Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-06-18 · Heft 24 (18.6.1909) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 24 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063493--06125-3073102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8. Die Wahrden Nr. 24. bin noch glücklicher, zu . sehen, daß die „Welt", das offizielle Organ der Zionisten, in ihrer Nummer vom letzten Freitag die Mesopotamienidee mit ziemlicher Sympathie begrüßt, allerdings ohne Palästina anfzugeben. Hier also ist der eine Plan, der das eine Volk schaffen soll. Ein neues Land der Freiheit. Ich erkläre jedenfalls, daß Mitwirkung Kompromiß bedeutet, und geradeso wie die große britische Föderation in Südafrika sich als unmöglich erweisen würde, wenn Kap Town oder Transvaal auf jedem Buchstaben ihrer Wünsche bestehen würden, müßte, wenn alle Parteien und Organisationen der Judenheit zu einem großen Werke vereint werden sollte, jede darauf gefaßt sein, daß sie etwas von der Schärfe ihrer Prinzipien oder Statuten werde opfern müssen. Aber zuletzt noch einen Vorbehalt. Mesopotamien wurde bisher noch nicht von uns geprüft, noch nicht von unserer geographischen Kommission angenommen. Es kann kommen, daß die Berichte über Mesopolamien ebenso rosig gefärbt sind, wie über Cyrenaika. Es kann kommen, daß in einem solchen Klima jüdische Arbeiter nicht arbeiten, jüdische Kinder nicht leben und gedeihen können. Es kann kommen, daß sich die Araber als ein unversöhnliches Element eriveisen und nicht, wie wir es zu erreichen hoffen, als ein friedliches. In diesem Falle muß auch Mesopotamien fort. Wenn jedoch, was wir hoffen und wünschen, Mesopotamien so passend für die Juden von heute ist, wie es für unsere Patriarchen war, die dort ihre Herden trieben, oder wie es für die Juden in der großen Periode des babylonischen Talmuds war, dann lassen Sie uns alle vereinen in dem Beginnen, hier das so wünschenswerte Land mit Freiheit, Glück und Frieden zu errichten. Wir waren immer eins im Leiden. Wenn die Rinnsteine von jüdischem Blut rönnen und die Luft von Klagen der Witwen und Waisen widerhallt, dann fühlen sich alle Juden als Brüder. Lassen Sie uns einmal im Glück eins sein — im Glück, für eine sichere und größere Zukunft zu arbeiten. Ein Plan ein Volk. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Aus der Plenarsitzung des K n l t u s v o rstandes vom 3. Juni 1909 unter dem Vorsitze des Pr äsidenten D r. Alfred Stern. Beginn 1/2o Uhr nachmittag s.) Im Einlaufe befinden sich nebst den Spenden ein Dankschreiben des Herrn Julius Lederer für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres, ein Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Samuel S r e i u e r für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages, ein Dankschreiben des Stadtbaumeisters Edmund Melcher für seine Berufung in das Baukomitee, ein Dankschreiben des Vertreters Dr. Alfred Berger für die Sympathiekundgebung des Vorstandes. Im Präsidialberichte teilt der Präsident mit, daß das Mitglied des Vertreterkollegiums Herr Salo Cohn zum Zwecke des Ankaufes eines Teiles der Bibliothek des verstorbenen Sadagoraer Rabbiners N. B. F r i e dm a n n einen Betrag von K 6000.— zur Verfügung gestellt und in neuerlicher Betätigung seiner Munifizenz die angekauften auch in wissenschaftlicher Beziehung sehr wertvollen Bücher zum Andenken an seine verewigte Mutter, Frau Charlotte Cohn, der Bibliothek der israelitischen Kulmsgemeinde Wien zum Geschenk gemacht habe. Der Präsident bemerkt hiezu, daß Herr Salo Cohn bereits vor einigen Jahren zum Andenken an seinen verewigten Vater die sehr wertvolle Halberstammsche Bibliothek der Kultusgemeinde gewidmet hat und spricht unter lebhafter Zustimniung der Versammlung Herrn Vertreter Salo Cohn für seine Opferwilligkeit, durch welche die Bibliothek der Kultusgemeinde eine wesentliche wissenschaftliche Bereicherung erfahren hat, den wärmsten Dank des Vorstandes aus. Der von der Siatthalterei ausgearbeitete Entwurf eines das Rechtsverhälttiis der türkischen (sephardischen) Israeliten zur Kultusgemeinde Wien betreffenden Regulativs wird mit einigen Abänderungen bezw. Zusätzen genehmigt. Auf Grund eines Berichtes der Schulinspektion wird beschlossen, die vor einigen Jahren eingesührte, nicht obligatorische zweite Religionsstunde an der 3. Volksschulklasse an weiteren 10 Religionsschul-Stationen einzuführen, so daß nunmehr dieser erweiterte Religiousnnterrjcht in 28 Religionsschul-Stationen erteilt wird. Der Jnspektionsbericht hebt hervor, daß sowohl der Erfolg als auch die Frequenz der fakultativen Unterrichtsstunden befriedigend seien und namentlich eine wesentliche Förderung des Leseunterrichtes herbeigeführt wurde. Subveiitionen werden nachstehenden Vereinen bewilligt: Den Bethans-Vereineu: „Thorath Emeth", „Emunas Awes", „Machsike Thora", „Gemilos Chessed", „Oseh Tow", „Schomer Israel", „Chassidim" und dem „Tempelverein des XVIII. Bezirkes". Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1/28 Uhr geschloffen. Wie» Vor einigen Wochen ist der Kustos der Wiener Universitäts- Bibliothek, Dr. Salomon Fran kfur ter, unter Belassung seiner bisherigen Bibliotheksstellnng in das Ministerium für Kultus und Unterricht zur außerordentlichen Verwendung für das Bibliotheks- und Mittelschulwesen, sowie als fachlicher Beirat für jüdische Kultusangelegenheiten berufen worden. Die Berufung Dr. Frankfurters in das Ministerium, die bereits früher geplant war, erfolgte in erster Linie mit Rücksicht auf seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete des Bibliothekswesens und in Organisationssragen der Mittelschule, für welch letztere er besonders in den letzten Jahren als Schriftführer des Vereines der Freunde des humanistischen Gymnasiums ein reiches Arbeitsfeld fand. Bemerkenswert ist das Urteil, das jüngst Unterrichtsminister Graf Stürgkh auf eine diesbezügliche Anfrage im Budgetausschusse über Dr. Frankfurter abgab. Er bezeichnete "ihn als. einen im Bibliothekssache sehr versierten und in der pädagogischen Literatur erfahrenen Mann, der zu den tüchtigsten Ardeitskräfcen gehört. Die gleichzeitige Verwendung Dr. Frankfurters im Kultusdepartement mag wohl aus den Bedürfnissen und Forderungen der letzten Zeit hervorgega'ngen sein und es ist vom jüdischen Standpunkte ans als eine höchst erfreuliche Errungenschaft zu verzeichnen, daß in Zukunft bei Behandlung jüdischer Fragen im Kultusministerium das Votum eines Mannes maßgebend sein wird, der nicht nur als Jude dem jüdischen Leben nicht fernsleht, sondern auch mit tiefem und gründlichem Wissen die vollste Vertrautheit mit allen jüdischen Knltus- und Gemeindeallgelegenheiten vereinigt. Wien. (B e t h a m i d r a s ch T a l m u d-T Hora, M a l zgaise 16.) Sarnstag, den 19. Juni 1909, 3 Uhr nachmittags, findet im Speisesaale der Talmud-Thora-Schule ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „Wie man das Schema und das Gebet lesen muß." Wien. (Monatsbericht des Jüdischen Nationalfond s.) Die „Welt", das Answeisorgan des Nationalsond-Hauptbnreaus in Köln, verlautbart eine Tabelle; wonach der Jüdischen Koionialbank in London an Nationalsond- und Oelbaumspenden im M a i 1909 von solgenden Landessammelstellen abgeliefert wurde: 1. Rußland X 9316.—, 2. Oesterreich (ohne Ungarn-Bosnien) K 4506.—, 3. Deutschland X 4058.—, 4. Rumänien Iv. 2959, 5. Bulgarien Iv 1934.—, 6. A r g e n t i n i e n K 1244. —, 7. Nordamerika (U.-St.) K 1201.— , 12 andere S a m m elstellen zusammen X 3088.—. Summa X 28.306. Die Landessammelstelle für Oesterreich, Wien IX., Türkenstraße 9, empfängt und quittiert Spenden und erteilt jeden gewünschten Aufschluß über den Nationalsond. Teplitz-Schöna«. Das „Jüdische Internat" in Prag hat den hiesigen Religionslehrer an den Volks- und Bürgerschulen in Dux, Herrn Moritz Mandl, der bisher auch Kolonieleiter des Teplitzer Ferienheims in Gersdors (Böhmische Schweiz) war, zum Direktor ernannt. Herr Mandl wird seinen neuen Posten am 1. September antreten. Kremfier. Dr. S. Frank l, der durch seine in langjähriger Spitalspraxis erworbene Tüchtigkeit sowohl, als auch durch seine Humanität allgemein bekannt ist, hat hier seine ärztliche Tätigkeit wieder ausgenommen. Ung. Brod. Sonntag wurde die Gattin des fHE *“i eines hervorragenden Schülers des “1S1D LNN, zu Grabe getragen. Ihr Neffe, Dr. Frankl-Grün aus Kremsier, hielt ihr einen Nachruf, in welchem er ihr Verdienst, die aufopfernde Pflege ihres Gatten, schilderte, der seine freie Zeit dem Talmudstudium widmete. Galgocs Ignaz F i s ch l, Sohn des Musiklehrers Herrn Rudolf Fischt, hat am jüngsten Freitag-Abend im hiesigen Tempel, über Einladung des Vorstandes und Genehmigung des hiesigen Oberkantors M. K r i e n e r, vorgetragen. Der stimmbegabte und talentierte junge Mann erfreute sich allgemeinen Beifalles. Berlin. Das deutsche Jahrbuch der Alliance Jsraelite Universelle für 1908 ist in einem 16 Bogen starken Bande erschienen. Nicht bloß die Mitglieder der Alliance, sondern alle Freunde gelingender Kulturarbeit werden mit Interesse lesen, ans welche Weise und mit welcher Ausdauer die Alliance an der Aufgabe weiterarbeitet, die sie seit ihrem fast 50 Jahre zurückliegenden Entstehen sich gestellt hat, wie das Schnlwerk bis in die fernsten Lande hin dazu beiträgt, ein unterrichtetes Geschlecht heranzuziehen, das die seitherige Rückständigkeit verläßt und neues wirtschaftliches Leben beginnt und die Schlacken abstreift, die durch andauernde Verfolgung sich gehäuft hatten. Ueberall in Uebereinstimmnng mit den Staatsgewalten hat die Alliance in allen Landen die Anerkennung gewonnen, daß ihr Tun zum Segen gereicht, nicht bloß für die, die unmittelbar beteiligt sind, sondern für die ganze Bevölkerung. Eine zweite Aufgabe der Alliance besteht darin. Hilfe zu bringen, wo augenblickliche Not sich zeigt, gegen Bedrückung aufzntreten und der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Von besonderem Interesse, auch für weitere Kreise, ist in dem vorliegenden Jahrbuch der Bericht, den Herr Nahum, der jetzige Chcham Baschi der Türkei, über die Reise erstattet har, die ihn im Aufträge der Alliance zu den Falaschas nach Abessinien führte. Eine besondere Karte von Abessinien zeigt den Weg, den die Expedition zurückgelegt hat; Bilder von Falaschas und Falaschadörfern machen den Bericht besonders lebendig. Nicht minder lehrreich und interessant ist der Bericht, den Herr Rabbiner Dr. 'Porges-Leipzig über die von dev Alliance zu den^Alliance-Schulen im Orient entsandte Expedition erstattet hat. Die Anerkennung, die die Alliance im wachsenden Maße für ihr Liebeswerk genießr, findet deutlichsten Ausdruck in der stetigen und starken Zunahme der Zahl ihrer Mitglieder. New-Aork. (Jüdische Einwanderung i n N e w-P o r k.) Im Monat Mai sind in New-Aork 2239 jüdische Einwanderer gelandet. Von ihnen stammten aus Rußland 1738, Oesterreich 305, Ungarn 90, Rumänien 50, England 26, Deutschland 6, der Türkei 23. 1601 verblieben in New-Aork selbst, während 638 sich nach anderen Orten dev Vereinigten Staaten begaben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.