Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 24 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6. Die Wahrheit Är. 24. nicht brechen darf; der Wohllüstling Simson opfert sich für fein Volk und der schwer fehlende David dichtet Psalmen, ich glaube noch daran, die das Erbauungsbuch der Menschheit für alle Ewigkeit geworden sind. Ans den angeführten Beispielen soll bervorgehen, daß die in Gott Verliebten, die transzendenten Temperamente bei allen ihren Verfehlungen doch aus einem anderen Holz geschnitzt sind als alle übrigen Menschen, sogar als die fromm-braven, Pflicht- und geboterfüllenden Automaten. Diese aktiven Offenbarungen also, sagten wir. sind entweder persönlicher Natur, d. h. sie können den Einzelnen über tausende Jahre Zukunft erheben und ihn zu einem Mitglied oder Führer der spätesten Geschlechter machen. In diesem Sinne hat die Offenbarung auf Abraham gewirkt, welchen Gedanken unsere Weisen in dem Satze ausdrückten: Abraham hat sämtliche Gebote der Thora erfüllt. Von dieser persönlichen höchstens auf einzelne Familien beschränkten Art waren alle jüdischen vormosaischen Offenbarungen, die erste adamitifche hinzngerechnet.*) Ja, wir müssen noch weiter gehen, wir müssen annehmen, daß es vor Moses auch bei anderen Völkern aktive Offenbarungen zum Zwecke einer sozialen Wirksamkeit gegeben hat. Unsere Weisen sagen erstlich: nur Israel hat nicht noch so einen Propheten wie Moses aufzuweisen, die anderen Völker aber hatten Bileam, noch mehr, sie lassen letzteren noch mit einem stärkeren transzendenten Sinn ausgestattet fein, als es Moses war. Unsere Weisen lehren weiters, daß es Gott bei den anderen Völkern, meinetwegen weil sie schon einen höheren Kulturgrad erreicht hatten, mit der höchsten Offenbarungsstufe versucht hat. Sie zählen verschiedene Völker auf, die dort genannten Völker sind tiur das Symbol verschiedener Kulturarten, mit denen Gott in Unterhandlung stand, welche sicherlich nur durch Propheten, Glanvensheldeu der betreffenden Nationen geführt werden konnte. Daß man es mit der höchsten Stufe der aktiven Offenbarung bei allen Menschen der Erde versucht hatte, war für unsere Weisen eine unbestritten feststehende Tatsache. Beim jüngsten Gericht nach Abschluß des Weltprozesses lassen sie den Völkern den einen Verteidigungsgrund: „Wir haben das Gesetz nicht angenommen, resp. gehalten, weil wir nicht durch die Verhältnisse dazu gezwungen wareit, wie Israel zu Sinai. Noch andere Verteidigungsgründe führen die Weifen an anderer Stelle an. Das Gesetz widerstrebte ihren jeweiligen nationalen, sozialen, völkischen, psychischen, biologischen und physiologischen Eigentümlichkeiten. Ans all dem Gesagten geht unzweiselhaft hervor, daß unsere Weisen eine aktive soziale Offenbarung für alle Menschen annahmeu, ja sie ließen allen Völkern der Erde diesbezüglich den historischen Vorrang. W i r wollen nicht die ersten in der Zeit sein, sondern die letzten, die Vollendenden und Abschließenden. Nicht nur wir erhielten unsere aktive soziale Offenbarung, sondern auch andere vor uns. Und begreift man nur einigermaßen das metaphysische Verhältnis zwischen dem Totalwillen und dem Einzelwillen, hat man nur ein wenig in die Entstehung der Jndividualsphäre ans der totalen, in die Spaltung der Einheit imd den aus ihr hervorgehenden zeitlichen Prozeß mit Wiedervereinigungszwecken Einsicht genommen, so findet man dies logisch notwendig begründet. Worauf wir uns zugute tun, ist das H a l t e n,' die Vollendung, die A u s f ü h r u n g der geoffenbarten Religion, das nennen wir A u s e r w ä h l u n g. Andere Völker haben auch Gesetze gehabt und soweit man Spuren von ewigen Erkenntnissen und Gesetzen findet, die das Judentum auf dem Wege der aktiven Offenbarung erhalten hat, so haben sie auch die anderen Völker auf diesem Wege empfangen, nicht auf dem der passiven, aber sie hielten sie nicht. Das ist die Hauptsache. Dieser Gedanke kann nicht genug betont werden, auf ihn lege ich das Hauptgewicht. Die göttlichen Funde bei anderen Völkern sind Produkte der aktiven Offenbarung, die jeder Kulturkreis ohne jede fremde Beeinflussung gehabt hat. Unsere Weisen lehren dies ausdrücklich; Gott hat die Thora den Kindern Jsmaels, Edom usw. angeboren, jedem besonders, nicht Edom durch Jsmael oder umgekehrt. Die Chinesen hatteir ihre Offenbarung, sollten sie doch eine Art Theismus gehabt *) In meiner Zurückgebliebenheit glaube ich noch an den Sündenfall und an eine spätere evolutiv-revolutionäre Erhebung. haben fo gut wie die Griechen, Inder, Germanen, Kelten, Babylonier und Aegypter, aber separat, unabhängig von. einander. Der göttliche Verkünder jenes Kulturkreises muß wohl nicht notwendig ein Idiot gewesen sein, aber auch nicht vergleichender Religionshistoriker oder Philosoph. Als Gesandter Gottes, als Träger der erlösenden göttlichen Botschaft ist er ganz passiv, nur Sprachrohr, wie es unsere Weisen in ihrer unübertroffenen Kürze ansdrücken, die Scheckinah sprach ans der Kehle Mosis. Der eigene Intellekt hat zu schweigen. Was ich also allen Völkern der Erde zubillige, ja als notwendig voraussetze, habe ich das Recht, auch für Israel zu fordern. Wir haben die chronologisch späteste Offenbarung bekommen, aber ganz und unabhängig von anderen Völkern. Die Bücher, die wir als das niedergeschriebene Produkt dieser Offenbarung haben, sind ausschließlich auf Grund der aktiven Offenbarung bei gänzlicher Passivität des Schreibers entstanden. Und mag man Analogien finden, gestern bei den Aegyptern, heute bei den Babyloniern, morgen bei den Chinesen, so wird der aktive Offenbarungscharakter der Thora und ihre Geschlossenheit nicht um ein Jota tangiert, so wenig wie die Auserwählung Israels durch seine späte, der Zeit nach letzte Berufung. Die Offenbarung ist nur als fortschreitende zu begreifen, je später eine Offenbarung, desto vollkommener, desto reichhaltiger ist sie. Die sinaitische Offenbarung ist gerade deshalb die vollkommenste, weil sie die späteste ist. Denn so spricht der Herr: „Himmel und Erde werden vergehen, tausendmal weisere als Salomo werden im Staube versinken und kein Jota der Thora wird verloren gehen!" Dr. I. Sinnrei ch. Gm Ulan — Gin Uottr. (Schluß.) A b d u l H a m i d und Mesopotamien. Seine verflossene kaiserliche Majestät Abdul Hamid war ein schlauerer Finanzier als die Juden und bekam Wind von dem Plan. Nicht etwa, daß er unser Blaubuch bekommen hätte — dank der Loyalität unserer Mitglieder, dringen „Jto"-Geheimnisse nicht hinaus — aber er ging an dieselbe Quelle wie ich, zu dem hervorragenden Ingenieur, der Egypteii bewässerte, Sir William Willcocks. Ich hoffe, Sie haben mich nicht in Verdacht, daß ich etwas von Bewässerungsanlagen und -Profiten wußte. Nein, ich sammelte nur. Ein Teil meiner Ideen war von Sir Williams Willcocks genommen und ein Teil aus einer privat erschienenen Flugschrift des berühmten Orientalisten Doktor Paul Haupt in Baltimore. Mesopotamien wurde früher von allen Schriftstellern von Herodot herab als das fruchtbarste und ertragreichste Land der Welt beschrieben und sein Grenzfluß, der Euphrat, ist einer von den vier in der Genesis erwähnten Flüssen, die durch den Garten Eden strömen. Obgleich der größte Teil heutigentags ans Sümpfen und Wüsten besteht, kann doch eine Strecke von der Größe Palästinas bewässert und in einen Kornspeicher umgewandelt werden, der eine Millionenbevölkerung erhält. Und gerade die Gegend, ringsherum ist, wie es heißt, sehr dünn bevölkert, so daß offenbar Raum für unbegrenzte Ausdehnung des jüdischen Gebietes mit dem Anwachsen der Bevölkerung ist. So war das Hanptprojekt, das die „Iw" als den Cyrenaikaplan ebenbürtig vormerkte und das ich in den verflossenen zwei Jahren den führenden jüdischen Finanzleuten der Welt vorlegte. Doch auch Abdul Hamid ging vor. Erst vor wenigen Ilionateu ließ er Sir William Willcocks kommen und Sir William bereiste Mesopotamien und machte einen Bericht, der günstiger als seine früheren Ansichten ist und darlegt, wie bei einer Ausgabe von weniger als siebeneinhalb Millionen mehr^ als drei Millionen Acres Land, das ist ein Gebiet von ungefähr 5000 Qnadratmeilen im alten Chaldäa zur Ansiedlnng und einem Erträgnis von ungefähr einer Million Pfund jährlich geeignet gemacht werden kann. Er ging ein fünfjähriges Engagement mit der türkischen Regierung ein. erhielt einen Kredit von 100.000 Pfund und hat das Werk schon von seiner leichtesten Seite aus begonnen. Unter der türkischen Konstitution ist der Plan jetzt in die