Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-05-07 · Heft 18 (7.5.1909) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 18 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063487--06050-3073021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit ftebattiou ii. »IM.iftniliou: Wien, 21/, Nvvcnagasje 127 ber Di uckerel 158112 | Anakhängige Heitschrift für jüöische Gerng»il',t«i»: J lOunalÄOrifl . . 1k 14.— öufbffibria? .. ft 7 — Ä. f. österr. Postl'varkassa- Scvktk-Üonto Nr. i0«.9t8. 3 u l'cViit c jltrtmjen.. tViu EnNuSbkmtttk: Die viermal flfiDiUteue Nonpareille-Heile 25 Heller. nOoiiiicmeii(«> u. Zineilloiis- | Erscheint jeden Kr ei tag. 'M.iintiiOna if ii» stiii?>iiSl,«nd: deiräqe ftub in Wien zaolv.i:! : »»..ii.iayri« ...» Murk .mb klagbar. 1 Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ ii »lnvel ober 1« itc«. Mr. 18 Wien. 7. Mai 1909. Inhalt: Der zweite österreichische Gemeindetag.— Ewigkeit-- und Zeitwerte. — Bon der Wiener „Jto". — Verschiedene Nachrichten. — Austritte ans dem Judentum. — Die Kantoren und der Gemeindetag. Der Meile österr. Gemeindetag. Die bedeutsame Tagung der österreichischen Kultusgemeinden, der mau iu den weilesteu Kreisen des österreichischen Judentums mit gespannter Erwartung entgegensah. hat am 4. und 5. Mai unter dem Vorsitze d-s Präsidenten der Wiener Kultnsgemeinde Dr. Alfred Ster n, der mit erstaunlicher Elastizität und zielbewußter Energie die büchst ermüdenden und zuweilen nicht besonders erquicklichen Verhandlungen und Debatten leitete, in Wien stattgefnnden und ihre Aufgabe: Beschlußfassung über den Entwurf zur Schaffung einer Gesamtorganisativn der österreichischen Inden, vollkommen erledigt. Will man nun mit wenigen Worten den Gesamteindrnck zeichnen, so muß man zunächst dem Vorsitzenden zustimmen, der am Schlüsse der Beratungen mit Bedauern konstatierte, daß der zweite Gemeindetag, im Vergleich zum ersten, durch die Zahl der Proteste, durch das Mißtrauen, das ans Seiten der Orthodoxen zum Ausdruck kam, und de-! sonders durch den Mißtvn und den Bruderzwist, der ans Gali-! zien herüberklang, kein besonders erfreuliches Bild bot. Aber! wenn auch diese Begleiterscheinungen die allgemeine Stimmung I trübten, wenn es auch weiters richtig ist, daß der beschlossene Entwurf iit vielen Ptlnkten auf heftigen Widerstand stieß, daß er den einen zu wenig modern, ben anderen zu autokrcttisch schien und gewiß zu vielen Protesten an die Regierung Anlaß geben wird, so muß es detinoch jeden, dem die Entwicklung des österreichischen Judentums am Herzen liegt, mit Genugtuung erfüllen, daß endlich die Grundmauern für die Organisation ausgestellt sind. Möge der Bau rüstig vorwärtsschreiten und mögen die berufenen Faktoren und Parteien dafür Sorge tragen, daß er für die Gesamtheit der österreichischen Juden wohnlich eingerichtet werde. Im Nachstehenden der Bericht, bei dem wir voraussetzen, daß der Entwurf, der in der vorletzten Nummer dieses Blattes vollinhaltlich veröffentlicht war, unseren Lesern bekannt ist: Präsident Dr. Stern eröffnete um halb 11 Uhr die Versammlung mit folgender Ansprache: „Meine Herren! Der Gegenstand, welcher uns znsammenführt, ist Ihnen allen bekannt. Das Bestreben, eine Gesamtorgauisation der österreichischen Juden herbeizuführen, datiert auf lange Zeit zurück. In den Archiven der Wiener Kultusgemeinde finden sich derartige Anträge vom Jahre 1849, die in der Mitte des Vorstandes beraten und auch vom Rabbiner befürwortet wurden. Solche Versuche haben auch in späteren Jahren stattgefunden, wir finden sie wieder 1869 und auch in späterer Zeit. Als 1890 das Gesetz über die äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft gegeben wurde, j wurde schon in dem Moiivenbericht der Regierung und im Herrenhaus vom Berichterstatter und demjenigen, der als der Wortführer unserer Glanbensgenoffenschast das Wort nahm, dem verewigten Baron Königswarier betont, daß jenes Gesetz, welches die Bildung der Knllnsgemeinden verfügte, nur den Anfang einer Organisation bedenke und daß aus der Mille der Gemeinden heraus sich die größeren Verbände, Landes- und Reichsverband, entwickeln müssen. Es war daher zu begrüßen, daß auch in neuerer Zeit von verschiedenen Seilen, so dem Bnai Brith- und dem Gemeindebund wieder ein Anlauf zu bieieit Bestrebungen genommen wurde, so daß wir heute darangehen wollen, die Grundlage einer solchen Gesamtorganisarion zu schaffen und sie der Regieritng vorznlegen. Ich habe mich selbst mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Regierung ins Einvernehmen gesetzt nnd das Elaborat, das im Einverständnis mit Herrn Tr. Sonnenschein imb Dr. Fiat a ansgearbeilel will de. vorgelegr. Bekanntlich bestehen bereits seil Jahren solche Entwürse, welche die Zusammenfassung der jüdischen Religionsgesellschaft beabsichtigen; sie wurden im Ministerium wiederholt umgearbeitet, wenn sie uns auch bisher nicht mitgeteil: worden sind. Dasjenige mm, was Ihnen heute hier vorgelegr wird, ist ein Entwurf, an welchem gewiß auch im Laufe der Zeit Aenderungen vorgenommen werden, da wir uns nicht der kühtien Hoffnung hingeben, daß unsere heuttgen Beschlüsse auch schon morgen im Reichsgesetzblatt stehen werden. Air solche kühnen Hoffnungen ist der Oesterreicher nicht gewöhnt. Um aber demjenigen. was von uns der Regierung vorgelegt wird, eine gewisse Sanktion und Autorität zu geben, mußte Vorsorge getroffen werden — und ich habe auch in dieser Richtung Rücksprache gepflogen — daß auch die Persönlichkeiten nnd Korporationen. die hier sprechen, eine gewisse Berechtigung für sich! in Anspruch nehmen können, namens der österreichischen Juden-! schaft das Wort zu führen. Ans diesem Grunde wurde der! Entwurf an alle österreichischen Gemeinden verschickt nnd sie! wurden eingeladen. Vertrauensmänner zu ernennen. Es mußte auch j hinsichtlich der Persönlichkeiten, die hier zu beraten haben, eine i gewisse Einschränkung getroffen werden, daß nämlich nur solche J Personen namens der Gemeinden sprechen dürfen, die einem Knltttsvorstand oder dem Ausschuß angehören, der diese Vorlagen beriet, ferner Reichsratsabgeordnete und selbstverständlich auch Rabbiner der Gemeinden. Bedauerlicherweise sind ans Galizien Absagen gekommen. Es wird Ihnen eine Zuschrift verlesen werden, welche Jhneti diese Absagen mitteilt. Ich bedaure diese Absagen und muß hier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.