Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 17 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seile 8. Die Wavrdeu Nr. 17. einer Gewürzbüchse gesprochen wurde. Beim Nachhausegehen riefen sich die Glaubensgenossen gegenseitig „Gut Woch" zu. Zu Hause angelangt, wurde auch dort die Funktion der Hawdala verrichtet. Mau goß bei dieser Gelegenheit ein wenig Wein oder Bier auf den Tisch*), denetzte sich damit die Augen, indem man dabei die Worte: „Die Gebote des Ewigen erleuchten die Augen" dreimal sprach und befeuchtete sich die Taschen, damil man in der beginnenden Woche Glück habe und gute Geschäfte mache. Bevor man sich anschickte, irgend eine Arbeit zu unternehmen, oder irgend ein Geschäft zu machen, sang mau unmittelbar nach der 8awda1a-Fnnklion die bekannten Elialieder. Eines derselben „Isch chasid liojo“ hat ebenfalls Stößel vortrefflich übersetzt: Es lautet: Es lebt' ein frommer Mann in Not, — Der hat im Haus kein Stückchen Brod, — Kein Kleid den nackten Leib zu kleiden, — Und muß vor Scham die Straße meiden, — Dazu ein Weib und Kinder vier, — Die allesammt verhungern schier. Das in Unmut zu ihm spricht: — „Nein, länger noch ertrage ich's nicht! — Verliefst dich da in Lehr' und Wissen, — indes wir alle darben müssen, — Was nützt uns all dein Studium, — Wenn wir vor Hunger kommen um? So mach' es doch wie andere viel — Und such ein and'res Lebensziel! — Zu Markte mußte du dich begeben — Und Brod zu schaffen dich bestreben- — Gott hilft nur, wenn wir selbst was tun, — Wenn nicht im Schoß die Händ' uns ruh'n!' „So schaff" spricht er, „zum klugen Rai — Mir doch das Mittel auch zur Tat! — Du solltest wohl von selber wissen, — Daß ich, in Kleidercl so verschlissen, — Wenn kaum die Straß' betritt mein Fuß, — Nur Hohn und Spott empfing zum Gruß." Sie geht bei Nachbarn nun umher, — Entlehnt ihm Kleider nach Begehr, — er nimml's und geht mit Gottvertranen — Hinaus zu Markt, nach Brod zu schaneu, — Und Weib und Kinder flehen bang: — O Gott, beglück' doch seinen Gang! Wie er nun sorgenvoll dort geht, — Erscheint Eliah, der Prophet — Und spricht zu ihm: Sei guten Mutes! — Ich bring von Gottes Thron dir Gutes; — Ich steh als Sklav' dir zu. — Zu lösen deines Hauses Not. „0 kauft 'neu Sklaven" ruft er laut, — Mit allen Künstelt wohl vertraut! — Zwar spricht der Fromme ihm entgegen: — Ach Herr, kann Sünde bringen Segen? — O Gottesmann, nach Fug und Recht — Bist du der Herr und ich der Knecht!" Doch jener winkt und dieser schweigt. — Bald findet ein Fürst sich auch geneigt, — Ihm Hundert Tausend baar zu geben, — Dem Knecht die Freiheit noch daneben, — Wenn der im Stand', ein Schloß zu bau'n, — Wie keines mehr im Land zu schau'n. Geschloffen wird der Kaufvertrag. — Eliah schafft den ganzen Tag; — Doch Nachts tät er zu Gott sich wenden: — „0 hilf mir doch das Werk vollenden, — Dem ich zu deines Namens Preis, — Mich unterzog mit allem Fleiß;" — Und sieh' bald fügt sich Stein auf Stein — Und Wand an Wand erhebt sich fein, — Von tausend unsichtbaren Händen, — Du siehst den Bau sich rasch vollenden, — Und als das Morgenrot erwacht, — Steht da das Schloß in voller Pracht. Voll Staunens ruft der Fürst sodann: — Kein Sklav' bist du, ein Wundermann! — Du stehst mit Geistern ja im Bunde! — So sei denn frei von dieser Stunde!" — Und kaum entflog dem Herrn das Wort, — War spurlos schon Eliah fort. („Das Abendland" ibid). (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien Die „Wiener Zeitung" vom 22. April 1909 bringt eine Verlautbarung, wonach die Wirksamkeit des Gesetzes vom 2. August 1908, betreffend die Befreiung von aus Anlaß des sechzigsten Regierungsjahres des Kaisers errichteten Stiftungen und Widmungen von den Stempel- und unmittelbaren Gebühren, bis zum 1. Juli 1909 verlängert wird. Durch dieses Gesetz kommt allen jenen aus obigeni Anlässe errichteten Wohltätigkeits-Stiftungen, welche bis zum 1. Juli d. I. ins Leben treten, die Befreiung von allen mit der Errichtung verbundenen staatlichen Gebühren (10°j0 des gestifteten Kapitales) zugute. Wien. (Passakost für die Pfleglinge der La n de s- Anstalten am „Ste inh o f".) Heuer übertrug der Vorstand derisrael. *) Dieser Usus wurde eingeführt, weil man, wie R. M. Jsserls O. Ch. 296 meint, dadurch gleichsam den häuslichen Segen und Ueberfluß symbolisch andeuten wollte. Kultusgemeinde in Wien die Versorgung der Insassen vom „Steinhof" dem Tempelvereine des 13. Bezirkes, weil die Anstalten zu diesem Bezirke gehören. Im Einvernehmen mit dem rührigen Obmanne der Bezirkskommission für den 12. bis 15. Bezirk, Herrn Samuel Mohr, übernahm der Tempelverein diese Aufgabe und ließ durch neun Tage den armen Pfleglingen rimelle Kost früh, mittags und abends reichen. Herr Seide Kirner, der zunächst dem Steinhof wohnt und Bürgschaft für die streng rituelle Verpflegung bot, wurde als Kostgeber gewonnen und speiste täglich 79 Personen. Die Hietzinger Tempelvorstände Kn rer, Herzog und Popper kontrollierten strenge Herrn Kirnets Tätigkeit. Es muß aber zu seinem Lobe hervorgehoben werden, daß er in wahrhaft sinnreicher Weise für die beste Art der Verpflegung sorgte. Die Pfleglinge waren in 20 Pavillons untergebrachr und zur gewöhnlichen Speisestunde erhielten sie ihre stets warmen Speisen. Innerhalb einer halben Stunde waren alle bedient. In der Nähe des Tores zu den Anstalten hatte Herr Kirnet ein Haus gemietet und wirtschaftete darin mir emem Personal von zehn Leuten, sorgsam bedacht, daß das Essen gut, reichlich und schmackhaft sei. Es gebührt ihm gleich dem löblichen Knlmsvorstande und der Vertretung des Hietzinger Tempelvereines Dank und Anerk.nnnng. Wien. (Bet h-H a m i d r a s ch „Talmud Thora" II., Malzgasse 16.) Samstag, den 1. Mai 1909 um lj24 Uhr nachm, findet im Bethanse ein Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmidt statt. Thema: „D i e Ehrfurcht u u d Liebe zu den Eltern ist die Quelle aller Tn gen de u." Wien. Der Verein zur Unterstützung jüdischer K l e i n g e w e r b e t r e i b e it b e r, II., Ob. Donansiraße 81 hatte am 22. d. seine 25. ordentl. Generalversanimlung. die außerordentlich stark besucht mar. Aus der Verlesung des Rechenschaftsberichtes geht hervor, daß das Vereinsverinögen auf X 21.637 01 gestiegen ist, wobei im vergangenen Jahre X 2681 an Krankenuntersliltzuiigeli, X 1560 Darlehen an notdürftige Mitglieder, X 1400 an Witwenunterstützungen und X 500 an Unterstützungen in Trauerfällen verabfolgt wurden. Zur Feier des 60jährigen Regierungsjnbiläums unseres erhabenen Monarchen gründete der Verein einen Kaiser-Jnbiläumsfond mit der Bestimmung, jedes Jahr am 2. Dezember würdige Witwen nach verstorbenen Mitgliedern zu unterstützen. Nach Genehmignilg der von der Vereinsleitnng gestellten Anträge betreffend die Höhe und Dauer der Krankennnterstütznngen für das nächste Vereinsjahr, wurde über Antrag eines Vorstandsmitgliedes der verdienstvolle Schriftführer des Vereines, Herr Fritz G o l d f a r b, von der Generalversammlung e i n st i m m i g z u m E h r e n m i t g l i e d e ernannt. Bei der nun folgenden Wahl des Vorstandes ivurden folgende Herren wiedergewählt: B a r s ch a k Arnold, Butterfaß Moses, Briefer Samuel, G o l df a r b Fritz. G o l d st e i n Rudolf, Holzapfel Alexander, H o y d i Lippliianu, Hausner Saul, Schlinger Michael, Stapler Josef. Nachstehende Herren wurden neugewählt: F r i e d in a n n Jakob, Galandauer Viktor, G r ü n b e r g Josef, G r u s ch k a Joses, S i u a i b e r g e r M. F., Weiniger Selig. Znaim. Sonntag, den 25. April feierte die hiesige „Ghewra Kadischa" ihr 40-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlasse fand im Tempel ein Festgottesdieust statt. Vor Beginn derselben wurden die Gründer der Chewra, die Herren Adolf Spitzer, Herr kaiserl. Rat Dr. U l lmann, S. Brüll, Johann M n ch, Josef K e r m a n n, Josef Singer, Heinr. I e l l i n e k vom Gesamtvorstaude bestehend aus dem Obmanne Herrn David Schlesinger, den Herreu Friedr. Haas, Joses R os e n f e l d, Jgn. W a l l i s"ch, Heinrich F r e i l e r würdig empfangen und zu ihren Ehrensitzen geleitet. Es erschienen der Kultusvorstand mit Herrn Präses Rudolf Wo tz i l k a an der Spitze; der israel. Frauenverein unter Führung der Frau Präsidentin Louise Brüll, der Znaimer Turnerklub' mit seinem Obmaune Robert Weiner, sowie fast sämtliche Gemeinde- und Gllevi^ra-Mitglieder. Das Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt. Die Feier begann mit dem Sulzer'schen Natown, worauf Psalm 133 vom gemischten Chor, Orgel und Orchesterbegleitung zum Vortrage gebracht wurde. Die einzelnen Solis trug Kantor S. Handgriff' mit feiner hübschen, kräftigen Stimme äußerst wirkungsvoll vor. Nun bestieg Herr Rabbiner Dr. I. K a h a n die Kanzel und hielt eine begeisternde Festrede, erklärte die Bedeutung und das Wirken der „Chewra Xadischa"r dankte den Mäunern, welche sich dieser so heiligen Aufgabe mit Hingebung unterziehen und schloß mit einem weihevollen Gebet für die dahingeschiedenen Mitglieder der Chewra. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen tief ergreifenden Eindruck. Zur Erinnerung au den 40-jährigen Bestand wurde vom Vereinsvorstand eine Festschrift heransgegeben, die vom Herrn Arnold Zweigeuthal verfaßt war. Budapest. Mittwoch, den 5. Mai, findet hier die Trauung des Fräulein Gisa Länürt, Tochter des Herrn Oberkantor Professor Adolf Lazarus, mit dem Herrn Architekten Josef V ä g 6 statt. Belahaz Mittwoch, N"i den 21. April fand hier die Trauung des Herrn Sandor Weiß. Sohn des Obmannes des Bethausvereines in Nadßeg (bei Galanta), Herrn Simon W e i ß. mit Fräulein Laura Deutsch, Tochter des Herrn Adolf Deutsch, statt. Die kantorale' Funktion versah Herr Meudelsohn, Kantor in Szomolany und Herr Kantor L. Kohn aus»Galgocz und den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner I. Müller aus Nadas. Meran. (Genesungsheim des Vereines „A s y l für mittellose kranke I s r a e l i t e n".) Am 23. Jänner 1909 fand die Einweihung des neuen Hauses statt, am 26. d. M. wurde das Genesungsheim mit Kranken belegt. Vom 26. Jänner bis 1. Feber wurden 60 Pfleglinge ausgenommen, vom 1. Feber bis 15. Feber weitere 24, sodaß zu diesem Termine das Asyl vollständig belegt war. Welche Mühe und Arbeit der Direktorin, Fräulein Salus, dem Anstaltsarzte, Dr. Josef Kohn, durch diese rasche Einberufung der Kranken erwuchs, kann nur der