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Die Wahrheit · 1909-06-18 · Heft 24 (18.6.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 24 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24. Oesterr.-ungar. Kautoren-Zeitung Leite 9. Die Gntmicktnug des Synagugengesunges. Unter dem Titel: „D i e E n t w i ck l u n g desSynag o g e n g e s a n g e s seit 8 e w a n d o w s k y" bespricht der 'Dessatter Fach- und Aknsik-Reserent Herr Albert W e i l I, im „Hamburger israelitischen Familienblatt" die Schöpfungen unserer zeitgenössischen Synagogen-Komponisten, lenkt im weiteren Verlause seines gediegenen und lichtvollen Referates unsere Aufmerksamkeit auf die musikalische Art von Synagogen-Komponisten, die innerlich weit über Lewandowsky hinausgegangen sind und die, unbeschadet dessen, dennoch den a l t j ü d i s ch e n Charakter in ihren Werken zu wahren wußten und verweist schließlich in seinen interessanten Ausführungen ans den jüngsten unserer Synagogen-Komponisten, Herrn Oberkantor Heller in Brünn, den wir gleichfalls unter die Meister rechnen dürfen, weil er ein Neues darstellt und weil in ihm Keime einer Ent- .wicklnng zu liegen scheinen, die ans eine große Zukunft Hinweisen. Herr Referent W e i l l schreibt hierüber wörtlich folgendes: „Eilt junger Kantor, Joses Heller in Brünn, hat vor vier Jauren unter dem Titel: „.Kol t’h i 1 o" zwei Bände vierstimmiger Chöre und Soli für den israelitischen Gottesdienst cheransgegeben, die Freitagabend- und Sabbatgesänge umfassen. In seinem Vorwort erklärt es Heller als seine Absicht, ,nicht Neues allein, sondern hauptsächlich das alte Chasonus in eine Form zu fassen, die dem heutigen Zeitgeist und modernen Gottesdienst entsprechen soll.' Und diese Absicht ist dem jungen Meister denn anch in ganz außerordentlicher Weise gelungen. Man hat bei diesen Kompositionen Hellers das Gefühl, etwas Urjndischem und doch aitch wieder etwas völlig Neuem gegenüber zu stehen. Alles Banale und Triviale ist streng vermieden; ein hoher Ernst durchzieht diese Gesänge, die 'ans einem echt jüdischen, tief religiösen Gemüte geflossen sind und von ungewöhnlicher musikalischer Durchbildung ihres Verfassers Zeugnis ablegen. Die Schönheiten dieser Gesänge liegen aber nicht an der Oberfläche; sie offenbaren sich erst d e m, der sich dem Studium des Werkes mit Eifer hingibt. Die Chöre sind schwierig und erfordern, wenn sie gelingen sollen. . lange und gründliche Arbeit. Die Mzitative bringen einfaches, aber in seinem urjüdischen Charakter durchaus e ch t e s Chasonus. Ganz besonders hoch, oft sogar sehr schwierig, sind die Ausgaben, die Heller dem Vvrbeter stellt; er gleicht darin Kirschner und will, wie dieser, durch weitgesteckte Ziele den modernen jüdischen Kantor zu einer Höhe emporführen, ans der sich echtes Kunstempfinden mit jüdischem Gefühl und jüdischer Ansdrncksweise in durchaus harmonischer Art vereinigen. Der Orgelsatz Hellers ist von großer, oft allzugroßer Prachtentfaltnng und folgt den Spuren Löwen st a m m s und Kirschuers in der selbständigen, musikalisch durchaus gediegenen Ausgestaltung; als Beispiel wird vom Herrn Musik- Referenten Weill auf ,w’hogen. baademr hingewiesen. Die Fortsetzung des Hellerschen Werkes, die Festtagsgesänge enthaltend, darf mit Spannung erwartet werden. Es ist eine neue, entwicklungsfähige Art, die sich in Heller austnt, und wir vertrauen der Zukunft, die uns noch Großes von ihm bringen wird." Diese, nach jeder Richtung hin vollkommen gerechtfertigte Kritik über die ersprießliche und höchst schätzenswerte synagogale Wirksamkeit unseres Kollegen Heller macht nuferem ganzen Stande Ehre und freut es mich außerordentlich, Gelegenheit zu haben, dieselbe in den Spalten dieses gesch. Blattes zu veröffentlichen. A. S t ö ß l e r, _Kantor und Sekretär der isr. Kultusgemeinde Olmütz. Eine gebildete Irau. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) Zu der von Elise festgesetzten Stunde tappte sich Rösl die Treppe zu ihrer Wohnung herab, nachdem sie sich überzeugt hatte, daß Elise in der Bibliothek vollauf Beschäftigung hatte, sie daher keine Störung von ihr zu befürchten brauchte. Rösl wollte den erwarteten Gast in ihrer eigenen Wohnung empfangen, wo sie ungestörter mit ihm sprechen konnte, als in der Bibliothek, deren Türe keine Minute stille stand. Was sie eigentlich mit ihm sprechen wollte? Sie wußte es nicht. Sie wußte nur das eine, daß sie Elisens sterbender Mutter versprochen hatte, über das Lebensglück des verwaist bleibenden Kindes zu wachen, und daß sie ihr Wort halten müsse. Es klopfte an die Türe, welche sich alsbald öffnete und das Geräusch derselben kräftigen Schritte wurde vernehmbar, sowie die einschmeichelnde Stimme, die gestern bereits ihr Inneres in Aufruhr versetzt halte. Der fremde junge Mann ging geradeswegs zu dem Sessel, auf dem die Blinde saß. „Sie haben mich zu sich rufen lassen, gnädige Frau!" „Das habe ich, und herzlichen Dank, daß Sie gekommen. Elise hat mir ihr Verhältnis zu Ihnen gebeichtet, und da erachte ich. als die mütterliche Freundin des jungen, früh verwaisten Mädchens, es als meine heilige Pflicht, Rücksprache mit Ihnen zu nehmen, und Sie über die Absichten zu befragen, welche Sie mit Elise haben". „O gewiß, nur die ehrlichsten, beste, gnädige Frau! Nur wird es noch eine längere Zeit dauern, ehe ich daran nur denken kann, einen eigenen Herd zu gründen. Ich bin erst vor kurzem zum Doktor promoviert worden, und muß noch lange bei berühmten Meistern lernen, ehe ich mich für fähig erachte, meine Wlsfenschaft in den Dienst der Menschheit' zu stellen". ..Diese Gesinnung ist eine lobenswerte und erhöht das Vertrauen, das mir Ihre Persönlichkeit einflößt, um ein Bedeutendes. Es hat ja keine Eile. Sie sind beide noch jung. Aber vor einer Enttäuschung möchte ich das Kind schützen — und deswegen habe ich Sie zu mir bitten lassen. Elise hat mir Sie mit dem Namen Doktor Müllner genannt. Der Name ist wohl der richtige, nicht wahr?" Rösl konrite wvhl die Veränderung nicht sehen, die bei diesen Worten in den Zügen des Doktors vorging, jedoch ihr scharfes Ohr vernahm es. wie derselbe unruhig ans seinem Sessel hin und her rückte, wie seine Stimme die ruhige Klangfarbe verloren hatte. Nur mühsam seine Verlegenheit bekämpfend, antwortete er nach kurzem Zögern mit beklommener Stimme: „Nicht eigentlich, gnädige Frau! Unerquickliche Familienverhältnisse. die ich nur ungern berühre, haben mich veranlaßt, den Namen meiner Mutter zu führen". „Und Ihr Vater hieß Rudolf Hilber. nicht wahr?" „So ist es," antwortete fast tonlos der junge Mann. „Sie kennen ihn persönlich, verehrte Frau?" „Ich habe ihn gekannt, und Sie an Ihrer Aussprache als dessen Sohn vermutet, trotzdem mich Ihr Name irregeführt harte." „So ungern ich anch von diesen traurigen Familienverhültnissen spreche, Ihnen aber. Ihrem durchdringenden Verstände, kann ich nichts verbergen. Ich bin das einzige Kind meiner Eltern, und vermochte es leider nicht, wie es sonst zu j sein pflegt, das Herz meiner Eltern in Liebe und Duldung zu j vereinen. Nach einer Reihe unerquicklicher Szenen, welche die! Folge eines immer mehr um sich greifenden Zerwürfnisses gewesen. hat mein Vater nächtlicher Weise Weib und Kind verlassen, ohne ihnen irgend welche Subsistenzmittel zurückgelassen zu haben. (Fortsetzung folgt. Austritte uns dem Judentum. Kätscher Robert. und. gymn., geb. 20. Mai 1894 in Wien, Graz. Leidler E r u ft, Zrudenc, ledig, geb. 12. Februar 1884 m Kgl. Wein- ' berge, Wien, IX., Waisenhausgasse 11. Salberg Julie Kätcheu, Private, ledig, geb. 15. August 1889 in Riesbach (Schweiz), Wien, XIX., Heiligeusrädrerslr. 10. H i r s ch B e r t i. Dieustmädcheu, geb. 28. Juli 1884 iu Wieu,XX.,Pielachg.1. Adler Adols, Uuiv.-Hörer. ledig, geb. 4. Jänner 1887 in Wien, XVII., Parhammerplatz 16. Dr. Käser Abbe, ^Arzt, ledig, geb. 1. August 1871 in Tarnow, I.» Raubensteingasse 23. F r i e d e n st e i u Walter. Handelsakademiker, ledig, geb. 9. Feber 1893 in Wien, XVIII., Pötzieinsdorierstr. 53. Slonitz Eduard. Reisender, ledig, geb. 11. Mai 1881 in Wien, II., Körnergasse 6. Werner Hugo. Kaufmann, verheiratet, geb. 24. Marz 1882 m Wien, VII., Kandlgasse 36. R e i s n e r S e l m a geb. F r i e d e n st e i n, Private, verheiratet, geb. 7. Mai 1881 in Wien, IX., Maria Theresienstr. 9.

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