Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 29 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Nr. 29. den edelsten Teil des damaligen Gottesdienstes versahen und j die der große Jesaias als seine „Kinder" um sich versammelte, nur um eine Stuse höher als die Tempelsklaven, die Gibeoniten, stehen durften. Der § 27 läßt Euch an der neuen Einführung eines Appellativnssorums außerhalb der Gemeinde nicht partizipieren und widerspricht dadurch sich selbst bezüglich der selbstgeschaffenen These, nach welcher die Gemeinde in eigener Sache nicht Richterin sein kann? Lasset die Gemeinde getrost Euere Richterin sein, da ja Euer Sorgenbrecher und Richter letzter Instanz Gott der Herr ist. Erlahmet aber unter dem Drucke solcher Kränkungen nicht in dem Bestreben, das wir auf unsere Fahne geschrieben, das Bestreben, Wissen ans Wissen zu häufen. Ermüde: nicht in Euerem Fleiße, Euerer Pflichterfüllung, Euerem Amtseifer, in der Hingebung, die Eueren Vortrag beseelen muß, soll er erbaulich wirken, zur Andacht stimmen, die Herzen zu Gott erheben. Dann, aber auch nur daun wird ein großes „Vermögen" in Eueren „Kehlen" liegen (al tikri mehon’cho elo mig’ron',clio) und wenn auch auf dem kalten Papiere des Statules an vierter Stelle — in den w arme n Herzen Euerer Brüder und Schwestern iverdet Ihr dann stets nute r den allerersten stehen. (Fortsetzung folgt.) Allgemeiner Deutscher Kantorenverband. Am 1. Juni fand zu Breslau in den von der Synagogengemeinde in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellten Räumen des Repräsentantenkollegiums die Generalversammlung des A. D. K. V. statt. Es hatte sich dazu eine stattliche Zahl von Mitgliedern und Gästen ans allen Gauen des Vaterlandes eiugefunden. Einige Kantorenvereinigungen hatten Delegierte geschickt; auch der Verein der Lehrer für Schlesien und Posen war durch zwei Kollegen, M o o p s-Breslau und H a m b n r g e r- Brieg, vertreten. Ebenso bekundete die jüdische Lehrerbildungsanstalt zu Hannover ihr Interesse an den Verhandlungen des Verbandes durch Entsendung ihres Fachlehrers für das Kantorat, des Seminarlehrers L e v i s o h n. Als Vertreter des D. I. G. B. war Herr Sanitätsral Dr. Reich-Breslan erschienen, während der Vertreter der Synagogengemeinde Breslau leider im letzten Augenblick durch Unwohlsein verhindert war, an der Versammlung teilzunehmen. Eine stattliche Anzahl Kollegen von weit und breit war herbeigeeilt, um ihr Interesse an den Bestrebungen des jungen Verbandes zu bezeugen und an seinem Schaffen sich zu beiäligen. Und wahrlich, die Versammlung gewährte ein herrliches Bild von dem Geist des ernsten und zielbewußten Strebens in allen Kreisen der Kantorenschaft. Ob seminaristisch gebildet oder nicht, ob „Lehrerkantor" oder „Nurkantor" — kein Unterschied war in ihren Bestrebungen, Wünschen und Hoffnungen zu erkennen. Und wenn auch manchmal in heißer Debatte Meinungsverschiedenheiten sich zeigten über das „Wie" der Durchführung aller Pläne, über das Ziel war man sich klar und einig. Mit Material für die Verhandlungen reich gerüstet, betrat fast jedes Mitglied des Verbandes den Versammlungsraum, so daß man erkennen konnte, welch tiefe Wirkung die mannigfachen Weck-, und Mahnrufe seitens des Verbandes in den Fachkreisen ausgeübt hatten. Welch eine Fülle von Anregungen, wohldurchdachten Anträgen und Plänen zeitigten daher die gepflogenen Beratungen! Und dieser große Eifer, von dem die Verhandlungen getragen waren, er ist den leitenden Männern des Ausschusses ein erfreulicher Beweis dafür, daß sie es verstanden haben, das Interesse für alle kantoralen Bestrebungen unter den Kollegen zu wecken und zu fördern. Um V210 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Verbandes, Kollege Henle-Hamburg, die Tagung, indem er die Erschienenen, besonders die zahlreichen Gäste aufs herzlichste begrüßte. Alsdann flihrte er ungefähr folgendes aus: Der Allgemeine Deutsche Kantorenverbaud ist der jüngste der Verbände unter den jüdischen Gemeiudebeamten. Warum die Kantoren gezögert haben, bis sie sich organisierten, das solle nicht erörtert werden; nur freuen wollen wir uns, daß die Organisation geschaffen sei, und zwarqualitativ derart, daß sie für das Weiterbestehen die besten Garantien biete. Der Ausschuß des Verbandes hat ihm die Richtlinien für sein Wirken gezogen. Aufwärts und vorwärts!, so heißt die Losung. Ohne Aufwärts gibt es kein Vorwärts. Nur auf einer geistigen Aufwärtsbewegung, auf grund einer genügenden Vor- und Fortbildung kann sich auch eine materielle Besserstellung aufbauen. Leider steht ein großer Teil der Kollegenschaft nicht auf diesem Standpunkte. Er verlangt ein sofortiges Eintreten für die materielle Besserung, die ihm alles ist und erwartet, daß die Leistung des jährlichen Beitrages von drei Mark goldene Zinsen bringe. Aber große Ziele sind nicht sofort zu realisieren. Erst gilt es, dem Stande, besonders in den kleinen und mittleren Gemeinden, die ihm gebührende Anerkennung, zu erringen, was nur möglich ist, wenn der Verband von idealen Grundsätzen getragen ist. Von solchem Geist — so schloß der Redner — mögen auch die heutigen Beralnngen durchweht sein, dann wird der deutsche Kantorenstand sich die Achtung und Beachtung der Allgemeinheit erringen und der A. D. K. V. wird sich seiner bedentnugsvollen Aufgabe würdig erweisen. — Der lebhafte Beifall, der diesen Worten folgte, bezeugte die Uebereiustimmung der Versammlung mit den Ausführungen ihres verehrten Vorsitzenden. Hieraitf erhielt der Vertreter des D. I. G. B., Herr Sanitätsrat Dr. Reich-Breslan, das Wort zur Begrüßung. Er betonte, daß, wenn er dem Kantorenverband im Namen des D. I. G. B. der lebhaftesten Sympathien dieser Körperschaft versickere, dies keine Phrase sei, sondern daß es aus dem innersten Empsinden für die Bedeutung des Verbandes und des Kantorenstandes geschehe. Das Interesse der Gemeinden für die Hebung, des Gottesdienstes sei innig mit den idealen Bestrebungen des Kantvrenverbandes verknüpft, weshalb der D. I. G. B. das Ziel des Verbandes, die geistige Hebung des Kantorenstandes, aufs lebhafteste begrüße. Würdige Männer müßten das hohe Amt des Kantors versehen, Männer, die sich in gesicherter unk unabhängiger Stellung befinden, damit sie nicht gezwungen sind, Nebenbeschäftigungen zu ergreifen, die nicht zur Hebung des Standes beitragen. Dem Verbände wünscht der Redner znm Schluß für sein weiteres Wirken ein herzliches „Glück ans!" Nachdem der Beifall, den diese herzlichen Worte des Vertreters einer der bedeutendsten Organisationen der deutschen Juden bei der Versammlung ansgelöst hatten, verhallt war, ergriff Kollege R o s e n t h a l-Breslan das Wort zur Begrüßung der Versammlung namens des Ortsausschusses und wünscht, daß die Beratungen nicht nur ein Erstarken nach außen, sondern auch nach innen bringen möchten. Ebenso begrüßte Lehrer Mop s-Breslau die Versammlung, im Namen des Vereines der jüdischen Lehrer Schlesiens und Poseus. Alsdann verliest der Vorsitzende eine Reihe von Begrüßnugsbezw. Entschuldigungsschreiben der am Erscheinen verhinderten Verbandsmitglieder, so unter anderen das des Kollegen Birnbaum-Königsberg, eines der hervorragendsten Repräsentanten des Kantorenberufes in Deutschland, der leider der Versammlung nicht beiwohnen kann, aber zu eifriger Mitarbeit an den Bestrebungen des Verbandes sich bereit erklärt. Ebenso drückt in einem längeren Schreiben der Vorsitzende der Kantorenkommission des Verbandes jüdischer Lehrer im Deutschen Reiche, Kollege Nußbaum-Wiesbaden, die Sympathien des von ihm vertretenen Verbandes mit den Bestrebungen und dem.Wirken des A. D. K. V. ans. Zum Punkt 1 der Tagesordnung: „Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses seit der Generalversammlung von 1906", ergreift hierauf der Vorsitzende das Wort und gedenkt zunächst in bewegten Worten des dahingeschiedenen Verbandsvorsitzenden Schön berge r-Potsdam, sowie der übrigen. verstorbenen Verbandsmitglieder, deren Andenken die Versammlung burcE) Erheben von den Sitzen ehrt. Hierauf stellt der Vorsitzende die einzelnen Punkte des vorgelegten gedruckten Tätigkeitsberichtes zur Debatte, und zwar zuerst: „Die Ausbildung zum Kantorat". Nach den Mitteilungen des Vorsitzenden hat die für Schaffung eines Lehrplans eingesetzte