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Die Wahrheit · 1909-06-25 · Heft 25 (25.6.1909) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 25 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Die Wahrheit Nr. 25. Leviten leien. Soll ich Ihnen die Sozialrevolutionäre ansühren, I die den Marxismus verwerfen und leider auch Juden in ihren Reihen aufwenen. Soll ich Ihnen die Anarchisten zitieren, sicher Gegner Marxens und auch Juden aufweisen? Soll ich Ihnen die jüdischen Nationalsozialen anführen, die auch keine eingefleischten Marxisten sind? Soll ich Ihnen den Taussig zitieren, der die russischen Pogromanleihen besorgt? Oder Hofrat Kuranda, den ungebetenen Ministerretter? Ueberall, lieber Herr, sind wir Juden vertreten, wir halsen auch den Koran machen, wir halfen unser Volk vernichten und halfen sogar in Odessa Pogrome machen. Und sehen Sie, wir haben Lassale hervorgebracht, von dem Sie so begeistert sind und ans den wir stolz sind, weil er ein bewußter Jude ivar und als solcher starb — und weil er nach seinen Eltern Kadisch sagte. Wem: Sie nur nicht die Geduld verlieren, so wollen wir unser Thema weiter fortsetzen. „Das Judentum", so schreiben Sie S. 15, „als weltgeschichtliches Prinzip besonderer Kategorie, dessen Eigentümlichkeit es ist, mit jeder Frage der Menschheit irgendwie in Konnex zu treten, besteht ans dem Marxistischen Dogma, weil darin ein Mittel liegt, die Welt zu monopolisieren. Dadurch wird eine natürliche urwüchsige Bewegung, wie es die Arbeit^ sache ist. der inneren Beweglichkeit beraubt und zu einer Kirche, deren Wesen darin besteht, eine Doktrin als Machtmittel auszuwerten und die Machlorganisation zum Staatszweck zu erheben." Aber was fällt Ihnen ein, was hat der Unterschied zwischen dem schöne Lippen küssenden Hellenismus und dem ernst erhabenen Judaismus unseres Heine mit marxistischem Dogmatismus zu tun? Nicht wahr, Sie sehen das selbst ein. Nun ja, Sie haben es nur io hingeschrieben, wollten es gar nicht so philisterhaft ernst nehmen. Sie wollten nur feuilletonisieren, jourualisieren, so ein bißchen Aestethik, moderne Kultur. . . Warum also die große Entrüstung über die Juden, die die Welt mit seuillelonistischer Brille betrachten. Sie schreiben: „Die Sozialdemokratie in ihrer marxistischen Gestaltung kommt dem Judentume gleichzeitig sozial und geistig am vollkommensten entgegen, indem sie die Formel garantiert, der Welt Erbe zu gewinnen. Sie gewährt ihren Adepten jenen Hochgenuß, um dessentwillen der Leitartikler aus der Welt ist; sie gibt fertige Urteile. Welch ein Glück für denjenigen, der die Welt am liebsten journalistisch betrachtet, durch ein einziges Gelübde in den Besitz dieser Fähigkeit zu gelangen. Nun gar ein System, welches nicht nur für alle Erscheinungen, inklitsive der Drehung der Gestirne, ein fertiges Urteil, sondern auch ein moralisches Hochgefühl vermittelt. Die Juden finden eine geringere Schwierigkeit darin, eine theoretische Weltanschauung fertig zu übernehmen." Sehen Sie, verehrter Herr, ich habe ihnen den ganzen Absatz vorgelesen, damit Sie nicht sagen, ich habe willkürlich das mir Passende aus dem Zusammenhauge herausgerissen. Sie lehnen sich also aus gegen feuilletonistisch-journalistische Weltanschauung, ja, Sie spaßen nicht, Sie verlangen tiefes Nachdenken, Selbstdenken, Selbstempfinden, Selbsterleben, Revolution. Da müssen Sie sich schon zu der Dienstmagd, Logik geheißen, herablassen und müssen einseheu, daß Griechentum und Judaismus den Hang der Juden zum Marxismus nicht erklärt, Sie müssen einseheu, daß das nur ein Journalismus ist, daß das auch nur eine flache Formel ist, um tiefe und komplizierte Erscheinungen zu erklären und daß Sie durch Anwendung dieser von Pharao erfundenen Generalsormel „Jud" selbst ins Jonrnalisieren, d. i. also in Judaismus verfallen. Man ist eben vor den Inden nicht gefeit, sie bemächtigen sich einer Seele und lassen sie nicht mehr los. Glaubt man, sich schon ganz ihren Händen entwunden zn haben, so sieht man sich plötzlich noch tiefer in ihren Netzen verstrickt. Sie jüdeln. Wertester! Oder sollen Sie nicht wissen, , daß die Juden su Masse dem Marxismus am wenigsten zugänglich sind? Oder daß die Juden, wie Sie eben sagen, gleich allen übrigen Kulturmenschen „mit jeder Frage der Menschheit irgendwie in Konnex treten?" Oder sollten sie nicht wissen, daß man die Juden für Zweifler, Nörgler, Skeptiker hält, daß man ihnen den Skeptizismus als Todsünde aurechnet? Sollten sie überhaupt nicht wissen, daß die Juden, die Ihnen Modell sitzen, mit dem abstrakten Judentum als solchen, mit der Psychologie der Masse und des Einzelnen nichts 311 tun haben? Es wäre jammerschade, wenn Sie alle alle diese Dinge wissen sollten, denn wüßten Sie sie — Sie könnten kaum die feinsten Feuilletons schreiben. Nun ich will Ihre Geduld nicht auf die Probe stellen, nur noch ein paar Stellen und dann Adieu, ans Wiedersehen! „Es liegt in ihrer Psyche, die Macht über die Welt von einer Zauberformel zu erwarteu, welche eiu tieferes Verständnis an den Dingen erspart, sei diese nun das Geld oder eine erlernbare Idee wie sie beispielsweise der Marxismus bietet, der gewissermaßen geistiges Geld ist. Indem mau sich an einen festen Standpunkt bindet, schafft man sich Ueberlegenheitsgefühle und eine Quelle scheinbarer Kraft, welche den Mangel an Persönlichkeit ersetzt . . ." Bitte, eine Minute Geduld, ich bin mit dem Zitieren fertig. „Das Judentum als weltgeschichtliches Prinzip, dessen Eigentümlichkeit es ist, mit jeder Frage der Menschheit irgendwie in Konnex zu treten, besteht auf dem marxistischen Dogma, da darin ein Mittel liegt, den Sozialismus zu monopolisieren." Wissen Sie gar nicht von dem großen galiläischen Revolutionär, der sein Leben für die Menschheit ließ? Wissen Sie gar nicht von dem großen Juden, der dem reichen Jüngling kein Programm, keine Zuknnstsmitsik, sondern den Rat. den Befehl erteilte „verkaufe dein Eigentum und gib es den Armen?" Wissen Sie tiicht von der donnernden Offenbarung, „eher kommt ein Elefant durch eiu Nadelöhr, als ein Reicher in das Himmelreich?" Wissen Sie nicht von dem Juden am Jordan, der sein ganzes Volk im Namen der Wahrheit mit dem schmeichelhaften Namen „Otterngezücht" belegte? Wissen Sie nicht von der großen freiwilligen Kommunistengemeiude in Jerusalem? Wissen Sie tticht von dem tarsischeit Juden, der mit einem kranken Leib Meere durchwatete, um eben die große Revolution der Seelen und der Körper vorzubereiten? Wissen Sie nicht von der Prämie, die der Rabbi von Nazareth seinen Aposteln versprach: Gerichtzitationen, Schläge und Gesesseltsein? Wissen Sie nicht, daß Sie einem Juden das Herz durchbohren, wenn Sie ihm die idealen Faktoren des KoLmos, der Geschichte hiwegdisputieren wollen? Ja, ich könnte Ihnen, verehrter Herr, unzählige „wissen Sie" anfzählen und Sie würden mir die Antwort schuldig bleiben, weil Sie eben, um ein Wort des von Ihnen zitierten Heine ztl variieren, weil Sie rasierte Juden mit Mätress' und Automobil gesehen, weil Sie entwurzelte Juden als Volksverführer gescheit, nun glaitben, d i e Inden zu kennen! In Ihrem Kopfe ist jeder Jude ein adlerisierter, rothschildscher Benedikt. Genau so, lieber Herr, sah ihn Bileam und Ahlwardt, Engen Dühring und Chamberlain, Pfefferkorn und Weiniger. Und Euch allen, wie Ihr heißen wöget, ob Ihr schon geboren seid oder in hunderttausend Jahren kommt, rufen wir zu: „Denn neue Himmel und Erde werde ich schaffen, die Sonne wird ihren Glanz verlieren und der Mond wird nicht mehr leuchten und mein Volk wird ewig besteheil"! Hands off! Lassen Sie das Jndentnm in Ruhe, Sie könnten sich daran die Hände verbrenneil oder ein Haus erwerben, — wenn Sie es schon haben, Gemeinderat werdeil. Nichts für ungut! Dr. I. Sinnreich. Friedrich von Martens. Motto: Ich dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Thränen gestillet Je des Geängsteten? Goethe. Es ist der Martens gestorben, "Der Martens ist nicht mehr; Mit so profundem Wissen Gab ’§> nie einen zweiten, wie er. Er war der Schüler Bluntschlis, Hat in der Schweiz gelernt; Ans diesem freien Ländchen Hat er sich nach Rußland entfernt.

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