinem Familiennamen — war überall gern gesehen und hatte viele Freunde. Nicht die wenigsten unter den Armen und Bedürftigen Wiens, für die er jahraus jahrein auf den Beinen war, unermüdlich, wo es galt, Wohltaten anzuregen und zu üben und in großen Gesellschaftsschichten für Werke der Humanität durch eifrige und unausgesetzte Agitation zu werben. Friedrich Herrnseld ist der Begründer, ständiger Schriftführer und Ehrenmitglied des Wiener W ä r m e st u b e n-B e r e i n e s gewesen. Das war seine Lieblingsschöpfnng. auf die war er stolz und hatte auch alle Ursache dazu. Für seine Verdienste um diese segensreiche Einrichtung hat ihm auch der Wiener Gemeinderat durch den Mund des Bürgermeisters Dr. Lueger die Anerkennung ausgesprochen, Auch die Wiener Freiwillige Rettung s-G e s e l l s ch a f t führt den Namen Friedrich Herrnfelds in der Liste ihrer Ehrenmitglieder. Baron Jaromir M u n d y hat oft in geradezu überschwänglichen Worten der wertvollen und wirksamen Mitarbeit Friedrich Herrnfelds an der Gründung und Festigung der Freiwilligen Rettungs-Gesellschaft gedacht. Sein Wirken im Dienste der öffentlichen Wohlfahrt wurde durch Verleihung des Ritterkreitzes des Franz Joses-Ordens anerkannt. Friedrich Herrnfeld, der ein Alter von 59 Jahren erreichte, hinterläßt eine Witwe, die fassungslos niedergebeugt ist von dem unerwarteten Schlag, und zwei Kinder, Knaben im Alter von elf und neun Jahren. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 25. d. M. unter zahlreicher Beteiligung der weitesten Kreise der Wiener Gesellschaft statt. Nach Vortrag des „Hazur tomim" durch Oberkantor Don Fuchs widmete Oberrabiner Dr. G ü d e m a n n dem Verstorbenen einen Nachruf. Der Grundzng des ganzen Lebens des Verstorbenen, sagte Redner, war seine unerschöpfliche Herzensgüte, er war überall zu haben, wo es galt, für gute, schöne und edle Zwecke zu wirken und zu schaffen, er setzte sich mit seiner Kraft ein, wenn es galt, Dürftigen und Verlaffenen zu helfen. Eine der wohltätigsten Einrichtungen unserer Stadt, der Wiener Wärmestnben- Berein. war sein Werk. Friedrich Herrnfeld mit seinem so guten Herzen war überall beliebt und gern gesehen. Nachdem Dr. Güdemann auch die unerschöpfliche Liebe des Verewigten zu seiner Familie, insbesondere zu seinem Bruder Heinrich, welchen das Hinscheiden dieses wackeren Mannes schwer getroffen, hervorgehoben, schloß er seinen Nachruf mit den Worten, ine der Verblichene einmal gebrochen: „Wer ein gutes Herz in der Brust trägt, dessen Leben ist ein fortwährendes Freudenfest!" Nun nahm Balduin Bricht namens der engeren Kollegen, und Julius Stern namens des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Abschied von dem braven, herzensguten Kollegen. Der Sarg wurde hierauf zur letzten Rnhestätre getragen und dort beigesetzt. Wien. (L e I ch e n b e g ä n g n i s.- Montag, den 26. d. M. wurde Herr Markus Tröster, Quartettsänger des Leopoldstädter Tempels,, zu Grabe getragen. Markus Tröste r, welcher ein Alter von 75 Jahren erreichte, war durch 40 Jahre verdienstvoll>'s Mitglied des Leopoldstädter Tempels. Der Verstorbene hatte einen prachtvollen Tenor und war durch seine Gewissenhasrigkeit, Pünktlichkeit und Pflichttreue eine Stütze des Chores. T r ö st e r ging in seinem Berufe auf. Stand er beim Altäre, stellte er voll und ganz seinen Mann, dachte dabei nicht an die kärgliche Bezahlung, sondern setzte seinen Stolz darein mit Ausdauer bis znm letzten Amen zu singen. T r ö st e r war auch Chorsänger in der Hosoper, später durch 28 Jahre am Theater a. d. Wien und bei allen Direktoren und Kapellmeistern äußerst beliebt. Er hinrerläßt einen Sohn, welcher k. u. k. Oberst ist. Er war sein Stolz und sein Glück. Die Beteiligung am Leichenbegängnis war eine schwache, nur ivenige seiner Freunde und Bernfsgenosieu gaben dem wackeren Kollegen das letzte Geleite. Erster Kantor M a r h y a s versah die Funktion in erhebender Weise. Am Grabe sprach sein langjähriger Freund Kantor L ö w i r warm empfundene Abschiedsworte. Galgocz. Am 3. August, 1 Uhr nachmittags, findet INI hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Theres K r i e n e r, Tochter unseres allbeliebten Oberkantors Herrn Moses K r i e n e r, mit Herrn Markus A b r a m o w i c s statt. Leipzig. Von zwei Jubiläen im benachbarten Oesterreich-Ungarn will ich den lieben Kollegen in diesen Zeilen berichten und damit znm Ausdruck bringen, daß gegenseitige herzinnige Anteilnahme die Kollegen allerorten eint und bindet. In Satvralja-Ujbely feierte mit znrückgelegtem 60. Lebensjahre der vielen seiner Jünger diesseits und jenseits des großen Teiches bekannte Kantor Elsik E i b n s ch i tz sein 40-jähriges Amtsjnblläuni. Sein Werdennd Wirknngsgang wird durch die Namen: Preßbnrg, Krakau, Debreczen und Ujhely bezeichnet. Die Art und Weise, wie er in seme erste Stelle gelangte, ist so eigentümlich und für unseren Stand so charakteristisch, daß sie in diesem kurzen Berichte hervorgehoben zu werden verdient. E i b nschütz war als Meichorer im Gefolge des zur Probe berufenen Mosche Laudzger aus Jarvslaw nach Preßburg gekommen und — erhielt die Stelle, für die sein Meister kandidierte. — E i b u s ch ü tz, ein viel bewunderter Tenor-Chasan, ist Komponist vieler Nezitative und Chöre, die typisches Chasonns behandeln, an den >sänger aber (im doppelten Sinne) hohe Anfordernngen stellen. Das zweite, ebenfalls 40-jährige Amtsjubiläum feierte, zugleich mit seinem Wegzüge ans Prag, der langjährige Chordirigent am Tempel in der Geistgaffe, der k. k. Musikdirektor David Rubi n. Die Jnbiläums- und Abschiedsseier gestaltete sich zu einem Feste, an dem weiteste Kreise innigen Anreil nahmen; denn David Rubi n gilt nicht nnr als einer der berufensten Vertreter edlen, geradezu klassischen Chorgesanges für die Synagoge, sondern Rubin genoß in Musik- und Künstlerkreisen des mnsiksreitdigen Prag hohes Ansehen und volle Wertschätzung. Das trat au seinem Ehrentage deutlich hervor. Ehrung auf Ehrung er'vlgte seitens des Gemeinde-Vorstandes, des Synagogen-Chores, vieler musikalischer Gesellschaften und künstlerischer Vereinigungen, und wenn David Rubin jetzt in den Ruhestand getreten ist, so rufen wir ihm nach seinem derzeitigen Ruhesitze Wien ein herzliches Lebewohl, ad meob schonoh zu. E. F. Bukarest. Samstag, den 5./18. Juli 1909 fand in der großen Synagoge zu Bukarest der Probevorlrag des Herrn M. Seifert, derzeit Oberkantor zu Baden, statt. Der umfassende Raum des neuen Tempelgebändes war von Damen und Herren bis aufs letzte Plätzchen dicht besetzt. Die gewaltige, hinreißende Heldentenorstimme des Sängers hat das ganze gewählte Publikum in helle Begeisterung versetzt, die sich nach Beendigung des Gottesdienstes in schallendem Beifall kundgab. Herr M. Seifert wurde nach dem glänzenden Probevortrage als Oberkantor der großen Synagoge einstimmig gewählt und tritt im nächsten Monate sein neues Amt an. Briefkasten der Wedaktion. A. Dow. Bedauern von Ihrem Artikel nicht Gebrauch machen zu können, da anonyme Zuschriften prinzipiell keine Berücksichtigung finden können. Dr. B. in L. Leider ist Ihr „Offenes Schreiben" diesmal wieder geradezu unleserlich, und zudem scheint uns der Inhalt eher für eine private Mitteilung als für eine öffentliche Diskussion geeignet. Austritte uns dem Judentum. Hirscb Erwin, geb. 22. Juni 1891 in Wien, ledig, Abiturient. XIII., Trautmannsdorfgasse 5. H u t h G n st a v, geb. 25. Mai 1685 in Prvßnitz, verh., Privatbeamter, II., Pazmannengasse 25. Kerner Fritz, geb. 1. März 1882 in Wien, ledig, Ingenieur, I., Rudolfsplatz 1. Langer R i ch a"r d, geb. 10. Dezember 1689 in Wien, ledig, Pfründner, XX., Klosterneubnrgerstraße 85. L ö w e n st e i n Jul., geb. 5. April 1878 in Wien, verh., Buchhalter, VII., Andreasgaffe 1. Lippa Kolo m.. geb. 17. August 1879 in Budapest, verh., Kaufmann, Vst., Kaiserstraße 63. Konrad Adele, geb. 20. Feber 1891 in Wien, ledig, Kuustblumenarbeiterin, XVI., Kirchstettergasse 13.

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