Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-04-30 · Heft 17 (30.4.1909) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 17 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063486--06040-3073010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4. Di- Wahrheit Nr. 17. genommen und gibt auch heute wieder Zeugnis davon, daß er ] auf ihm stehen bleiben will. Der Vertreter unseres Vereins bei dem Verbandstag in Düsseldorf war hiervon unterrichtet. Der Antrag wurde dort schließlich in einer Kommission begraben. Hoffentlich für immer!" * * * In der „Köln. Ztg." wurden vor kurzem höchst beachtenswerte Betrachtungen aus der Feder des Freiherrn Karl v. Perfall über die außerordentliche Bedeutung des jüdischen Publikums für die deutsche Literatur veröffentlicht. Aus Pendant zu denselben sei noch eine Aeußerung Fedor von Z o b e l t i tz's angeführt, die er in einer soeben in den „Hamburger Nachrichten" veröffentlichten Besprechung der in Berlin stattsindenden P o r t r ä t a u s st e l l u n g des Kaiser-Friedrich-Mnseums- Vereins tut. Zobeltitz schreibt dort u. a.: „D i e L i st e der A u s st e l l e r ist so interessant, daß ich die Namen hier wiedergebeu möchte. Sie lauten: Arnhold, Berl, von Dirksen, Feist, Frenkel, v. Friedläuder-Fould, Gans, Hainauer, v. Hollitscher, Hnldschinsky Kappel, Kocherthaler, Koppel, v. Mendelssohn, Rosenberg, v. Schwabach, Ed. Simon, James Simon, Weisbach. Es findet sich kein Name von altem Adel darunter, aber viele erst jüngst uobilitierte Herren und viele jüdischer Abstammung. Das könnte nicht anffallen, denn in ihren Händen liegt das Kapital, das kostspielige Liebhabereien gestattet. Aber es gibt doch auch unter unserem grundbesitzenden Hochadel eine ganze Menge schwerreicher Leute; gehört keiner von ihnen dem Kaiser-Friedrich-Museums-Verein an und fand sich in ihren Häusern nie einer, der neben der traditionellen Sportpassion auch ein vornehmes Mäzenatentum pflegte? Die König!. Bibliothek hat jüngst eine Karolingische Prachthandschrift erworben: dus Prümer Evangelienbuch Kaiser Lothars. Um den Ankauf (für 80.000 Mark. d. Red.) zu ermöglichen, mußte Geheimrat Harnack sich' au den Patriotismus wohlhabender Gönner wenden. Da gesellten sich den Namen Arnhold, von Mendelssohn, Rosenthal, Scherl, Speyer, Darmstädter, Werthauer, auch der Graf Tiele-Winckler und der Fürst Henckel- Donnersmark an. Im allgemeinen aber wird mau staunend fragen können: W o steckt unser reicher alter Adel, wenn es sich um die F ö r d e r u u g v o n K u n st, Wissenschaft und Literatur handelt?" * Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Munk in Berlin feierte am 20. d. M. sein goldenes Doktorjubiläum. Der Jubilar gehört zu den hervorragendsten lebenden Vertretern der Physiologie und zu den bedeutenden Schülern Johannes Müllers und Du Bois Reymouds. 1880 wurde Munk Mitglied der Akademie der Wissenschaft und 1897 von der Fakultät an erster Stelle als Nachfolger Du Bois Reymonds vorgeschlagen, aber aus k o n f e s s i o n e l l e n G r ü n d e n ü b e r g a n g e n und nur zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt. In der russischen Duma hielt der Deputierte Friedm a n n kürzlich folgende, die Lage der Inden in Rußland treffend charakterisierende Rede: „Die Politik des Ministeriums des Innern, oder was dasselbe ist — der Regierung in der jüdischen Frage, ist der beste Barometer des allgemein volitischen Kurses. Wenn man der jüdischen Bevölkerung eine besondere Aufmerksamkeit zuwendet, so bedeutet dieses, daß die wesentlichen Bedürfnisse des Landes ohne Beachtung bleiben; wenn aber die Regierung fordert, daß die Gesetze hinsichtlich der Juden in Anwendung gebracht werden sollen, so heißt es, daß im Lande die vollkommenste Gesetzlosigkeit herrscht. Im Gegenteil, in jenen seltenen Jahren, als die Regierung fortschrittlich war, ließ, mau die Juden entweder gänzlich in Ruhe oder man offenbarte sogar einige Sorge für dieselben. Nehmen wir zum Beispiel die Epoche der großen Reformen des Kaisers Alexander H. und die Epoche der Achtzigerjahre. In der ersteti Epoche wurden Maßregeln ergriffen, den Anschluß der Juden an die allgemeine russische Bürgerschaft zu fördern, und in der zweiten wurde ein Ansiedlungsrayon im selben Ansiedlungsrayon geschaffen (die Reglements vom 3. Mai 1882, deren Schöpfer der bekannte Graf Nikolai Pawlowitsch Jgnatjew war. Die „famosen" Reglements sind unter dem Namen „provisorisch e" bezeichnet. Seit der Existenz derselben sind nicht mehr und nicht weniger als 27 Jahre verflossen.) und sodann eine ganze Reihe Beschränkungsgesetze veröffentlicht. Gleich einem roten Faden zieht durch alle diese Maßnahmen gegen die Inden eine Thesis, nämlich diejenige, daß die Inden keine Glieder des russischen Staates und daß sie bloß geduldet sind, solange es der Obrigkeit gefällt. In vollkommener Uebereinstimmnng mit diesem gesetzgeberischen System befindet sich auch die Methode der Anwendung der Gesetzgebung der jüdischen Bevölkerung gegenüber. Alle Beschränkungen kommentiert die Administration in erweitertem Sinne und alle Beschränkungen wurden die Quelle kolossaler Einkünfte für die Polizei. Was Wunder, daß im Ansiedlnngsrayon derjenige Beamte als ein guter betrachtet wird, der Bestechung nimmt, denn ohne diese wäre es unmöglich, zu existieren. Die Politik unserer Regierung hinsichtlich der Inden ist eine Politik der Feindseligkeit und des Menschenhaffes. Von der gegenwärtigen Regierung erwarten die Inden nichts. Sie wissen sehr gut, daß die jüdische Gleichberechtigung zusammen mit der russischen Freiheit kommen wird; der Tag des Sieges des Rechtes für Rußland wird auch der Tag des Sieges für die Juden sein!" Fräulein Berta Pappenheim aus Frankfurt a. M. hat im Aufträge des Vorstandes des jüdischen Frauenbundes eine Petition an die Königin von Rumänien eingereicht, welche dahin lautet, daß die Dichterin auf dem Throne sich der jüdischen Frauen und Mädchen in ihrem Lande annehmeu möchte, die zu dem schändlichen Gewerbe der Prostitution getrieben werden. Inzwischen hat nun Fränlein Pappenheim die weite Reise nach Rumänien nicht gescheut und wurde von der Königin in Audienz empfangen. Die Königin bekundete der Sache ein lebhaftes Interesse, und die Bildung einer Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Rtunänien dürfte in kürzester Zeit erfolgen. In einer von den Damen der vornehmen jüdischen Gesellschaft einberufenen Versammlung hat Fräulein Pappenheim über die Ziele und Bestrebungen des Frauenbundes gesprochen, worauf sich ein größeres Damenkomitee konstituierte. Gleiche Erfolge wurden in Galatz und Braila erzielt. * * * In Kirmanfchah in Persien ist das Judenviertel ausgeraubt worden. Den Vorwand bot die Ausstreuung, daß ein „Seyed" das ist ein von Ali abstammender Priester, im Dienste eines Juden stehend, von diesem mißhandelt und zu Tode gekommen sei. Es war kein Wort davon wahr, aber es reichte hin, eine regelrechte und vollständige Ausplünderung des Judenviertels herbeizusühren. Die Konsuln, an der Spitze der englische Konsul, haben die Abberufung des Gouverneurs verlangt, der nichts getan hatte, um die Plünderung hintanznhalten. Der englische Konsul besteht auch unbedingt auf Entschädigung der Ausgeraubten. Die Alliance Jsraelite Universelle, von den Unglücklichen um Hilfe angegangen, hat sofort telegrafisch 6000 Fr an.cs für die erste Hilfeleistung nach Kirmanfchah überwiesen. Oesterreichisch-Israelitische Union. Samstag, den 24. d. M. fand im großen Saale des „Hotel Gnth" die 24. Generalversammlung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" statt. Unter den Anwesenden befanden sich die Herren Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler, Gemeinderat Dr. Hein, die Kultusvorsteher kais. Rat Wilhelm Pollak und Dr. S a m n e l y, der Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe, S. B r o d u. a. Herr Gremialpräses Leopold P o l l a k von P a r n e g g hat sein Fernbleiben entschuldigt. Nach herzlicher Begrüßung der Versammlung erteilte der Vorsitzende, Herr Vizepräsident Dr. Jakob O r u st e i n, dem Sekretär das Wort zur Verlesung des folgenden Rechenschaftsberichtes:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.