Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 27 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Anartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Ztnterbrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjäyrig Kr. 14.— Kalbjährig Kr 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Postsparkasfen-Konto lvv.918. n: Probenummern gratis zur Verfügung. -—z Der Abfall nnd seine Grunde. Der Leitartikel, der in diesem Blatte am 18. Juni erschien, mußte jeden, der ihn las, bewegen und erschüttern. Er behandelte „die Austritte" aus dem Judentum, ein Verzeichnis, das allwöchentlich eine immer größer werdende Spalte jüdischer Blätter füllt. Wie eine „Kinnah" liest sich der Artikel. Und, was das Traurigste an diesem Klageliede ist, wo immer es angestimmt wird, da ist es wahr. Düster wird unsere Zukunft geschildert, aber man kann nicht genug dunkle Farben wählen, um dieses Bild schwarz genug zu malen. Da ist es doch wohl am Platze, wenigstens den Gründen der Krankheit nachzugehen, welche unseren Körper „von der Fußsohle bis zum Scheitel" ergriffen hat, wenn es auch schwer fallen dürfte, sie zu heilen. Die Ursachen dieser Krankheit aufzufinden, ist nicht allzu schwer. Sie liegen vor allem in der Gleichgiltigkeit allem Jüdischen gegenüber, die uns kennzeichnet. Mit Pamphleten, wie sie jetzt ni die Mode gekommen sind, mit denen man höchstens unseren Feinden eine riesige Freude bereitet, wird mau dieser Krankheit nicht helfen. Mit wenig, sehr wenig Witz und vielem Behagen zieht man gegen die Getauften und Bald-Getauften los, verspottet Einrichtungen des Judentums, schüttet das Kind mit dem Bade aus, indem man von Israeliten und anderen Antisemiten spricht. Und das tun Leute, denen die ganze Religion des Judentums ein Märchen, eine überwundene Legende ist, sie tun es zum großen Ergötzen antisemitischer Zeitungsschreiber. Sie spotten über die „Assimilanten" und verwandeln selbst ihren guten jüdischen Namen ins Germanische. Diese Heilkünstler von der Sorte des seligen Dr. Eisenbart werden dem Judentum keine Heilung bringen, sie werden höchstens die Zahl unserer Spölter und Hühner vergrößern. Die Gleichgiltigkeit in allen religiösen Dingen ist der Krebsschaden, an dem unser Judentum leidet. Und dieser machen sich alle schuldig, die Führer nnd die Geführten. Vor allem benötigen wir eine gründliche Belehrung über die Wahrheilen des Judentums. Mit einigen Predigten, die von Zeit zu Zeit in den Synagogen gehalten werden, wird aber dieser Zweck nicht erreicht. Besonders dann nicht, wenn die Predigt alles ist, nur keine Belehrung .... Die Predigc hätte einen großen pädagogischen Zweck zu erfüllen, aber sie darf nicht in Schönrednerei ansarten, sie muß Fleisch nnd Knochen haben. Zum leeren Formalismus ist unser Gottesdienst geworden, und die ihn in diese Bahnen lenkten, mögen siai an die Brust schlagen und ein „Ich habe gesündigt" im Bewußtsein ihrer Schuld sprechen. Kann der Gottesdienst, diese Frage müssen wir immer und immer wieder auswerfen, wie er jetzt abgehalten wird, auch wirklich die Besucher unserer Synagogen befriedigen? Ich glaube nicht, daß es jemand wagen wird, diese Frage zu bejahen. Hier sollten diejenigen einsetzen, deren ureigenstes Interesse es erheischt, für unsere heiligsten Güter Sorge zu tragen. Indessen läßt man den Karren in den alten, verfahrenen Geleisen hintrotten, macht großen Lärm, wenn die persönliche Eitelkeit angeblich verletzt wird, nnd über all dem persönlichen Gezänke wird die große Sache der Religion außeracht gelassen, es verwildert der einst blühende Garten der Religion, weil dessen Wächter sich gegenseitig befehden und ihre eigenen Interessen über die allgemeinen stellen . . . Und dann kommt der Jugendunterricht. Wie liegt dieser doch im argen! Welche unfähigen Elementen wird er oft anvertraut! Pflichtgefühl und Gewissenhaftigkeit, wie oft werden diese verletzt! Diejenigen aber, die es gut meinen mit unserer Jugend und darauf dringen, daß der Jugend Hochschätzung unserer Religion eingeimpft werden, müssen es erleben, wegen ihres eifrigen Strebens verlästert und verfolgt zu werden, anstatt daß man ihnen Unterstützung und Förderung in ihrer schweren Arbeit zuteil werden läßt. Muntert man die Jugend auf, das Gotteshaus zu besuchen, dann kann man es erleben, als klerikal verschrieen zu werden, und das geschieht nicht allein von unvernünftigen Eltern, sondern auch von solchen, denen die Belehrung der Jugend auvertraut wird. Gleichgiltigkeit, sträfliche Indolenz überall: im Hause, in der Schule, in der Synagoge. Was für eine Vorstellung muß sich unsere Jugend von unserer Religion machen, wenn sie hört, wie diese nicht nur von den Gegnern, sondern auch von ihren sogenannten Anhängern verspottet wird? Daß wir Inden, ein