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Die Wahrheit · 1909-04-23 · Heft 16 (23.4.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 16 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16. Tie Wahrheit. Seite 7. Berichtsjahres sind zwei weitere Arbeiten zu Ende geführt worden. Dr. Jakob S e g a l l hat eine Untersuchung über „Die jüdische Bevölkerung in München" vollendet, die namentlich deshalb von außerordentlichem Interesse ist, weil sie zum ersten Mal die Verhältnisse der nach-Deutschland ausgewanderten ausländischen Juden erschöpfend behandelt. Die von Norbert W e l d l e r bearbeitete Monographie über „Die Juden in .Ungarn" verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil die amtliche Statistik in Ungarn ein außerordentlich vielseitiges Material bringt, das die Erforschung der Lage der Juden in einem Maße ermöglicht, wie dies kaum in einem andern Lande geschehen kann. Mit der Veröffentlichnng dieser Arbeit wird, abgesehen von einigen kleineren Staaten, wie die Niederlande und die skandinavischen Länder, im großen nnd ganzen das vorhandene Material vom Gesichtspunkt der Statistik der Juden verarbeitet sein. Für das Bureau für Statistik der Inden eröffnen sich nun drei weitere Ausgaben: zunächst sind die neuen statistischen Angaben für die bereits bearbeiteten Länder sortlausend zu sammeln und von Zeit zu Zeit zu veröffentlichen. Hier ist vor allem an eine Neubearbeitung der Juden in Deutschland zu denken, sobald die Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1907 zur Veröffentlichung gelangt sind. Eine zweite, schwierigere Aufgabe besteht darin, statistische Erhebungen in jenen Ländern zu veranstalten, deren amtliche Statistik das Religionsbekenntnis gar nicht oder in ungenügender Weise berücksichtigt, wie Frankreich, England. Belgien, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, sowie in den Ländern, die keine amtliche Statistik, wohl aber eine jüdische Bevölkerung besitzen. Es handelt sich hier um Originalerhebnngen, die natürlich nur unter Aufwendung großer Mittel in Angriff genommen werden können. Au zwei Punkten haben die diesbezüglichen Bemühungen des Vereins eingesetzt. Es schweben Unterhandlungen mit den maßgebenden Körperschaften der Schweiz, um dorr eine eingehende Enquete zur Durchführung zu bringen. Seit längerer Zeit wird ferner eine -Originalerhebung über die jüdische Bevölkerung in Palästina vorbereitet, die zunächst die Unterrichts- und Erziehnngsverhältnisse beleuchten soll. Diese Untersuchung, deren Leitung in den Händen des früheren Leiters des Bureaus. Dr. Arthur Ruppin, liegt, wird jedoch erst dann rüstiger fortschreiten können, wenn finanziell kräftige Organisationen die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen. Eine dritte Aufgabe bildet die Zusammenfassung des bereits gewonnenen Materials für die Zwecke einer Gesamtstatistik der Inden. An diese Arbeit ist das Bureau eben jetzt herangetreten. Es liegt der Plan vor, tabellarische Uebersichten zu schaffen, die die gesamten Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern übersichtlich darstellen und einerseits zur schnellen Orientierung über einzelne Fragen dienen, andererseits Bausteine für die Gesamtstatistik der jüdischen Bevölkerung der Welt bilden sollen. An diese Serie von Arbeiten werden sich, wie schon in früheren Jahren, Monographien über einzelne soziologische Erscheinungen angliederu. So wird z. Z. auf Anregung des Vorsitzenden des Kuratoriums Geh.-Rat Dr. M a r e tz k i, eine Originalerhebnng über die Verhältnisse der arbeitenden jüdischen Mädchen und Frauen in Berlin vorbereitet, die hauptsächlich die Lebeusbedingnngen der in den großen Warenhäusern beschäftigten Frauen und Mädchen beleuchten soll. Ferner werden Monographien über die Verhältnisse großer jüd. Gemeinden, wie Berlin, Frankfurt n. a. vorbereitet. Ein weiteres Betätigungsfeld des Bureaus bildet die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden", die nunmehr im 5. Jahrgang erscheint. Wer die Entwicklung dieser Zeitschrift verfolgt hat, wird zugeben, daß ihr Niveau sich stetig gehoben hat. Das Artikelmaterial hat au Vielseitigkeit, andererseits aber auch an Exaktheit der Bearbeitung zugenommen. Die Tatsache, daß die Zeitschrift von ernsten Fachmännern in ihren Werken öfters angeführt wird, beweist, daß sie sich in der Wissenschaft einen gltten Namen erworben hat. Dasselbe darf wohl auch von dem statistischen Bureau gesagt werden. Nicht nur in jüdischen und wissenschaftlichen Kreisen, sondern auch von Staatsbehörden wird die Bedeutung dieser Institution gewürdigt. In mehreren Fällen haben sich die Staatsbehörden auf die Arbeiten des Bureaus berufen oder direkt an dasselbe gewendet. So hat das königl. Preuß. stat. Laudesamt Anfragen, die bei ihm eingegangen waren, an das Bureau zur Erledigung weiter gegeben. In der von der Hessischen Regierung veröffentlichten Darstellung der letzten Volkszählngsergebnisse wird ans die vom Bureau veranstaltete Erhebung hingewiefen. Mit Rücksicht ans diese, werden in der amtlichen Statistik nur einige Ergebnisse über die Statistik der jüd. Bevölkerung in Hessen mitgeteilt, während im Uibrigen als Ergänzung der amtlichen Publikation, ausdrücklich auf die erwähnte Untersuchung verwiesen wird. Gelegentlich der z. Z. viel besprochenen Finanzprojckte ist dem deutschen Reichstag eine umfangreiche im Reichsschatzamt ausgearbeitele Denkschrift vorgelegt worden. Diese Denkschrift befaßt sich u. a. auch mit den Kirchensteuern und enthält auch Angaben über die jüd. Kultusstenern. Diese Angaben beruhen ausschließlich ans den Veröffenllichnngen des Bureaus, wie aiidi in der Denkschrift hervorgehoben wird. Auch hinsichtlich der Nenorganisierung des Bureaus, die durch das Ausscheiden von Dr. R n p p i n und Dr. T b o n notwendig geworden und bei der geringen Anzahl qualifizierter jüd. Statistiker mir nicht unerheblichen Schwierigkeiten verbunden war, konnte der Vorsitzende erfreuliche Mitteilungen machen. Neben Rechtsanwalt Dr. Blau, der sich schon im vetflosfenen Jahre als Leiter des Bureaus und Herausgeber der Zeitschrift bewährt hat. hat der Verein in Dr. Jakob S e g a l l. der aus dem Stat. Seminar des Prof. v. M a y und ans dem Verein f. Stat. d. Jitden in Bayern hervorgegangen ist. eine entsprechend vorgebildete Kraft für sein Bureau gesunden, iodaß eine wifsenschafllich strenge Fortführung der Arbeiten nun wieder für eine Reibe von Jahren gesichert erscheint. Auch die finanziellen Grundlagen des Bnreans gestatten, wenn sie auch noch lange nicht befriedigend sind, ivenigstens die bestimmte Aussicht, daß die Arbeiten ununterbrochen fortgesetzt werden können. Der Bestand an Mitgliedern ist ziemlich unverändert geblieben, die Zeitschrift dagegen hat neue Abonnenten gefunden. Die Hanptqnelle der Einnahmen des Vereines bilden nach ivie vor die Subventionen jüdischer Organisationen und Gemeinden. Diese erreichen gegenwärtig eine Höbe von zirka ZI. 5000 und sichern neben den Mitgliederbeiträgen und dem Erlös ans den Publikationen das für die Erhaltung des Bureaus unentbehrliche Budget. Wie aus dem Bericht des Schatzmeisters Benno Stern hervorging, betrugen die Einnahmen des Vereines im Jahre 1908/09 M. 7723-99. Alts Grund des Antrages der Revisoren wurde für die finanzielle Gebarung- Techarge erteilt. Tie Hauptversammlung genehmigte die Satzungen für den „Verband für Statistik der Juden", der die zurzeit bestehenden Vereine nmiaßt. Aus den Wahlen gingen das Kuratorium, der Vorstand und die Revisions-Komlnisfion hervor in ihrer bisherigen Zusammensetzung. MalerialiKische Aachziiglrr in der Tages lileratur nnd das Indenlnm. Hinrerlassene Sdmrten, heraus?,egeben doii Dr. I Sinnreich. ^Schluß., Die Methode sieht zwar stark jeiililisch ails und der Zweck heiligt das Mittel, aber darum darf man nicht diesem Weirlokomorivsührer die Vernunft absprechen, wie Napoleon nnd den Jesuiten. Was vom Stoff gilt, muß auch von der Kraft gelten. Aach von dieser ist nur bewiesen, daß in der Erfahrung nur eine Umwandliing der Kräfte konstatiert wird, aber keine Entstehung nnd keine Vernichtung. Dies würde aber einen Schöpfer der Kraft nicht verhindern, sie zu vernichten, oder neue Kraft zu erzeugen. Es ist einfach unglaublich, wie so ein logischer Kopf, wie Max Nordau, es nicht versteht, alle die Sachen auseinander zu halten. Die Unmöglichkeit der Erfindung einer Maschine, die unausgesetzt mechanische Arbeit leistet, ohne die verbrauchte Kraft aus irgendeiner nachweisbaren Quelle zu ersetzen, soll beweisen, daß die Welt ewig ist. daß es keine absolute Intelligenz gibt — Dinge zu einander passen.

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