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Die Wahrheit · 1909-07-09 · Heft 27 (9.7.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 27 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27. Seite 9. Die Wahrheit Feuilleton. Kirre gebildete Krau. Von Ballette Fried. (Fortsetzung.) Der kecke, waghalsige Student rief ihr ein lachendes .^Willkommen, Gundel!" zu und fuhr fort: „Hast Du denn vergessen, daß ich ans schwindelnder Höhe geboren und erzogen, auch gänzlich schwindelfrei bin? Trotzdem bin ich bereit, sofort herunterznklettern, wenn Du mir den Kuß versprichst, den Du mir damals in Prag schuldig geblieben bist." „Tausend für einen," ries hocherfreut Gundel, und schon war Rudolf herabgesprnngen und bedeckte Mund und Wangen des glücklichen Mädchens mit glühenden Küssen. Da erscholl ein dumpfer Ton wie heftiger Donnerschlag. Eine alles verhüllende Staubwolke erhob sich, und als diese sich ein wenig verzogen, erblickten die erschreckten Liebenden, daß jener Teil der Turmmauer, worauf Rudolf soeben gesessen, hinabgestürzt war in die grausige Tiefe. Ohne Grindels Ankunft wäre Rudolf jetzt mit zerschmetterten Gliedern unten im Abgrund gelegen. „Mein geliebtes Mädchen, wie kann ich Dir für die Rettung meines Lebens danken?" „Durch Liebe," antwortete sie einfach. Die beiden Glücklichen stiegen hinab zu ihren Gefährten, denn auch Rudolf war nicht allein hierhergekommen, und wurden von allen, aus Anlaß ihrer Rettung aus größter Lebensgefahr, beglückwünscht. Den eigentlichen Anlaß zur Gratulation verschwiegen sie noch vorläufig, denn es mußte noch längere Zeit dauern, bevor der junge Mann an die Gründung eines eigenen Hausstandes denken konnte. Von da an jedoch betrachteten sie sich als Verlobte. Geduldig harrte Gundel dem ersehnten Zeitpunkte entgegen, wo der wohlbestellte Herr Professor kommen würde, sein Wort einzulösen. Er kam nic^t. Auch in den immer seltener werdenden Briefen war jede Spur von Sehnsucht verschwunden, ein gleichgiltiger, kalter Ton hatte sich eingeschlichen. Wer ergründet das Geheimnis einer liebenden Frauenseele? Sie hoffte nicht mehr und wartete dennoch. Sie wußte es nicht, daß der undankbare, pflichtvergessene, verzeihen Sie, daß ich mich zu solchen Ausdrücken über Ihren Vater hinreißeu lasse, daß dieser ehrlose Mann inzwischen schon ein anderes Mädchen nmgankelte, ihr die Ehe versprach, schon halb und halb mit ihr verlobt war — Ihre Mutter, Herr Doktor! Wie Gundel es ertragen, als man ihr die Gewißheit von der Untreue ihres heimlich Verlobten hinterbrachte? Wer vermöchte dies zu sagen? Nicht einmal ich selber, mit der sie die innigste, treueste Freundschaft verband. Sie hat den Schlag allein getragen, ist allein mit sich fertig geworden. „Nun gehen Sie, junger Alaun, und wiederholen Sie diese Geschichte an der Pflegetochter, dem Liebling, der einzigen dieser armen Märtyrerin!" „Nein und nimmermehr," ries tief erschüttert der junge Doktor, der bisher schweigend zugehört hatte. „Ich werde wie ein Mann von Ehre handeln, wenn Sie mir trotz allem das Schicksal des teueren Kindes anvertrauen wollen." „Darüber habe ich nicht zu entscheiden. Ich kann bloß raten und bitten, aber Elise selbst und ihre Pstegemutter haben über ihr Schicksal zu entscheiden. Hoffentlich wird diese Entscheidung günstig ausfallen." „Jetzt noch eine wichtige Frage, teure Frau! Hat Fräulein Barta niemals mehr mit meinem Vater gesprochen?" „Nie mehr! Nur einmal war sie ihm an geweihter Stätte begegnet, hatte ihm aber verachtungsvoll den Rücken gewendet und war fortgegangen. Es war vor Jahren am Allerseelentage, Professor Hilber hatte mit seiner jungen Frau seine Geburts- und Heimatsstadt besucht, um am Grabe seiner Eltern zu beten. Erstaunt, ja verwirrt war er, als er das Grab mit reichem Blumen- und Lichterschmnck verziert fand. Wer in seiner Abwesenheit unaufgefordert das getan, was eigentlich seine Pflicht gewesen, das mochte er geahnt, doch sich gehütet haben, es seiner Gefährtin gegenüber anszusprechen. Seine Verwirrung war gewiß noch gestiegen, als die junge Frau verwundert ausrief: „Schau, drüben, jenes Grab trägt ganz den gleichen Blumenschmuck, wie das Deiner Eltern!" Eine schwarz gekleidete Frauengestalt, welche an jenem andern Grabe kniete und in Trauer und Andacht versunken die Ankunft der Fremden nicht beachtet hatte, blickte ans und wollte sich stille und unbemerkt entfernen. Den achtungsvollen Gruß des sie trotzdem erblickenden Professors erwiderte sie mit einem stolzen Neigen des Kopfes, hörte aber noch im Fortgehen, wie derselbe auf eine diesbezügliche Frage seiner Frau ingrimmig antwortete: „Wer das nt? srügst Du? Nun, das einzige Weib ans der Welt mit dem ich glücklich geworden wäre." Weiter erfuhr Gundel nichts mehr von dem Verräter. Sie haben doch gewiß erraten, daß Gundel es war, welche an dem Grabe ihrer Eltern gebetet hatte, und auch das Grab derjenigen, welche sie so gerne Eltern genannt hätte, schmückte." Doktor Müllner hatte unter herzlichen Danksagungen die blinde Frau verlassen und dabei den festen Vorsatz gefaßt, sein ganzes Leben daran zu setzen, um an dem Kinde gut zu machen, was sein Vater an dessen Pflegemntler verbrochen. Aber auch die blinde Jüdin gab ihm zn denken. Er hatte niemals vorher in jüdischen Kreisen verkehrt, und sich auch ganz kuriose Begriffe über jüdisches Wesen gemacht, hätte auch niemals geglaubt, daß allgemeine moderne Bildung in einer jüdischen Familie platzgreifen könne, welche ihrer gesellschaftlichen Stellung nach zu der niederen Klasse gehörten. Es ging ihm, wie so vielen anderen, welche das Judentum so eigentlich nur vom Hörensagen kannten, ans den Schlagwörtern, welche von jndenseindlichen Zeitungen und gewissenlosen Hetzern in die künstlich erregte Volksmenge geschleudert werden. Jetzt zum ersten Male hatte der junge Arzt Gelegenheit gehabt, mit Inden in Verkehr 311 kommen, und seine bisherigen Ansichten hatten dadurch eine vollständige Umwandlung erlitten. (Fortsetzung folgt.) Austritte uns dem Judentum. Oskar Schee r, geb. 22. Juni 1886 in Wien, ledig, XX.. Hannovergasse 10. Georg Stern, geb. 14. März 1889 in Wien, ledig. Studierender, VII., Mariahilferstraße 7. Max B r e i r e n f e l d, geb. 8. Jänner 1860 in Lnze, verheiratet, Musiklehrer, VII., Neustifrgasse 15. Berta Weiß, geb. 12. Juli 1889 in Wien, ledig, Kunststickerin, VII.» Neubaugasse 27. Viktor Mautner, geb. 23. Jnü 1883 in Prag, ledig, Ingenieur, HI., Radetzkystraße 6. Dr. Maximilian Mayer, qeb. 28. Dezember 1668 in Gaya, verheiratet, k. k. Bezirksarzt, XIX.. Arbesbachgasse 21. Leiser A l t m a n n, geb. 15. Mürz 1870 in Drohobicz. ledig, Bestellter am Biehmarkt, III., Salmgasse 15. Isidor Kern. geb. 2. Jänner 1885 in Wien, ledig. I., Universitätsstraße 11. Johann I a k o b K e r n, geb. 19. Oktober 1879 in Wien, ledig, Privatier, 1., Universitätsstraße 11. L e o n i e M o r a w e y. geb. 17. Oktober 1888 in Wien, ledig, Privatier, 1.. Schwarzenbergplatz 17. Siegfried Kramer, geb. 7. März 1885 in Wien, ledig, Kanzleibeamter, I.. Rudolfsplatz 5. Dr. Stefanie Melanie Krämer, geb. 10. Anglist 1860 in Czernowitz. ledig, prakt. Aerztin, VIII.. Wickenburggasse 20. Karl Michael Koch, geb. 22. Dezember 1893 in Wien, Realschüler, XII., Trichtergasie 23. Anna Mora w^ tz geb. Bellak, geb. 2. Oktober 1883, verheir., VI., Kasernengaye 26. H u g o M o r a w i tz. geb. 22. Dezember 1374 in Wien, verheir., Ingenieur, VI.. Kasernengasse 26. W-tiz. „Atlas," Lebens-, Militärdienst- und Renten-Versicherungs- Aktien-Gesellschaft, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 1 iAtlas-Hof.) In der am 30. Jnm abgehaltenen IX. ordentlichen Generalversammlung wurde der Jahresbericht pro 1908 vorgelegt. Aus demselben gehr hervor, daß in der Berichtsperlode 5498 Polizzen über II 13,882.447'— Versicherungssumme zur Ausfertigung gelangten. Die Pränneneiugäuge im Berichtsjahre stellten sich auf X 1,563.296 55 und waren daher um X 448.192 13 höher als im Vorjahre. Die Prämienreserve und die Prämienüberträge haben die Höhe von X 5.330.703'94 erreicht und sind gegenüber dem Vorjahre um X 862.368-07 gestiegen. Die Sterblichkeit verlief im Berichtsjahre günstig. Aus dem Berriebsüberschusie von X 18.038-52 werden X 8000.— dem Dividendenfond der Versicherten zugewieseu, welcher sich nunmehr aus X 89.014 05 stellt.

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