Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 21 (28.5.1909)
- Date
- 1909-05-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 21. Die Wahrheit Seite 9. Literatur. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Herausgegeben von Leo W i n z. Verlag von O st u n d W e st. Berlin S. 42' Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraslite Universelle". 9. Jahrgang. Heft 5. Mai 1909. Inhalt: „Lungarioas Res." Bon Jakob Krauß. „Moses in der bildenden Kunst. [I]" (Mit 7 Illustrationen.) Von Dr. G. Kntua. „Rebb Mosche Apyikomon und der -Prophet Eliahu." Von Dr. I. N i e m i r o w e r. „Revue der Revuen" Sonnenthal." (Mit 9 Jllnstrationeu.) Bon Max S ch a ch e r l. „Jnstizrat Dr. Emund Lach mann." „Chief-Rabbi Dr. Hermann Adler." (Mit Porträt.) Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der ^Alliance Jsraslite Universelle": I. Einladung an die Berliner Mitglieder der „Alliance Jsraslite Universelle." 2. Bericht des Chacham Baschi Haim Nahum über seine im Aufträge der „Alliance Jsraslite Universelle" unternommene Expedition zu den Falaschas. 3. Der zehnte Jahrestag das Todes der Baronin Hirsch. 4. Die Alliance-Schulen m Alexandrien. (Mit 2 Illustrationen.) 5. Notizen: a) Ans Marokko, b) Generaldirektor Dr. Wiegand, c) Prof. Benno Badt-Breslau. d) Auszeichnung. e) Gera, f) Zuwendung, g) Spenden, b) Neue immerwährende Sine gebildete Krau. Von Babette Fried. (Fortsetzung.) Wieder war ein Zeitraum von zwei Jahren verstrichen, Elise hatte das 21. Lebensjahr erreicht und sich zu einer vollendeten Schönheit entfaltet. Gar viele nicht zu verachtende Bewerber um ihre Hand waren aufgetreten, jedoch von ihr ohne Angabe eines Grundes zurückgewiesen worden. Dem freundlichen Zureden der Tante und Frau Fischer setzte sie ihr stereotypes: „Ich habe ja noch Zeit genug." entgegen. Was war nur aus dem Mädchen geworden? Elisens sprichwörtlich gewordene Heiterkeit war verschwunden, ihre frohen Lieder, mit denen sie das Ohr und Herz der Freunde zu erfreuen pflegte, waren verstummt, das herzerfrenende Lächeln von ihren Zügen ansgelöscht — ausgelöscht wie das Augenlicht ihrer mütterlichen Freundin Rösl Fischer. Frau Rösl war blind. Den Strickstrumpf in den nimmer rastenden Händen saß sie den ganzen Tag in den ihr liebgewordenen Räumen der Leihbibliothek, welche Elise allein leitete, nur zuweilen von der Frau Rösl. welche im bequemen Lehnstuhl neben ihr saß, einen Rat erbittend. Das kluge, gütig blickende Auge war verdunkelt, aber ihr Blick hatte sich nach innen gekehrt, und ihr Geist hatte sich in i dem Maße verschärft, als ihr Körper infolge des mangelnden j Augenlichtes hinfällig geworden. Das Gedächtnis der armen j Frau konnte mau fast phänomenal nennen. Sie konnte die j Nummer jedes einzelnen Werkes auswendig, und wenn Elise > irgend ein Bltch suchte, wußte die blinde Frau genau die Reihe I anzugeben, wo sie einstmals demselben einen Platz angewiesen hatte, j Heute ließ die Bedauernswerte die Hände müßig im Schoße! ruhen, oder eigentlich huschten dieselben nervös auf der blanken, I frisch geplätteten Schürze herum, oder zupfte unruhig an den j Bändern ihrer Haube. Eme nervöse Unruhe hatte sich ihrer j bemächtigt, nagende Sorgen peinigten sie. Sie hatte am Abend zuvor über den veränderten Gemütszustand des ihnen beideit gleich teueren Mädchens gesprochen, und da wußte die Lehrerin keinen anderen Grund für denselben zu finden als den einen, daß Elise verliebt sein müsse, und da Gundel genau wußte, daß ihr Zögling mit keinem einzigen fremden Manne Bekanntschaft haben könne, so müsse es Rösls Sohn, Moriz, sein, zu dem das Mädchen jene Liebe fühle, welche eine so große Veränderung in dessen Wesen hervorgerufen hatte. „Gott verhüte!" hatte Rösl ausgerufen. „Warum." meinte Gundel. „es wäre dies ja der erste! Fall nicht, daß ein Jude eine Christin heiratet. Die beiden gehen! auf einige Zeit ins Ausland und kommen als glückliches Ehej paar zurück. Oder wolltest Du lieber, daß sich die beiden in Sehnsucht verzehren, und entweder einsam ihr Leben fristen wie ich, oder eine ungleiche Ehe eingehen wie Du? Was Gott durch das heilige Gefühl der Liebe zusammengeführt, das soll der Mensch tlicht trennen." Rösl vermied einen weiteren Disput mit der Freundin, war aber furchtbar aufgeregt und hätte auch einer Ehe zwischen den beiden nie und nimmer zugestimmt. „Gott, mein Gott," seufzte sie hundertmal während der langen, schlaflos durchwachten Nacht, „warum hast Du mich so hart gestraft? O, alles, nur das nicht! Es gab vielleicht keinen größeren Kontrast, als den zwischen meinem Eli und mir; aber weil wir in dem einen in der Hauptsache, eins waren, so haben wir uns dulden, haben uns verstehen gelernt, und jetzt lieben wir uns so innig. Die Zusammengehörigkeit zu einer Nation, das Festhalten an einem Glauben ist die festeste Grundlage der ehelichen Zärtlichkeit, des Familienglückes. Wie könnte ich, die im strengsten Glauben erzogene Rösl, eine Nichtjüdin als Tochter in die Arme schließen, selbst wenn es das brave Liesel wäre? Nein, nein! O Gott!" sagte sie bitter, das oft zitierte Dichterwort wiederholend: „Sterben ist nichts, aber leben und nichts sehen, das ist em Unglück!" Nur auf eines Atemzuges Dauer mein Augenlicht wiederfinden, um den beiden auf einen Moment in das Gesicht sehen zu können, dann würde ich wissen, woran ich bin. Soll mir meine Guttat an dem Waisenkinde so gelohnt werden? Nein, o Gott im Himmel, Allgerechter. Du willst dies sicher nicht!" Am folgenden Nachmittag, wo sie, den Kopf voller Gedanken und Sorgen, in der Bibliothek saß, klopfte es ziemlich heftig an die Türe. Auf Elisens „Herrein!" wurde diese geöffnet und ein kräftiger Männerschrilt und ein lauter Gruß tönte an das Ohr der Blinden. Der Ton dieser fremden Männerstimme berührte die Frau ganz eigentümlich. Sie hatte diese Stimme schon einmal vernommen, dieser Ton hatte sich ihrem Gedächtnisse fest eingeprägt. Ihr Gehör und ihr Gedächtnis mußte ja schon längst das Augenlicht ersetzen. Während sie schon vor ihrem Gedächtnisse den Schutt vergangener Jahrzehnte anfwirbelte, um sich auf die Person des Sprechers zu entsinnen, machte sie eine eigentümliche Beobachtung. Die Stimme Elisens, welche dem Herrn mehrere Werke zur Auswahl vorgelegt halte, und mit ihm über deren Inhalt sich unterhielt, hatte eine andere Klangfarbe angenommen, ihr Beben verriet eine ungewöhnliche Erregung des Mädchens. (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dem Indentnm. Steiner Janos. Bankbeamter, ledig, geb. 3. November 1884 in Budapest. IV., Johann Srranßgasfe 34. Prans Leopold, Bergwerksbesitzer, verheiratet, geb. 9. April 1893 in Jaroslau, IV., Gußhausstraße 19. K o h n Katharina. Handarbeiterin, ledig, geb. 26. Juni 1891 in Wien, XVIII., Karl Beckgasse 35. Schnabl-Sorm Klara, ledig, geb. 29. Dezember 1876 in Biala, XIX., Kreiudlgasse 21. 3 i nt nt c t in fl n u Bella, Studentin, ledig, geb. 7. August 1883 in Odessa, II.. Obere Angartensiraße 16. Fein Franziska, Private, ledig, geb. 7. Juli 1888 in Wien. IX.. ttniversitärsstraße 6. Stern Adolf, Ober-Revident der k. k. Nordbahn. Witwer, geb. 2. August 1853 in Wien, II., Franzensbrückenstraße 6. Schwarz L e o p o i d i u e. Private, ledig, geb. 22. Mai 1875 in Szenicz, VII.. Zieglergasse 88. Bann Oskar, Ingenieur, ledig, geb. geb. 9. Oktober 1883 in Otimoves, IV. . Mittersteig 9. Bajoti Andreas (früher Weiß), Student, ledig, geb. 1. Mai 1990 iil Kaposvar, VIII., Wickenburggasse 16. B r e t t a u e r Marie M a r g a r., Private, ledig, geb. 13. November 1888 in Zürich. I.. Johannesgasse 16. Steiner Sofie geb. W e i n w u r m, Private, verh., geb. 21. Dezember 1878 in Wien, III.. Jaquingasie 1. Adler Ludwig, Pcivatbeamter. ledig, geb. 26. Mai 1884 in Wien, XVII.. Hanvtstraße 132. Schlemmet Lina, geb. 8. Juli 1879 in Varos-Szalonak, X.. Laxenburgerftraße 9. Wappner Richard. Gymnasiast, ledig, geb. 6. Juni 1891, XV., Mariahilserstraße 158. Alt Robert. Fleischhauer, ledig, geb. 5. Juni 1882, XIX., Jglaseeg. 29. Geling Karl. Einspänner, ledig, geb. 19. März 1875 in Wien, VIII., Piaristengasse 58. Fuchs Siegfried, Kaufmann, verh., geb. 15. Juli 1377 in Wien, V. , Stollberggasse 11. Fried! Elsa, Private, ledig, geb. 26. September 1879 in Biala (Galizien), XVUL, Sraudgasse 56. Lamberg Marianne, Schauspielerin, geb. 21.^Augusr 1886 in Wien, IX., Bleichergasse 14.