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Die Wahrheit · 1909-05-14 · Heft 19 (14.5.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 19 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wavrlleu Nr. 19. Vereines und stellte den Vortragenden vor, den Chef einer bedeutenden Firma, der aus unsere Einladung hieher kam, um bei uns über den „Sabbath im Kulturleben der Gegenwart" zu sprechen und uns Winke zur praktischen Ausgestaltung der Vereinstätigkeit zu geben. Herr Loeb entwarf zuerst einen Rückblick auf die große Bedeutung der Römer für die Verwaltungs- und Rechlspraxis, der Griechen für Kunst und Wissenschaft und endlich der Juden für Religion und Ethik. Er wies darauf hin, wie nur da» jüdische Religionsgesetz vermochte, ein vergleichsweise kleines Volk trotz Druck und Verfolgung zu erhalten, während jene mächtigen Kulturvölker untergnlgen. Redner gmg auf die soziale und hygienische Wichtigkeit des wöchentlichen Ruhetages über, den die Thora festsetzte, Jahrtausende bevor die Sozialwissenschaft diese Wichtigkeit erkannte. Redner feierte in schwungvollen Worten die dein jüdischen Sabbath innewohnende Weihe, die geistige und ethische Erholung bietet, wie kein Ersatzrnhetag. Referent schildert, wie die Umgestaltung der Verkehrs- und wirtschaftlichen Verhältnisse die Sabbaihruhe erschwert, wies aber praktisch nach, das; dem wirklich gläubigen Inden kein Opfer zu groß ist und im Sabbath selbst der Segen liegt, der über alle Hindernisse siegen läßt. Um aber den schwächeren Elementen den für den Juden überhaupt, für den sabbathruhenden Juden noch besonders erschwerten Kamps ums Dasein zu erleichtern, wurden in Deutschland die Vereine der Sabbathfreunde gegründet, die bis heule in Zahl von 160 Ortsgruppen 6000 Mitglieder umfasien uud große Leistungen aufzuweisen haben. In lautloser Spannung Hörle das dichtgedrängte Auditorium den anderthalbstündigen Vortrag an, der ebenso vollendet in der Form als fesselnd in der Aussühriing war, nur von Zeit zu Zeit l ö st e n markante Stellen jubelnden Beifall aus. Nachdem Herr Felsenburg im Namen der Versammlung dem Vortragenden wärmstens gedankt hatte, entspann sich eine lebhafte Diskussion, die von Herrn Lehrer P l o h n eingeleiter wurde. Die ehrwürdigen Herren Rabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. David, Dr. R o s e n m a n lt, R e i ch- Wien Y., R e i ch-Baden gaben sehr interessante Anregungen, auf die Herr Loeb in einem kurzen Schlußworte antwortete. Das Publikum, in dem außer vielen Herren Rabbinern auch Herr Knltiisvorsteher A. S ch r a m e k, viele Vorsteher von Vereinen sowie zahlreiche Damen bemerkt wurden, war höchst befriedigr und nahm die wärmsten Gefühle für Sabbathheiligung mit. Wir hoffen, nach den zahlreich gefallenen Aeußerungen, für die Vereinszwecke großen Erfolg, da viele Herrn Chefs, die Samstag offen halten, sich bereit erklärten, einzelnen Angestellten den Samstag frei zu geben. Herr Loeb verläßt uns mir dem angenehmen Bewußtsein, durch sein Erscheinen uud durch seinen meisterhaften Vortrag, der Sache, der er einen großen Teil seiner Muße widmet, einen großen Dienst erwiesen zu haben. Wien. (Dritte ordentliche G e n e r a l v c r s a m m l n n g des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines.) Der Abend des 8. Mai vereinte in einem Saale des „Parkhotel Schönbrunn" in Hietzing ein zahlreiches und illustres Publikum, das der Einlqdnng des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines gerne gefolgt war. um zu hören, welchen Aufschwung der Verein geuommeu und wie er sein Tätigkeitsfeld ausgedehnt hatte. Die Präsidentin, Frau Laura Kren berge r, begrüßte unter den Erschienenen namentlich Herrn Bezirksobmann Mohr, kais. Rat Dr. S. Krüger, Herrn mid Frau Direktor Max Fischer. Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus samt Gemahlin und Vertreter des Hietzinger Tempelvereines. Frau Helene Jacob verlas das Protokoll der vorjährigen Geueralvcrsammlnug, das genehmigt wurde. Nun trugen Frau Adele Heller den gedruckt vorliegenden Rechenschaftsbericht und Frau Franziska B i r m a n n den Kassenbericht vor. Ueber Antrag der Frau Rosa Popper wurde dem Vorstand unter lebhaftem Beifall das Absolutorium erteilt. Der Hietzinger Frauenwohltätigkeitsverein hat 78 verlaffene Kinder in seinen Schutz genommen und sorgt mit Eifer und Liebe für ihr materielles und geistiges Gedeihen. Er verwandte aber auch einen Teil seiner Mittel für Akte unmittelbarer Wohltätigkeit. Das Vermögen des Vereines vermehrte sich im letzten Jahre um K 1621.20, es beträgt jetzt K 8729.32. Für die Zwecke der Fürsorge und Wohltätigkeit wurden L 1409.50 verwendet. Nachdem der Antrag auf Aenderung der Statuten dahin, daß sich der Vorstand um 30 Mitglieder vermehren kann, einhellig angenommen worden war, wurden nnt Akklamation in den Vorstand gewählt: Laura Kren b erg er als Präsidentin, Hermine Bern seid und Gisela Zirner als Vizepräsideutinnen, Emilie Adler als Schriftführerin, Adele Heller als Kassierin, Franziska B i r m a n n und Cäcilie S m e t a n a als Revisorinnen, Minna B r a d, Eugenie H o f f m a n n, Helene Jacob, Josefine K a h a n e, Regina K u n e r, Marie Steinb e r g e r in den engeren Beirat, Therese Fleischer, Fanny Freund, Eugenie Frank. Fanny K o P p e r l, Anna P i ck, Rosa Popper, Frieda S ch l e i f f e r, Katharina Seiler, Klara T a u s z l g und Emilie W e t s ch l in den weiteren Beirat. Bevor der geschäftliche Teil der Versammlung geschloffen wurde, reilte die Vorsitzende mit, daß ihr eben aus dem Nachlaß der vorstorbeueu Fran Direktor Wolf 100 Kronen für Armenunterstütznng gegeben wurden. Herr Direktor Dr. S. Krenberger ergriff das Wort zu einem Vortrage über „Das neue ö st e r r e i ch i s ch e F ü r s o r g e g e s e tz", in dem er auf dre stets wachsende Zahl jugendlicher Verbrecher hinwies, die eine eminente Gefahr für die Gesellschaft bilde und der durch die Familie, die Schule und den Staat begegnet werden muß. Frau Gisela Zirner dankte in herzlichen Worten dem Vortragenden für die neuen und belehrenden Darlegungen und Herr Fritz Blüh stellte den Antrag, den Vortrag in Druck legen zu laffen, was unter erneutem Beifall angenommen wurde. Darauf erstattete Herr Rudolf Kraus, Leiter des Wohltätigkeitsamtes der jüdischen Kultusgemeinde, das Referat über „Zentralisierung des jüdischen A r m e n w e s e n s", in dem er mit klugen, wohl-" durchdachten und sehr segensreichen Vorschlägen austrat und wiederum bewies. daß er wie kaum ein zweiter die Agenden des Wiener jüdischen Armenwesen» kennt, beherrscht und mit Liebe und Einsicht verwaltet. Reicher Beifall winde Herrn Kraus zuteil und warme Dankesworte zollte die Präsidentin. Der Vortrag gab Anlaß zu einer regen, sehr stimmnngsvollen und belehrenden Diskussion, an der sich die Herren Obmann M o h r, kaiserl. Rat Dr. Krüger, Direktor Max Fischer, Sekretär Jung und Beamter Lemberger beteiligten. Es fiel das Wort, daß. Stenographen diese Auseinandersetzungen hätten ansnehmen sollen. So wertvoll erschien der Verlauf der Debatte. Frau Eugenie H o f f m a n n richtete zum Schluffe Worte des Dankes und der höchsten Anerkennung im Namen des Vorstandes an die Präsidentin, Frau Laura Kren b erg er, für ihre bisherige rührige Arbeit und bat sie, weiter den Verein zum Wohle der Armen und Verlassenen zu führen. Lebhafter Beifall zeigte, daß diese Worte allgemeine: Zustimmung fanden. Allseits lobte man den glänzenden Verlauf der Generalversammlung. Wien. Am 6. d. M. wurde Herr Leopold L i ch t e n st e i n, ein Sohn des in den westlichen Bezirken bestbekannten Fabrikanten Sigmund Lichtenstein, zu Grabe getragen. Die Bahre des in der Blüte des Lebens, im 38. Jahre Dahmgeschiedenen umstanden die gramgebeugte Mutter, die trostlose junge Gattin, sämtliche Geschwister und die zahlreichen Verwandten. Die große Teilnahme, die sich bei dem Leichenbegängnisse knndgab, bot Zeugnis davon, welcher Beliebtheit die Familie' Lichtenstein in den genannten Bezirken sich erfreut. In der Zeremonienhalle hielt Religionslehrer Daniel Skntetzky, der Onkel des Verblichenen, die Trauerrede. Es waren innige, warme Herzensworte, die tiefen Eindruck hervorriefen und die ergriffenen Zuhörer zu Tränen rührten. Wien. Montag, den 10. d. M. ist der im zweiten Bezirke durch seine Liebenswürdigkeit und stete Hilfsbereitschaft allgemein bekannte und beliebte städtische Bezirksarzt i. P. Dr. Ignaz Ehr m a n n nach längerem Leiden-gestorben. Das Leichenbegängnis, bei dem I. Kantor S ch l e i f e r die kantoralen Funktionen versah, fand am 12. d. M. 1/410 Uhr vormittags vom Trauerhause. II., Praterstraße 41, unter ungemein zahlreicher Teilnahme, namentlich der Kollegenkreise, statt. Unter den Trauergästen bemerkte man die Professoren Dr. E h r m a n n und Dr. H e r z f e l d, den Aerzte-Verein vom II. Bezirke mit dem Obmann Dr. Ignaz Weiß an der Spitze, Gemeinderat H e l b i g, Vertreter des Bezirkes, Vorsteher Otto von der Chewra-Kadischa, Bethausvorsteher W a s s e r v o g e l ». A. Von der türkischen Gemeinde, deren Gemeindearzt der Verblichene durch viele Jahre gewesen ist, waren der Präses der Chewra-Kadischa,. Lico M. R n s s o, Rabbiner M. P a p o, Oberkantor Bauer und Kantor- L ö w i t anwesend. Sämtliche Trauergäste folgten dem Leichenwagen zu Fuß bis zur Aspernbrücke und von hier bewegte sich der Kondukt noch in langer Wagenreihe nach dem Zentralfriedhofe. Wien. Am 10. d. M. verschied hier Frau Anna D r a b, eine durch ihre edlen Herzens- und Geisteseigenschaften hervorragende Frau. Sie hat sich durch ihren Wohltätigkeitssinn in den weitesten Kreisen Sympathien erworben, so daß ihr Tod allgemein betrauert wird. Die Verstorbene war Mitbegründerin des Franen-Wohltätigkeits-Vereines „Josefstadt" und arbeitete mit aller Hingebung an der Verwirklichung des Projektes, das Rekonvaleszentenheim „Philantropia" im Jubiläunisjahre zu eröffnen. Diese Freude wurde ihr auch noch in den letzten Monaten ihres Lebens zuteil. Anläßlich ihres Dahinscheidens veranstaltete der Vorstand beider Vereine eine solenne Trauerfeier. Meran. Der Verein „Asyl für mittellose kranke Israeliten" hat nach einjähriger, erfolgreicher Tätigkeit durch den Betrieb des herrlichen Genesungsheimes, in welchem seit Februar 1909 die zur Verfügung, stehenden 86 Betten mit über hundert Pfieglingen dauernd belegt waren, den Beweis seiner Tätigkeit erbracht. Am 28. März legte der Vorstand der Generalversammlung Rechenschaft ab. Der Präsident, Herr Dr. med. M. K o r e f begrüßte die Anwesenden in einer längeren Ansprache, in welcher er nicht allein die Prinzipien, nach denen das Haus geführt wird, auseinandersetzte und das Verständnis für die Geschäftsgebahrung bei den Anwesenden weckte, sondern auch in herzlichen Worten des verstorbenen Präsidenten, Herrn Friedrich Stransky und der verstorbenen Mitglieder' des Vereines gedachte. Der Geschäftsbericht, des Herrn Dr. W. Her s ch. des geschäftsführenden Vizepräsidenten des Vereines, bot durch die Fülle des Materials und statistischer Daten einen ungemein klaren Einblick in das Getriebe dieses großen Werkes und zeigte, wie viel Voraussicht und Planmäßigkeit notwendig war, um ans den vorhandenen Mitteln ein Haus aufzustellen, welches mit allem ansgestattet ist, was Hygiene und moderner Betrieb verlangt. Auch der Kassa- und Revisionsbericht (Kassier' Herr K a tz e n st e i n und Revisor Herr Gntmanu, fand seitens des aufmerksam zuhörenden Publikums ungeteilte Anerkennung. . Zum Schluffe wurden von der Versammlung Herr und Frau Dr. H e r s ch, Herr A. Winterber g-Wien und Fran Emma Z i u n e r zu Ehrenmitgliedern einstimmig ernannt und hiedurch für die großen Verdienste, die emsige Arbeit uud Unermüdlichkeit der genannten Herren und Damen der Dank äußerlich kundgetan. Es ist zu wünschen, daß das großartige Genesungsheim dieses Vereines, „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran", von allen Glaubensgenossen gefördert werde und jeder einzelne durch einen Beitrag dem Institute über den ersten und schwersten Anfang hinaus helfe.

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