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Die Wahrheit · 1909-07-02 · Heft 26 (2.7.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 26 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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N 26. Die Wahrheit. Seite 7. AZäter za, und wurde Jude. Er verstand aber damals noch nicht das Geringste von der Lehre des Herrn und der heiligen Schrift. Nachdem er jedoch Jude geworden, verlieh der Herr Weisheit dem Salomo, er wurde in sehr kurzer Zeit gelehrter als alle übrigen Menschen und viele bewunderten ihn. Hierauf zog er nach Italien, erdreistete sich, über die Lehre unseres Gottes vor Königen zu sprechen und zog sich vor ihnen nicht zurück. Er war indeß zuvor nach der Türkei gegangen und hatte dann in Rom verweilt, wo er mit dem Papste Clemens VH. sich nnterredete, der ihm gegen den Willen aller Gesetzeskundigen seine Huld zuteil werden ließ und ihm einen in seinem Namen ausgestellten und nntersiegelten Erlaubnisschein gab, sich niederzulnssen, wo es ihm gilt dünken ivürde, um sich Jude nennen zu dürfen. Auch in der Kabbalah erwarb er sich große Kenntnisse und brachte ans seinem Mllnde Worte der Anmut hervor, denn der Geist Gottes sprach aus ihm und das Wort desselben war stets ans seiner Zunge. Ans dem Quell der Tiefen der Kabbalah hatte er herrliche Lehren geschöpft, sie niedergeschrieben und au seine Freunde in Salonichi geschickt, welche sie daselbst drucken ließen. Er predigte öffentlich in Bologna und anderen Städten, und viele zogen ihm nach, um seine Gelehrsamkeit mit auznhören und ihn durch Rätsel zu prüfen, aber Salomo gab ihnen über Gegenstände Auskunft, nichts war ihm verborgen, was er ihnen nicht hätte sagen können, und als sie die Gelehrsamkeit Salomos erkannten, sprachen sie: ,Es ist wahr, was wir über dich vernommen haben, und deine Gelehrsamkeit ist weit größer als der Nus, der von dir zn uns gedrungen ist? Biele wurden indessen von Neid gegen ihn erfüllt, aber sie konnten in Italien ihm nichts Böses zur Last legen, da er in den Augen der Fürsten angesehen war. Er verband sich mit David Renbeni und beide versolgten damals ein und dasselbe Ziel. Auch an die Gelehrten schrieb er von Visionen, die er gehabt,- wie ich es in dem Buche der Chronik der Könige von Frankreich und der ottomanischen Großfürsten beschrieben n. s. w. Später wollte Salomo mit dem Kaiser über Religionsangelegenheiten eine ausführliche Unterredung halten, er machte sich daher auf den Weg, als der Kaiser in Regensbnrg war, wo er mit ihm sprach. Der Kaiser aber blieb fest, hörte nicht auf ihn vor Kürze des Atems (d. b. aus Mangel an Zeit) und ließ ihn und seinen Freund, den Fürsten David (Renbeni) nebst seinen Leuten ins Gefängnis werfen, woselbst sie einige Zeit znbrachten. Als hierauf der Kaiser nach Italien zurückkehrte, brachte man sie gefesselt auf Wagen nach Mantua und sperrte sie in einen Kerker. Dann nahm der Kaiser mit den Gelehrten Rücksprache, und da diese fanden, daß Salomo Molcho den Tod verdient hatte, hieß der Kaiser ihn hinansfnhren und verbrennen. An einem der folgenden Tage legte man einen Zaum um seine Kinnbacken, damit er nicht sollte sprechen können, und führte Salomo hinaus ans den Richtplatz. Als die ganze Stadt seinetwegen in Aufruhr war und Feuer vor ihm brannte, sprach einer von den Fürsten des Kaisers: ,Nehmet ihm den Zaum von den Zähnen, denn ich habe ihm etwas von dem Kaiser mitznteilen- und nachdem sie also getan, sprach er zu ihm: ,Der Kaiser sendet mich zn dir. Fürst Salomo, um dir zn sagen, daß, wenn du von diesem deinem Wege abgehst, dir vergeben werden soll, er dich am Leben erhalten will und du in seiner Nähe leben sollst, wo aber nicht, so ist das Unheil über dich beschlossen.- Indeß erhob er sich weder, noch bewegte er sich vor ihm, sondern antwortete wie ein Heiliger, gleich einem Engel Gottes: ,Nnr wegen der Zeit, während welcher ich diesem christlichen Bekenntnisse angehört habe, ist mein Herz bekümmert, nunmehr aber tuet wie es euch gefällt und meine Seele möge znrückkehren in ihres Vaters Haus? Da wurden sie von Zorn gegen ihn erfüllt, warfen ihn ans den .Holzstoß" u. s. lv. (Vgl. Wiener „Emek Haoacha", 80). Den Anregungen dieses Märtyrers, Salomo Mvlcho, hatte es R. Josef Karo zn verdanken gehabt, daß er einen großen Teil seiner Zeit und Kraft dem Studium der Kabbalah gewidmet, was auch ans einzelnen Stellen seines „Schnlchan Äruch" ersichtlich ist. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. In der Budgetdebatte führte der Abgeordnete Doktor S t r a u ch e r Beschwerde darüber, daß die österreichische Judenichaft im Staatsvoranschlage eine arge Zurücksetzung erfahre. Die Forderungen der Judenschaft bestehen in Folgendem: Bolle Rechtsgleichheit und uneingeschränkte Durchführung der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung. Anerkennung ihrer Gleichwertigkeit und strikte Befolgung der bestehenden Gesetze aus allen Gebieten. Wien. (K n a b e n w a i s e tt h a u s.) Nach vieljähriger Vorbereitung ist es gelungen, die Errichtung eines Knabenwaisenhanies im XU. Bezirk, Heiligenstadt. Probusgasse, auf Grund eines Leopold Epstein-Legates und unter munifizenter Teilnahme der israelitischen Kultusgemeinde rn Wien sicherzustellen und an den Ban desselben als einer Jubiläumsstifrung heranzutreten. Bei den vorangehenden Verhandlungen hat sich seitens der betreffenden behördlichen und kommunalen Instanzen das dankenswerteste Entgegenkommen gezeigt. Bon einer Grundlegungsfeier wurde angesichts der vorgeschrittenen Zeit abgesehen. Bis zum Herbste dieses Jahres soll der Rohbau (Architekt Baurar S t i a s; n y,> hergestellt. im Frühjahre 1910 auch die innere Einrichtung vollendet sein. Die Anstalt soll sich würdig dem bereits besteheiiden „Gnrmauuschen Waiseuhanse" des Vereines aurelhen und ist auf die Aufnahme von 100 Kindern berechnet. Es ist zn hoffen, daß die bisherigen Freunde und Förderer des seit 1862 wirkenden Pereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen, der israelitischen Kultusgemeinde Wien auch dieser Jnstilnrion ihre Teilnahme znwenden werden. Wien. (Jüdisches M u s e u m.) Die Sammlungen wurden am 1. Juli für die Dauer der Sommermonate geschlossen und wird deren Wiedereröffnung gegen Ende September bekannc gegeben werden. Für Vereine und Körverschaslen kann über Vereinbarung mit dem Bureau der Gesellschaft. I., Krngerstraße 8. auch während der Ferien eine Besichtigung des Mnsenms erfolgen. Wien. (Befähigungsvri'lsung für Kindergärtnerinnen.) An der mir der israelitischen Kinderbewahranstait vereinigten und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen ersten Bildungsaustalt für Klildergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgasse 17 (gegr. 1868). fand am 22. Juni d. I. unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschnlini'veklors Hofrar Tr. R > e g e r die Befähignngsprüfung statt, bei welcher sämtliche erschleneuen Kandidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen für den 42. Jahrgang des Kindergärtnerinnenkuries und für den damit verbundenen Bonnenknrs werden bei der Direktion jederzeit entgegengenoininen, welche auch über Wunsch Prospekte versendet. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX., O c h m a rgasse 46.1 Vortragszyklus über Ethik im Talmud mir spezieller Berücksichtigung der Gnomologie der thanairischen Periode. Rabbliiatskandidat Bela Fischer. Bortrag III. Samstag, den 3. Juli 1909. Beginn 5 Uhr nachmittags. Fortsetzung des Vortragszyklus im Oktober. Wien. („L i w i a t C h e n". II., S t e f a n i e st r a ß e 2.) Samstag den 3. Juli 1909, nachmittags um 5 llhr, findet ein Bortrag des Herrn Ignatz R o s n e r statt. Thema: „Sprüche der Bärer." Eiwanowitz, 23. Juni. Das Leichenbegängnis des Rabbiners Leopold Eisler fand heute unter zahlreicher Beteiligung beider Gemeinden. Eiwanowitz und Wischau, nicht nur der jüdischen, sondern auch der christlichen intelligenten Bevölkerung statt Die angeiehensten Männer der Gemeiude trugen die Bahre in das fchwarzgeschmückte Gotteshaus, wo ein Trauerchoral von dem Wischauer Damenchor unter der Leitung der Kantoren B a r b a s ch und W o l f e n s o h n gesungen wurde. Daun hielten am Sarge Dr. Kupfer aus Kojetein. Dr. Tauber ans Prerau als aller Freund, Tr. F r e i m a n n aus Holleichau im Namen deS Rabbinerverbaudes und Dr. G o l d s ch m i d t ans Proßnitz ergreifende Trauerreden, in welchen sie in Anerkennung der hohen Verdienste des Verstorbenen als Seelenhirt, als Gelehrter und Schriftsteller, seine große Gerechtlgkeits- und Menschenliebe gegen alle, ohne Ausnahme der Konfession, priesen und hervorhoben, daß mit dein Verstorbenen ein altes Stück Judentum zu Grabe getragen wurde, daß er in seiner großen Bescheidenheit sein ganzes Glück und seine Zufriedenheit in der wissenschaftlichen Forschung gesunden habe, daß er noch im Gre'.senalter ein kindlich reines Gemüt und Jngendkraft bewahrt habe. Er besaß einen edlen, lautern Charakter. Alle drei Rabbiner betonten die treue aufopfernde Liebe seiner Gattin, die unter Entbehrungen ihm sein stilles Gelehrtentum ermöglichte und die ihn in seinem Studium unterstützte, indem sie durch ihre zärtliche Fürsorge jede Kränkung und jeden Kummer von ihm feruhielt. In der Leichenhalle hielt Herr Löwentha l-Kojetein im Namen der Wischauer Knitusgememde einen tiefempfundenen Nachruf. Am offenem Grabe hielt Herr Doktor K u v f e r-Kojetein in rein hebräischer Sprache einen ergreifenden Abschieds» grüß. Sämtliche Herren Rabbiner und Kultnsvorstände Mährens und viele bedeutenden Männer der Gegenwart kondolierten in der herzlichsten Weise. Ferner die Bezirkshauptmannschaft Wischau, die Geistlichkeit, der Bürgerineister mit dem Ausschüsse sprachen ihr tiefempfuiidenes Beileid aus. Eisler hat durch seine wissenschaftlichen Leistungen ein bleibendes Andenken sich errichtet. Dr. F r a n k l - G r ü n-Kremsier. mit dem der Verblichene seit Jahcerc im Briefwechsel stand, wird demnächst dessen Biographie und die von chm nachgelassenen Schriften veröffentlichen. Budapest. Kultus- und Unterrichtsnunister Graf A p v o n y i hat mit Berufung auf einen ältereil Ministerialerlaß die grundsätzliche Entscheidung gefällt, daß als selbständige israelitische Religionsgemelnden nur jene Religlonsgemeindeu zu betrachten sind, in denen die Rabbmerstelle besetzt ist. Dementsprechend hat der Minister an mehrere Religionsgemeinden

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