Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 23 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Di? Wahrheit Nr. 23. „Daily Mail", gewiß nicht zur „Jndenpresfe". Ihr Besitzer, der sich nach seiner Nobilitierung Lord Norlhcliff nennt, ist jedenfalls ein unverfälschter Arier. Die „Deutsche Ztg." sieht in dieser politischen Hetze nur ein „frevles Parteimanöver der Unionisten" und erklärt: „Gegen die britischen Unionlsren muß schon jetzt der Vorwurf eines frevelhaften Spiels mit dem europäischen Frieden erhoben werden. Und vielleicht stehen sie über bruische Parteiinteressen hinaus in Geschäftsverbindung mit ausländischen Interessen. Vielleicht sind das diejenigen friedensgefährlichen Mächte, die neuerlich in der Neiv Iorker „Sun" jenen Aussatz unterbrachteil, der England dazu ermunterte: in Sachen der Floltenpolink „eine Monroö-Doktrin" aufzuirellen und das Deutsche Reich sofort Uild Mit Gewalt zu deren Anerkennung zn zwingen. Diesen Piratenartikel har bekanntlich das v o r n e h m st e konservative Morgenblatt, das Blatt für Hof. Heer und Gesellschaft abgedrnckt: Die ,M orning-Po st'." Nun weiß also die „Kreuz-Ztg." aus ihr politisch sehr nahestehendem Munde, wer in Wirklichkeit die Kriegshetzer in England sind. Zn Rußland sind die Dentschenhetzer, wie der hervorragendste Mitarbeiter des konservativen Blattes, Prof. Schiemann, oft genug uachgewiesen hat. die Mitglieder des antisemitischen Verbandes der „echt russischen Leute" lind in Oesterreich und Deutschland haben Preßorgane, wie das Wiener „Deutsche Volksblatt" des Herrn Dr. Lueger und die „Dentschsoz. Bl.", also zwei antisemitische Hetzblätter ersten Ranges, am meisten den Haß gegen England geschürt. * * In England gibt es bekanntlich keine obligatorische Militärdienstpflicht, sondern nur Freiwillige. In jüngster Zeit wurde eine starke Agitation zur Bildung einer großen freiwilligen Territorialarmee eingeleitet. Dem patriotischen Rufe haben auch zahlreiche Juden Folge geleistet. Diese jüdischen Soldaten, die sich zumeist ans der allgemeinen konservativ erlogenen Mittelklasse rekrutieren, begegnen in ihrem Militärdienste gewissen Schwierigkeiten wegen ihrer religiösen Ueberzeugung. Besonders ist es der Mangel einer rituellen Verköstigung, den sie am empsindlichsten verspüren. Es wurde nun in Kreiselt der jüdischen Soldaten der Wunsch laut, daß sie zu einem jüdischen Korps formiert und mit eigener ritueller Menage versehen' werden. Die Frage wird in den englischen Tagesblättern lebhaft diskutiert und Stimmen für und gegen die Bildung eines jüdischen Korps werden laut. Bemerkenswert ist, was das englische Militärblatt „United Service Gazette" hierzu schreibt: „Ein Punkt, der in der Arbeit zur Stärkung nuferer territorialen Macht übersehen wurde," schreibt das genannte ' Blatt, „ist das glänzende Echo, welches der Ruf in der jüdischen Bevölkerung dieser Inseln gefunden hat. Daß imter ihnen stets ein starker patriotischer Geist gelebt hat, war längst bekannt allen jenen, die sich die Mühe nehmen, die Dinge nicht nur oberflächlich zn beurteilen. Hütte es überhaupt noch eines Beweises der Liebe der Juden zum Militärdienst bedurft, so wurde dieser durch die solenne Tatsache erbracht, daß, sobald das Projekt der Schaffung einer territorialen Ärmee greifbare Formen angenommen halte, f a st jeder Jude, der in der allen Freiwilligen-Armee gebient hatte, wie auf einen Schlag sich in die Territorialarmee e i n t r a g e n l i e ß. Es wurde die Anregung gegeben, daß, nachdem die Zahl der jüdischen Soldaten in der Territorialarmee groß genug ist, ein eigenes jüdisches Korps geschaffen werde. Wir halten jedoch einen solchen Vorschlag für ebenso unpolitisch als unerwünscht." -r- * Trotzdem in einem jüngst im „Deutschen Volksblatt" veröffentlichten Artikel über die politischen Veränderungen in der Türkei die Stadt Saloniki als jüdisches Eldorado geschildert wurde, scheint auch dort die Judenhetze, besonders unter den Griechen, so manchen Anhänger zn haben. Seit einigen Monaten veröffentlichen, wie der „Welt" berichtet wird, die beiden in Saloniki erscheinenden griechischen Zeitungen „Alitia" (Wahrheit) und ..Pharos" (Leuchtturm) einen Roman, unter dem Namen „Der Teufel in der Türkei". Eines seiner Kapitel ist der Ritnalmordlüge gewidmet. Obwohl die beiden Zeitungen so klangvolle fortschrittliche Namen tragen, schämen sie sich nicht, sich damit zn Verbreitern dieser finstern Verleumdung, zu machen. Mau kann ohne weiters annehmen, daß die Zeitungen damit tatsächlich nichts anderes beabsichtigen, als nach mittelalterlichem Vorbild die Leidenschaften des Pöbels gegen die Inden aufzureizen, weil die ökonomischen Hetzereien offenbar nicht genügen. Dieses schamlose und gefährliche Verhalten der genannten Blätter veranlaßte den hiesigen jüdischen Gemetudevorstand, bei den maßgebenden Stellen Schritte gegen die Verleumder zu um. Der Walt versprach, die beiden Zeitungen zitr Einstellung der Veröffentlichung des Schnndromanes zu bewegen, was tatsächlich geschah. Der Chachambaschi Nahum in Konstantinopel, an den man sich gleichfalls gewendet hatte, begab sich zum griechischen Patriarch und der griechischen Synode, die dem hiesigen Metropoliten telegraphisch Weisung gaben, alles zu tun, um'den Frieden zwischen den Juden und Griechen aufrecht zn erhalten. Der Chachambaschi informierte auch die hohe Pforte über diese Angelegenheit und ersuchte sie, Schritte gegen die Hetzer zu unternehmen. Es ist zu hoffen, daß dieses energische Vorgehen genügen wird, um derartige schmähliche Versuche ein für allemal unmöglich zu machen. Die „Alitia" versucht sich damit heranszureden, daß sie selbst ihrem feuilletonistischen Teile jede Bedeutung abspricht und ans die politische Haltung des Blattes verweist, das sich in seinem allgemeinen Teile niemals zu derartigen Hetzereien gegen die Juden hergegeben habe. Man kann aber ruhig aitnehmen, daß auch der politische Teil der Zeitung wahrscheinlich bald seinem feuilletonistischen geähnelt haben würde, wenn sich nicht die Inden rechtzeitig gewehrt hätten. Offenbarung. „Wenn Du das Volk von Mizraim herausgeführt, sollt Ihr Gott auf diesem Berge dienen." Nicht früher konnte das Volk die Offenbarung ertragen, als bis es frei wurde von den Fesseln, von den Sklavenketten der Aegypter. Erst als es draußen war, erst als es die belebende Freiheitslnft geatmet, da wurde es für ein Gesetz reis. Und war denn der Üebergang über das Rote Meer — für uns Zurückgebliebene nämlich, die an solche Dinge glauben — keine Offenbarung? Und war denn der Auszug ans Aegypten keine Offenbarung? Und waren die Plagen, ihre Verkündigutlg, inr Aufhören und Eingreifen keine Offenbarung? Schon der Hagadist fühlt dies und sagt: „Der Auszug ans Aegypten ohne Bestrafung der Aegypter wäre genug." Ja, es wäre' genug gewesen; das Eingreifen einer übernormalen ordnenden Kraft wäre h.iemit hinlänglich empirisch dargetan. Aber es wäre nicht die große historische und zugleich ewige sinaitische Offenbarung gewesen. Als der große Bibel- und Babel-Rummel ansbrach, war ich der Teegast eines sehr Bedeutenden äußerst freisinnigen Professors der Philosophie in £. Natürlich kamen wir bald ans das Tagesthema zu sprechen. Nach langem Hin und Her sagte ich: „Uebrigeus, Herr Professor, glaube ich, dem Friedrich würde ein zweisemestriges Anhören eines logischen Kollegs nicht schaden." Der Gelehrte wehrte lächelnd mit der Hand ab. Ich möchte jetzt das damals Behauptete variieren und sagen: Ein näheres philosophisches Besinnen über das Wesen der Offenbarung würde uns einander näher bringen. Die Unverbesserlichen werden zwar auch jetzt in ihrer Verstocktheit bleiben, die ehrlich Suchenden aber werden den Weg finden. So manche Gebote oder Verbote der Thora fand oder findet mau in asfyrisch-babylonisch-eleamitischen Inschriften. Dies die Tatsache. Schlußfolgerung: ergo ist die ganze Thora eine hebräische Uebersetznng mit mehr oder weniger Verstümmelungen und Hinznfügnngen zur babylonischen Urschrift. Davon, daß manche oder zahlreiche Gesetzesparagraphen von Babylon mit der Thora übereinstimmen, darf matt auf eine Beeinflussung im schriftstellerischen Sinne nicht schließen, da es atis den berühmten Erfinder- oder Prioritätsstreitigkeiten bekatint ist, wie verschiedene Personen gleichzeitig oder sogar viel später dasselbe sagen, ohne doch von einander beeinflußt zu fein. Würden wir uns sogar auf den Standpunkt stellen, dem momentan, mehr oder weniger versteckt, die Mehrzahl der Theologen huldigt, und in der Bibel lediglich ein Produkt des jüdischen Geistes sehen,