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Die Wahrheit · 1909-05-20 · Heft 20 (20.5.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 20 (20.5.1909)
Date
1909-05-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Watuckeü Nr. 20. critique du vieus testameut nimmt er die Bibel auch gegen die Angriffe Spinozas in Schutz. Der Hugenotte Basnage schrieb eine Geschichte der jüdischen Religion von Josefns Flavins, dessen Werk er fortsetzen wollte, bis zu seiner Zeit. Der protestantische Theologe bekundet in seiner Histoire de la religion des juifs nicht allein viel geschichtliches Wissen, sondern auch viel Wohlwollen sür die Juden. Surenhnsins ans Amsterdam war von der Mischna derart begeistert, daß er sie — eine Riesenarbeit — ins Lateinische übertrug. Auch die Kabbalah hat ihre christlichen Verehrer, darunter sogar einen regierenden Fürsten weiland den Pfalzgrasen Christiati August von Psalz-Sttlzbach. Knorr von Rosenroth. der einen Teil des Sohar ins Lateinische übersetzte, weihte ihn in dieselbe ein. Auch der Philosoph Leibnitz begnügte sich nicht mit der Kenntnis von Bibel und Talmud, sondern ließ sich ebenfalls von Knorr in die Geheimwissenschast einsühren. Zn diesen will ich nur noch die Namen Wagenseil, Wölfer und Wols hinzusügen. Die Bibliotheka Rabbiuika des letztern ist noch jetzt eine bibliographische Fundgrube. Die vorurteilslose wissenschaftliche Erforschung des jüdischen Schrifttums von Seite christlicher Gelehrter im 17. und 18. Jahrhundert ist von größtem Einfluß aus die Gestaltung der bürgerlichen Verhältnisse der Inden gewesen. Ja, man darf es sagen, mit dem ersten Schritt zu einer vorurteilslosen Beurteilung des jüdischen Schrisllnms war der erste Schrill zur sogenannten Jndenemanzipatiou getan. Die fortschreitende Kultur und Zivilisation sowohl aus christlicher, als auch auf jüdischer Seite haben nur das volletidei, wozu durch die mit der jüdischen Wissenschaft sich befassenden, christlichen Gelehrten, wenn auch unabsichtlich, der Anfang gemacht worden war. Mußte doch diesen die Schamröte ins Gesicht steigen, weiui sie z. B. die die Fremden betreffenden Gesetze in Bibel und Talmud lasen und an die Behatidlung der Juden im christlichen Staat dachten. Allein, so gerne wir die Verdtenste vieler christlicher Gelehrten um die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden und um die Förderung der Bibel und hebr. Sprachforschungen anerkennen — bekanntlich zitieren jüdische Schriftsteller mit Vorliebe, christliche Autoren — so ist doch nicht zu leugnen, daß auch noch heutzutage — vielleicht mehr als im 17. und 18. Jahrhundert — vielfach falsche Auffassungen vom Judentum und seinen Lehren nicht nur in der christlichen Laien-, sondern auch Gelehrtenwelt herrschen, oder sagen wir nur offen, nicht nur bei den Antisemiten, sondern auch bei den sogenannten Philosemiten oder Judenfreunden. Der Grund davon ist die noch immer nichtgenügende Kenntnis der jüdischen Wissenschaft in christlichen und leider auch jüdischen Kreisen. „Erst durch das Heraustreten der gesamten jüdischen Wissenschaft aus dem engen Kreise der jüdischen Religionsgenossenschaft", sagt der Altmeister Zunz. „wird die jüdische Literatur zit dem ihr gebührenden Platze in der Weltliteratur gelangen. Aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judentums aber wird die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben hervorgehen." Die diesbezüglichen Paragraphe in den verschiedenen Gesetzbüchern allein werden das, wie die Erfahrung lehrt, nicht bewirken. Die Gerechtigkeit gegen die jüdische Wissenschaft gegen die Lehren des Judentums wird zur Gerechtigkeit gegen die Inden führen. Wie wenig gerecht man aber noch immer gegen die Lehren des Judentums ist, beweist der Umstand, daß man noch immer gewisse humane Lehren und Grundsätze als spezifisch christliche bezeichnet, obgleich man schon wissen sollte, daß sie ursprünglich dem Judentume angehören und nicht weiter sind, als einige Kostbarkeiten. welche die Tochter aus dem reichen Schatze der Mutter erhalten hat. Einer, der infolge seiner tiefen wissenschaftlichen Forschungen auf dem Gebiete des altjüdischen und altchristlichen Schrifttums zu dieser Erkenntnis gelangt ist und sich nicht gescheut hat. die gewonnene Ueberzengnng öffentlich auszusprechen und vor aller Welt der Wahrheit die Ehre zu geben, war der jüngst verstorbene weltberühmte französische Gelehrte Erneste Rena n- Obwohl christlicher Theologe, suchte er bei seinen biblischen und religionsgeschichtlichen Studien nicht von vornherein die Wahrheit des Christentums, sondern die Wahrheit überhaupt; und darum fand er, daß die meisten der schönen, heil-- samen und beglückenden Lehren der Menschenliebe und Völkerverbrüderung, der Tröstung und der Hoffnung, welche die evangelischen Schriften des neuen Testamentes enthalten, nicht neu, sondern alt sind, da der Geist, aus dem sie geflossen, der Geist ist. der schon die alten Propheten beseelt und in Jesaia seinen Ursprung hatte. Wir Inden indes sagen nicht wie Renan, in Jesaia oder im Jesaismus, sondern im Mosaismns, oder noch richtiger im Judentum seinen Ursprung hat. Denn der Geist, der Jesaia und die anderen Propheten beseelt hat, war derselbe Geist, der sich schon viel früher auf dem Sinai geoffenbart und seitdem nicht bloß im biblischen, sondern auch im nachbiblischen Schrifttum des Judentums gewaltet hat. Wohl hat das Judentum, wie alles in der Welt der Erscheinungen, seine äußeren geschichtlichen Phasen gehabt;, trotzdem aber ist der Geist, der dessen Inneres belebt, in allen diesen Phasen, im Mosaismns, Prophetlsmns, Talmndismns und Rabbinismus, wie auch in der gegenwärtigen Phase, die noch keinen bestimmten Namen hat, ein und derselbe. „Was die Propheten verkündeten", heißt es im Midr. Tanchnma zu Iisro, „wurde ihnen am Sinai geoffenbart, und nickt bloß die Propheten, sondern auch alle Weisen und Lehrer in Israel, die waren und sein werden, haben das von ihnen Gelehrte und Verkündigte am Sinai empfangen." Sie alle sind von einem Geiste inspiriert, von dem Geiste Gottes, der bei allem Wechsel der äußeren Erscheinungen ewig unveränderlich und unwandelbar ist. * * Nr. 13, Seite 4 soll cs nicht heißen eingesehen, sondern angesehen. Ans derselben Seite. Spalte 2, erste Zeile steht statt Rede — Studie. Nr. 14, Seite 7, Spalte 1 muß es heißen: rav'h mtsj? rvinnty.. Aus der zweiten Spalte, Zeile 8 von oben nicht „diesen Uebersetzungen," sondern „dieser Uebersetzung." Zeile 12 nicht „damit," sondern „wie." Zeile 17 „alexandrinischen" und nicht „Alexandrinischen." Zeile 35 soll es heißen EniK. Zeile 42 nicht „Euninos," sondern „Eunimos"; ebenso Zeile 44. Zeile 46 nicht „Platen", sondern „Plato". Zeile 54 nicht „Amoraun." sondern „Amoraim."_ Nerschiedene Nachrichten Wien. Der Kaiser hat den hiesigen Rabbiner und designierten k. u. k. Feldrabbiner, Dr. Bernhard T e m p l e r, für die von ihm anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums gehaltene und veröffentlichte Festrede „Oesterreichs Freudentag" den Dank anssprechen lassen und gleichzeitig verfügt, daß die erwähnte Festrede der Familienfideikommisbibliothek einznverleiben sei. Wien. Der IX. Z i o n i st e n k o n g r e ß, der in diesem Jahre abgehalten werden soll, wird im Dezember stattfinden. Ort und genaue Zeitbestimmung werden erst später bekanutgegeben werden. Wien. (T a l m u d - T h o r a - T e m p e l, II.. M a l z g a s s e 16.) Samstag, deu 22. Mai, */,4 Uhr nachmittags, findet ein Vortrag des Herrn Jakob Ko h n. Oberlehrer der Talmud-Thora-Schnle, statt. Thema: „Die Juden im Jahre 1492." Wien. (April-Einnahme des jüdischen Nationalfonds.) Die „Welt", das Answelsorgan des Nationalfond-Hauptbureaus in Köln, verlautbart eine Tabelle, wonach der Jüdischen Kolonialbank in London an Nationalfonds- und Oelbaum-Spenden im April 1909 von folgenden Landessamnrelstellen abgeliefert wurde: Rußland X 9817, Oesterreich (ohlie Ungarn und Bosnien) X 7437, Nordamerika (U.-Dt.) X 4552, Deutschland X 2247, England X 1737, Belgien X 1477, Südafrika X 1196, 8 andere Sammelstelleli zusammen X 3898, Summa X 32.461. Die Landessammelstelle für Oesterreich, Wien. H., Türkenstroße 9, empfängt und quittiert Spenden und erteilt jeden gewünschten Ausschluß über den Nationalfond. Wien. Bezugnehmend ans die in Nr. 17 dieses Blattes vom 30. April d. I. unter dem Titel: „Passakost für die Pfleglinge der Landesanstalten am „Steinhos" erschienene Notiz sei dahin richtiggestellt, daß nicht Seide Kirnet Kostgeber der Psteglinge am „Steinhof" war, sondern Seide Komet, Wien, XIII., Dehnegasse 13. Mülhausen i. Elf. Gegen das Urteil des Kriegsgerichtes der 29. Division, welches den Rittmeister Grafen von G ersd orsf, der unter der Anklage stand, den jüdischen Einjährigen Bloch durch fortgesetzte antisemitische Beschimpfung in den Tod getrieben zu haben, zu z w e i Tagen Stubenarrest verurteilt hatte, haben sowohl die Anklagebehörde als andr der so äußerst milde bestrafte Angeklagte Berufung eingelegt. Uebrigens hat auch der Gefreite Soister, dessen Aussage im ersten Prozeß den Angeklagten belastete, gegen seine wegen angeblicher Unglanbwürdigkeit erfolgte Nichtvereidigung Protest eingelegt und neue Zeugen zum Beweise der Wahrheit seiner Behauptungen angeboten. Petersburg. Für die im russisch-japanischen Kriege gefallenen jüdischen Soldaten soll in Wilna ein Denkmal gesetzt werden. Das erforderliche Geld soll durch Sammlungen unter den Juden in ganz Rußlandaufgebracht werden.

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