Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-05-28 · Heft 21 (28.5.1909) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 21 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063490--06090-3073064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seile 8 Die Wahrheit Nr. 21. welchem Zusammenhang steht, mittat, ist selbstverständlich und bezeichnend die Tatsache, daß selbst die gegenwärtige kommunale Verwaltung im Gratulationsschreiben über den gewöhnlichen Rahmen hinausging. Die Feier begann beim Morgengottesdienste in der Seitenstettensynagoge, die zu Ehren des Jubelpaares starken Besuch aufwies. Herr Ielllnek wurde als „B.ewii" ausgerusen und vom Oberkantor kaiserl. Rat Singer mit einem zu diesem Anlasse verfaßten „Mischeberach" begrüßt. Oberrabbiner Dr. Güdemann richtete hierauf eine tiefempfundene Ansprache an das Jubelpaar und dann sang der Chor den „Hallelujah". Nach Schluß der gottesdienstlichen Andacht erschienen in der Wohnung des Jubelpaares * zahlreiche Gratulanten. Namens des Bürgermeisters Dr. Lueger erschien Magistrats-Oberosfizial Karl Rudolph und überreichte ein in den herzlichsten Ausdrücken abgesaßtes Glückwunsch-Schreiben des Stadtoberhauptes. Für den Vorstand der Knltusgemeinde, in deren Vertretung Vizepräsident Dr. Gustav K o h n und die Herren Schramek und Dr. Steiner voriprachen, gratulierte der erstgenaunte, die Armenaustalt eutseudete die Herren Dr. Felix K a tz a n als Sprecher, sowie die Herren Wilhelm P a p p e n h e i m und Julius Wolf, der Bethausvorstand die Herren Beck und W a s s e r v o g e l und Sekretär Brau n, der Verein der Handelsangehörigen Israeliten war durch die Vorstandsmitglieder kaiserl. Rat Fuchs, Sigmund. K a u d e r s, kaiserl. Rat I. Stern und Kommerzialrat W e l l i s ch vertreten, welche eine Glückwunschadresie überreichten, die kaiserl. Rat Dr. Liebe n zur Verlesung brachte. Außerdem kamen Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n », Hofrat Politzer, Oberkamor kaiserl. Rat Singer, Religionsschulinspektor Professor Dr. K a n i tz, der Vizepräsident des Vereines reisender Kaufleute Karl Engländer, Kommerzialrat S r i a s u y u. v. a. m. Schriftlich gratulierten u. a. Statthalter Graf K i e l m a n s e g g, Polizeipräsident Brzesowsky, Reichsratsabgeordneter K u r a n d a, David R. v. Gut in a n n ans Karlsbad, der Präsident der „Che-wra Jvadischa" Salo C o h u, Prokurist Emil Horner, Baurat Stiaßuy und Frau, der ehemalige Gemeinderat Donar Z i s f e r e r, Oberkantvr G u t in a u n, Direktor K u x. Dozent Dr. Roth. Dr. Leopold K o h n und viele andere. Wien. (Israelitische K u l t u s g e m e i n d e.i Die Konfirmation der Mädchen im Tempel XV., Turnergasse 22, findet nicht am Montag, den 31. Mai, sondern am Sonntag den 30. M a i, 10 Uhr vormittags, statt. Wie». Der Bethausverein Cachwa w'reoth „Freundschaft und Brüderlichkeit" hat am Sonntag den 3. Sivau l. I. in seinem Bethause II., Taborstraße 59, ein von Herrn Rabbi Eliazar Trebitfch s. A. gewidmetes Sefer Thora eingeweiht. Im hellbeleuchteten Bethause hatte sich aus diesem Anlasse ein zahlreiches andächtiges Publikum versammelt. Herr Oberkamor Mayer S ch o r r trug mit seinem Chore in gewohnt ausgezeichneter Weise die üblichen Gebete vor, worauf der Vorsteher, Herr Benjamin Wolf P h i l i v p die Anwesenden mit freundlichen Worten und hebräischen Zitaten begrüßte und das Fest der „Weihe" .eröffnete. Herr Rabbiner Dr. Beck brachte unterm Baldachin das eiuzuweihende Sefer, dem man mit allen vorhandenem Seforim entgegengegangen war und während des Rundgangcs rezitierte Herr Oberkantor S ch o r r samt Chor das übliche „Halleluja el bekodschau". Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Beck die Festpredigt, in welcher er mit begeisternden Worten die Bedeutung der Thora erörterte. Mit Absinguug der Bolkshymne und Verrichtung des Schlußgebetes endete die würdige Feier. Die Vereinsleitung fühlt sich verpflichtet, Herrn Rabbiner Dr. Beck und Herrn Oberkantor Mayer S ch o r r für ihre zur Begeisterung aller geleisteten gottgefälligen Dienste den tiefinnigsten Dank abzustatten. Wie». (Talmud -Thora-Tempel, Malzgasse 16.) Samstag, den 29. Mai 1909, 1jA Uhr Nachmittag, findet ein Bortrag Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Max Bern st e i n statt. Thema: Das jüdische Weib. Marieubad. Am 1. Mai eröffneteu die von Wien aus bestbekannten Restaurateure P i n k a s und H e r l i n g e r im Hause' „Zukunft" ein streng koscheres Cafe und Restaurant mit prachtvollem Saal, Veranda, Garten, eleganter Einrichtung, feiner Bedienung und Kaschrus. Herr P i n k a s, welcher seit Jahren iu Wien eiue koschere Restauration betreibt, wird von Herrn Rabbiner F ü r st (Schiffschul), Wien, empfohlen und Herr H e r l i n g e r ist seit Dezennien als Gastwirt renommiert. Dieses Restaurant berechtigt zur Annahme, daß es den Wünschen der P. T. Kurgäste vollkommen entspricht, da es bezüglich Kaschrus, als auch Eleganz und Feinheit auf der Höhe der Zeit steht, und verdient diese erfreuliche Tatsache konstatiert zu. werden. Olmütz. Die ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens findet am 10. Juni in Prerau, Hotel Haas, start. Beginn: 10 Uhr Vormittag. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines (Dr. Freimann >. 2. Kassaberichl (Dr. Tauber). 3. Stellungnahme zu dem von Vorstehern israel. Kultusgemeinden im Sitzuiigssaale der israel. Kultusgemeiude Wien am 4. und 5. Mai 1909 beschloffenen, der hohen Regierung zu unterbreitenden Gesetzentwürfe bezüglich den Ausbau der Organisation der israel. Religiousgenossenschaft in Oesterreich (Dr Ranch). 4. Mitteilung über Peusionsversicherung. 5. Wahl des Ausschusses und der Revisoren. 6. Freie Anträge. Bei Beschlußuniahigkeit der ersten Generalversammlung findet eine halbe Stunde später eine zweite statt, die unter allen Umständen beschlußfähig ist. Budapest. Am 16. d. M.. vormittags 10 Uhr, fand am hiesigen israelitischen Gottesacker eine erhebende Trauerfeier statt; das Grabdenkmal unseres ehemaligen illustren Mitarbeiters, weiland D. H. S p i tz e r, wurde feierlich enthüllt. Scharenweise sind zu dieser Feier die zahlreichen Freunde- und Verehrer des Verewigten erschienen. Unter den Anwesenden bemerkten wir zahlreiche Repräsentanten der Pester israelitischen Religionsgemeindeunter Führung des Vizepräsidenten Ludwig Adler und des Vorstehers Dr. Wilhelm Grauer, deu Gesamlvorstaud des Budapester Talmud- . Vereines unter Führung des Präsidenten Gustav Taub und des.Vizepräsidenten Ignatz Braun, den Tempelvorsteher Arnold Kohn, den Chefredakteur Dr. Bela Bender, den Direktor der Nagysuranyer Zuckerfabrik Ferdinand Groß, den Oberinspektor der kön. ung. Staatsbahnen S. B e r g s m a u n, die Baukdirektoren Friedrich Deutsch und Siegfried Adler, die Advokaten Dr. Josef Reich, Dr. Eugen V i d o Dr. Moritz Goldschmied, Dr. Friedrich B o k o r und Dr. Ferdinand R a n s ch b u r g, viele Großkaufleute, Fabrikanten, Gemeindebeamte rc. rc- Oberkantor Israel T k a t s ch exekutierte ausgezeichnet die Trauergebete; sein Gesang war so seelenvoll, daß kein Auge tränenleer blieb. Rabbiner Dr. Julius Fischer würdigte in ergreifenden Worten die Verdienste, welche sich D. H. Spitzer um die hiesige Gemeinde und ihre Institutionen und um die Judeuheit im allgemeinen erworben hat. Er gab ein treffliches Charakterbild des verew. D. H. S p i tz e r als den Wohltäter und den unerschrockenen Kämpfer für die Ideale des Judentums und flehte zu Gott, Er möge in seiner Huld die vielen Verdienste, die sich D. H. Spitz er hieniden erworben, damit lohnen, daß er ewige Ruhe finde. Hierauf sagte der Rabbiner Herskomits das Kadisch-Gebet der Rabbinen und der Sohn des Verblichenen, Dr. Josef Spitzer, das Kadisch-Geber der Waisen, womit die solenne Trauerfeier ein Ende fand. Das Grabdenkmal lobt die Arbeit der hiesigen Steinmetzfirma Arnold Kvhn; dasselbe ist aus grauem Granit in modernem Stil gebaut und mit aus Bronze angefertigten Lorbeerzweigen geschmückt. Das Grabdenkmal trägt in ungarischer Sprache die folgende Inschrift: „D. H. Spitzer, 1841—1908- Felsenfeste U e b e rzv u g n u g und die Wahrheitsliebe führten seine glänzende Feder in seinen Kümpfen f ü r d i e hehren Ideen des Judentum s." Berlin. Wie uns ans dem Deutschen Bureau der „A lliance Israelite Universelle" mitgeteilt wird, hat sich in Aleppo ein N n t e r st ü tz u n g s k o m i t e e gebildet für die I s r a e l i t e n aus Anatolien, namentlich aus Adana, Antiochia, Marasch, Aintab, Van, die infolge der bekannten Ereignisse in großer Not sind. Die „Alliance Israelite Universelle" hat dem Unterstützungskomitee telegraphisch 5000 Francs überwiesen. Berlin. Am Sonntag, 23. Mai, hat im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes der jüdischen Gemeinde (Rosenstr. 2/4) die Generalversammlung des Berliner Lokal-Komitee der „Alliance Israelite Universelle" stattgefunden. Der Vorstand wurde durch Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder .ergänzt. Vorher erstattete der Vorsitzende, Präsident der Deutschen Conferenz- Gemeiuschaft, Geheimer Kommerzienrat Goldberger, Bericht über die Ausdehnung, die die Alliance auch im abgelaufenen Jahre weiter gewonnen, und über die umfassende Wohltätigkeit, die sie im Dienst der Bruderliebe in fernen Weltteilen wie in europäischen Landen, und nicht zuletzt in Deutschland, andauernd geübt hat. Die Zinsen von etwa 40 Millionen und Jahresbeiträge von einer Viertelmillion Francs, ferner außergewöhnliche Spenden, zusammen über zwei Millionen jährlich, werden fortgesetzt zugleich einem Schulwerk zugeführt, das in beispielloser Ausdehnung der intellektuellen, wirtschaftlichen und moralischen Hebung der Juden in weiten Ländern, nahen und entfernten, erfolgreich gewidmet ist. Den Darlegungen des Vorsitzenden über die Lage der Juden in Osteuropa, Asien und Afrika, über die zur Erforschung der Falascha-Stämme nach Abessinien ansgeschickte Abordnuug und über die vorjährige nach dem Orient entsandte Schuliuspektivnskommission folgte die Versammlung mit Aufmerksamkeit und Zustimmung. Paris. Der Erzbischof von Paris, Mgr. Amatti, hat gegen den antisemitischen Abbe Gaffre, einen ständigen Mitarbeiter der „Uibre Parole", eine Maßregel ergriffen, die eine gewisse Erregung vernrsachte. Da dieser Hetzapostel seine Fastenpredigten, die er fünf Jahre hintereinander in Sainte-Clotilde hielt, in einem Bande vereinigte, dem er den sehr harmlosen Titel „Ua Loi d’Amour" gab, ist von dem Erzbischof eine scharfe Prüfung des Inhalts vor der Drucklegung angeordnet worden. Dabei wurde eine ganze Anzahl von Seiten in dem Teile des Buches, der die Kapitel über die Baterlaudsidee enthält, für anstößig erachtet und gestrichen. Diese Stellen waren eine Wiederholung aller antisemitischen Anklagen gegen die Juden als verbissene Feinde Frankreichs, die in. diesem Lande die Vorkämpfer des Christentums vernichten wollten; wie der gefallene Engel des Lichts suche Israel das leuchtende Tagesgestirn des Christentums mit seinem Hasse niederzubekommen, das Christentum, das immer noch durch Frankreich am herrlichsten verkörpert würde und dergleichen mehr. Die Antisemiten können diese vom Erzbischof angeordnete Maßregel nicht verwinden und greifen ihn wieder mit Unterstellungen an., indem sie behaupten, er lasse sich viel von den Juden beeinflussen und sei schon längst modernistischer Ideen verdächtig; es märe also an der Zeit, ihm von Rom auS einen deutlichen Wink zukommen zu lassen. Man darf wohl gespannt darauf sein, ob es dem Erzbischof auf die Dauer möglich sein wird, sich unter solchen Umständen zu halten, obwohl er ja im Vatikan sehr gut angeschrieben ist. New-Uork. Wie politische Blätter melden, hat der frühere Handelsminister Oskar Straus in New-Iork den Botschafterposten für bie Türkei wieder erhalten und angenommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.