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Die Wahrheit · 1909-05-07 · Heft 18 (7.5.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 18 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18. Die Wahrheit. Seite 7. vorställdeil unterscheiden, die auf hohnsprechende Weise gewählt wurde«. Man verlasse uns nicht in diesem Momente, wo wir nach Aufklärung rufein Ich protestiere dagegen, daß man Galizien ausschalte, wir werden die Stimme erheben, daß wir ein Körper find, mit allen Juden Oesterreichs. Kämpfen nur zusammen zum Wohle des Volkes, gegenüber den Verdüchligungeu unserer Gegner. Dr. Sonnenschein: Zur Einigkeit gehören zwei. Wenn Dr. Gabel sagt, daß nur die Kultusvorstände gegen die Organisation sind, so müssen wir uns doch an die Knltusvorstände halten. Wenn wir heute die Organisation bloß für Westösterreich beschließen, so ist das auch ihr Interesse, weil sie hinansgehen können und sagen, wohin euch eure Kultusvorstände geführt haben. Präsident Dr. Stern: Bevor wir in die Spezialdebatte eingehen, habe ich die Mitteilung zu machen, daß soeben eine Unterredung mit Herrn Schreiber ans Drohobycz stattgefunden hat. an welcher auch Herr Referent und die Vizepräsidenten des Gemeindetages teilgenommen haben. Herr Schreiber legte uns Proteste von 207 galizifchen Knltnsgemeinden vor und erklärte, daß er den Auftrag habe, diese Proteste dem Ministerium zu überreichen, er sei jedoch in loyaler Weise vorerst hieher gekommen, um uns hievon zu verständigen. Herr Schreiber erklärte, daß für den Fall, als der Gemeindetag beschließen würde, daß die Organisation nur für Westösterreich mit Ansschluß von Galizien geschaffen werde, so wären die Proteste gegenstandslos und er würde auch in diesem Falle von deren Ueberreichung Abstand nehmen. Unter solchen Umständen habe das Präsidium im Einvernehmen mit dem Referenten sich entschlossen, dem Gemeindetage die Schaffung einer Organisation nur für Westösterreich mit Ausschluß von Galizien vorzuschlagen. Man könne nicht gut ein Land in eine Organisation einbeziehen, dessen ungefähr 226 Gemeinden schon von vorneherein gegen ihre Einbeziehung in die Organisation bei der Regierung protestieren. Präsident legt das Verzeichnis der 207 Gemeinden, so wie es ihm von Herrn Schreiber eingehändigt wurde, vor. Abgeordneter Dr. S t a n d: Ich gäbe ihnen eine überraschende Mitteilung zn machen. Es wurde hier eine Liste der Gemeinden ans Galizien vorgelegt, unter diesen auch Strzeiyz und Ottinia. Ich lege hier einen rekommandierten Brief dieser Knltnsgemeinden vor, in welchem diese mich bitten, in ihrem Namen hier zu sprechen. Dies zur Charakterisierung, wie solche Proteste zustande kommen. S p e z i a l d e b a t t e. Bei § 1 beantragt Referent mit Rücksicht auf die ans Galizien eingelangten Proteste den Zusatz: „mit Ausschluß von Galizien und Lodomerien". Gegen diesen Antrag wendeten sich die galizifchen Abgeordneten Dr. Gabel, Stand und Dr. Brande. Letzterer erklärte, daß die Proteste zum großen Teile gefälscht seien. In Galizien sind die Strömlingen bis in die Tiefe hinein im Kampfe um die Geltung. Es kommt darauf an, wer im Momente (Zwischenruf: die Macht hat) nicht die Macht hat, sondern die Stampiglie. Die öffentliche Meinung in Galizien hätte aufgeklärt werden müssen, bis auf die Anhänger des Belzer Rabbi und anderer Wnnderrabbiner ist die Bevölkerung für den Gedanken der Organisation. Sie haben nicht das Recht und nicht die Vollmacht. Westösterreich allein zn organisieren, bis heute haben sich einige Polaken und Chaßidim ausgeschlossen. Der Antrag ist ein Attentat auf die Gesamtjndenheit Oesterreichs, lehnen sie ihn ab. Gegen den Antrag sprachen noch Dr. Asche r-Wien. Dr. Körne r-Göding und Dr. K r a it s-Teplitz, für denselben Dr. L ö w y-Brünn. Bei der Abstimmung wird der Zusatz abgelehnt und ß 1 in ursprünglicher Fassung angenommen. § 2 wird unverändert angenommen. Zn § 3 wünscht Dr. Wolf eine schärfere Durchführung des Territorialprinzipes. Dr. G r ü n e r wünscht die Streichung des letzten Absatzes. Die Abänderungen werden abgelehnt, der Paragraph unverändert angenommen. Zu § 4 stellt Dr. Brande den Antrag, für West- und Ostgalizieu je zwei Verbände zu schaffen, einen für die galizischen Großgemeinden, einen für die kleineren Gemeinden. Dieser Antrag wird auch angenommen. Spitze r-Kolin beantragt die Teilung des böhmischen Landesverbandes in einen böhmischen und einen tschechischen, das gleiche würde von den Juden in Mähren verlangt. Dr. L a m b e r g-Miftek: In Mähren haben wir nur jüdische Gemeinden in tschechischen Ortschaften, aber keine tschechischen Judengemeinden. Der Antrag Spitzer ist hinsichtlich des Landes Mähren gegenstandslos. Dr. K o h n er-Prag bittet, sowohl den Antrag ans Zweiteilung als auch ans Sektionierung abzulehnen, da er nur zu Zwistigkeiten führen würde. M o s e r-Karlsbad ist ebenfalls gegen die Zweiteilung. Die Delegierten sollten sich jedoch der böhmischen Sprache bedienen dürfen. Dr. S ch n e e w e i ß-Lmz. unterstützt von Bille r-Graz, verlangen die Ausscheidung der Knltnsgemeinden der Alpenländer ans dem Landesverbände Wien und Schaffung eines eigenen Landesverbandes für dieselben. Nach Aufklärung des Referenten Dr. S o n n e n s ch e i n. wird der Antrag Brande mit dem Zusatz angenommen, daß im Verordnnugswege die großen und kleinen Gemeinden festznstellen sind. Die anderen Abänderungsanträge werden abgelehnt. § 5 wird unverändert angenommen. Zu § 6 liegen folgende Abänderungsanträge vor: Dr. G r ü n e r - Neuukirchen: Die Delegierten in die Landesverbände mögen von den Knltnswählern und nicht von den Kultnsvorständen gewählt werden. Dr. Strauch er: Sind am Sitze des Landesverbandes mehrere Rabbinen angestellt, so hat die Kulrusrepräsenianz je einen Rabbiner orthodoxer Richtung und einen Fortschrittlichen zn entsenden. Dr. K n r r e i n-Teplitz namens des Rabbinerverbandes von Böhmen und Mähren-Schlesien: 1. Die Vertreter der Rabbiner sind in die Landesverbände, in den Reichsverbaud und in den Oberrat von den Rabbinern selbst zu wählen. 2. Die Rabbiner des Landes wählen je drei Rabbiner in die Verbandsleitnug. 3. Die Vertreter der Rabbiner in den Verbandsleitnngen wühlen je einen Rabbiner in die Reichsverbandsversammlnng. 4. Die in die Reichsverbandsversammlungen delegierten Rabbiner wählen ans ihrer Mitte drei Rabbiner in den Oberrat. Dr. David und Dr. F e u ch t w a n g : Sind am Sitze des Verbandes mehrere Gemeinderabbiner angestellt, so hat der Vorstand der Knltusgemeinde am Sitze des Verbandes zwei Rabbiner zur Teilnahme an der Verbandsversammlung zu bestimmen. Bei der Wahl der Rabbiner ist ans die religiösen Richtungen in den Gemeinden jederzeit Rücksicht zu nehmen. Nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Dr. K r a u s, Rabbiner Dr. David. Dr. Wolf. Dr. Spitzer. Dr. Lazarus, Müller. Feuchtwaug, Teltscher. Reach, Dr. Strauch er. Abel es. Hickl. beteiligten, wurde nach einer zusammenfassenden Erwiderung des Referenten nur der Antrag Dr. S t r a u ch e r mit Bezug aus die Länder Galizien und Bukowina angenommen, die anderen Anträge abgelehnt. 2. Verhandlungstag. Um 10 Uhr 15 Min. eröffnet der Vorsitzende. Dr. Ster n. die Sitzung. G e i st (Wr.-Neustadt) beantragt den nunmehr in Verhandlung zn ziehenden § 7 vollinhaltlich anzunehmen. Herr Dr. Grüner (Nennkirchen) kritisiert sämtliche Punkte i des § 7 und macht den Vorschlag: den Landesverband mit der Kompetenz auszugestalten, die derjenigen gleichkommt, welche der Landtag in Bezug auf die Gemeiitden besitzt. Dr. Spitzer (Wien) will ans dem Entwürfe alles das ausgeschieden wissen, was eine Spitze gegen die orthodoxe Zudenschaft bedeuten könnte. (Zustimmung). Er sehe sich daher ver-

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