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Die Wahrheit · 1909-06-11 · Heft 23 (11.6.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 23 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23. Die Wahrhell. Lette 7. Zieht ihn seine Lebhaftigkeit aitcfi stets in den Strudel -er Geselligkeit, ist er dennoch keiner, der gleich mit jedem auf Du und Du anstößt, als richtiger Hansdampf an allen Ecken. Zu inhallsschwer ist für ihn das Wort Freundschaft, als daß er mit ihm leichthin hernmwürfe. Wo der Freundschaft bietet — bietet er ein Juwel. Wer jemals wie Dante „die Treppen fremder Häuser" gebeugt, hilfsbedürftig, sie kaum mehr hoffend, gestiegen, hat erfahren, daß Freund Isaak ihn nicht von seiner Türe weist! Daß dieser Freund stets klar sieht, Rat weiß über des Augenblicks Not hinwegznkommen und — hilft, wo andere bloß mitklagen. Immer schmiegt David sich an Jonathan! Immer begleitet Jonathan David in die Einöden der Verzweiflung! Mögen der flüchtigen Arbeit Bergs tausend Fehler nachgesagt werden können, sie hat einen Vorzug, dessen sich wenig Volksftücke rühmen dürfen: sie predigt Gerechtigkeit und Wahrheit. Und sagt nicht der Talmud: „Des Herren Siegel ist 'Wahrhaftigkeit"? Han n a Grub e. Gin Plan — Gin PolK. (Fortsetzung.) .Die A n g e l e g e u h e l t C y r e lt a i k a. Herr Trietsch plädiert also nicht ohne Grund, daß Cyrenaika nicht leichtfertig weggeworfeu werde. Gerade nachdem unsere Expedition ihr Schltmmstes gesagt hat, bleibt Cyrenaika die beste Gegend, mit Ausnahme Palästinas, die je von Juden und für sie erforscht wurde. Es ist gesund und schön. Es ist außerordentlich fruchtbar. ..Siebennndvierzig Bodenprobeil", sagt unser landwirtschaftlicher Experte, „wurden von verschiedenen Orten, die weit von einander entfernt waren, verschiedenen Lagen und von verschiedenartig aussehenden Boden entnommen und sorgfältige Untersuchung zeigte, daß sie alle reich an fruchtbaren Elementen waren". „Dies", fährt er fort, „ist in meiner Erfahrung einzig dastehend". Es gibt dort keine Krankheiten und keine wilden Tiere. Der einzig ernstliche Mißstand ist, daß der Regen in den Boden eingesogen wird und nicht für ein eventuelles trockenes Jahr aufgespeicherl werden kann. So kann es also kommen, daß ein mageres Jahr ohne Ernte kommen kann, bevor wir, wie Josef, Zeit hätten, das Korn der sieben fetten Jahre anfzuhebeu. Es köntlte ebenso gitt kommen, daß die ersten Jahre ein glänzender Erfolg mit tüchtigem Regen und wogender Ernte wären. Aber wir können dieses Risiko nicht aus uns nehmen. Wir haben keinen Moses unter uns, der mit seinem Stabe auf den Felsen schlagen und Wasser für das^Lolk hervorbriugen würde. Aber wir besitzen viele Moses, um ans diese zu schlagen wie ich, der versucht, ein Land für das Volk hervorznbringen. Die zionistischen Zeitungen in allen Ländern bezichtigen mich in jeder Weise der Falschheit und Torheit. Der „Jtv" ist es nicht gegeben, ihre Pläne in ruhiger Atmosphäre vorzubringen. Eine Menge feindlicher Meinung liegt auf der Lauer, um den geringsten Irrtum anszubanschen, zu übertreiben, zu karrikiereit, um irrezuführen imb zu zerstören. Wie könnten wir da das Risiko einer Hungersnot im Jtoland auf uns nehmen? Würden wir nicht im voran» als Leute verschrien, die ihrer eigenen Eitelkeit zuliebe arme Juden durch Hungersnot und Fieber umbriugen wollten? Es ist wahr, die alten Einwohner Cyrenaikas lebten in der Periode seines klassischen Ruhmes unter diesen Bedingungen. Es ist wahr, Millionen Menschen leben noch und Haber immer gelebt unter denselben Bedingungen, die in Cyrenaika herrschen. Sie lebten so in Egypten in Josefs Tagen. Sie leben, wie heute, in Palästina, wo dieses Jahr mangels Regens wieder einmal eine Hungersnot droht, wo vielmehr Meningitis mtb Malaria als Folge der schlechten sanitären Bedingungen nnanfhörlich wüten. Sie leben wie in Indien. Dort sind ganze Provinzen, die nicht bewässert werden können und so die. Eingeborenen von der Hand in den Mund leben müssen. Wenn die indische Hungersnot kommt, sterben sie .zu Tausenden und Zehntausenden. Aber keine Organisation sandte die -Hindus dorthin, sie können niemand anders tadeln, als ihre Eltern. Rabbi Olschwang aus Rußland, der mit mir dafür plädiert. Cyrenaika nicht aufzugeben, erinnert mich, daß die größten Geologen sich oft irren, daß Finnland, wenn es, bevor es bevölkert wurde, untersucht worden wäre, noch eine Wüste wäre, und daß der einzig richtige Weg, die Wahrheit über Cyrenaika herauszufinden, wäre, ergebene Pioniere für einen Zeitraum von drei Jahren dahin zu senden. Ich stimme vollkommen bei. Aber diese ergebenen Pioniere — wenn sie existieren — müßten auf ihre eigene Gefahr hingehen. Die „Jto" kann sie als Partei nicht ansschicken. So weit die „Jco" in Betracht kommt, muß Cyrenaika beiseite gestellt werden. Der eine Plan wurde nicht gefunden und so wurde das eine Volk nicht geboren. Das als Cyrenaika e b e n b n r t i g a n g e m e r k t e L a n d. Die „Jto" wendet sich daher nun zu dem Lande, das als Cyrenaika ebenbürtig angemerkt wurde. Welches war das andere Land? Wahrscheinlich erwarten Sie, daß ich es geheimhalte. Aber wie die Dinge liegen, ist mehr mir Publizität als mit Geheimniskrämerei zu gewinnen. Unsere alternative Wahl fiel ans Mesopotamien. Mesopotamien, die Wiege der jüdischen Rasse . . . Gegenwärtig liegt es weichin wüst und fast unbewohnt; wir schlugen vor es zu bewässern, die Wildnis blühend wie eine Rose zu machen und die Kinder Abrahams in ihres Vaters Geburtsland zu versammeln. Lassen Sie mich Ihnen bte Worte vorlesen, in denen wir vor ungefähr zwei Jahren unsere langüberlegten Ansichten über bas jüdische Problem vor der geographischen Kommission niederlegien. Paragraph 7 und 8 des Berichtes, der am 31. Juli Lord Rothschild und den anderen Mitgliedern vorgelegt wurde und von vierzig Mitgliedern des britischen Sektionalrates. angefangen von Right Hon. Arthur Cohen, K. C., bis zu Mr. Lncien Wolf gezeichnet ist. sagt folgendes : Unter den mannigfachen Projekten, die die Erwerbung eines großen Territoriums voraussetzen, sind die in den Berichten über Cyrenaika und Mesopotamien skizzierten Projekte diejenigen, die wir am meisten begünstigen. Wir sind uns der politischen Schwierigkeiten voll bewußt, die überwunden werden müssen bei der Förderung eines jeden dieser Pläne; aber mit der Unterstützung tind dem Einflüsse der jüdischen Führer in der ganzen Welt vertrauen wir, daß sich diese Schwierigkeiten ni,cht als unüberwindlich erweisen werden. Das bei einem jeden die er Projekte ins Auge gefaßte Territorium wurde bisher noch ketner Erforschung unterzogen, die nnseretwegen durch Geometer. Ingenieure und andere wissenschaftliche Fachleitte unternommen wurde. So eine Erforschung würde beträchtliche Zeit erfordern, und da wichtige politische Erwägungen damit verbunden sind, halten wir es für richtig, im gegenwärtigen Moment die Ansichren Ihrer Kommission zu erfahren. Sowohl Cyrenaika als Mesopotamien besitzen besondere Vorteile gegenüber den anderen vorgeschlagenen oder angebvtenen Territorien. Alle Parteien der Judenheit und manche andere außerhalb derselben werden wahrscheinlich bereit sein, für ein Land zu arbeiten, das so nahe bei ' Palästina liegt und so verknüpft mit unserer alten Geschichte ist. Das verfügbare Land in beiden Fällen ist ausgedehnt. Cyrenaika hat den Vorteil einer Seeküste und wäre viel leichter von Rußland und Rumänien zu erreichen, woher Ackerbauer leicht zu bekommen wären. Höchst vertrauenswürdige Blätter, die angeben, daß es in erster Reihe wünschenswert wäre, die Erforschung Cyrenaikas vorzunehmen, werden den britischen Mitgliedern Ihrer Kommission separat vorgelegt. In Mesopotamien würden die Bewässerungsanlagen und Bahnen, die das Projekt erfordern würde, Beschäftigung für eine große Zahl von Emigranten geben, die alio die Gelegenheit hätten, sich an das Land zu akklimatisieren und zu gewöhnen, bevor sie und ihre Familien sich als Ackerbauer und in anderen Bernsen ständig in dem Lande niederlassen. Indem wir empfehlen, daß entweder das Cyrenaika oder das Mesopotamien-Projekt — und wenn das eine fehtichlagen

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