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Die Wahrheit · 1909-07-30 · Heft 30 (30.7.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 30 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30. Die Wahrheit Seite 7. die sie bewohnen und an denen die Zeit spurlos vorübergegangen zu sein scheint. Dann wieder sprach er von seinen Arbeiten, von seinem Heine, über den er kurz daraus wieder einen Artikel veröffentlichte. Er gedachte auch der Stunde, da es ihm gegönnt war, vor der verewigten Kaiserin Elisabeth von Oesterreich einen Vortrag über Heine halten zu dürfen. Das war wohl der größte Augenblick seines Lebens. Und nun ist er auch zu seinen Vätern versammelt worden. Frühzeitig, vorzeitig hat er das Feld verlassen, das er unablässig bebaute. Einer seiner letzten Artikel, vielleicht ist es der letzte, handelt über den unglücklichen H e i li r i ch v. K l e i st. den er gegen den Vorwnrs jndenseindlicher Gesinnung verteidigte. Nun. da auch er von uns gegangen, bleibt uns nur der Wttnsch: Gebe es seinesgleichen doch viele in Israel. Hofrat Professor Dr. Oser. Zu seinem 70. Geburtstage. Das Spital der Wiener israelitischen Knltnsgemeinde, im Volksmuude „Rothschild-Spital" genannt, gilt im In- und Auslände als eine Muster-Anstalt, die, allerdings unter großen materiellen Opfern der Gemeinde, in der Pstege und Wartung der Kranken ganz Außerordentliches leistet und besonders seit Angliederung des neuen Traktes für chirurgische und gynäkologische Fälle über alle Einrichtungen und Behelfe verfügt, die Wissenschaft und Technik zum Heile der Leidenden rastlos ersinnen. Daß diese Anstalt das geworden ist.' was sie jetzt ist. muß in erster Linie als ein Verdienst des Hofrates Professor Dr. Oser angesehen werden, der am 27. d. M. in der Zurückgezogenheit seines ländlichen Tnsknlnms seinen 70. Geburtstag begeht und dem aus diesem Anlasse Tausende und Abertausende, die er durch seiue ärztliche Kunst und die Segnungen der Wissenschaft zil Gesundung und Heilung führte, liesdankbaren Herzens die innigsten Glück- und Segenswünsche nachsenden. lieber die ivissenschaftliche Bedelltung des jubilierenden Gelehrten und über sein Wirken und Schaffen wird von fachmännischer Seite folgendes geschrieben: „In seiner stillen, unauffälligen Weise hat Hofrat Oser als Lehrer, Forscher und Organisator ein großes Lebeuswerk geschaffen, an dem er noch rüstig und erfolgreich weiterarbeitet. Er studierte unter Skod a, Oppolzer itnd R o k i t a u s k y und wurde im Jahre 1862 an der Wiener Universität zum Doktor der Medizin und der Chirurgie promoviert; er war fünf Jahre lang Seknndararzt im Allgemeinen Krankenhanse, habilitierte sich für innere Medizin, wurde im Jahre 1872 über Vorschlag eines Professvren-Komitees, dessen Referent Skoda war, Primarius des Rothschild-Spitals und Abteilungs- Vorstand au der Allgemeinen Poliklinik, zu deren Gründern erzählt, 1874 als Mitglied des niederösterreichischen Landessanitätsrates, 1885 außerordentlicher Professor; er erhielt im Jahre 1902 Titel und Charakter eines Ordinarius, ein Jahr später den Hofratstitel rmd wurde im Jahre 1905 zum Vorsitzenden des Landessanitätsrates ernannt. Oser hat eine lange Reihe wissenschaftlicher Arbeiten geliefert: „Ueber die mechanische Behandlung der Magen- und Darinkrankheiten". „Ueber den Einfluß des Nikotins ans die Darmbewegnngeit", Ueber die Ursachen der Magenerweiternng", „Ueber Schmerzen und krankhafte Empfindungen im Magen", Ueber Cholera asiatica", „Ueber Verengerung des Darmes", ..lieber Flecktypnis", „lieber die Nerveuverteilung im menschlichen Magen" und „Ueber nervöse Magenstörnugen". Besonders hervorznheben ist die Einführung des weichen, nach Oser benannten Magenschlanches in die Theraphie der Magetlkrankheiten. Erst nach allgemeiner Anwendung desselben konnte der Ausbau der chemisch-diagnostischen Methoden bei Magenerkrankitngen von statten gehen; die Anwendung des Magenschlauches ermöglichte es ferner, die ..Magenausheberung" zu einer ganz gefahrlosen, auch vom Kranken selbst durchführbaren Operation zn gestalten. Ihm ist ferner die grundlegende Untersuchung über Magenuenrosen zu verdanken; die von Oser aufgestellte Systematik dieser in verwirrender Zahl und unter den verschiedenartigsten Bildern auftretenden Erkrankungen ist bisher von keinem atideren Autor übertroffen oder verdrängt worden. Er hat die mechanischen Verhältnisse der Magenerweilerung studiert und eine erfolgreiche Behattdlung dieses Leidens angegeben. Sein Verfahren. Magengeschwüre zn heileri, liefert auch in schweren Fällen gute Resultate. Schließlich ist sein Werk „Ueber die Krankheiten des Pankreas", der Bauchspeicheldrüse. von großer Bedeutung für das Studium der Physiologie und Pathologie der Verdauung geworden. Das Werk ist vor kurzem auch in englischer Ausgabe erschienen. Neuerdings hat er eine Arbeit „Ueber die palhognostischen Symptome der Pankreaserkrauktingen" veröffentlicht. Neben einer reichen wissenschaftlichen Arbeit hat Hofrat Oser als Spitalsleiter wichtige organisatorische Aufgaben gelöst. Er war der Berater des Freiherrn v. Rothschild bei der Vergrößerung des Spitals an der Währinger Linie; er hat in diesem Krankenhanse alle wissenschaftlichen Steuerungen eingeführl, alle Fortschritte für die Pflege und Wartung der Kranken zur Tat werden lassen. Die Operalionssäle, die Srerilisationsränme. die Tagränme und die Küchenanlagen dieses Krankenhauses sind Muster, welche neuerdings in Anstalten der Residenz und der Provinz nachgeahmt werden. Dieses große Spital liegt ihm besonders am Herzen und ist das Objekt seiner unermüdlichen Fürsorge. Als Mitglied des Kuratoriums der R o t h s ch i l d-S t i f t u n g für Nervenkranke hat Hofrat Oser ebenfalls Gelegenheit gehabt, sein glänzendes Organnanonstalent zn bewähren; ebenso als Abteilnngsvvrstand der Poliklinik, welcher er feit 37 Jahren angehört. Hier ist Hofral Oser anch als Lehrer tätig, seine Vorlesungen und Kurse über Magennnd Darmkraiikheiten werden von in- und ausländischen Aerzten mit Vorliebe frequentiert. Zahlreiche hervorragende Spezialärzle für Magen- und Darmkrankheiten zählen zu seinen Schülern. Als Sanitätsrat har Hofrat Oser eine Reihe wichtiger Referate erstattet, als Vorsitzender des Sanirätsrates zählt er zu den führenden Männern im österreichischen Gesundheitswesen. Unermüdlich ist er im Interesse seiner Kranken tätig, ihr Wohl tlnd Weh beschäftigt ihn unausgesetzt; er kennt keine freie Stunde, keine Ferien, wenn es gilt, für die armen Kranken etwas zn schaffen. Persönliche Liebenswürdigkeit, ein ausgesprochenes, stets das Richtige treffendes therapeutisches Talent, und die größte Kunst, auch in verlorenen Fällen Trost und Linderung zn schaffen, zeichnen Oser als Arzt ans. Seinem schönen Heim steht eine hochgebildete Gattin vor, eine der erfolgreichsten Damen der wohltätigen Residenz. Die Gäste des Oferschen Hattses. welche sich ans den vornehmsten Kreisen der Residenz, in großer Zahl auch ans der Künstler- und Schriftstellerwelt, znsammensetzen, erfreuen sich an dem geistreichen Witz des Hausherrn, der ein wenig an Sarkasmus streift, und an der herzlichen Gastfreundschaft seiner Gattin. Der ernste Gelehrte erweist sich hier auch als vornehmer Lebenskünstler und heiterer Philosoph. Zn Beginn des Wintersemesters, wenn Professor Dr. Oser zn neuer Tätigkeit von seinem Landaufenthalte nach Wien znrückkehrt, gedenken seine Schüler und Freunde ihm ihre Verehrung und Dankbarkeit in festlicher Weite zum Ansdruck zu bringen. Drr Abfall nnd seine Grunde. Wir werden um Aufnahme nachstehender Zeilen ersucht: Brünn, 7. Menachem-Ab (25/7) 5669 (1909). Geehrte Redaktion!. „Jehndi" dankt vor allem Herrn I. Mendel für die sehr freundlichen Worte der Anerkennung, die er ihm in seinem Artikel „T a n f e" spendet. Aber auch „Jehndi" ist es wie dem geschätzten Herrn Verfasser dieses Aufsatzes ergangen. Auch er greift sich beim Kopf. Wo in aller Wett har „Jehndi" den „Tanfbazillns" im Zionismus gefunden? Er durchlas seinen Artikel „Der Abfall und seine Gründe", auf den auch in einem anderen jüdischen Blatte Wiens reagiert wurde — nnd fand nichts, was zu dieser Annahme berechtigte. Wie sollte es auch sich so verhalten! „Jehndi" ist, damit verrät er Herrn Mendl vielleicht kein Geheimnis, kein Gegner der zionistischen Bestrebungen, er gehört zn denen, welche dem unvergeßlichen H e r z l, da er noch Student war.

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