Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-05-20 · Heft 20 (20.5.1909) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 20 (20.5.1909)
Date
1909-05-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063489--06078-3073051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 20. Die Wahrheit. Seite 7. kommenden Familien und Korporationen - zu erwarten ist, und : darnach soll der Beitrag der Gemeinde fixiert werden. > Nach Ablehnung des Vertagungsantrages plaidiert Dr. Le-! opold K o h n für einen höheren Beitrag. Die Herausgabe dieses j Werkes, das in allen wissenschaftlichen Kreisen und selbst von i der kaiserl. Akademie der Wissenschaft würdigende Anerkennung! gefunden hat, wäre eigentlich Pflicht der Gemeinde, da es wert-! volle Beiträge zur Geschichte derselben liefert. Umso weniger j ziemt es sich, daß die Gemeinde sich mit einem so geringen j Beitrag, wie er vom Vertreterkollegium beantragt wird, beteiligt.! Es ist ja außer Frage, daß der größte Teil der zur Herausgabe z -notwendigen Summe im Subskriptionswege zustande gebracht - werden wird, aber die Gemeinde darf nicht, wenn sie sich nur; mit K 1000.— an die Spitze stellt, andere abschrecken. Aus l diesem Grunde beantragt Redner, mit Rücksicht ans die hohe! Bedeutung des Werkes für die Geschichte der Juden in Wien j und in Würdigung des wissenschaftlichen Wertes desselben, i eine Subvention von K 3000.— zu bewilligen.; Dr. Spitzer schließt sich diesem Alttrage an und gibt - seiner Freude darüber Ansdruck, daß die großen Knltusgemeinden i größeres Interesse nuumeher für die Wissenschaft und die j Geschichte des Judentums bekunden ' Bei der hieraus stattfindenden Abstimmung wird der Antrag! auf Subventionierung des Werkes mit K 8000.— angenommen. 1 Nach Zustimmung des Plenums zur Ausnahme einer ' hundertjährigen Frau ins Versorgungshaus, die die im Statute vorgeschriebene Aufenthaltsdauer in Wien nicht Nachweisen kann, werden mit Rücksicht daraus, daß gegenwärtig im Vorstandskollegium nur eilt Techniker ist, der alle notwendigen Arbeiten nicht allein bewältigeil kann, die Herren Baumeister Melcher nlld S ch w a d r o n ats externe Mitglieder in das Baukomitee : gewählt. Hieraus wird die öffentliche Sitzung um Vol Ahr mittags geschlossen. _ 36. ordentt. Generalversammlung der „Israelitischen AUian;?n Wien". Am 13. d. M. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die 36. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn David Ritter v. G u t m a n n statt. Unter den zahlreichen Anwesenden waren außer den Mitgliedern des Vorstandes der „Allianz" u. a. zu bemerken: vom Vorstande der Kultusgemeinde Herr Präsident Dr. Alfred Ster ll, der als Vizepräsident auch dem Vorstände der „Allianz" augehört, als Delegierte der Kultusgemeinde die Vorstandsmitglieder M. B. E i ß l e r, Dr. Markus Spitzer und kais. Rat Jonas Weil, die Herren Vorstandsmitglieder S. Steiner und Salo Cohn, Herr Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, die Herren Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g, Dr. G e l b h a u s lind Dr. Rosen m a n u; außerdem waren erschienen: Herr Dr. Ascher, Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung, sowie die Inspektoren dieser'Anstalt. die Herren Wilhelm G r ü n e s, N. Sperbe r und W. E n gl ä n d e r, die Herren Redakteure Dr. Bloch, Dr. Monz L ö w y, Dr. S. R. Land a u, Herr A. B. W e r n e r (Hamicpah- Krakan) u. a. Der Vorsitzende, Herr Präsident David Ritter v. Gntmann, eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und konstatierte die rechtzeitige Ausschreibung der Generalversammlung in der „Wiener Zeitung", sowie die Beschlußfähigkeit derselben. Zum Schriftführer wurde Herr Sekretär Dr. Kaminka ernannt. Ueber Antrag des Herrn D. Roller wurde von der Verlesung des Jahresberichtes, da sich derselbe bereits seit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befand, Abstand genommen und der Bericht über die Tätigkeit der Organisation im verflossenen Jahre einstimmig ohne Debatte zur Kenntnis genommen. In gleicher Weise wurde der Bericht über die finanzielle Gebarung im Berichtsjahre einstimmig genehmigt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren kais. Rat 'Bernhard P o l l a ck Edler o. P a r n a u, Emil Horner, Dr. Arrnr K u r a n d a, Julius Reitlinger und Reichsratsabgeordneter Camillo Kuranda, Ministerialrat i. P., wurden per Akklamation mit vierjähriger Fnnktionsdauer wiedergewählt. Der Vorsitzende hielt sodann den im verflossenen Jahre mit Tod abgegangenen Freunden und Förderern der „Allianz" einen warmen Nachruf, der von der Versammlung zum Zeichen der Trauer stehend angehört wurde. Insbesondere gedachte Herr v. G u tman u der segensreichen Tätigkeit des langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Emannel B a u m garte n. Herr Knltnsvvrsteher Dr. M. Spitzer sprach als Delegierter des Kultusvorstandes hierauf den Dank und die Anerkennung der Kultusgemeinde für die segensreiche und ersprießliche Tätigkeit der „Allianz" ans. Unter Hinweis aus die heftige Opposition, die am letzten Gemeiudetage in Wien gegen die geplante Gesammtorganisation zu Tage trat, führte Redner aus, daß das Judentum immer zum Individualismus geneigt sei, der sich in den Gemeinden ansleben konnte. Nur in einem Punkte huldigten sie dem Universalismus, zur Pflege der Ideale umschlang sie einigendes Band und die Förderung der jüdischen Wissenschaft, die Fürsorge für die Armen irnd Notleidenden wurde in öffentlichen oder geheimen Organisationen vielfach betätigt. Besonders hochgehalten wurde kicljou schewuim, die Befreiung der au Körper und Geist Gefesselten, und dieses erlösende Vorbild aller jüdischen Organisationen ist vornehmlich in der Allianz verkörpert, die den Mittelpunkt des jüdischen Lebens bildet. Ans die Männer, die an der Spitze derselben stehen, blickt die Gesammtheit des Judentums mit Bewunderung und Verehrung und dankt ihnen für ihr aufopferndes und unermüdliches Wirken. Herr Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g dankte namens der Vereinsmitglieder dem Vorstande für seine Tätigkeit, woraus der Vorsitzende mit einem Appell an die Anwesenden, für die „Allianz" stets und überall Propaganda zu macheu. die Versammlung schloß. Die jüdische Wissenschaft antzerhalb des Indentnmes. Von M. Stark. (Schluß.) In dem auf die Reformation folgenden Jahrhundert herrschte unter den Christen eine förmliche Manie, die hebräische Sprache zu erlernen. Wer als Gelehrter gelten wollte, mußte die Sprache der Bibel kennen. Auch die Frauen waren von dieser Manie ergriffen worden. In England, Holland und Deutschland gab es nicht wenige christliche Damen, welche sich in hebräische Sprachstudien vertieften, und es so weit brachten, daß sie untereinander hebräisch korrespondieren konnten. Neben der Königin Christine von Schweden erwähne ich nur das damals allgemein bewunderte Mädchen Maria Anna Schurmann aus Utrecht, das mit einer englischen Dame, Dorothea Moore, hebräisch korrespondierte und in ihren literarischen Briefen Raschi. Jbn Esra und andere zitierte. Ueber Anregung des größten christlichen Theologen und Philologen des 17. Jahrhunderts, Joses Scaliger, wurden an allen Universitäten und Seminarien Lehrkanzeln für hebräische Sprache und rabbinische Literatur errichtet, und wer als Gelehrter, besonders als Theologe etwas gelten wollte, mußte dieser Wissenschaften kundig sein. Eine Zeitlaug schien es, bemerkt Grätz. als ob die Sprachen Athens und Roms von der Sprache Jerusalems iu den Hmlergruud gedrängt werden sollten. Von den zahlreichen christlichen Gelehrten jener Zeitperiode, welche nicht nur eine gründliche Kenntnis der hebräischen und rabbinischen Sprache, sondern auch der talmudisch-radbinischen Literatur erlangt haben, seien neben den berühmten Staatsmännern Hugo Grotius und Johannes Seiden nur einige von jenen genannt, die größere, das Judentum und seine Literatur betreffende Werke geschrieben haben. Johannes Buxtors in Basel, Verfasser der rabbinischen Concordanz, ist noch heute der Lehrmeister und Wegweiser christlicher Theologen, die sich mit der rabbinischen Literatur befassen. Der Pater Richard Simon von der Congregation des Oratoire in Paris, hat das Verdienst, eine rationelle Bibelkritik eingeführl zu haben. In seiner Histoirs

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.