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Die Wahrheit · 1909-06-04 · Heft 22 (4.6.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 22 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Tie Wahrheit Nr. 22 Franzensbad. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr W. Neubauer nach einem mit großem Beifalle aufgenommenen Bortrage als Kantor gewählt und hat derselbe auch sein Amt bereits angetreten. Tarnopol. Der Kultusrat hat am 14. Mai über Antrag des auf jüdischuationalem Programm gewählten Kulmsratsmitgliedes Doktor B l e m m e r beschlossen, binnen vier Wochen einen Entwurf für das allgemeine Wahlrecht in die Tarnopoler Kultusgemeinde zu verfassen. - Czernowitz. Auf Antrag des Bürgermeisters Baron Fürth wurde der Reichsratsabgeordnete unserer Stadt, Dr. S t r a u ch e r, rn der letzten Gemeinderatssitzung zum Ehrenbürger ernannt. Agram. (K r o a t i s ch - S l a v o n i s ch e r Gemeinde- Verband.) Wie in Deutschland und Oesterreich, sind auch in Kroatien- Slavonien Bestrebungen aus Schaffung eines Gemeindeverbandes, einer Organisierung sämtlicher Juden des Landes im Gange. Zehn Jahre rastloser Tätigkeit hat Herr Dr. Hugo Spitzer-Essek auf die Propagierung dieser großen Idee verwandt und es ist ihm bereits im Juni vorigen Jahres gelungen, die Kultusgemeinden im Prinzip auf den Beschluß der Schaffung einer Gemeindeorganisation zu einigen. Aber erst im April d. I. wurde die Konstituierung des Beibandes vorgeuommen und ein provisorischer Zeutralausschuß gewählt, der die Statuten endgiltig redigieren und der Regierung zur Genehmigung vorlegen wird. Die definitive Konstituierung des Gemeindebundes erfolgte in einer am 18. und 19. April in Agram stattgehabten Konferenz der Vorsteher und Rabbiner der kroatisch-slavonischen israelitischen Kultusgemeindeu. Der Gemeindebund oder der Verband der kroariscb-slavonischen Knltusgemeinden ist als Zentralstelle der gesamten Zudenheir Kroatiens und Slavouiens gedacht und hat sowohl ihre Gesamtals auch die besonderen Interessen der einzelnen Knltusgemeinden zu fördern und zu vertreten. Der Verband wird bestrebt sein — und nach Erreichung dieses seines Zieles wird erst seine wirkliche Aufgabe zutage treten — von Seiten der hohen Landesregierung als Zeutralorgan und einzige autoritative Repräsentanz aller jüdischen Knltusgemeinden des Landes anerkannt zu werden. Dem Verbände soll die Pflicht obliegen und das Recht zustehen, einzig und allein den amtlichen Verkehr zwischen der Landesregierung und den einzelnen Kultnsqemeinden zu vermitteln, seine Aufgabe soll es sein, Gutachten über sämtliche das kroatisch-slavonifche JudenMm betreffenden Gesetzentwürfe, Verordnungen und Erlasse der Behörden abzugebeu, Anträge zu stellen und sowohl einzelne jüdische Gemeinden als auch einzelne Juden vor den Verwaltungsbehörden in allen aus der Zugehörigkeit des Betreffenden zum JudenMme oder zu einer jüdischen Gemeinde hervorgehenden Fällen zu vertreten. Wenn die Juden Kroatiens und Slavoniens die Wichtigkeit und die richtige Bedeutung des soeben definitiv gegründeten Verbandes auffaffen und ihm in Erkenntnis derselben auch die nörige Wertschätzung entgegenbringcn, daun wird der Verband auch von den Nichtjuden als die würdige, achtunggebietende Vertretung der kroatisch-slavonischen Judenschast betrachtet werden, dessen Stimme bei allen das Judentum betreffenden Angelegenheiten wird angehört werden müssen. Kannftatt. Die Enthüllung des Denkmals für Berthold Auerbach inmitten seiner schwäbischen Heimat, in Kannstatt, wo der Dichter der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" so oft mit seinem Freunde Ferdinand Freiligrath trauliche Zwiesprache gehalten hat, ist am 23. Mai im Beisein von vielen Hunderten von Verehrern des Dichters erfolgt. Der König von Württemberg hat anläßlich der Feier an die Festvereinigung einen telegraphischen Gruß übersandt; Friedrich Spielhagen bedauerte schmerzlich, durch Alter und Krankheit an der Teilnahme am Feste verhindert zu sein. Berlin. Am Montag de» 17. Mai 1909 versammelte sich der große Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin, um dem Verband wieder einen ersten Vorsitzenden zu wählen, nachdem die Stelle durch den Tod des Justizrates L a ch m a u n verwaist geworden war. Die Wahl fiel auf Justizrat H o r w i tz in Berlin. Von den sonstigen Gegenständen der Tagesordnung ist zu erwähnen, daß die Liste der Vorträge für die am 17. Oktober 1909 in Breslau abzuhaltende dritte Hauptversammlung nunmehr festgestellt ist. Breslau. Die 31. ordentliche Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wurde am 31. Mai vormittags B1^ Uhr hier im Sitznngssaale der Repräsentanten der Synagogeugemeinde, Wallstraße 14, 2. Tr. eröffnet. Die Tagesordnung lautete: 1. Gedenkrede auf den verstorbenen Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Badt. 2. Bericht über das letzte Vereinsjahr sowie über die Tätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 3. Rechnungslegung der Kaffenverwaltung. 4. Neuwahl des Vorstandes. (Antrag Hamburger-Brieg betr. Aeuderung des Paragraphen 5 der Statuten.) 5. Die Disziplin in der Religionsschule (Hamburger-Brieg). 6. Referate über Tennenbaum: Jüdische Tempelgesäuge für den Sabbath, Löwy: Schaare-Tefillah und Vorstufe für den Uebersetzungsunterricht, Dr. Freund: Jüdisches Volksschulrecht. (Heymann- und Moops-Breslau.) 7. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. Hamburg. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde hat den Tod ihres geistlichen Oberhauptes zu beklagen. Oberrabbiner Markus Hirsch ist am 18. Mai nach kurzer, schwerer Krankheit sanft entschlafen. Der Verblichene, der im 77. Lebensjahre stand, gehörte zu den bedeutendsten orthodoxen Rabbinern der Jetztzeit und genoß weit über die Hamburger Gemeinde hinaus hohes Ansehen. Im Jahre 1833 wurde er in Tisza-Beö in Ungarn geboren, er besuchte die Jeschibot seiner ungarischen Heimat und setzte seine Studien in Prag fort. Als 23-jähriger wurde er bereits als Rabbiner nach Karczag berufen; 1861 folgte er eiuem Rufe nach Altofen. Dort hat Hirsch eine gedeihliche Tätigkeit im Sinne der Status c^o-Partei ausgeübl. um den Frieden zwischen Orthodoxen und Neologen herzustellen. Im Jahre 1880 wurde er zum Oberrabbiuer von Prag gewählt, bis er neun Jahre später dem Rufe der Hamburger Gemeinde^folgte, um hier als Nachfolger des 1888 gestorbenen Oberrabbiners A. Stern zu wirken. Hirsch hat sich große Verdienste um die Entwicklung der Hamburger Gemeinde erworben, er hat die altbewährten Institutionen derselben zu hoher Blüte gebracht. Er hat aber auch viele neue Institutionen geschaffen. Seiner Initiative dankt die 1893 eröffnete Israelitische höhere Töchterschule ihr Entstehen, welche seitdem zu einer neunklassigen Musteranstalt sich entwickelt hat. Die neue Gemeiudesynagoge ist in erster Reihe das Verdienst des Verstorbenen. Er gehörte der strenggläubigen Richtung an, genoß aber wegen seiner Toleranz und Klugheit auch bei den Vertretern der liberalen Richtung Beliebtheit. Auch von den Hamburger Behörden wurde er sehr geschätzt; als er im Februar 1903 unter Teilnahme der ganzen Gemeinde seinen siebzigsten Geburtstag feierte, erschien auch Herr Senator Köhler in der Wohnung des Herrn Oberrabbiners, um die Glückwünsche des Senats zu überbringen. Die Beerdigung fand am 20. Mai unter außerordentlicher Teilnahme der Bevölkerung statt. Paris. Auatole Leroy Beaulieu, der bekannte französische Schriftsteller und Mitglied des Institut de France, befindet sich eben auf einer Studienreise im Orient. Er veröffentlichte vorige Woche in der „Revue des deux Mondes" einige interessante Schilderungen über die Eindrücke, die er von den jüdischen Schulen im Orient empfangen hat. Nach Beauliens Ansicht sind die besten französischen Schulen die kongregamstischen. Aber auch den anderen israelitischen Lehranstalten zollt Anatole Beaulieu lebhaften Beifall. Er hat sie sämtlich besucht: in Europa. Asien und Afrika - und überall nötigte ihm das gediegene Wissen der Lehrer und der Lerneifer der Schüler und Schülerinnen die höchste Achtung ab. Die Schulen von Saloniki, Galata, Konstantinopel und Sophia führt er als geradezu mustergiltig an. Als hervorragend gut organisiert preist er die französischen Schulen der „Alliance Ji'raelite", deren Leiter in Paris eine besondere Schule unterhalten, in der sie ihre Lehrer ansbilden lassen. Ec erwähnt auch den Vorwurf, den die deutschen und österreichischen Juden gegen die Allianceschulen erheben, nämlich, daß das starke Betonen der französischen Sprache geeignet sei, ihr Ansehen in Palästina zu schwächen. Ebenso wie die kongreganistischen Schulen sind die Alliauceschulen allen Konfessionen geöffnet. Sie werden selten von christlichen Kindern, häufig aber von muselmanischen besucht. — Auatole Beaulieu glaubt, daß alle diese aufblühenden Schulen noch eine große weitere Entwicklungsmöglichkeit vor sich haben und mißt ihnen eine hohe Bedeutung für die Zukunft der Juden im Orient bei. Newyork. Der Ausschuß des „Verbandes jüdischer Farmer Amerikas" hat in seiner letzten Zeit beschlossen, während der ersten Oktoberwoche des Jahres in Newyork eine Ausstellung vou landwirtschaftlichen Erzeugniffen zu veranstalten. Die Bedeutung einer solchen Ausstellung in dem jüdischen Zentrum Newyorks für das äußerst wichtige Problem der Verteilung der einwandernden Massen auf das flache Land liegt aus der Hand und es ist zu hoffen, daß die landwirtschaftlichen Erfolge ihrer Stammesgenossen auch unter den Ghettobewohnern eine gesunde Strömung zugunsten agrikultureller Betätigung aus lösen werden. Austritte uns dem Judentum. Hauser Maria. Private, ledig, geb. 28. Oktober 1882 in Wien, XIII., Linzerstraße 400. Klein Otto. Ingenieur, ledig, geb. 2. November 1878 in Klostergrab, VII., Schottenfeldgasse 71. Or. med. Otto Glaser, k. k. Oberarzt, ledig, geb. 7. Februar 1862 in Prag, IX., Tendlergasse 3. Benies (Benes) Dora Debora, Private, ledig, geb. 6. Februar 1867 in Baden (Deutsches Reich), IX., Währingerstraße 2—4. Spiegler Josef, Buchhalter, verheir., geb. 17. Juli 1862 in Csakathurn (Ungarn), II., Kleine Schiffgasse 3. Spanier Bertha, Kleidernäherin, ledig, geb. 8. September 1876 in Wien-Hernals, VIII., Albertplatz L Weis Ietti, Haushälterin, ledig, geb. 18. April 1873 in Pilsenetz (Böhmen), VUL, Laudougasse 30. Pollak Otto, geboren 19. Mai 1889 in Wien, XVI., Grundsteingasse 12. Grafe Adolf, Privatier, verheir., geb. 2. Mai 1848 in Humpoletz (Böhmen), I., Reichsratsstraße 15. Oe st erreicher Jda. Private, ledig, geb. 27. November 1877 in Wien, II., Obere Augarteustraße 40. Oesterreicher Paula, Private, ledig, geb. 27. November 1877 in Wien, II., Obere Augartenstraße 40. Schreder Eduard, Handlungsgehilfe, ledig, geb. 24. Mai 1885 in Wien, IX., Rote Löwengasse 15. Mittler Julie, Schauspielerin, ledig, geb. 6. Oktober 1883 in Banjaluka, IV., Johann Straußgasse 35. Seiler Oskar, Privatier, ledig, geb. 29. September 1888 in Wien, II., Stefaniestraße 10.

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