Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063469-3063483--06008-3072975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Wahrheit. Seite 11. Nr. 14. Eine gebildete Iran. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) Wir haben ein groß Quartier und Platz genug, und die Margaret und der Poldi freuen sich schon auf Dich; also schau, daß Du kömmst, und schreib' uns zuvor, so werden wir das -Gastzimmer für Dich in Ordnung haben und werden Dich im Bahnhof erwarten. Von der Liechtensteinstraß' am Alsergrund is eh' nit weit zum Franz Josefs-Bahnhof. Also schreib' sicher. Verzeih' mir mein schlechtes Beschreib; weißt, ich bin kein G'studierter und kann besser mit dem Hobel und mit der Säg' nmgeh'n, als mit der Feder. Also, leb' wohl! Und glückliche Reise wünscht Dir Dein lieber und treuer Vetter Wien, 18. Juni 1873. Anton Barra. Achtes Kapitel. In jenem kleinen Städtchen, woselbst unsere Bekannten, die Familie Fischer und die Lehrerin Barta mit ihrem Pflegekinde lebten, waren die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Gundel hatte sich im Verkehr mir ihrer geliebten Pflegetochter geradezu verjüngt' etwaige altjüngferliche Schrullen hatte sie nach mit» nach abgestreift und spielte sich ans eine ganz würdige Gardedame ans. welche bestrebt war. nicht nur das ihr anvertraute Kind körperlich zu pflegen und dessen Geist sorgfältig auszubilden, sondern auch dem Heranwachsenden Mädchen alle jene Vergnügungen Zugänglich zu machen, welche der Aufenthalt auf dem Lande darbot. Liefet war ein schmuckes Mädchen geworden, und gar mancher heiratsfähige junge Mann im Städtchen blickte sehnsüchtig die schöne Elise Barta an — ihr Familienname war, seit sie die Schule verlassen, immer mehr und mehr in Vergessenheit geraten. — Aber Elise lachte nur, wenn ein junger Mann sich ihr näherte; sie dachte nicht au's Heiraten, es war ihr gar zu wohl bei ihrer lieben, guten Tante und in der Nähe der ihr nicht minder lieben Frau Fischer. Sie pflegte scherzend zu sagen, für eine Mutter, die sie verloren, habe ihr der liebe Gott sogar zwei gegeben, Tante Gundel und Frau Rösl. Guudel hatte sich ernstlich mit der Absicht getragen, das Kind in aller Form 311 adoptieren und sich von ihm „Mutter" nennen zu lassen. Aber Rösl Fischer hatte ihr davon abgeratensie meinte, es passe für ihre Stellung als Lehrerin nicht recht, daß sie, ein Fräulein, von einem Kinde „Mutter" genannt werde, und Gundel gab der Freundin, wie öfters wohl. Recht. > Es war aber trotzdem eine mütterliche Liebe, welche sie der Waise zuwendete, welche ihr auch wahrhaft kindlich ergeben war. Mit innerer Freude und geheimem Stolze sah Gundel ihr Pflegekind sich zu immer höherer Schönheit entfalten. Hatte sie selber ja einstmals so viel und so schwerunter dem Mangel jedes äußeren Reizes gelitten, war ja ihre unansehnliche Gestalt die einzige Ursache gewesen, daß ihre treue, opfermütige Liebe verschmäht, daß sie zu einem traurigen, einsamen Leben verdammt wurde. Bewundernd blickte sie an der hohen, schlanken, doch der Fülle nicht entbehrenden Gestalt ihres Lieblings empor, und ihr Auge blieb auf dem goldenen Gelocke haften, welches den schön geformten Kopf umgab. Und erst diese lachenden blauen Augen, über die sich die glatten Brauen wie im Halbkreise wölbten, und keine abschreckende, unheilverkündende Linie bildeten, wie bei ihr selber. Elise hatte für sich und die Tante eben den Nachmittagskaffee gebracht und wollte sich nunmehr niederfetzen, um den duftenden Kaffee zu schlürfen. Da läutete es im Vorzimmer. Elise öffnete die Türe, durch welche der Briefträger eintrat und einen rekommandierten Brief brachte. Während Gundel die Empfangsbestätigung unterschrieb, drehte Elise den Brief von allen Seiten um. Von wem mag das sein, dachte sie; der Poststempel ans Wien mib die Adresse von so ungelenker Hand geschrieben? Es soll nur nichts Trauriges sein! Ich freue mich schon so auf die Ferien, daß ich das gute Tantchen ein bischen hinaus zur Erholung bekomme, und jetzt sollte eine Störung darin kommen? Der Briefträger hatte sich entfernt, und die Lehrerin den Brief erbrochen. Elisens Augen betrachteten gespannt die Miene der Lesenden. Doch statt der gefürchteten Trauermiene huschte ein Lächeln über ihre Züge, das zu Ende des Lesens sich in lautes Lachen verwandelte. Da lies. Liefet, was mir der Vetter aus Wien schreibt!** Auch Elise konnte während des Lesens ihre Heiterkeit über diesen sonderbar abgefaßten Brief nicht unterdrücken. Dann aber wurde sie ernst und sprach: „Die Sache ist nicht ganz zu verwerfen, Tante, Du könntest wirklich während der Ferien nach Wien fahren; ich hatte schon früher daran gedacht, daß du eigentlich auch die Ausstellung sehen solltest, schon Deiner Schülerinnen wegen, denen Du dann so Vieles davon erzählen könntest. Ueberdies fahren fast alle Lehrer, ebenso wie der alte Direktor, zur Ausstellung nach Wien." „Für mich ist der Grvßstadttrubel nichts mehr," antwortete die Lehrerin, „und wenn ich mich dennoch entschließen würde, ich meine, wenn, — so geschähe es blos Deinetwegen, Liesel, damit du auch etwas von der Welt zu sehen bekömmst." „Ich," meinte mit tiefem Erröten das junge Mädchen, „ich bin ja nicht einmal eingeladen worden." (Forts, folgt.) Austritte aus dem Judentum. Segall tz e r m a it it, ledig, geb. 18. April 1886 in Wien, XVI., Tvaliastraße 10. Olah Josef (B l a u). Kaufmann, ledig, geb. -21. Jänner 1881 in Modacs « Ungarn), IV., Sctnviudgasse 19. Seligmann W alter, Stubeiit. iedig, geb. 15. Jänner 1889 iu Karlsbad (Bödmen), IX., llniverfirürsfiraße 4. Friedländer M a x. Buchhalter, ledig, ged. 20. August 1880 in Karolinenthal (Böhmen). XIX., Heiligenstädternraße 8. H e ch t A d 0 l f, Hilfsarbeiter, ledig, geb. 18. Dezember 1872 in Wien, III., Keinergasse 24. K u r m a n n Rodert, K.ivellmeister, ledig, geb. 16. April 1879 in Wien. II., Taborstraße 45. T i e g e r I 1 e g in n n d. Kellner, ledig, geb. 20. Februar 1895 in Wien. XIX.. Kahleubergerstraße 7. S ch 0 r n sr e i n Maria. Private, geschieden, geb. 19. Mürz 1374 in Wieliczka (Galizien), XVIII., Währingerstraße 182. Stransky Emma, Stickerin, ledig, geb. 14. März 1880 nt Kourin (Böhmen). XVI., Brunnengasse 15. Mandl L e n i, Bedienerin, ledig, geb. 20. April 1869 in Radosicz (Koni. Neutra, Ungarn), III., Rabengasse 10. O r n st e i n B e r t d a, Privatbeamtin, ledig, geb. 3. Mai 1879 in Wien. IX.. Berggasse 17. Singer Else. Private, ledig, geb. 25. Juni 1378 in Wien, I., Jndenplatz 5. Bloch Leopold, Privatbeamter, ledig, geb. 12. März 1874 in Wien, IX., Porzellangasse 11. Z u ck e r in a u n Moses Sa m u e l. Kommis, ledig, geb. 26. August 1881 in Wien. II., Svringergasfe 30. Steiner Elsa. geb. 22. Juni 1887 in Wien. Kromeriz. Laut Zuschrift der Stadtgeme.nde Krometiz. ddo. 22. März 1909, Z. 3545. mit angenehmer, kräftiger Stimme, musikaliseh gebildet, der als Chordirigent fungieren kann, wird mit K 80. Monatsbonorar und entsprechendem Nebeneinkommen sofort akzeptiert. Osias Kopfstück Oberkantor Nagyszombat (Tyrnau). KONKURS. Mit. Beginn des Schuljahres 1909/10 gelangt die Stelle eines israelitischen Religionslehrers für die hiesigen Mittelschulen — Staatsgymnasium. Oberrealschule und Mädchen-Lyzeum — zur Besetzung. Bewerber um diesen Posten müssen akademische und rabbinische Bildung, sowie die Lehrbefähigung besitzen. Gehalt nach Uebereinkommen. Gesuche mit Zeugnisabschriften, Angaben über Alter und Familienstand, sowie etwaige frühere Verwendung wollen bis 30. April a. c. an den gefertigten Vorstand gerichtet werden. Israel. Kultusgemeinde I g 1 a u (Mähren), am 22. März 1909. Der Vorstand: Adolf Lieblich.