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Die Wahrheit · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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eeite 10. Die aiSubrüeu '.'ir. 14. Wien. Der für den 27. April a. c. nach Wien einberusene Bundestag der österreichischen Kultnsgemeinden ist um eine Woche verschoben worden und wird erst Dienstag, den 4. Mai abgehalten werden. Wien. Herr Alois K u l k a, der bekanntlich seit der Gründung unseres Blatres verantwortlicher Redakteur desselben ist. wurde dieser Tage von Sr. Majestät König G u st a v Y. von Schweden zum Ritter II. Klasse des königl. schwedischen Wasa-Ordens ernannt. Der am Wiener Hofe akkreditierte a. o. Gesandte und bevollmächtigte Minister Joachim Freiherr von Beck - Friis überreichte ihm persönlich die Jnsigilien dieses Ordens mit nachfolgendem Glückwunschschreiben: „Sehr geehrter Herr Kulka! Nachdem Se. Majestät der König Gustav Y. geruht haben. Sie zum Ritter II. Klasse des königl. schwedischen Wasa-Ordens zn ernennen, habe ich das Vergnügen. Ihnen, Herr Ritter, die Insignien dieses Ordens nebst meinen herzlichsten Glückwünschen zu übersenden. Wien. 26. März 1909. (gez.) Baron Beck-Friis, königl. schwedischer Gesandter. Wien. (Aktionskomitee sür den Tempelbau der Bezirke Wieden-Margarethe n.) Sonntag, den 4. April d. I.. l/a3 Uhr nachmittags, findet im Wiener Bürgertheater zum Besten des Bausandes sür den Kaiser-Jubiläums-Tempel der Bezirke Wieden-Margarethen eine Festvorstellung statt. Zur Aufführung gelangen: „Drei Stufen", Festspiel von Franz Frankl; hierauf: „Das Heiratsnest", Lustspiel in drei Akten, von Gustav Davis. Der Verkauf der noch vorrätigeil Karten findet beim Schriftführer, Herrn Franz Frankl. Y/2, Schönbrunnerstraße Nr. 125 (.Telephon Nr. 3885), tagsüber statt. Schriftlich oder telephonisch bestellte Karten werden bereitwilligst zugesandt. Wien. (Verein der Sabbathfreunde sLosioiurk- Lesiadbosj, II., Kleine Schiffgasse 10.) Der Verein Plaut die Herausgabe eines nach Branchen geordneten vollständigen Verzeichnisses aller Industrie-, Handels- und Gewerbeunteriiehmungen, Agentnren, Bureaus und selbst der kieinsten Werkstätten, dereil Betriebe am Sabbath ruhen. Wir verlangen von unseren Freunden die Bekauutgabe ihrer eigenen genauen Adressen und bitteil sie auch, uns durch Ansührnng von Namen ihrer hier in Betracht kommenden Geschäftsfreunde und Gesinnnngsgenossen die Arbeit zu erleichtern. Wien. Sonntag, den 4. April, um 3 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale der Synagoge, II., Leopoldsgasse 29, die ord-entliche Generalversammlung des israel. Wohltätigkeits- und Krankenunterstützuiigsvereines ..Mazmiach Jesclma“ statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Ausschusses. 2. Bericht der Rechnungsrevisoren. 3. Wahl von a ch r Ausschussmitgliedern und drei Rechnungsrevisoren. 4. Antrag wegen Ernennung eines Ehrenmitgliedes. 5. Eventualien. Wien. Sonntag, den 18. April, 2 Uhr nachmittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasfe die Trauung des Fräuleins Klara M enfe s. Tochter des Herrn Kantor Menkes vom Stadttempel, mit Herrn Max G o l z m a n n statt. Dux. Am 4. April 1909 findet die zweite ordentliche Generalversammlung des hiesigen Tempelbauvereines statt. Der Verein zählte im Berichtsjahre 68 ordentliche Mitglieder. Diese Zahl entspricht'jedoch nicht ganz der Zahl der hier wohnhaften und an dem Bau eines Tempels in hiesiger Stadt interessierten jüdischen Familien, und es ist höchst bedauerlich, das; manche Gemcindeangehörige bei uns noch außerhalb des Vereines stehen und die Notwendigkeit eines Tempelbaues, bezw. des Bestandes eines dieses Ziel ernstlich anstrebenden Vereines, noch nicht erkannt haben. Die Eingänge im abgelaufenen Vereinsjahre standen so ziemlich auf der Höhe der Erwartungen. Der Vorstand setzte seine ganze Kraft ein, um die materielle Unterstützung auch auswärtiger Glaubensgenossen zu erreichen und muß ich an dieser Stelle das besondere Bestreben der die Geschäfte des Vereines führenden Vorstandskollegen, der Herren J. U. Dr. Gustav Weis als Obmanu und Terracottafabrikaut Moritz P o l l a k als Kassier, rühmend hervorheben. Die Propaganda für den Verein wurde eifrigst betrieben. Gesuche an hervorragende Persönlichkeiten, Kultusgemeinden und Private (womit schon im ersten Vereiusjahre eingesetzt wurde) wurden ausgeschickt. Sammelstellen bei Mitgliedern hier und der Umgebung, sowie Tempelsvenden halfen den Fond vergrößern. Weiters soll hervorgehoben werden, daß in Ausführung eines im Vorjahre gefaßten Generalversammluugsbeschlusses unser, den Verein stets eifrigst fördernder Tempelvorsteher Herr M. Freud, in Begleitung des Schriftführers Herrn M. M a n d l, im Mai 1908 nach Wien reiste, um die bei dortigen Persönlichkeiten hinterlegten Gesuche durch persönliche Vorstellung zu unterstützen. Als größte Spende, die dem Vereine von Wien aus zugemittelt wurde, seien hier 100 X (seitens der Herren Brüder G u t t m a n u) dankend erwähnt. Dieser Aktion schloß sich eine zweite au. Die Herren Dr. Weis und M. P o l l a k sprachen in Aussig vor und die Spende von 200 X des Herrn I. Petschek reiht sich einem früheren Gründerbeitrag des Herrn E. W e i n m a n n würdig an. — Bedauerlich ist es, daß die Justitutiou der Vortragsabende im vergangene» Herbste nicht wieder zur Geltung kam; es ist dies das geeignetste Mittel zur Hebung des geistigen Niveaus und des jüdischen Selbstbewußtseins. — Der Vorstand hat, nue aus diesen Ausführungen geuügeud dargetan ist, nichts unterlassen, um um'ern Verein seinem hehren Ziele näher zu bringen. Doch kann dieser unmöglich dieses Werk allein bewerkstelligen, dazu muß jeder Einzelne Bausteine herbeitrageu helfen, getreu der Devise: „Mit Ehren sei an die gedacht, die einen Stein, auch noch so klein, zum Bau des Tempels dargebracht." Jeder muß bei sich darbieteuden Gelegenheiten die Jnterefien des Vereines unterstützen — und es wird, wenn auch langsam, die segensreiche Wirksamkeit unseres Vereines und die endliche Erreichung seines Zieles für jedes einzelne Mitglied von Segen sein. 21. 21. Nagy-Kauizsa. Auf Anregung des Talniud-Thora-Vorstaudes, Herrn Oberrabbiner Dr. Ede N e u m a n n und Herrn Moritz H a l p h e n, ist unter Leitung des Lehrers Herrn Armin Doma n y, Profeffor an der hiesigen Handelsschule, von den Talmud-Thora-Schülern im Laufe des- Wintersemesters der zweite Vortragsabend am 26. März im großen'Saale des Kasinos abgehalten worden. Dem Programme gemäß deklamierte: 1. Jenö Kertesz, Schüler der Handelsschule, „Jakobs Abschied", Gedicht von I. Satai. 2. Vortrag: „Die Bibel und der Sozialismus", vom Gymnasialschüler Josef S o mm e r. (Selbständige Arbeit.) 3. Deklamation: „Nebuzaradan", von I. Patai, der^ Gymuasiaischüler Miksa Steiner. 4. „Ueber Juda Halewi". der Gymnasialschüler Geza Kalmar. (Selbstständige Arbeit.) 5.—6. Musikpiscen: „Legende", von Lewandowsky, und „Motive jüdischer Melodien", auf der Violine vorgetragen vom Handelsschüler Isidor Hahn. Die zahlreich erschienenen Gäste akklamierten lebhafl die mit Interesse angehörten und seitens der Schüler mit wahrer Begeisterung ausgeführten Vorträge. Schade, daß Worte der Einleitung und des Schlusses, die bei den geistigen Fähigkeiten der Schüler leicht ausführbar gewesen wären, bei dieser, die Erwärmung der Jugend fürs Judentum besonders fördernden Leistungen, gefehlt haben. G. Hamburg. (H a m b u r g - A m e r i k a - L i n i e.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Pasfagierdampern finden statt: Nach N e w y o r k: Die Postdampfer President Grant 4./4., Kaiserin Auguste Victoria 8./4., Pennsylvania 11./4., Schnellpostdampfer Deutschland 15./4., die Postdampfer" President Lincoln 18./4., Blücher 25./4., Amerika 29./4. Nach B o st o n : Die Postdampfer Pisa 4,/4., Bosnia 20./4. Nach Baltimore: Die Postdampfer Pisa 4./4., Bosnia 20./4. Nach Philadelphia: Postdampfer Barcelona 10./4. Nach Neworleaus: Postdampscr Hoerde 15./4. Nach C a u a d a: Postdampfer Willehad 2./4. Nack W e st i n d i e n : Die Postdampfer Sachsenwald 5./4., Bolivia 6./4., Niederwald 15./4., Sardinia 22./4. Nach Mexiko: Die Pvstdampser Kronprinzessin Cecilie 14./4., Westerwald 18./4., Allemania 28.4. Nach Ostasie n: Die Postdampfer : Sithonia 6./4., Jstria 10./4., Brasilia 20./4., Segovia 30./4. Nach Wladiwostok: Die Postdampfcr Harlech 5./4., Jnveran 24./4. Arabisch-Persischer D i e n st: Postdampfer Hispcnuu 21.ß. Literatur. Lessings Werke Auf Grund der Hempelscheu Ausgabe neu herausgegeben von Julius P e t e r s e n, in Verbindung mit F. Budde, W. O e h l k e, W. O l s h a u s e n, W. R i e z l e r und E. S t e m pl i n g e r. Answahl in sechs Teilen. Goldene Klassiker-Bibliothek. Deutsches Verlagshaus Bong & Ko. Lessin g, der den weitaus größten Teil seiner Schriften von vornherein für Gelehrte berechnet har. ist, wie kaum ein zweiter unserer Großen, auf eine verständige Auswahl seiner Werke angewiesen. Unter den vielen derartigen Versuchen verdient die oben angezeigte Ausgabe wegen ihrer äußeren und inneren Eigenschaften entschieden den Vorzug. Sie ist im Rahmen der Goldenen Klassiker-Bibliothek erschienen, die sich trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits allgemeine Wertschätzung erworben hat. Wie alle Auroren dieser Sammlung zeichnet sich auch ihr Lessing durch guten Druck, stattliches Format, holzfreies Papier und gediegenen Einband aus. Reichliche Register und alphabetische Verzeichnisse, streng durchgeführte Zeilen- und Verszählnng, vollendet reproduzierte Porträts und Handschriftproben erhöhen den äußeren Wert nicht unbeträchtlich. Man kann getrost behaupten, daß zn einem so geringen Preise, wie er für diese Ausgabe festgesetzt ist, eine so vorzüglich ausgestattete Ausgabe bisher nirgends zu haben war. Die Auslese, auf die sich die Herausgeber geeinigt haben, umfaßt zunächst selbstverständlich diejenigen Werke, die ein für allemal zum festen Bestände unserer klassischen Literatur gehören, nämlich die drei Meisterdramen, „Laokon" und die „Hamburgische Dramaturgie". Dazu kommt die Reihe der bekannteren Werke: die Gedichte und Fabeln, „Miß Sara Sampson" und „Philotas" sowie sämtliche Jugenddramen, ferner die Literaturbriefe und endlich, als seltene aber dankenswerte Beigabe, die Gespräche für Freimaurer und die Erziehung des Menschengeschlechts. In dieser Auswahl dürfte alles beisanimen stehen, was von Lessings Werken heute noch wirklich lebendig ist, und auf dessen Kenntnis sich der Gebildete beschränken darf. Eine solche Beschränkung ist umsomehr gerechtfertigt, als in dieser Ausgabe, tiach den Prinzipien der goldenen Klassiker- Bibliothek, dem Leser ein ausgezeichneter Kommentar zu Hilfe kommt, unter dessen Leitung er sich leicht und gründlich in Lessing und feine Zeit einzulesen vermag. Mit besonderer Freude wird man das Namenregister' begrüßen, das in alphabetischer Ordnung von jeder in den Schriften genannten Person kurze biographische Rechenschaft gibt und die Stellen, an denen sie im Texte vorkommt, verzeichnet. Dieses Hilfsmittel wird sich nicht nur für Lessings Schriften selbst, sondern auch sonst bei Lektüre oder Arbeiten über jene Zeit als höchst brauchbar erweisen. Der Text der Ausgabe, die sich auf die bekannte Hempelsche stützt, hat völlig neu hergestellt werden müssen. Die Schwierigkeiten, die es gerade bei Lessing hierin z. B. auch bezüglich der Orthographie zu bewältigen galt, wird jeder Kenner zu würdigen wissen. Wie wir hören, ist eine vollständige Edition, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen soll, in Vorbereitung. Zu den zahlreichen Bearbeitern ist auch Geh. Rgg.-Rat Schöne in Kiel, einer der Mitherausgeber der" alten Hempelscheu Lessing-Ausgabe wieder gewonnen worden. Inzwischen bildet die vorliegende Änswahl eine würdige Ehrung des Dichters und kann jedem'Gebildeten, vor allem Lehrern, Studenten und Schülern aufs wärniste empfohlen werden. Infolge der Pefsachfeiertage erscheint dio nächste Nummer Freitag, den 1«. April.

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