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Die Wahrheit · 1909-04-23 · Heft 16 (23.4.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 16 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8 Die Wabrbeu Nr. 16. wie Leviathan zu einer Mikrobe. Wir sind Nordan auf seinem materialistisch-universalistischen Wege gefolgt und haben gefunden, daß er sich leider sehr,' sehr geirrt hat. Gegen den Schöpfer aus Nichts hat er uns jedenfalls sehr schlecht verteidigt. Wir kommen zum zweiten Teil unserer Behauptung, daß die Furcht, „die Curies sollen in ihrem Laboratorium dem Glauben ein Flammenschwert geschmiedet haben", unbegründet ist. Wenn Zeit und Raum subjektive Formen des Bewußtseins sind, so würde eine Zerstörung der sinnlich wahrnehmbaren Dinge nur soviel beweisen, daß es ein Etwas gibt, ein Ding an sich, das in uns Vorstellungen Hervorrust, die wir nur unter diesen Funktionen auffassen können, und nimmer werden durch diese Annahme die Naturgesetze, die Gesetze der reinen Mathematik, die, wie schon mehrmals betont wurde, Anschauungen a priori sind, ansgehoben; denn der von draußen eindringende Stoff, mag er was immer für eine Qualität sein, von uns kann er nur zeitlich, räumlich und kategorial erfaßt werden, die — was auch ein Materialist einseheu muß — mir der Vernichtung der Qualität nichts zu tun hat. Nur wer noch auf dem Boden des naiven Nealismus steht, wer sich mit Erkenntniskritik nie beschäftigt hat, wer die Naturgesetze statt in das Subjekt, in das Objekt verlegt, kann glauben, daß die Vernichtung der unteilbaren, kleinen Partikelchen die Naturgesetze illusorisch macht. Daß aber die Furcht vor einem zeitlichen Entstehen für denjenigen nicht existiert, dem Zeit und Raum subjektiv-phänomenale Formen sind, ist ielbstverständlich. Etwas mehr Rücksichtnahme ans Kant würde Max Nordan darüber belehrt haben, daß der landläufigen Theologie gegenüber der Materialismus der schwächste Gegner ist. Wenn dieselbe einen Feind zu fürchten hätte, so wäre es der Idealismus, sei er formaler oder materialer Natur. Nordan, dem, wie es scheint,' die Furcht vordem Transzendenten, „die Curies sollen in ihrem Laboratorium dem Glauben ein Flammenschwert geschmiedet haben", den ganzen Artikel diktiert hat, hätte besser getan, seinen Panzer statt aus dem grobmaschigen, aber nichtsdestoweniger der Veruichtbarkeit drirch die theologischen Geschosse ausgesetzten universalistisch-naturalistischen Material, lieber aus dem zwar sehrzarten und weichen, aber feuersichern erkenntuistheoretischen Stoffe zn schmieden. Freilich, gegen die Geschosse der induktiven hypothetischen Theologie, die mit der wahren Metaphysik identisch ist, erweisen sich auch die erkenntnistheoretischen Panzer als unzulänglich; aber an diese hat Nordan gewiß nicht gedacht; er ist durchaus gläubiger Dogmatiker und kennt nur zwei Auswege: Entweder den Großmuttergott oder Gott-Dampf, Gott-Stoff, Gott-Atom. Die Lokomotive wird pfeifen, und der Marconi-Apparat wird funktionieren und die Sonne ebensogut im Osten unsern Augen sichtbar werden, und Eiweiß wird — trotz Emil Fischers Illusionen — noch lange nicht im Laboratorium erzeugt werden, wenn die naturwissenschaftlichen Dogmen von den ausgedehnten kleinen Teilchen, Ewigkeit des Stoffes, Ewigkeit der Kraft usw. schon längst aus den menschlichen Köpfen verschwunden sein werden. Solche naturwissenschaftliche Ueberhebungen müsseit zurückgewiesen werden und wenn sie sogar als notwendige Hypothesen zur Erklärung und Anwendung auf die physikalischen und gemischtet! Erscheinungen unentbehrlich sein sollten. Um wieviel mehr muß man es bedauern, daß Nordan die Naturforscher, welche aus empirischen Gründen sich gezwungen sehen, eine Hypothese fallen zu lassen, auf Grund der materialistischen. dogmatischen Metaphysik daran verhindern will. Das ist die krasseste orthodoxe Theologie, die je getrieben wurde, das ist Dogmatik, das in Deduktion, das ist Scholastik. Wie muß man aber staunen, wenn Nordan seinen gesunden Verstand soweit vergißt und den Naturforschern, welche die Hypothese der Slvffewigkeit aufgebeu zu müssen glauben, den Zuruf entgegenschleudert: Die Naturforscher verfahren deduktiv! Man traut seitien Ohren kaum: Derselbe Mann, der gegen das Falleniassen einer Hypothese zur Erklärung der empirischen Wirklichkeit mit Donnerrufen dazwischentritt, die materialistische Metaphysik geht dadurch zn Grunde, wirst Forschern vom Fach, die sich mit Recht um seine ganze Metaphysik nicht scheren, vor, sie verfahren deduktiv — weil sie, um Erscheinungen des Laboratoriums zu erklären, eine Hypothese aufgeben, die, ebenfallsdie Retorte gezeitigt hat. Wer ist induktiv? Derjenige, welcher von einer vorgefaßten Meinung abweicht, sobald die Tatsachen dagegen sprechen, oder derjenige, welcher die Natur zwingen will, daß sie seiner vor dreißig Jahren eingesogenen Anschauung folge^ Ueberhaupt hat das gar nichts mit dem zu tun, was man unter Weltanschauung versteht. Nordan konfnndiert Physik und- Metaphysik und operiert gegen letztere mit Argumenten der ersteren. Er droht den Forschen ferner mit der Dematerialisiernng, mit dem Mediner Pothe, mit Teller, Crookes. Ist das ein Argument gegen ihre Erklärung der Tatsachen? Eine alte Regel besagt, der Mensch ist am wenigsten das, was er zu sein glaubt. Spinoza nannte feine Philosophie, Ethik, was sie am wenigsten ist usw., ebenso ist Nordan durch und durch Deduktivist, Dogmatiker, materialistischer Metaphysiker, nur verblendet ihn die Furcht vor der landläufigen Theologie, die dem Materialisten eigen ist, von der aber beim Erkenntnistheoretiker keine Spur vorhanden ist, da derselbe genüged geschärfte Pfeile in seinem Köcher besitzt, um sich gegen solche „Freischärler" zu schützen. _ Das Kellen und Wirken der Inden in Oesterreich in vormärftichen Zeiten. Ein Beitrag zur Kulrnr- und Sittengeschichte. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) I. „Süße Sabbathruh", „Natt jediduth“. Ach, wie süß ist deine Ruh, — Sabbath, Königin im Glanze! — Dir wir eilen freudig zu, — Komm, o Braut, geschmückt im Kranze! — Leg' die Prachtgewänder au! — Sieh', die Lampen brennen lichte, — Jedes Tagewerk ist getan — Nichts ich heute mehr verrichte. Chor: Und wir wollen uns ergötzen. Und am Mahl uns ergötzen! Alles steht vom Tag schon her, — Schmackhaft, köstlich zugerichtet, — Wohl besetzt der Tisch nunmehr, — Braten, reichlich aufgeschlichtet, — Leckerbissen jeder Art, — Weine, schäumend in Pokalen, — Nichts gekargt und nichts gespart — Zn den dreien Sabbathmahlen. Chor: Nun, wir wollen rc. rc. Sabbath wird für Jakob fein — Stets ein Erbteil sondergleichen; — Zur Entfernung jeder Pein, — Dient den Armen und Reichen; — Wer den Sabbath treulich hält, — Hat, wie Gottes heil'ger Wille, — Sechs der Tag' das Werk bestellt, — Und am siebenten Freudenfülle. Chor: Nun, wir wollen rc. rc. Die Geschäfte all' bei Seit' — Und das Rechnen und das Zählen! — Sabbath ist die rechte Zeit, — Braut und Bräutigam zn wählen, —- Ans der Kinder Zucht zu feh'n, — Psalmen, gotterfüllt, zu singen, — Auf der Kanzel hoch zn stehn — Und dem Volk ins Herz zn dringen. Chor: Nun, wir wollen rc. rc. Wir ergehen uns bequem — Unter frischer Bäume Schatten; — Dann ein Schläfchen angenehm, — Stärkt die Glieder uns, die matten; — Darum, süße Sabbathruh', — Schlägt mein Herz dir so entgegen; — Darum eilt geschmückt dir zu — Knab' und Mädchen aller Wegen. Chor: Drum wollen wir uns ergötzen rc. rc. Vorgeschmack vom Paradies — Wird zur Sabbathzeit empfunden; — Freud' erlangen, ewigsüß, — Die sich freu'it an Sabbathstunden; — In dem Sturm der Messiaszeit — Werden Freiheit sie erlangen; — Heil ersprießt und Fröhlichkeit, — Kummer flieht und jedes Bangen. Chdr: Drum, wir wollen uns ergötzen Und am Mahl die Seele uns letzen! H. Zur misclielau oclialnu. Chor: Den Hort, der uns gespeiset Von seiner Fülle hat. Ihr Brüder, lobt und preiset, Wir sind ja vollauf satt!

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