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Die Wahrheit · 1909-04-23 · Heft 16 (23.4.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 16 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16. Die Wahrheit Sette 9. Der Nährer aller Kreise — Ist Hirt und Vater mein; — Äch aß von seiner Speise — Und trank von seinem Wein' — Drum wollen wir ihn loben, — Ihn preisen immerfort! — Laut sei der Ruf erhoben: — „Wie Gott, gibts keinen Hort!" Chor: Den Hort rc. rc. Mit Sang wir Gott erheben, — Mit vollen Dankes Lied, — Der einst uns hat gegeben — Das schöne Landgebiet — Und jetzt in hohem Grade — Mit Nahrung uns versehen, — Die Fülle seiner Gnade — Uns täglich ließ ergeh'n. Chor: Den Hort rc. rc. O, bau den Tempel wieder. — Daß Zion leuchte und chrang'' — Dann singen neue Lieder — Wir erst im Jubelschwang; — Erst wir dann Dich loben, — Dir bringen Dankes Zoll, — Beim Kelch emporgehoben, — Deines Segens voll. Chor: Den Hort, der nns gespeiset rc. rc. Des Dichters Wort: „Wo Du singen hörst, laß Dich freundlich nieder, böse Menschen haben keine Lieder," konnte vorzüglich von den Sabbath-Mahlzeiten unserer Alten gelten. S ch l u ß w o r t. Schon in grauer Vorzeit bildete die „Judenfrage", das heißt die Frage, woher es wohl kommen mag, daß Israel, „dieses kleinste aller Völker", trotz grausamer Verfolgungen und Bedrückungen, denen es stets preisgegeben war, Kraft und Mut genug besaß, einer Welt in Waffen trotzen und seine zahlreichen Feinde überdauern zu können, den Gegenstand öffentlicher Befprechnngen und Erörterungen. Bileam war der Einzige, der da glaubte, den Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels, wie überhaupt das eigentliche und wirkungsvollste Mittel gefunden zu haben, um dieses allen Nationen der Erde so sehr verhaßte Volk vernichten zu können. In der heiligen Schrift wird nns hierüber Folgendes berichtet: Als Israel, nachdem es ans der Knechtschaft Egyptens befreit wurde und glänzende Siege errungen hatte, geriet Balak, König von Moab, so sehr in Furcht, daß er in seiner Angst und Verzweiflung den heidnischen Propheten Bileam, der als der einflußreichste Diplomat der damaligen Zeit galt, bitten ließ, er möge zu ihm kommen, um durch die Macht seiner Beredsamkeit, wie durch den Zauber seines Wortes Israel moralisch zu vernichten, der Verachtung preiszugeben; er möge kommen, um, mit einem Worte, den „Judenhaß" — den sogenannten „Antisemitismus" — in den Herzen des moabitischen Volkes wachzurnfen. „Es ist noch gar nicht lange her, hins am jozo mimizrajim,“ so ließ Balak dem Bileam sagen, „daß dieses Volk die Sklavenkelten Egyptens gesprengt, und schon bedeckt es den Schein der Erde. liine chiso es en hoorez, wohin man kommt, trifft man die Söhne Israels, alles okkupieren sie, ans allen Gebieten des geistigen und kulturellen Lebens, auf dem Gebiete der Kunst und Wifsenschaft, des Handels und Gewerbes leisten sie Großes und Bedeutendes und suchen so uns zu überflügeln, zu überragen, zu verdunkeln und ilt den Schatten zu setzen und sich zu bereichern, um ihrer Geldgier und Genußsucht fröhnen zu können. Komme daher und verwünsche mir dieses Volk, geißele öffentlich in Deinen Reden und Vorträgen die Schwächen und Fehler dieses dem krassen Materialismus huldigenden Volkes, vielleicht gelingt es mir dann, es zu besiegen, oder — was die Hauptsache ist — es aus dem Lande zu jagen, weagorschenu min hoorez; denn ich weiß, daß Du allein, vor dem. selbst Könige und Fürsten das Knie beugen, die Macht besitzest,' dieses mir so sehr verhaßte Volk unschädlich zu machen. Ich weiß, wen Du verherrlichst, der erstellt sich auch der allgemeinen Achtung und Verehrung, iven Du aber verwünschest, der ist gerichtet und vernichtet." Bileam aber, der kein Diplomat des 19. oder 20. Jahrhunderts, sondern der biblischen Zeit war, entgegnete dem Balak, nachdem er sich endlich entschlossen hatte, seiner Einladung Folge zu leisten: „No ekauw lau kabbau el. Wie kann ich verwünschen, wenn Gott nicht verwünscht? Ein Volk, das für den Glauben der Völker in solch hohem Maße begeistert ist, daß es alles für den Glauben, nicht aber den Glauben für alles hingibt, kann nicht durch Verwünschungen und Verleumdnngen, nicht durch Verdächtigungen und Verunglimpfungen niedergeschmettert, vollständig vernichtet werden. Ki merausch zurim •erennu. Wenn ich in die Vergangenheit blicke und die Geschichte dieses Volkes studiere, so sehe ich. daß Israel einzig in seiner Art daftehe, uwagaujim lau jischaschow und seinesgleichen unter den Heiden nicht zu finden sei. Während das Heidentum dem Materialismus huldigt, der Genußsucht fröhnt, steht die jüdische Nation groß da, llmflossen vom Scrahlengtanze einer glorreichen Vergangenheit, geschmückt mit der Krone des Märtyrertums, und ein Volk, das für eine große erhabene Idee, für die Gottesidee, für die Gotteslehre, die Thora, nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben bereit ist. ein solches Volk ist unsterblich, unverwüstlich und unzerstörbar. Mi mono afar Jakob. Wer vermag die unverwüstliche Kraft des so oft in deu Staub getretenen Volkes Jakob zu messen? Hornaus nafscki maus jeschorim, könnten auch wir nns mit der Krone des Märtyrertums schmücken, wären auch wir fähig, uns für die erhabene Goltesidee. für den reinen geläuterten Gottesglanben bereitwilligst zu opfern, daun, nsehi ackrisi komaulii, würden auch wir gleich jenen, einer schönen glorreichen Zukunft eutgegeugehen und nicht spurlos ans der Geschichte schwinden." Ilerl'chiedenc §1«chrichteu. Wien (A udie ii z der Söhne Sonnenrhals beim Kaiser.) Die Söhne des verstorbenen Hoffchauspielers Adolf Ritter von Sonnenthal, Paul R. v. S o n n e n r h a l, Dr. Sigmund R. v. Sonne nthal und Felix R. v. Sonnenthal wurden Montag, den 19. d. M. vorm, im Laufe der allgemeinen Audienzen vom Kaiser empfangen, um für die Beileidskundgebnng des Monarchen zu danken. Der älteste der Brüder, Felix Ritrer von Sonnenthal, sprach im Namen der Brüder und seiner Schwester, Fräulein Hermine von Svnnettlhal, die seit dem Leichenbegängnis des Vaters erkrankt und an das Bett gefesselt ist, den Tarik für das Beileid des Kaisers ans. Der Kaiser erwiderte: „Ich wiederhole Ihnen nochmals mein wärmstes Beileid. Es ist mir wirklich sehr nahe gegangen. Ihr Vater war nicht nur der große Künstler, sondern auch ein so braver Mensch." Der Kaiser befragte die Brüder dann nach ihrem Berufe und an den ältesten von ihnen sich wendend, sagte er: „Ich höre. Ihre Schwester ist krank. Der Schlag wird sie wohl am härtesten getroffen haben. Sie war ja immer bei Ihrem Barer." Herr Felix Ritter von Sonnenthal bemerkte hierauf: „Die Arme ist jetzt ganz allein und ihre Brüder sind verheiratet." Als Herr Felix Ritter von Sonnenthal, nach seinem Berufe gefragt, erividerte, er sei Börsensensal, sagte der Kaiser: „Sie haben jetzt wohl sehr aufgeregte Zeiten an der Börse gehabt?" Auf die Antwort: „Gewiß, Majestät! Aber wir waren doch immer voll Friedenszuoersicht". bemerkte der Kaiser: „Ich bin glücklich, daß es io gekommen ist." Mir den Worten: „Ich danke Ihnen sehr", entließ der Kaiser sehr huldvoll die Brüder. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - i s r a e l i r i s ch e U n i o n.) Samstag, den 24. Avril, abends V,8 Uhr, findet tut Restaurant Gurh. 11., Stefaniestraße 13, die XXIV. Generalversammlung der Oesterreictnschisraelirischen Union starr. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Kassaberichr. 4. Wahlen in den Vorstand. 5. Anträge und Interpellationen. 6. Diskussion. Sollte zur festgesetzten Stunde die zur Beschlußfassung notwendige Anzahl von Bereinsmitgliedern nicht erschienen sein, so sinder um ^9 Uhr eine neue Generalversammlung statt, welche laut Bereinsstaruten ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlußfähig ist. Wie». (Bon der W i e n e r „I t o".) Der Zentralverein der jüdisch-terrirorialistischen Organisation „Jro" veranstaltet am Donnerstag, den 29. April, im Saale des Hotels „Post", I.. Fleischmarkt 16, um 8 Uhr abends eine Versammlung, in welcher hauptsächlich die Probleme der jüdischen Emigration zur Diskussion gestellt werden sollen. Auskünfte erteilt das Bureau VI. Schmalzhofgasse 3. Wie». (I ü d i f ch e r Verein „E i n h e i r".) Die versioffenen Feiertage wurden in der Bolksreftanrarion des Vereines. II.. Floßgasse 9, in geivohur festlicher Weise begangen. An den beiden Sederabenden wurden je 125 Personen verköstigt, viele mußreil wegen Raummangels abgewiesen werden. Der Seder wurde von einem gelehrten Herrn in hergebrachter Weise gegeben mit interessanten Erklärungen und Erzählungen gewürzt und die Gesänge in weihevollster Simmung im Chorus absolviert. Alle Teilnehmer und die zahlreichen Freunde des Vereines, die ab und zu gingen, nahmen einen unvergeßlichen Eindruck mir. Während der acht Tage wurden 1600 Mahlzeiten verabreicht: trotz der sehr großen Auslagen waren die Preise mir unwesentlich erhöht. Wir lenken wiederholt die Aufmerksamkeit der wohltätigen Glaubensgenossen auf diese eminent föcdernswerte Anstalt, an deren Obmann, Herrn Bernhard H o f b a n e r, 1., Tuchlauben 20, Zuschriften und Sendungen gefälligst zu richten sind. Wie». Kürzlich fand in Floridsdorf eine Versammlung znm Zwecke der Koustituiernug der Ortsgruppe Wien VII (XXI. Bezirk) des Galizi scheu Hilfsvereines statt, der ungefähr 30 Mitglieder beiwohnten. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Dr. M. R o i e n m a n n. Von der Vereinsleitung waren erschienen die Herren Bankier Hugo Tugend hat und der Sekretär des Hilfsvereines, Magistratssekretär i. R., Herr Dr. Wilhelm L ö w y. Letzterer hielt einen Bortrag über die Ziele und die Tätigkeit des Hilfsvereines, der von den Anwesenden mit Beifall anfgeuommen wurde. In den Vorstand der Ortsgritppe Wien VII wurden folgende Herren gewählt: Dr. M. R o s e n m a n n, Rabbiner,

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