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Die Wahrheit · 1909-07-16 · Heft 28 (16.7.1909) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 28 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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, Nr. 28 Die Wadrheil Seite 5. schönen, gelehrten. Räuber, Griechen geheißen. Maimynides tat es, leider nicht, immer 'zum Wohle des Judentums. Um aber nicht als Finsterling stigmatisiert zu werden, verweise ich Sie ans den lichtvollen, herrlichen Scliedal, dem Sie zeitlich näher , stehen. Die galizische Judenheit, Herr Doktor, ist viel weitsichtiger als der verknöcherte Westen, die lassen sich vom Staate, d. h. von. einem Sektiouschef im Unterrichtsministerium nicht diktieren, ich meine innerlich — äußerlich fügen sie sich. Die galizischen Juden wissen, daß Intelligenz keine Sache des Diploms ist, sondern unabhängig von jedem Kastenprivilegium — ja ich schäme mich nicht, auch hinter dem Bethamidrasch- Ofeu anzntreffen ist. Die galizischen Inden handeln unbewußt im Sinne und Geiste der größten und zivilisiertesten Nationen unserer Zeit: England und Amerika. Sie kennen, Herr Doktor, die Geschichte von dem diplomierten Professor, der in Amerika Arbeit suchte, und dem man erklärte, ..wenn Sie tüchtig sind, so wird Jhtlen der Professorentitel nicht schaden". Auch Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen wissen von einem Reisezwang nichts zu sagen, auch das bureaukratisch regierte Deutschland kennt in diesem Falle keine Reifevorschrislen. Eine intelligente Gesellschaft braucht keinen staatlich geaichten Jntelligenzzwang.weil es eineSache der Selbstverständlichkeit ist. Der Nichtintelligeute wird von innen heraus unmöglich. Wenn die galizischen Inden gegen das bourgeoise Reifeprivilegium ankümpfen, dann kann ich sie nur beglückwünschen, ans die Gefahr hin, daß die Bewegung von dem uns beiden verhaßten Belzerteufel ausgeht, auch er kann manchmal ungewollt etwas Gutes bringen. Als Demokrat, als Jude, als religiöser und forschrittlich gesinnter Mensch und als Laudeskiud, der die Verhältnisse kennt, schließe ich mich der Bewegung gegen den Reisezwang voll und rückhaltslos an, weil ich intelligente und ans der Höhe des Gedankens, des Gefühls, des Wissens, freie und ansrechte Rabbiner wünsche, verwerfe die gegen die Kinder der Armen, gegen die Proletarierkinder anfgerichtete Schranke: Reise genannt. Ich wünsche eine mit allem wissenschaftlichen Komfort ausgestattele, von jedem Staatszwang befreite, weil von ihm nichts verlangende Jeschibah. Ich wünsche Rabbiner von Wissenschaft, nicht von staatswegen. Ich wünsche Rabbiner, die uicht den Froschmäusekrieg, sondern den Menschenkrieg, den Kamps aller gegen alle, den großen Leviathan kennen, ich wünsche aber Rabbiner, die auch Gott und seine Thora ns brn kennen. Ich wünsche Rabbiner, die für Gott begeistert sind, die Ihn lieben, nicht predigen, die Ihn verherrlichen, nicht über seine Existenz zweifeln. Ich wünsche Rabbiner, die für Gott in den Tod zu gehen bereit sind itnd nicht zu einer reichen Trauung. Ich wünsche Rabbiner, die von dem von Ihnen sicherlich mit Unrecht mißverstandenen Talmude Habescht Gottesverliebtsein, Gottesvereinigung, Gottesverschmelzung gelernt, nachempfinden und nachleben. Ich wünsche Rabbiner, deren ganzes Diesseits ein Jenseits ist.. Ich wünsche Rabbiner, die in Gott, mir Gott, für Gott und durch Gott leben. Und weil ich dies alles wünsche, so rufe ich: nieder mit allen Privilegien für die armen am Geiste, am Empfinden, am Leben! Gin jüdischer Uizeliürgermeister in Kemberg. Seit dem 30. Juni - besitzt die Lemberger Stadtgemeinde einen dritten Bürgermeister in der Person des jüdischen Advokaten Herrn Dr. Tobias Aschkenasy. Seinem politischen Kredo nach ist derselbe ein enragierter polnischer Demokrat und es will viel sagen, wenn er sich gegenüber dem christlichpolnischen Kandidaten Dr. Neu m a n n von der Strzelnicapartei ourchsetzen konnte. Jedenfalls ist die Tatsache, daß er im Wettkampfe gegen die antisemitisch-klerikale Partei, mit dem römischkatholischen Erzbischöfe Bilczewski an der Spitze, den Sieg davon trug, auch ein Beweis seiner persönlichen Tüchtigkeit. Es versteht sich von selbst, daß unser dritter Vizebürgermeister tiicht zu jenem Kreise von Juden gehört, denen das Judentum brennende Herzenssache ist, vielmehr steckt derselbe im alten Gedankenschlamme der Assimilation mit der polnischen Nation; allein selbst ein derartiger Polak mojzyszowego wyznonamia gilt bei den Allpolen nicht als vollwertig und es ist sicher, daß sie ihn in threm Herzen weiß Gott wohin wünschen, da diese Feinschmecker begreiflicherweise von derartigen Zuwüchsen, die sie nöligeit, Stellen und Würden mit ihnen zu teilen, nicht besonders erbaut sind. Wie immer jedoch das politisch-jüdische Kredo des neugewählten Vizebürgermeisters lauten mag, der Mann tst Fleisch nuferes Flenches und Geist des jüdischen Geistes, mit einem Worte — Jude. Lange genug mußte man warten, bis — ein Jude diesen kurulischen Sessel einnehmen konnte, aber selbst jetzt, wo das hier zur Tatsache geworden ist. was sich bei der Lvrdmajor-Wahl in England schon oft wiederholt hat, geben wir uns nicht der Illusion hin, daß dieser dritte Vizebürgermeister imstande sein werde, den antisemitischen Rost, welcher unsere Stadtgemeinde deckt, blank zu putzen; wir halten eher das Gegenteil für wahrscheinlicher, daß die jüdischen Gemeindemitglieder ihre Steuer für christliche, klerikal-antisemitische Dinge und Personen leisten werden, während die Verwaltung nach wie vor jndenrein bleiben wird. Es ist wohl hoch au der Zeit, daß die Lemberger Judenschafl mit ihren Milliouenabgaben au die Stadtverwaltung sich ausraffe, um den Kamps gegen die antisemitische Ungleichberechtigung mit Nachdruck zu führen. Das Lemberger Gemeiudestatnt muß einer gründlichen Revision unterzogen werden und etue reinliche Scheidung stattfinden zwischen Kirchenangelegenheiten und interkonfessioneller Gemeinschaft. Die christlnh-konsessionellen Fonde und Institute mögen einem eigenen christlichen Kulinsrat übertragen werden, wie ein solcher für die jüdisch-religiösen Institutionen besieht. Die Antisemiten würden dann schön unter sich bleiben, während der Gemeiuderat die interkonfessionellen Angelegenheiten wie alle Institute von gleichem Charakter verwalten würde. Es ist auch hoch an der Zeit, bei der Wahl in den Gemeiuderat das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht einzuführen und die Wahlprozedur nach den Stadtteilen, die seit langen Jahren bestehen — keineswegs aber mit schwindlerischen Manövern und Zerreißung der Wahlbezirke nach dem antisemitischen Kataster vorzunehmen. Die Lemberger Jndenschasc hat von den gemästeten Magistratsvögteu schon genug Unbill ertragen und dieser lokalen Tyrranei muß ein Ende bereitet werden. Freilich bleibt es fraglich, ob ein Geschlecht, das angeführt wird von jüdischen Wszechpolaken. wie Dr. L ö w e n st e i n, Dr. A s ch k e n a s y. Dr. H o r o w i tz, F e l d st e i n et tuti quanti, einen Finger rühren wird zur Lösung dieser so vitalen Brotfragen für hunderte jüdische Familien. Um diesen Kamps aufzunehmen, wurde von einigen wahrhaft jüdisch gesinnten Männern ein Aufruf erlassen zur Reorganisation des Vereines „Schvmer Israel" und zur Aufrichtung des alten Wachtpostens, der nicht geblendet wird von dem Hoknspokils der Antisemiten in beiden Gestalten. Dr. R u b e n B i e r e r. Die Indenfrage iu der Dukowiu». (Schluß.) Das war früher in hohem Maße der Fall, aber heute hört das selbst bei uns langsam ans. In jedem Augenblick hebt sich die Intelligenz und wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung und das bedeutet, daß sie mit jedem Augenblick dieses Vermittlers weniger bedarf. Ich zweifle gar nicht — es ist dies meine aufrichtige Ueberzengnng — daß, wenn die wirtschaftliche Entwickelung unseres Landes iu normaler Weise vor sich geht, wie wir es alle wünschen tind wünschen müssen, in absehbarer Zeit diese wirtschaftliche Vermittlung, die von den Juden besorgt wird, sehr entbehrlich werden wird, und das bedeutet, daß da^ Judentum in der Bukowina wie im ganzen europäischen Osten vor einer Katastrophe steht. Es ist mir ganz zweifellos, daß sich jeder rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortschritt in der Bukowina seit mindestens 20 Jahren und von nun an ununterbrochen auf Kosten der Juden vollziehen wird. Sie können ihre althergebrachte Stellung nicht behaupten. Welchen Fortschritt man immer hierzulande einleitet, so geschieht er auf Kosten der Juden. Nehmen Sie beispielsweise die Wucherfrage. Der Wucherer ist in erster

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