Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 15 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15. Die Wahrheit. Seite 7. worstande nur wenige Jahre angehört, hat aber in der kurzen .Zeit eine lebhafte Tätigkeit für das Interesse unserer Gemeinde bekundet, sich dem Dienste derselben mit unermüdlichen Eifer gewidmet. Die Richtung, welche er vertrat, war nicht die des Gesamtvorstandes oder dessen weitüberragender Majorität, aber seine liebenswürdige Persönlichkeit, die ehrliche Ueberzengungstrene, der Enthusiasmus, mit welchem er seine Meinungen 511111 Ausdrucke brachte, all dies gewann ihm unsere Herzen, so baß ich wohl sagen kann, daß er in unserem Vorstände nur Freunde hatte. Entsprechend seinem Berufe war seine Tätigkeit insbesondere in unserem Baukomitee, sowie überhaupt in allen technischen Angelegenheiten unserer Gemeinde von großem Werte und so hat er auch im Aufträge des Vorstandes den Ban einer rituellen Anstalt, über welche er Jahre hindurch die eingehendsten Studien machte, begonnen und geführt; leider nicht zu -Ende geführt. Aber welches Interesse er dem Werke entgegenbrachte, bezeugt der vorliegende Brief, der sich damit beschäftigt, den er noch am Tage seines Todes an den Vorstand richtete. Wir alle, alle werden dem tüchtigen, vortresilichen Manne ein treues Andenken bewahren." Das Leichenbegängnis Oskar Marmoreks fand Freitag, den 9. April 72 11 Uhr vormittags unter überaus großer Teilnahme am Zemralfriedhose statt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Prüsideiiten der Kultusgemeiude Dr. Alfred Ster n, den I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K 0 h n, die Kultnsvorsteher Dr. Spitzer. Pros. Dr. Ehrmann, Pros. Dr. Pollak, Wilhelm Kassner, kaiserl. Rat Kanders, kaiserl. Rat Weil, Horner, Schramek, Komm.-Rat Simon, S. Steiner, Abgeordneter Mahler, Vorsteher Kann von der „Ckewra Kadiscka", die Bethansvorsteher Kohn, Lemberger und Wasservogel, Vertreter der zionistischen Organisation und zahlreiche Freunde des Verblichenen. Nachdem Oberkantor Don Fuchs das Hazur tomim in ergreifender Weise vorgetragen hatte, svrach Oberrabbiner Güdemaun das Menucko neckauno und schilderte mit bewegten Worten das Lebensbild des Verblichenen. Hieraus trat der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern an die Bahre und hielt dem Heimgegangenen Vorstandsmitgliede folgenden Nachruf: „Teurer, lieber Freund! Es sind lange Jahre her, daß unter der Jndenschast eine neue politische Bewegung entstand. Einer ihrer feurigsten Adepten war der Dahingeschiedene. Wir waren in unseren Meinnngen Gegner; aber die nrbane Form, die ihm eigen war. in der Liebenswürdigkeit einer edlen Seele ihre Quelle hatte und in welcher er seine Ueberzeugnngen stets°zum Ausdrucke zu bringen wußte, die jugendliche, von Begeisterung getragene Ueberzeugungslreue, die man sofort erkennen mußte, waren es, welche die zwischen uns bestandenen Meinungsgegensätze überbrückten, so daß unsere Freundschaft durchaus keinen Abbruch erlitt. Indem ich hier unser gegenseitiges Verhältnis bezeichne, entwerfe ich zugleich das Bild des Verhältnisses, wie es im Knltusvorstande bestand, dem der Entschlafene in den letzten Jahren angehörte. Er hat durch seine Tätigkeit und Tüchtigkeit, durch seinen unermüdlichen Fleiß, durch die stete liebevolle Aufmerksamkeit, welche er den Angelegenheiten der Gemeinde entgegevbrachte. sich um dieselbe große Verdienste erworben, die Anerkennung des Vorstandes und die Freundschaft seiner sämtlichen Mitglieder errungen. Sein liebenswürdiges Wesen, sein Feuereifer, die ehrliche Ueberzengnng, die ans jedem seiner Worte sprach und der er bis an sein Lebensende treu blieb, verschafften ihm das Ohr des Hauses, brachten es zustande, daß feinen Aeußeruugen mit voller Aufmerksamkeit gelauscht wurde und erzielten auch manche Erfolge nach der Richtung, welche er vertrat. Er erfreute sich des vollsten Vertrauens; man schätzte seine vollste Uneigennützigkeit und so gab er sich noch in letzter Zeit die redlichste Mühe, um eine für unsere Gemeinde höchst wichtige Institution zu schaffen, deren Ban er auch begann, aber nunmehr leider nicht vollendet, mit welcher aber der Name Oskar Marino rek stets zn dauerndem Gedenken verknüpft sein wird. Dieser seiner Sorge um die im Ban begriffene Institution .galt auch ein Schriftstück, welches er am Tage seines Todes mnsfertigte und nach seinem Tode in meine Hände gelangte. Lebe wohl, lieber teurer Freund! Dein Andenken . wird gesegnet sein." Am Grabe sprachen Med. Dr. Schnürer namens des großen zionistischen Aktionskomitees, Redakteur Bernhard Münz namens eines Freundeskreises und Herr Kremeuetzky namens des engeren zionistischen Aktionskomitees. Unter den ernsten Klängen der üblichen Tranergesänge wurden dann die sterblichen Reste Oskar Marmoreks zur ewigen Ruhe gebettet. Materialistische Uachftigler in der Tageslilerainr und das Indenlnm. Hinterlassene Schriften, herausgegeben von Dr. I. Sinnreich. (Fortsetzung.) Das ist die objektive Behandlung rein physikalischer Fragen von Seiten Nordan's. Man merke: die große Aufmerksamkeit, welche man in Fachkreisen der Radiumentdecknng widmete, ist nur eine Schadenfreude über die Niederlage der Wissenschaft. Die Unwissenheit, die sich mit den Fachkreisen identifiziert, beschäftigt sich mit dem Radium, um an der vernünftigen Natnrerkenntnis Revanche nehmen zu können. Die Theorien, welche die „schulgeaichten" Physiker zur Erklärung der Nadinmswirkungen ausgestellt haben, sind nur die Ausgeburten „wilden Aberglaubens", unsinniger Phantastik, welche in ihren „schnlgeaichten" Hirnen spucken, nur, daß sie bis nun vom hellen Lichte der schul» geaichten Naturlehre in die verborgensten Winkel ihres schutgeaichlen Traumbewnßtseins znrückgeschencln wurden. Daß die Argumente gegen die Zersetzung des Stoffes treffend und schlagend sind, wer kann es leugnen? Wie kann mail solchen niederschmetternden Beweisen von „Schadenfreude". Jubel über die Niederlage der Wissenschaft, „wilder Aberglaube", „llnsinnige Phantastik", „qualmige Hirne", „schnlgeaichte Natnrlehre" usw. ividerstehen? Nur an der logischen Konsequenz hat mari ireilich etwas auszusetzen. Der Laie Nordaii belehrt die umvissenden, wild abergläubischen, unsinnigen, phantastischen, hirnqnalmigen, schulgeaichteu Physiker, daß sie an der schnlgeaichteli Naturlehre, die er dilrch diese qualmigen, unsinnig-phailtastischen Gehirne kennt, gegen die schulgeaichteu Physiker festhalteu sollen ('?). Oder soll man Nordau alles entschuldigen, weil man ans dieser Einleilnng, die so gut von La Mettrie geschrieben sein konnte, ersehen kann, daß er sich seit 30 Jahren nicht sonderlich mir Philosophie und Logik abgegeben hat? Es ist eigentlich schwer zu sagen, was man hier bewundern oder entschuldigeli soll, die Naivität oder die Arroganz, oder die ans beiden znsammengepaarte Inkonsequenz. Dem sei. wie es wolle, wir müssen uns dem nellen Dekalog znwenden. Kaum haben die ans allen Schlünden senerspeienden Kanonen ihre verheerenden Wirkungen getan, und die „schulgeaichren" Köpfe der Physiker durchlöchert, da beginnt die neue Nordanftche Offenbarung gerade so wie die alte Sinaitische sich durch Blitz und Donner anznkünden. Hört Ihr Menschenkinder und zittert, hört Ihr wildaberglüubischen, unsinnig phantastischen, hirnqnalmigen Physiker, was die schnlgeaichle Physik verkündet: „Der Stoff ist uuzerstörbar und darum ewig, oder ewig und darum unzerstörbar. Die Menge der Kraft ist im Weltall unveränderlich. Hört Ihr schulgeaichteu Lümmel: „Das sind Axiome, welche die Grundlage unserer Weltanschauung bilden." Das müßt Ihr dreimal täglich wiederholen. — Was murmelst du alter Königsberger Zopf, von einem Unterschied zwischen Ersahrnngs- und aprioriftischen Urteilen? Was plauderst du mit deinem zahnlosen Munde, daß die Erfahrung ans Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit keinen Anspruch machen kann? Du hast weder Carl Vogt noch Moleschott gelesen. Du weißt gar nichts, was vor fünfzig Jahren in Deutschland vorging. Trotte dich nach China fort, wohin du gehörst, oder schneide dir als Europäer die Zöpfe ab und schwöre aus die Worte des Arztes Büchner, wie es der Arzt Max Nordau tut. Doch wir wollen nicht Nordau Gleiches mit Gleichem vergelten, wir wollen seine Parodien unter die Lupe des Ernstes bringen. Nordau schreibt weiter: „Sie (die Axiome) werden auch von jenen nicht erschüttert, die der Annahme des Stoffes