Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 19 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 19. Die Wahrheit Seile S. Kirre gebildete Iran. Von Babette Frieh. (Fortsetzung.) Das Stück war zu Ende, und alles drängte dem Ausgange zu. Barta führte seine Kousine am Arme, und Poldi wollte galant dem jungen Mädchen seinen Arm anbieten, doch diese zog ganz verlegen die Hand zurück und ließ Poldi einige Schritte vorangehen. Hierdurch geschah es, daß sie in dem Gewühle von ihrer Gesellschaft getrennt wurde. Elise wollte dieselben aufsnchen, doch schlug sie eine verkehrte Richtung ein, und so war all ihr Suchen umsonst, die Tante und die beiden Herren waren nicht zu sehen. Ihre Situation war eine furchtbare. Fremd und unbekannt, wie ihr es hier war, wie sollte sie sich in so vorgerückter Abendstunde ohne schützende Begleitung, ja ohne einen Kreuzer Geld in der Tasche, zurechtfinden? wie sich in die von einem Menschenstrome durchflutenden Straßen der Großstadt hinauswagen, ohne freche Zudringlichkeit fürchten zu müssen? Nicht wissend, was zu tun, lehnte sie sich an einen Pfeiler und blickte mit tränenden Angen suchend herum, ob sie nicht dennoch einen ihrer Begleiter erblickte. Jetzt hätte sie wirklich Poldis Hand nicht zurückgewiesen, wenn er ihr dieselbe angeboten hätte. Doch von anderer ungehoffter Seite nahte der Retter; Plötzlich tauchte vor ihr ein junger Mann aus, der. die Hand an die Mütze führend, achtllngsvoll grüßte, „Fräulein scheint verirrt zu sein," meinte er höflich. „Dürste ich mir gestatten, Sie zu den Ihren zu begleiten?" Bei dem hellen Scheine der Gasflammen erkannte Elise in dem Sprecher einen der Herren aus jener Loge, dessen bewundernde Blicke sie vorhin verwirrt hatten. Unter anderen Umständen hätte sie auf die Ansprache eines fremden Herren mit vollständiger Nichtachtung geantwortet. Jedoch heute in der peinlichen Situation, sah sie in dem jungen Manne nur den hilfsbereiten Retter und sie nahm auch ohne viele Umstände sein Anerbieten mit größtem Danke an. Der junge Mann stellte sich ihr als Cand. med. Hugo Müller vor, und als ihm Elise sagte, ihre Begleiter würden wahrscheinlich im Hotel Austria ihrer warten, erbot er sich sie hinzttführen. So lange dem Mädchen der Weg in das Karltheater schien, als es in rasch rollendem Fiaker saß, und die faden Schmeicheleien Poldis und derben Witze Bartas anhören mußte, so kurz schien Elise derselbe Weg zu sein, als sie an der Seite ihres angenehm plaudernden Begleiters langsam hinschleuderte. Er wußte gar zu schön zu erzählen, dieser junge Musensohn! Tante Gnndel war mit den beiden Herrn ganz aufgeregt im Hotel angekommen, und einer schob den andern die Schuld an der furchtbaren Unachtsamkeit zu, die man sich zu schulden kommen ließ. Wie groß war daher alle Freude, als die Verlorene bald darauf ganz heil und gesund bei ihnen anlangte und begreiflicher Weise wurde der junge Müller, der sie den Ihren zugeführt hatte, mit enthusiastischen Dankesbezeugungen überschüttet und aufs freundlichste eingeladen, den Abend in ihrer Gesellschaft zu verbringen. Und wieder wurden für den nächsten Tag Pläne entworfen, wobei sich der junge Mediziner die Erlaubnis erbat, die Damen in die Ausstellung zu begleiten und dort den Cicerone machen zu dürfen. Von da an war er stets in ihrer Nähe geblieben, so oft es seine freie Zeit, von dev er in den Ferien freilich sehr viel hatte, zuließ. So kam es, daß die Begegnung und das öftere Zusammensein mit dem angehenden Doktor Elise den Aufenthalt in Wien erst recht angenehm machte, und daß sie nur mit innigsten Bedauern an ihren nahen Abschied von der schönen Donaustadt dachte, der denn doch bald kommen mußte, nachdem sie die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein genommen hatten und Gnndel schon Ausstellung und Großstadt müde geworden war. Auch Anton Barta hatte sein Ziel erreicht, da die wohl manchmal herbe und unzugängliche, im Grunde aber doch herzensgute Base die notwendigen Summen gegen Sicherstellung zur Verfügung gestellt hatte. So sehr Elisen die Gesellschaft des jungen Mediziners zusagte, so unbehaglich fühlte sich Gnndel in seiner Gegenwart. Sie hätte sich selber für diese Antipathie gar keinen Grund anzugeben gewußt, und doch war etwas in seiner Stimme, seinen Bewegungen, was unangenehme Gefühle, unbestimmte Erinnerungen in ihr erweckte, die sehr unbehaglich auf ihr Gemüt wirkten. Diese Bekanntschaft, die sich nicht gut abschütteln ließ, mochte auch Schuld darin sein, daß Gnndel den Bitten ihrer Gastfreunde beharrlich widerstand, welche sie zu einer Verlängerung ihres Besuches bestimmen wollten, und große körperliche Müdigkeit vorschützend, mit Elise heimreisten. (Fortsetzung folgt.) Aufruf! Wir wenden uns an alle Mütter und Väter und im Namen der Menschenliebe auch an jene glückliche Jugend, die, trotzdem sie vom Schicksale liebevoll gebettet ist, für den Jammer des Lebens doch Sinn nnd Mitgefühl besitzt. Unser Zuruf lautet: Helfet, damit auch jüdische Kinder, die von Skrofulöse, Rhachitis, Anämie heimgesucht sind, der Genesung zugeführt werden können! Ihre Leiden, oftmals eine traurige Folge der Not, sind zumeist heilbar durch das köstliche Salz des Meeres, durch die erquickende frische Luft, die an den Ufern des Meeres weht, durck die kräftige Einwirkung des Sonnenlichtes, durch eine rationelle Ernährung. Helfet uns daher, au der Küste unserer sonnenumglänzten Adria Seeho spitze — zunächst in Grado — zu errichten, um kranken Kindern auö allen Teilen der Monarchie, die dorthin gebracht werden würden, Gesundheit und Kraft wiederzugeben und sie widerstandsfähig gegen die mörderische Tuberkulose zu machen, die beim weiteren Verlaufe ihrer Leiden ihnen droht! Bereinigt Euch zur Mitarbeit an diesem Werke, das eine Schar warmfühlender Frauen und Männer begonnen hat und das bei den Behörden soviel Anklang gefunden hat, daß sowohl das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, wie auch die k. k. Statthalterei und schließlich auch die k. k. Polizei-Direktion ständige Delegierte in das Kuratorium entsenden. Helfet uns, unserem Volke und zugleich nuferem Vaterlande einen bedeutsamen Dienst zu erweisen! Um Tempel der Menschenliebe zu bauen, bedarf es nicht bloß der Marmorsäulen — der hohen Summen, die wir von unseren reichen Mitbürgern erbitten, sondern auch der bescheidenen Ziegelsteine — der Beiträge in Kronen und Hellern. Jeder Heller ist willkommen! Das Kuratorium und der Zentral-Ausschuß des österr. Kaiser Franz Josef-Jubilüums-Seehospizes Wien. Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichtsadvokat. Dr. S. E h r m a n n. k. k. Univ.-Professor. Max Frank, Kaufmann. Egon Frankl, Großindustrieller. Karl Freund, Privatier. Wilhelm Freyberg, Privatier. Adele F r i e d m a n n, Arztensgattin. Dr. Julius Graf, techn. Sekretär der „Assicurazioni Generali", Triest. Sofie Grünfeld, Arztensgattin. Dr. Moriz G ü d e m a n n, Oberrabbiner. Rudolf H e r m a n n, k. k. Baurat. Friedrich H e r r n f e l d, Redakteur. Benno K a h a n e, Prokurist. Dr. Edmund K o h n, prakt. Arzt. Kais. Rat Johann L i ch t e n st a d t, Redakteur. Univ.-Dozent Dr. Arthur Mahler. Reichsrats-Abgeordneter. Philipp P o r g e s» Generaldirektor. Dr. Benno R a p p a p o r t, k. k. Hofrat. Kais. Rat Leopold Sachs, Prokurist. Dr. Ludwig Sachs, Hofuud Gerichtsadvokat. Dr. Js. S a m u e l y, prakt. Arzt. Univ.-Prof. Doktor Julius Schnitzler, k. k. Primarius. Adolf Schwadron, Ingenieur. Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Kultusgemeinde. Dr. Luzius Stolper, prakt. Arzt. Univ.-Priv.-Doz. Dr. Julius Z a p p e r t, Adele Z i u s, Advokatenswitwe. Der Sitz des Vereines befindet sich: Wien, I. Scholtenring 2. Spenden werden auch in der Administration des Blattes entgegengenommen. Austritte ans dem Indentnm. Dr. Berger Richard, Bankbeamter, ledig, geb. 19. November 1885 in Wien, I., Salztorgasse 7. Vogel Hermine. Private, ledig, geb. in Becvar, Bezirk Korim, 111., Mohsgaffe 8. H e r s ch m a n u Hans, Handelsakademiker, ledig, geb. 19. Juli 1890 in Saaz (Böhmen), IV., Gußhausstraße 3. Krishaber Klara, geb. 17. Dezember 1883 in Marchegg, Trautmannsdorf. Fried Oskar. Privatbeamter, geb. 30. September 1879 in Wien, Charlottenburg. Dr. E r n st P a u l, k. k. Supplent, ledig, geb. 29. Mai 1885 in Wien, 1., Gonzagagasie 21. Fantl Friederike geb. Großmann, Private, getrennt, geb. 3. August in Wien, I., Schönlaterngasse 13. Nestel Felix, Fabriksdirektor, ledig, geb. 8. November 1865 in Glogau, IV., Mittersteig 3. Schulhof Hans, ledig, geb. 12. Oktober 1884 in Krakau, IX.. Fuchs» thalergasse 12. F e i g l AI f o n s, ledig, geb. 5. Juli 1870 in Urfahr, VI., Theobaldgasse 16.