Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 30 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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dir. 80. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Seite 9. Allgem. Deutscher Kantorenverband. (Fortsetzung.) Es folgt nun der Kassenbericht des Schatzmeisters Z i v i- Elberfeld. Da der Bericht gedruckt vorliegt, kann sich der Schatzmeister kurz fasseu und auf den günstigen Abschlug Hinweisen. Bei der Debatte über diesen Bericht kommt es zu überaus heftigen Redekämpfen, da Koll. Sache r-Berlin die zu großen Ausgaben an Verwaltnngskosten bemängelt, außerdem darauf hinweist, wie die Kosten für die Ansschußsitzungen geringere wären, wenn Berlin und nicht Hannover, Leipzig, Frankfurt a. M. als Tagungsorte gewählt worden wären, wie er überhaupt bei dieser Gelegenheit eine zu geringe Rücksichtnahme ans Berlin, das mit Vororten 20 Kantoren besitze, hervorhebt. Der Vorsitzende weist im einzelnen nach, wie alle diese Vorwürfe unberechtigt seien. Insbesondere könne die Verwaltung des A. D. K. V. nicht mit der „Hilfskasse", deren Vorstandsmitglieder alle in Berlin wohnhaft sind, verglichen werden. Die Zusammenstellung des Ausschusses vom A. D. K. V. erheische tiotgedruugeu die höheren Verwaltungskosteu. Er zeigt, daß, wenn der Verband nur auf die Mitgliederbeiträge, die sehr unregelmäßig eiugehen. angewiesen wäre, au eine Aktionsfähigkeit überhaupt nicht gedacht werden könnte, denn zur Durchführung all der gesteckten Ziele gehören entsprechende Mittel. Jedes einzelne Mitglied des Ausschusses bringt Opfer an Zeit und Geld. Daß nicht immer Berlin zum Tagungsort gewählt worden ist, das lag im Interesse des Verbandes. Der Ausschuß wollte die Kollegen ans den verschiedensten Teilen Deutschlands für die Verbandsideen gewinnen und tagte daher jedesmal an einem anderen Orte. Auch waren noch sonstige im Verbandsinteresse liegende Gründe für die Wahl der Tagungsorte maßgebend. Eine Absicht, die Berliner Kollegen zu brüskieren, lag also keineswegs vor. Gern wird vielmehr der Ausschuß, der Einladung der Berliner folgend, die nächste Sitzung in Berlin abhalten. Da der Morgen unter diesen lebhaften Debatten weit vorangeschritten war, ließ der Vorsitzende zur Einnahme eitles kleinen Frühstücks eine viertelstündige Panse eiinrelen, die zur Beruhigung der erhitzten Gemüter wesentlich beitrug. — Nach Wiederaufnahme der Sitzung erfolgte zunächst die Wahl von zwei Kassenrevisoren, als welche durch Zuruf Koll. F r i e d l a n d- Breslan und Seminarlehrer L e v i s o h n-Hannover bestimmt wurden, Ans Grund der Verbandssatzimgen soll jedesmal eilte .Hälfte des Ansschusses neu gewählt werden. Da in den Satzungen die erstmalige Ausscheidung nicht genau bestimmt wird, beschließt die Versammlung einstimmig, diesmal die vier Beisitzer neu zu wählen. Es scheiden daher ans die Kollegen R o s e n r h a l-Berlin, H o f st'e i n-Dresden, I a c o b s o h n-Friedenan-Berlin und Levi- Frankfurt a. M. Die vorgenommene Wahl durch Stimmzettel ergibt die Wiederwahl von H o f st e i n-Dresden, Jacobsohu- Friedenau und Lev i-Frankfnrt a. M. Neu gewählt wird Kollege Sing e r-Kattowitz. Da die Berliner Kollegen Wert darauf legen, daß auch ein Berliner Kantor im Ausschuß sitze, bemerkt der Vorsitzende, daß diesem Wunsche schon in allernächster Zeit entsprochen werden könne, da ein Ausschußmitglied durch besondere Umstände sich genötigt sieht, sein Amt im Ausschuß niederzulegen. An dessen Stelle soll dann ein Berliner Kollege in den Ausschuß kooptiert werden. Inzwischen sind Begrüßnngstelegramme von B i r n b a n m- Königsberg und S l o d k i-Pirmasens eingegangen, die vom Vorsitzenden verlesen werden. Es folgt ntmuiehr das Referat des Koll. Bella k-Zittau: „Bericht über d i e T ü t i g k e i t der A u stelluugsko m m i s s i o ii." Zunächst gibt der Referent eine packende, lebenswahre Schilderung der oft traurigen Lage der Kultnsbeamten, und zwar in bezug auf die Art der Anstellung, der Versorgung im Alter und der Hinterbliebenen, sowie hinsichtlich der oft mehr als kärglichen Besoldung. Ueber all diese Uebelstände hat die Kommission in einer Eingabe an den D. I. G. B. berichtet und um Einwirken dieser Organisation auf die Gemeinden zwecks Abhilfe dieser Uebelstände gebeten. Der D. I. G. B. erwiderte aber, daß er dazu außerstande sei. Auch der Entwurf des neuen Gesetzes ru einer Organisation der preußischen Juden hat die Erwartungen des Kanlorenstandes arg getäuscht. Durch den Ausschuß wurden daher der Kommission die Wünsche des Kantorenstandes übermittelt. Es ist nuir Ausgabe des Verbandes, dafür zu wirken, daß diese Wünsche in der dritten Lesung Berücksichtigung finden. Dem eingehenden Referal, das äilßerst beifällig ausgenommen wurde, folgte eine längere Debatte, an der sich die Kollegen O s w a l d-Posen, D a v i d s o h n-Gleiwitz. L e i b o w i tz-Posen, Lev Y-Frankfurt a. M., F a b i s ch-Göltingen, der B o r s i tze n d e, sowie der Referent beteiligen; sie zeigte Uebereinstimmung in allen diesen unseren Stand so überaus bewegenden Fragen. Da unsere Organisation aber nur etwas erreichen kann, wenn die ganze deutsche Kollegenschaft znr Mitarbeit herangezogen wird, so wird, angeregt durch die Kollegen L e i b o w i tz-Poien nnd Oswald-Posen, dem Ausschuß die Gründung von Zweigvereinen empfohlen. All die in der Debatte gezeitigten Ideen werden von dem Vorsitzenden äußerst dankbar begrüßt mit dem Bemerken, daß ihrer Verwirklichung die nächsten Arbeiten des Ausschusses gewidmet sein sollen. Außerdem fand folgende vom Referenten, B e l l a k-Zittau. nnd von D a v i d s o h n-Gleiwitz abgefaßte Resolution e i nstimmige Annahme: „In der Generalversammlung des A. D. K. V. zu Breslau am 1. Juni d. I. ist die Absendnng folgender Resolution an den Ausschuß znr Vorbereitung des Jndengeietzes einstimmig beschlossen worden: D e r A. D. K. V. vermißt in der v o r g es ch l a g e n e n Fassung des° geplanten Gesetzent- Wurfes, die V e r f a s s u n g der jüdische n di e l ig i o n s g e s e l l s ch a f l in Preußen betreffend, die g e n n g e n d e Be r ü ck s i ch l i g n it g u n b Würdig n n g seines Standes. Er spricht d i e E r w a r l n n g a u s, daß d i e V o r s ch l ä g e. d i e d e r A. D. K. V. s e i n e r z e i l d u r ch seinen Vorsitzenden de m A tt s s ch n ß z n r Vorberatung des Gesetzentwurfes n u t erbreitet hat. ei n gehe u de B e a ch r u it g finden iv erde n.' Er bittet ferner höflich st. eine e n ts p r e ch e n d e Anzahl v o n V e r t r e t e r u d e s Konto r e n st a n d e s ans de m A. D. K. V. i n d i e b etreffende Kommission kooptieren zu w o l l e u." Es folgt nunmehr der Bericht der beiden Kasseurevisoren, welche die Uebersiclnlichkeit nnd Akkuratesse der Zivi scheu Kasseuführung rühmend hervorhebeu und Entlastung beantragen, welche dem Schatzmeister von der Versammlung mit einem Dankesvotnm einstimmig erteilt wird. Hierauf erhält der Obmann der Kommission für die Schaffung eines Fachvrgans. Kollege I a c o b s o h n-Friedenau-Berlin das Wort zu seinem Bericht über den Stand dieser Frage. Referent bespricht in seinem ausführlichen Bericht die verschiedenartigen Projekte, die der Kommission im Laufe der Jahre znr Begutachtung Vorgelegen haben. Die eine Meinung ging dahin, ein eigenes, selbständig erscheinendes Organ zu gründen, das mehrmals im Jahr, je nach Bedürfnis, erscheinen sollte. Die andere Meinung wollte im Anschluß an ein bestehendes jüdisches Blatt eine Fachbeilage, entweder wöchentlich oder monatlich erscheinend, herausgeben. Da aber jedes Projekt dem Verbände erhebliche jährliche Opfer auferlegt, so konnte die Kommission, trotzdem sie in eingehende Verhandlungen mit verschiedenen Zeirnngsverlegern getreten war, sich für einen der Pläne nicht entscheiden und überläßt es der Generalversammlung, darüber zu beschließen. Eine anregende Debatte reiht sich an den io überaus orientierenden Vortrag des Koll. I a c o b s o h n. Sie führt aber zu dem übereinstimmenden Resultat, daß man die vorerst ablehnende Haltung des Ausschusses gegen den Vorschlag, jetzt schon dem Verbände eine ständige jährliche Ausgabe von mindestens 600 Mk. p. a. für ein Fachorgan anfznbürden, billigt. Die Debatte ergibt die Zustimmung aller Versammelten zu dem Standpunkt des Ausschusses, alle Angelegenheiten des Verbandes aufs eingehendste nnd mit Bedacht zu beraten ttnd nicht jeden Plan, so verlockend er auch erscheinen mag, sofort zu verwirklichen. Dadurch hofft der Ausschuß, besser für den Bestand des Verbandes zu sorgen als dttrch impulsives Verfolgen jedes plötzlich auftauchenden Projektes. (Schluß folgt).