Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 15 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Simlai 2× ep/1007159
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lUr. 15. Die Wahrheit Seite 9. -ivaren bereits gesammelt und als heilige Offenbarung erklärt worden. Das Dogma von der Dreieinigkeit, welches im Widerspruche zu den Gottesbegriffe des Judentums steht, hatte sich immer deutlicher herausgebildet. Da man aber nach einem Aussprüche der Stifter der Kirche auch das alte Testament als göttliche Offenbarung und als noch zu Recht bestehend anerkennen mußte, so suchten die des Hebräischen unkundigen Christen die Wahrheit der Lehre von der Dreieinigkeit auch aus diesem nachznweisen. Dadurch kam es sehr oft zu religiösen Disputationen zwischen Inden und Christen. Andererseits machten um diese Zeit auch heidnische Philosophen mit dem jüdischen Schrifttnme sich bekannt, um dieses als eine Waffe gegen das sich zu fühlen anfangende und nach -Herrschaft strebende Christentum zu gebrauchen. So verfaßte der heidnische Philosoph Porphirins einen Kommentar zum Buche Daniel, dessen dunklen Inhalt die christlichen Dogmatiker für ihre Lehren am meisten ausbenteten. Die heidnischen Bibelforscher haben in ihrem Kampfe gegen das Christentum ihre Angriffe auch auf die Bibel selbst und das Judentum gerichtet. Christen und Heiden beschäftigten sich also mit der Thora, beide in einer dem Judentnme feindlichen Absicht. Ans dieses die Bekämpfung und die Vernichtung des Judentums zum Zwecke habende Thorastudium der Christen und Heiden bezieht sich nun der Ausspruch R. Jochanans: Ein Nichtjnde, der das israelitische Gesetz studiert, macht sich des Todes schuldig, da er es ja hiebei auf die Zerstörung dieses Gesetzes abgesehen habe. R. Jochanan war zu einem derartigen Ansspruche um so schneller bereit, als ihm jene bewunderungswürdige Gewandtheit und Schlagfertigkeit abging, mit welcher sein Zeitgenosse R. Simlai alle die Beweise widerlegte, welche die mrl ihm polemisierenden Kirchenväter für die Lehre von der Trinität ans der heiligen Schrift zu erbringen suchten. R. Jochanan stand in dieser Beziehung auch seinem halachischen Gegner R. Simon ben Lakisch weit nach. Die rabbinischen Dezisoren nnb halachischen Kodifikatoren haben sich indeß um die geschichtlichen Motive, ans welchen talmndische Anssprüche geflossen, nicht zu kümmern, sobald diese vom Talmud selbst nicht genannt werden und darum hat Maimuni den Ausspruch R. Jochanans als Norm für alle Zeiten ohne jede Einschränkung bingestellt, nur, daß er hinznfügt, daß damit nicht etwa gemeint sei. inan soll einen mit der Thora sich beschäftigenden Heiden, falls man die Macht dazu hat, wirklich töten, sondern nur, daß man ihn ans die Strafwürdigkeit seines Tuns aufmerksam mache und ihn womöglich davon abznhalten suche. Wird aber jemand fragen, welchen .praktischen Wert hat denn ein die Nichtjnden belreffeirdes Verbot in einem jüdischen Religionskodex? Diejenigen Nichtjnden. welche biblische Studien treiben, werden gewiß nicht erst ansragen, ob ihnen das nach jüdischer Satzung erlaubt sei? Das ist nun allerdings ganz richtig! Und so lange die verschiedenen europäischen Unterrichtsminister ihre Erlässe und Verordnungen nicht ans -Grundlage von Maimnnis Kodifikationen heransgeben werden, werden auch die Nichtjnden sich itngestört dem Studium des ganzen jüdischen Gesetzes, der Bibel und des Talmuds, und nicht bloß der sieben noachidischen Gebote, hingeben können; das genannte Verbot hat aber nichtsdestoweniger praktische Konsequenzen, nur betreffen diese nicht die Nichtjnden, sondern die Inden selbst. Wenn nämlich einem Nichtjnden das Gesetzesflndium nicht gestattet ist, so darf ein Jude ihm dabei nicht behilflich sein, weil man keinem Gesetzesüberneter Vorschub leisten darf, auch dann nicht, wenn dieser selbst gar nicht weiß, daß das, was er tue, verboten sei. In dem Falle übertrete man das Verbot: „Vor einen Blinden sollst dn keinen Anstoß legen." In der Tat bemerkt R. Ami, ein Schüler R. Jochanans, ausdrücklich •'-irwb n-nn '»nm p-ioia pK man dürfe einen Nichtjnden in der Thora nicht unterrichten. Nach unserer Ansfassnng haben sowohl R. Jochanan als auch R. Ami dabei mir jene Nichtjnden im Auge gehabt, die die Thora nur zu dem Zwecke studierten, um aus derselben sich Waffen zur Bekämpfung des Judentums zu holen. Und obgleich solche Waffen nur dann in derselben zu finden waren, wenn matt lächerliche Deuteleien, Entstellungen imd Verdrehungen, 'Wort- und Satzverkrümmungen zu Hilfe nahm, so war in der damaligen Zeit, wo auch ans jüdischer Seite die agadische Deutung den einfachen Wortsinn sehr oft in sein Gegenteil verwandelte, eine aus solche Weise zustandegekommene Beweisführung nicht ganz gefahrlos für das Judentum. Denn nicht einmal alle Amoraim verbanden, wie R. Simlai, mit der Kenntnis der heiligen Schrift eine nüchterne Auslegungsweise und eine gesunde Exegese, infolge deren sie imstande gewesen wären, die Fehler und Gebrechen der nichtjüdischen Auslegung sofort zu erkennen und bloßznlegen, was dann erst die unwissende Menge, die, nach dem Geschmacke der Zeit, an hohlen, unsinnigen Denteleieien Gefallen fand. R. Jochanans und R. Amis Aussprüche sind daher zu ihrer Zeit und unter den damaligen Verhältnissen ganz am Platze gewesen. Was für Sinn hätte es aber z. B. in unserer Zeit, wo durch hohle Deuteleien sich niemand mehr täuschen läßt, und gerade diejenigen Christen, die die Bibel im Urtexte verstehen, am meisten davon überzeugt sind, daß das alte Testament über die christlichen Dogmen nichts enthalte, einen Nichtjnden in der Thora nicht zu unterrichten? Doch bevor wir zu unserer Zeit übergehen, wollen wir noch einige Rückblicke in die Vergangenheit werfen. «Schluß wlgr.) 11 erlist iednie Jlitrijvuljteu. Wien Knapp vor Schluß des Blattes eriialteit wir die Nachricht, daß Dr. Friedrich E l b o g e u tu der Nacht von gestern auf deute in einem diesigen Sanatorium an einer schweren Rippenfellentzündung im 55. Lebensjahre gestorben ist. DaS unerwartete Hiiiiche:deu dieses glanzenden Verteidigers, der bekanntlich auch daS Majestätsgefnch für den unglücklichen Hülsner überreicht hat, wird allgemeine Teilnahme erwecken. Der Heimgegangene war auch vielfach ichrisrstellerisch rarig, und in früheren Jahren sind auch in unserem Platte einige Artikel von ihm veröffentlicht worden. Wien. (Rabbinerwahl.) Ter Borstand des „J>r. Tempel- und Schnlveremes", VI., Stnmpergaffe. dessen Rabbiner, Ehrw. Dr. S. Nil bin, einer Bernfniig ans die Lehrkanzel deS fel. Lektors Friedmann Folge gab, wählte mit Stimmeneinhelligkeit den Sechshanier Rabbiner. Ehrwürden A. F ü r ft, auch zu seinem Rabbiner. Herr Rabbiner Fürst wird nunmehr an beiden Synagogen amtieren. Wien. Für die am 4. April im Wiener Bürgerrheaicr zum Besten des Banfonds für den Kaisern Jnbiläumsrempel Wieden-Margarethen veranstaltete Theatervorstellung hat der Schriftführer des Teinvelvereines. Herr Franz Frankl, ein Festspiel: „Drei Stufen", geschrieben. Es nt eine schwierige Aufgabe, die sich der Verfasser gestellt hatte, die hohe Wichtigkeit und den ethischen Wert der Förderung nnd Erhaltung des Gotteshauses und des Gottesdienstes zu erweisen. Daß ihm diese Aufgabe glänzend gelungen, bewies die lautlose Spannung, mit welcher das den besten jüdischen Kreisen Wiens angehörende Publikum, welches das vollbesetzte Hans in allen Räumen füllte, dem in klaren Jamben verfaßten Festspiele folgte und am Schlüsse mit nicht enden wollendem Beifall lohnte. In.dem Festspiele ist kurz und bündig alles gesagt, um die Bedeutung deS „Usseschuwo, Ussefillo, Uzedoko", diese drei Stufen zu den Pforten des wahren Gotteshauses, klarznmachen, daß nicht das Gebet als solches, sondern die durch das Gebet ansgelösten Gefühle für Wohltnii, Barmherzigkeit und Nächstenliebe die hohe Ethik des jüdischen Glaubens begründen, in deren Pflege und Förderung die Erhaltung des JndeiltnmS zur Erfüllung feiner göttlichen Miision liegt. Die Rolle des Rabbiners fand in unserem Glaubensgenossen, dem Künstler Dr. phil. Stefan D a r n a n des Bürgercheaters einen geradezu idealen Interpreten, welcher die Verse mir hinreißender Beredsamkeit und einer Herzenswärme sprach, die es die Zuhörer vergessen ließ, daß sie im Theater und nicht vor der Kanzel eines idealen .Kanzelredners dem GotteSworte lauschten. Auch die Rolle des Reichmann, des Mannes, welcher für Tempelbauspenden zu gewinnen war und welche durch Herrn Regisseur R ü t h l i n g in durchaus vornehmer Weife zur Geltung kam, Härte viel größeren Erfolg erzielt, wenn die Auffassung in der Person und Maske, entsprechend der Absicht des Dichters, eine richtige gewesen wäre. Dem Dichter schwebte ein wohlhabender, kräftiger Mann im besten Mannesalter vor, während Herr Rüchling einen hochbetagren GreiS gab. der sich wohl sehr schwer zu dem geplanten Werke des Sammelns bei seinen Glanbensbrüderu, die in der Großstadt doch zumeist drei- und vierfach „verstockt" wohnen, eigner. Unter den Anwesenden bemerkten wir: den Präsidenten der Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern, die Vorsteher Steiner, kaiserl. Rat Wilhelm P o l l a k. Carl L e m b e r g e r, Ignatz Klei n, die Vorsteher der Tempelvereine Dr. Jakob Engel. Hermann E l t b o g e n, Adolf § o i m a n ti, Architekt Mode r n, Josef Mictle r. Gustav Marburg, Ignatz T a n s s i k. S ch i d r o w i tz. die kaiserl. Räte I. F e i t l e r. S t e i n h ü b l. Pan! L e in b e r g e r. Greiuial-Räte Bernhardt. Drey, Kommerzialräte W e l l i i ch, Baß, M. H a ck e r. Bvrserat Hermann Beer. Präsident B r o d, Fabrikant Henry Hirsch, Baurdirekror Popper, Professor S : m o n, Baumeister G i e s k a n n, Bezirksarzr Dr. M. Steiner und eine Fülle reizender Frauen und Tochter. Dem Dichter wurden am Schlüsse der Vorstellung prächtige