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Die Wahrheit · 1909-07-23 · Heft 29 (23.7.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 29 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 29. Die Wahrheit Seite 7. unermüdlicher und äußerst kenntnisreicher Literat". Alls seiner Arbeitswerkstatt gingen übrigens auch mehrere Monographien, so die Schriften „Goethe in Polen" und „Moltke als Redner", hervor. Ferner hat er Ausgaben von Schillers, Lenaus und Eichendorffs Werken veranstaltet. Das .plötzliche Hinscheiden Gustav Karpeles', den innige freundschaftliche und wissenschaftliche Beziehungen wiederholt nach Wien führten, wird bei all denen, die ihn als Mensch und Schriftsteller kannten, wärmste Teilnahme Hervorrufen. Wien. iL o k a l a n d e run g.) Der jüdische Verein „Einhert" .übersiedelt mit seiner unter Anssichc des ehrwürdigen Herrn Rabbiners S. Für st „Adass Jisroel" (Schiffschul) stehenden, streng rituellen Küche, die seit fast drei Jahren eine Wohlrat für Hunderte und Hunderte armer Glaubensgenossen ist. Sonntag den 25. Juli d. I. in das pro- -visorische Lokal, II., Große S ch i f f g a s s e 21, um im November d. I. ein neues, für seine Zwecke gebautes, ans großen Sälen bestehendes und mit allen hygienischen und komfortabeln Erfordernissen ausgestatretes Lokal, II., Malzgasse 12. zu beziehen. Die ganze Organisation und Administration wird geändert und unter Beibehaltung des streng Rituellen und Billigen eine moderne, sehr reine und kultivierte Bolksrestauration nach /besten ausländischen Mustern geschaffen. Sissek. Für die hiesige Gemeinde ist Herr Kantor Gottschall aus Szegedin nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Probevortrage zum Overkantor gewählt worden. Herr Gottschall erfreut sich als stimmbegabter Sänger und Kantor des besten Rufes. Nttgyszombat. Zur Kenntnisnahme seitens der geehrten Kollegen und Gemeinden sei mirgeteilt. daß der seit zwei Monaten bei der hiesigen Gemeinde als Baritonsänger angestellre Marguliesz G e r s o n aus Wilna, nachdem er einen monatlichen Gehaltsvorschuß von 80 K genommen, widerrechtlich seine Stellung verlassen und des Nachts von hier verschwunden ist. H. Herskovics. München. Auch in Bayern geht man bekanntlich'mir dem Plane um. eine Reorganisation des ans dem Jahre 1813 datierenden Judenedikts .herbeizuführen. Die von dem Landesverein für israelitische Kultusgemeinden in Bayern im vorigen Jahre eingesetzte Kommission zur Vorbereitung des .Judenedikts von 1813 har bisher drei Sitzungen abgehalten und ist zu folgendem Ergebnisse gelangt: Die Anerkennung der jüdischen Religionsgemeinschaft als eine öffentliche Kirchengesellschaft ist mit Rücksicht aus die praktische Undnrchsübrbarkelt zurzeit nicht anzustrebeu. Eine neue Regelung hat zweckmäßig unter Mitwirkung des Landtages durch Erlaß eines Gesetzes zu erfolgen. Das bisherige Prinzip der Zwangsgemeinde soll aufrecht erhalten bleiben, aber den religiös Dissentierenden soll die Möglichkeit geboten werden, entweder eine neue Knltusgemeiude zu bilden oder sich einer bereits bestehenden bayerischen Knltusgemeinde anznschließen. Für die Bildung neuer bezw. die Auflösung bestehender Kulrusgemeinden soll die Kompetenz der bisher damit betrauten staatlichen Behörden forrbestehen. Auch darüber bestand llebereinstimmung, daß jede Kultusgemeinde einem Rabbinatsbezirke .zugeteilt werde und daß reine Verwaltungsfragen von der Kompetenz der Rabbiner ausgeschlossen bleiben. Hingegen konnte Einigung nicht erzielt -werden bezüglich der Frage, ob die rituellen Einrichtungen der Kultusgemeinden im Gesetze Aufnahme finden sollten oder nicht; infolgedessen erklärten die rabbinischen Mitglieder ihren Austritt aus der Kommission. -Es sollen daher die bereits gewühlten Ersatzmänner einberufen und mit .ihnen die Beratungen fortgesetzt werden. Jassy. Ein Kondukteur der hiesigen Tramway wollte nicht halten, -Als ein jüdischer Leichenzug passierte, und verursachte dadurch eine Panik. Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde führten bei der Tramwaydirektion darüber Beschwerde, wurden aber unter antisemitischen Schimpfworten hinausgeworsen. Infolgedessen beschlossen die jüdischen Einwohner von Jassy, die einen großen Teil der Bevölkerung bilden, die Boykottierung der Tramway. Seit Tagen fahren alle Tramwaywaggons fast ganz ohne Passagiere. Nunmehr hat die Direktion mit der jüdischen Gemeindevertretung Verhandluugeu eingeleitet, um sie durch Gewährung einer Genugtuuug zur Aufhebung des Boykotts zu bewegen. Petersburg. Ein im russischen Ministerium des Innern tagender Ausschuß hat die Durchsicht des Entwurfes der -städteordnung für das . Königreich Polen beendet, welches dem Ministerrate in nächster Zeit zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Der antijüdische Charakter beherrscht diesen Entwurf ebenfalls. Der Entwurf regelt das aktive und passive Wahlrecht in den Städten des Gouvernements Warschau, Kalisch, Kjelze. Lomscha. Ljnblin. Plojk, Radom. Siuwalkid und Sjedletz. Danach darf die Zahl der gewählten jüdischen Abgeordneten bei einer jüdischen Bevölkerung von 50 Prozent nicht mehr als x/5 aller Abgeordneten betragen, sonst nicht mehr als 1/10. Juden dürfen nicht zum Stadthaupte oder zu seinem Gehilfen gewählt werden. Im Stadtrare darf nur 1j3 des- Bestandes jüdisch sein!! — Wie es heißt, werden jetzt im Kriegsministerium neue Bestimmungen über die Inden im russischen Heere ansgearbeitet. Viel Gutes dürften diese „neuen Bestimmuugeu" für die Juden nicht enthalten. — Der „Heilige Synod" beschloß, das Erscheinen des bekannten Hetzblattes „Potschajewskija Jswesiija" zu verbieten, weil seine vom Archimaiidrit Witali geschriebenen Artikel vom finstersten Fanatismns des Mittelalters dnrchrränkr seien und die giftige Saat des Hasses gegen die Inden ansstrenen. Plötzlich! — Das Zentral-Komitee der Kadetteupartei hat beschlossen, für die durch Pergaments Tod in Ode s s a notwendig gewordene Reichsduma-Ersatzwahl emen jüdischen Kandidaten anfzustellen. Die Stimmen der Kadetten und der Juden betragen in der ersten Wahlkurie 800 (von insgesamt 1700). Paris. In einem Beleidigungsprozeß, welcher gegen die antisemitische Zeitung „Action frai^aise“ vor dein Zuchtpolizeigericht in Versailles verhandelt wurde, verlangte der Vertreter der Beklagten die Ablehnung der jüdischen Richter Worms und Rvsenfeld, welche in dieser Verhandlung als Vorsitzender bezw. Beisitzer des Gerichtshofs fungierten, weil sie Israeliten seien. Der Antrag und seine Begründung wurden vom Gerichtshof znrückgewiesen „in Erwägung, daß die Richter nach ihrem Gewissen und nach dem Gesetz zu urteilen haben und nicht nach ihrer Religion". Außerdem wurde der Antragsteller für jeden der beiden zurückgewiesenen Anträge mir 200 Frcs. Strafe belegt. New-Iork. Der 31. Mai ist der nationale Gedenktag zu Ehren der im amerikanischen Bürgerkrieg gefallenen Helden. Alljährlich an diesem Tage wandern Hunderttausende zu den Gräbern der gefallenen Helden, um sie in dankbarer Erinnerung mit Blumen zu schmücken. Viele I u d e n sah man. wie immer, auch dieses Jahr aus den verschiedenen Friedhöfen, um auch der jüdischen Helden zu gedenken, die für die Freiheit der Republik ihr Leben ließen. Aus Anlaß des diesjährigen Decoration Day schrieb ein New-Aorker englisches Blatt: „Nicht alle Amerikaner wissen es, welche Rolle die Juden damals im Heere und in der Flotte gespielt haben. Mögen sie es nun wissen, daß David de Leon die amerikanische Armee im Kriege gegen Mexiko kommandierte und für seine Heldentaten dann vom Kongreß öffentlichen Dank erhielt. Mögen sie alle halt machen beim Grade des Majors Alfred Mardochai, der ein hervorragender Gelehrter der Kriegswissenschafr war. dann am Grabe seines Sohnes Philipp, der Professor für militärische Taktik war. Gedenket des jüdischen Vizeadmirals llriah Philipps-Levy. der bis zu seinem im Jahre 1862 erfolgten Tode eine hohe Stellung in der Flotte iunehatte. Er war einer der Edlen, dem die Abschaffung der Körperstrafe in der Marine der Bereinigten Staaten zu danken ist. In diesem Bürgerkrieg haben auf beiden Seiten viele Inden gekümvst. Außer den geivöhnlichen Soldaten sei nur auf Meier Asch, Natan Menken. Louis Meier u. a. hingewlesen, die Stabsoffiziere der Generale Pope und Grant gewesen. Doktor Morris, Hermanic Asch. Mayor Moses, Kapitän Deßler, Oberleutnant Jsak Nenmann haben sich durch ihren Mut ausgezeichnet. Im letzten Krieg gegen Spanien zogen über 4000 Inden in unseren Reihen gegen den Feind und der erste Amerikaner, der in der Schlacht gefallen, war ein Jude. Es gibt also genug jüdische Söhne, Töchter und Mütter, die die Gräber derjenigen ihrer Blntsverwandten besuchen können, die ihr Leben für die Freiheit Amerikas geopfert haben." New-Zork. iE i n Jude als I n d i a n e r h ä u p t l i n g.) Die letzte Nummer des „American Hebrew" enthält eine Sensation, die jetzt in Amerika viel von sich reden macht und trotz der unglaubwürdigen, romantischen Färbung hier wiedergegeben werden soll, weil „American Hebrew" zu den seriösesten jüdischen Blättern der Bereinigten Staaten zählt. Der Verfasser des Artikels, Mr. Philipp Cowen, erzählt u. a.: „Der Jude, welchem beschiedeu war, der Herrscher eines indianischen Stammes zu werden, stammte aus einer reichen jüdischen Familie in Deutschland, deren mehrere Mitglieder in der New-Aorker großen Geschäftswelt eine hervorragende Stellung einnehmen. Er suchte für sich ein Tätigkeitsgebiet im Westen und siedelte sich auf einem der westlichen Territorien an. Durch seine Geschäfte kam er mit den Indianern in nahe Beziehungen; er gewann ihr Vertrauen und sie zollten ihm Liebe und Achtung. Eines Tages bor das Oberhaupt des Stammes dem fremden Juden seine Tochter zur Frau an. Der Jude führte die Tochter des Jndianerhänptlings heim und wurde bald darauf mit Einwilligung seines Schwiegervaters zum Chef-Stellvertreter des Stammes proklamiert. Als der alte Häuptling sein Ende nahen fühlte, berief er die Häupter seines Stammes und teilte ihnen mit, daß nach seinem Tode sein Schwiegersohn Nachfolger werde. Diese Botschaft wurde mit großem Jubel ausgenommen und der ans Deutschland stammende Jude bekleidete seinen Herrscherposten viele Jahre hindurch. Der jüdische Indianerhäuptling war ein überzeugter Jude, gab schließlich seine Herrschaft auf und zog mit seinen Kindern, die er beschneiden ließ, wieder in eine Stadt, wo er unter Juden jüdisch leben kann. . Das klingt wie ein ersonnener Jndianerroman, aber die Redaktion des Blattes behauptet» den Namen des gewesenen „jüdischen Jndianerhänptlings" zu kennen, den Mr. Cowen nicht nennen will, um eine Person zu kompromittieren, welche die höchsten ethischen Prinzipien des jüdischen Lebens in einer Gruppe amerikanischer Indianer eingesührt hat. Literatur. Drei Stufen. Ein Festspiel von Franz Frankl, aufgeführt am 4. April im Wiener Bürgertheater. Verlag des israelitischen Tempeloereines Wieden-Margarethen, Wien. Ein Dialog von ungefähr 80 vierzeiligen in Jamben abgesaßren Versen und dnrchgehends „verschränkten" Reimen; d. i. die erste Zeile reimt aus die dritte, die zweite auf die vierte. Nur wer sich selbst einmal in blos reimlosen Jamben, dem sogenannten Blankvers, versucht har, weiß den Widerstand, den diese Form entgegensetzt, voll zu würdigen. Diesen bewältigt zu haben, muß mau dem Verfasser zugestehen, wenn auch sporadisch Stellen unterlaufen, die den strengsten Anforderungen nicht entsprechen. Was den Inhalt betrifft, so wird schön und schlicht dargestellt, wie der Rabbi den anfangs widerstrebenden, freigeistig angehauchten Großkapitalisten zu werktätiger Mithilfe bewegt und ihn zur Ueberzeugung bringt, für das Judentum sei die Errichtung von Gotteshäusern eine dringende Notwendigkeit. Gesuchte nird schwülstige Rhetorik ist mit glücklichem Instinkte vermieden und die einfache zum Herzen sprechende Ueberredungsgabe des Seelsorgers rufen den Eindruck des Zarr-Anmurigen hervor. Eine gebildete Krau. Von Babette Fried. 'Schluß.) Dieses vorgeiteckte Ziel war nichts geringeres, als die in dieser Beziehung halsstarrige Rösl zu veranlassen, ihm eine genaue Untersuchung ihrer kranken Angen zu gestatten, da er

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