Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 27 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Watu'heu Nr. 27. Seite 8 Verschiedene Nachrichten Wien. (Liw ias CH eii, II.. Stefaniestraße 2.) Samstag, den 10. d. M.» 5 Uhr nachmittags, Vortrag des Herrn I. R o s n e r. Thema : „kirüe Ovos." Wie« Sonnrag, den 4. d. M. ist nach kurzem Leiden der Begründer und Seniorches der Unifvrmierungssirma Wilhelm B e ck & Söhne, Herr Wilhelm B e ch im 91. Lebensjahre gestorben. Herr Wilhelm Beck, welcher durch 60 Jahre im 8.: Bezirke lebte, war in weiten Kreisen Wiens eine sehr bekannte und allgemein.geachtete.und beliebte Persönlichkeit. Er war Begründer des israelitischen Tempe.lvereines im 8. Bezirke, dessen gegenwärtiger Präsident sein ältester Sohn, Herr Hermann Beck ist, gründete im Jahre 1866 in diesem Bezirke ein Osfiziersspital sür verwundete Osfiziere, nahm hervorragenden Anteil an der Gründung zahlreicher anderer humanitärer und gemeinnütziger Institutionen und bekleidete, bevor er sich ln das Privatleben zurückgezogen hatte, verschiedene Ehrenstellen in der Gemeinde, wofür er mit der großen Salvator-Medaille der Stadt Wien und mit dem goldenen Verdienstkrenz ausgezeichnet wurde. Das Leichenbegängnis fand am 6. d. M. unter sehr zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung statt. In Berirelung der israelitischen Kultusgemeinde waren die Herren Vizepräsident Tr. Gustav Kohn. Tr. Markus Spitzer und S. Steiner, ferner der Gesamtvorstand des Josefstädrer Teinpelbauvercines erschienen. Tie Bahre wurde vom Tranerhause zum Josesstädter Tempel, VIII., Neudegqcrgasie 12, geführt, woselbst nach Absingung eines Trauerpsalmes durch Oberkantor Q u a r t i « und den Tempelchor, der Vizepräses des Josesstädter Tempelvereines, Herr Architekt Jakob Modern, in beredten Worten von dem Verstorbenen Abschied nahm, indem er gleichzeitig die Verdienste, die sich derselbe als ältestes Mitglied und Gründer des Tempels erworben hat, hervorhob. Am Zentralsriedhofe rezitierte Oberkantor Q u a r t i n in ergreifender Weise das Hazur tomim und hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Bauer eine tiefempfundene Trauerrede. Es sprachen ferner Abschiedsworte Herr Dr. Sigmund Goldb e r g e r namens des Josesstädter Tempelbauvereines und Herr Wild namens der zahlreichen Angestellten der Firma Wilhelm Beck & Söhne. Prag (E h r u n g des Chor-Dirigenten David Rubi,i.) Samstag den 3. Juli, um 11 Uhr vormittags, veranstaltete im Anschluß an den Gottesdienst der Vorstand des israelitischen Tempels in der Geistgasse sür seinen aus Prag scheidenden Chordirigenteu Herrn David R n b i n eine würdige Feier. Außer dem Vorstand und Prediger der Gemeinde versammelten sich die Kantoren, das Damen- und Herren-Personal des Chores mit ihrem Organisten, Herrn Ernst Krau s, im Sitzungssaale des Vereines. Herr Rubin wurde bei seinem Erscheinen im Sitznngssaale vom Vorstand begrüßt und in Abwesenheit des Präses, Herrn Dr. B e n d i e n e r, hat der Sekretär des Vereines, Herr Dr. Ludwig P i ck. die Herrn Rubin gewordene Auszeichnung, eine Ehrenmedaille sür die verdienstvollen 40 Dienstjahre im Tempel, mit Worten der Anerkennung seiner Verdienste um den Verein und unr die Leitung des Chores überhaupt, überreicht. Der Prediger des Tempels, Herr Dr. Emanuel S ch w a r tz; der schon in seiner Predigt beim Gottesdienste des scheidenden Künstlers ehrend gedacht hatte, feierte dann in schwungvoller Rede die Verdienste des Herrn Rubin während seiner 40jährigen Tätigkeit in den verschiedenen Wirkungskategorien von Beginn seiner Anstellung bis zum heutigen Tage. Er hob ferner hervor, seine Leistung als Verfasser vieler Chöre und Sologesänge für den lirurgjfchen Dienst im Gotteshause, wovon der größte Teil in Druck erschienen ist und nicht nur in unserem engeren Vaterlande, sondern auch im Auslande weite Verbreitung fanden. Der Redner betonte ferner, daß er nicht nur seinem Vorgesetzten Vorstand und Chor-Inspektoren, sondern auch seinen ihm. subordinierten Kollegen und Mitarbeitern stets sein konziliantes Wesen nicht verleugnen konnte. 0 Am Schlüße überreichte Herr Dr. Schwartz Herrn Rubin im Namen des Vorstandes zur bleibenden Erinnerung an seinen bisherigen Wirkungskreis ein Tableau mit Photographien sämtlichen Chorpersonals und der Kantoren, worauf Herr David Rubin, sichtlich gerührt, für diese ihm unvergeßlich gewordene Ehrung Worte des Dankes aussprach. Nachdem das versammelte Chorpersonal einen Psalm, komponiert von Herrn Rubin, im Choral mit Sopransolo vorgetragcn hatte, trat Herr Kantor M i r s k y vor und nahm in beredten Worten mit dem Ausdruck von Dankesanerkennung Abschied von dem bisherigen Leiter des Tempelchors. Die Solistin Frau Adele Klein übergab im Namen des Damenchors ihrem verehrten Direktor als Andenken einen Stock mit Silbergriff mit entsprechender Eingravierung und nahm im Namen des Damenchors in herzlichen Worten Abschied von Herrn Rubin, womit diese würdige Feier den Abschluß fand. Prag. Bei der am 1. Juli stattgefnndenen Austrittsprüfung der Konservaroriumsschüler im großen Saale des Rudolfinums. hat sich auch Fräulein Gisela Singer. Tochter des Jungbunzlaner Oberkantors, in hervorragender Weise als Klaviervirtuosin mit der Wiedergabe der Bach- Taußigschen Toccata und Fuge ausgezeichnet und erntete reichen Beifall. Unter den dem Fräulein gratulierenden Persönlichkeiten stellten sich auch Se. Durchlaucht Fürst Ferdinand v. Lobkowitz und desien Söhne ein. Brün«. Herr I. U. Dr. Theodor Haas, Advokat und Verteidiger in Strafsachen, hat seine Advokaturskanzlei in Brünn, Dr. Karl Reißiggasse Nr. 4. Ecke der Krapfengasie (Telephon Nr. 1231) eröffnet. Mährisch-Ostrau. Der Direktor des Kohlen-Expedit der Firma Gebrüder G u t m a n n, Herr Moriz K r a s u y, feierte am 2. d. M. das Jubiläum seiner 40jährigen Tätigkeit im Dienste der genannten Firma. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde Herr Moriz Krasny vor vielen Jahren auch in den Vorstand unserer Kultusgemeiude berufen. Mähr.-Ostra«. Fräulein Helene Länderer hat sich mit Herrn Oberkantor und Gesangsmeister Salo Urich aus Neutitschein verlobt. Morva-Szt. Jünos. Eine über unsere Stadt hinaus weit bekannte Persönlichkeit, Herr Ahron Adolf Schmiedet, haben wir am 29. Juni zur letzten Rühestätte'begleitet. Was er geleistet, er war jahrelang Vorsteher dieser Gemeinde, und welchen Namen er sich erworben^ das konnte man sehen an der zahllosen Menge pon Menschen, ohne Uütei> schied der Konfession, die am Leichenbegängnis teilnahmen. Auch von Malacka, Sasvar, Preßburg .. waren'..Vertreter . eingetroffen, ,,sämtliche Beamten ' des Fürsten Hohenlohe haben ihin das letzte Ehrengeleite gegebeni Herr Bezirksrabbiner Dr. M ar m o r st e i n würde zur Abhaltung der Trauerrede berufen, die ans die zahlreichen Anwesenden sichtlich-einen mächtigen Eindruck machte. Getröstet, gehoben und gestärkt im Glauben an Gott, durch den gotlbegiiaderen Redner, verließen wir alle den Friedhof. Lemberg. Wie dem „Kuryer Lwowski" aus Warschau telegraphiert wird, siiid in Bessarabien Pogroms gegen Juden Nüd Gutsbesitzer ansgebrochen. Ungefähr hundert Personen wurden getötet. In der jüdischen Bevölkerung herrscht große Panik. Trier. Ein „H e x e u p r o z e ß" wurde dieser Tage vor der Strafkammer zu Trier verhandelt. Zwei Schwestern ans Serrig a. d. Saar hatten die feste Ueberzengung gewonnen, daß der jüdische Handelsmann Meyer ihr Vieh verhext habe, da die Tiere völlig abmagerten und keine Milch mehr gaben. Sie lockten den Händler deshalb in den Stall und überfielen ihil dort mit Mistgabeln; sie mißhandelten ihn derart, daß er mehrere Wochen bettlägerig war. Das Schöffengericht Saarburg hatte die srommen Jungfrauen zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Trierer Strafkammer als Berufungsinstanz bestätigte die Strafe. London, l E i n j ü d i s ch e r M i n i st e r i n E n g l a n d.) Der Abgeordnete Samuel ist zum Kanzler des Herzogtums Lancaster mit Kabinettsrang als Nachfolger von Lord Fitzmaurice ernannt worden. Er war bisher Ünterstaatssekretär im Ministerium des Innern (Home Office), ist erst 39 Jahre alt und gilt als einer der fähigsten liberalen Politiker. Literatur. Max Nordans Zionistische Schriften. Unter denen, die Max Nordau anläßlich seiiies 60. Geburtstages ihre Glückwünsche darbringen, befindet sich — und nicht in letzter Reihe — die zionistische Organisation. Der Zionismus har Max Nordau viel zu,verdanken. Der kampssrohe Verfechter des freien Wortes, der scharfe Kritiker und unerschrockene Verneiner' hat, schon in gereiftem Mannesalter, mit all der Glut, die sein Temperament auszeichnet, die Sache seines jüdischen Volkes zu seiner eigenen gemacht und wurde von Beginn der zionistischen Bewegung an der neben ihrem Schöpfer und Führer, Theodor Herzl, zweifellos bedeutendste und wichtigste Vertreter ihrer Idee. In zahllosen Vorträgen und Reden, in mannigfachen Broschüren und Schriften hat er in begeisterten Worten Zeugnis abgelegt für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes, war er ein unerbittlicher und schwer zu widerlegender Gegner der Abtrünnigen, der Entwurzelten, der Schwächlinge des Judentums. Er war einer der Schöpfer und Gestalter der modernen Anschauung vom Judentum, die nicht das Bekenntnis, die die Abstammung, die völkische Eigenart als bestimmende Grundlage der Zugehörigkeit zum Judentum betrachtet wiffeu will. Und so wurde er, der in seinen sonstigen Schriften auf die Kultnrentwicklnng der Jetztzeit einen so nachhaltigen Einfluß ansgeübt hat, zugleich einer der wichtigsten Faktoren im Entwicklungskamps des modern-jüdischen Gedankens. Es ist darum nicht zum wenigsten auch vom Standpunkte des Knlturhistorikers dankbar zu begrüßen, daß der „Jüdische Verlag" die Zionistischen Schriften und Reden Max Nordaus in einem Bande gesammelt und anläßlich seines 60. Geburtstages in einer Volksausgabe der Oeffentlichkeit übergeben hat.*) In einer Vorrede zu dem Werke sagt Max Nordau selbst, was er von dem Buche hält: „Die in dem vorliegenden Bande enthaltenen Aufsätze sind urkundliche Beiträge zur Geschichte der zionistischen Bewegung. Der aus den Quellen schöpfende Geschichtsschreiber wird an ihnen nicht achtlos vorübergehen wollen. Sie bilden die Chronik des Zionismus, nicht wie er sich äußerlich gestaltete, aber wie er innerlich von seinem überzeugten Parteigänger erlebt wurde." Das Buch, das vom zionistischen Aktionskomitee herausgegeben ist,, stellt in seiner hübschen Ausstattung und seinem ungewöhnlich niedrigen Preise auch in technischer Hinsicht eine bemerkenswerte Gabe unter den neueren Erscheinungen des Büchermarktes dar. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag von O st u n d W e st, Berlin 8. 42. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraölite Universelle". 9. Jahrgang. Heft 7. Juli 1909. Inhalt: „Der elfte deutschisraelitische Gemeindetag" (Ü). Von Nt. A. K l a n s n e r. „Die Judenfrage in Rumänien." Von Dr. Chr. R a k o w s k i. „Polnischer Jude." Von Hermann Struck. „Bettlerinen in Perugia." Von I. P l e ß n e r. „Thamar" (Trauerspiel in 4 Akten). Von Clara S l e i n i tz. Literarische Rundschau. „Amsterdamer Judengasse." Von Max Liebermann. „Studie zur Amsterdamer Judengasse." Von Max L i e b e r m a n n. „Das Newyorker Ghetto" (mit 4 Illustrationen). Von Spectstor. „Revue der Revuen." Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau d e r ,,A l l i ckn c e I s r a s l i t e U n i v e r s e l l e" : I. Erklärung. II. Das Lehrlingswerk der Alliance in Tunis. III. Notizen: a) Bekanntmachung, b) Die A. I. u. in Hamburg, o) Der 70. Geburtstag des Chief-Rabbi von England, ck) Wie man sich irren kann, s) Frankfurt a. M. f) Die jüdische Einwanderung in Newyork. g) Neue immerwährende Mitglieder. *) Max Nordaus Zionistische Schriften, herausgegeben vom Zionistischen Aktionskomitee. Gr. 8°, V und 402 S. Volksausgabe Mk. 2.—. Jüdischer Verlag G. nt. b. H., Köln und Leipzig.