Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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:»{:■. 14. Die Wahrheit 9 Gaiiftjcher Hilssverein. Sonntag, am 28. März d. I., fand die Generalversammlung des -Hilfsvereins für die notleidende jüdische Bevölkerung iu Galizien in den Räumen des Jfr. Humanitäts-Vereines „Wien" B'nai B'rith, IX., Universitärsstraße 4, statt. Da der Präsident des Vereines. Herr Sigmund Mayer, wegen Unwohlsein der Versammlung nicht beiwohnen konnte, führte der 2. Vizepräsident, Herr Direktor Moriz K o r i t s ch o n e r, den Vorsitz. Nachdem er die Beriammluug eröffnet und die Anwesenden insbesondere die Delegierten der Ortsgruppe», dann die Vertreter jener Lörperschasten, die zur Generalversammlung geladen waren, nur berzlichen Worten begrüßt hatte, teilte der Sekretär, Herr Dr. Wilhelm L ö w y, die eingelangten Begrüßnngs- und Entschuldigungsschreiben mir und erstattete sodann einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vereines. Mit .Rücksicht daraus, daß der 1. Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverflossene Jahr sich bereits seit längerer Zeit im Besitze der Vereins- Mitglieder befindet und auch iu diesen Blättern auszugsweise veröffentlicht wurde, konnte er sich darauf beschränken, bloß Über die Bildung neuer Ortsgruppen, dann über die Einnahmen und Ausgaben des Vereines, worüber erst der II. Teil des Berichtes, der sich noch in Druck befindet, Näheres enthalten wird, einiges mitzuteilen. Die Gesamteinnahmen des Vereines beliefen sich im Jahre 1908 auf X 46.263-63; sie waren also um X 2.403-20 geringer, als im Vorjahre. Die Gesamtausgaben stellten sich im Berichtsjahre ans X 53.94522, das ist um K 18.607 32 höher, als im Vorjahre. Diese Steigerung wurde dadurch herbeigeführt, daß für die Industrien mit Einschluß der Unterbringung von Lehrlingen im Jahre 1908 X 32.88755 ausgegeben wurden, während die eutsprechendon Auslagen im Jahre 1907 bloß X 15.28715 betragen hatten. Insbesondere verursachte die Einführung der Spitzenklöppelei infolge der Heranziehung von 10 neuen Klöppellehrerinueu Mehranslagen iin Betrage von X 13.935-45. Wenn die Ausgaben mit den Einnahmen verglichen werden, so zeigt sich, daß jene im Jahre 1908 um X 7.681-59 höher waren, als diese, während sich un Jahre 1907 ein Uebeaschuß von X 13.328-93 ergeben hatte. Dieses Plus an Ausgaben ist jedoch nicht als eine betrübende Erscheinung zu betrachten: der Verein hat nicht die Aufgabe Vermögen anzuhänfeu, sondern seine Mittel, soweit es nötig ist, für den Vereinszweck zu verwenden. Nach diesem Berichte erstattete der Obmann-Stellvertreter des Aufsichtsrates, Herr Ferdinand L ö w y. Bericht über die Gebarung der Vereinsleitung und beantragt, ihr das Absolntorium zu erteilen, ein Airtrag, der einstimmig angenommen ivnrde. Bei den hieraus vorgenommeneu Wahlen wurden mit Stimmeueiuhelligkeit gewühlt, und zwar: In die V e r e i n s l e i t u n g die Herren: Prof. Dr. s. E h rm a n u, Dr. Gustav K o h ii, Direktor Wilhelm K u x, kais. Rat Paul L e mb e r g e r, Reichsratsabg. Dr. Artur Mahl e r, Josef M a n d l, Signumd M a y e r. Richard P e t s ch e k. Heinrich P o l l u k, Jakob S. Strußberg, Richard T e w e l e s, Kommerzialrat Karl K r a » s. sämtlich in Wien. Dr. Karl H a l p e r n, Sianislau, Dr. Hermann H i r s ch, Krakau und Reichsratsabg. Dr. Natban L ö w e n st e i u, Lemberg; in den A nfs i ch t s r a t die Herren: Julius G r a u i ch st ü d t e n. Dr. Wilhelm K n ö p f m a ch e i\ Dr. Leopold K o h n. Ferdinand L ö w y, Wilhelm Pappen hei m. Dr. Isidor S a m u e l y und Theodor W a n t o ch; endlich iu das Schiedsgericht die Herren: kais. Rat Wilhelm A n u i u g e r, Michael Benies, Dr. Julius B e r m a u u, k. k. Notar, Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n, Dr. Alois K l e m p e r e r, kais. Rat Isidor Popper, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Alfred Ster u, Julius W o l f, Josef Zucker. Zu bemerken ist, daß die in die Bereinsleitnug gewählten Herren nur den dritten Teil dieser Körperschaft ausmachen, da jährlich bloß eine Drittelerneuerung stattfindet. Herr Baurat Wilhelm L> t i a ß u y ergriff hierauf das Wort und erklärte/ daß er in Vertretung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde sich genötigt fühle, der Vereinsleitung und dem Sekretär für ihre außerordentlichen Leistungen im letztverflossenen Jahre den beste» Dank auszudrücken. Ebenso dankt Herr Prof. Dr. S. E h r m a u u iu Vertretung des Verbandes der B'nai B'rith-Vereinigungeu für Oesterreich in herzlichen Worten, in dem er erklärt, daß der Verband stets bereit sein werde, die Tätigkeit des Hilfsvereines so viel als möglich zu unterstützen. Endlich drückce Herr Jakob S. S t r a ß b e r g, der, wie er sagte, wahrscheinlich der einzige Galizianer in dieser Versammlung sei. im Namen seiner Landsleute seinen tiefstgesühlten Dank für die Wohltaten ans. die der Verein den galizischen Juden durch Verschaffung von Arbeitsgelegenheiten in so reichem Maße gewähre und die auch in Galizien gebührend anerkannt würden. Die Redaktion kaun nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser aus das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugesichert wird, werden diese unsere Glaubensgeuosseu nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein iu die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu feiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit der Vereinsleitnng. als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 4 Kronen. Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien. IX., Berggasse, zu richten. Wurde i» der Zeit der Gramm in den Synagogen polnisch oder choralifch gesungen? In illlserer auftfeflänen. lichtvollen Zeit hört man oft selbst in modernen Chortempeln, am Freilag abend einen . Hasckkiwenu" ober „Weschomeru" in polnischer Weisesingen. Die andächtigen Zuhörer, die sonst am Sabvath oder an Werktagen ihren Geschäften nachgehen, sind von dem „polnischen Hasckkiwenu" so sehr entzückt, daß sie. wenn es statthaft wäre, dem s r o m m eil äußerst tugendhaften Kancor applaudieren möchten. Da ihnen aber im Gotteshaus hiezu keine Gelegenheit geboten wird, so besprechen sie Samstag nachmittags im Kaffeehaus beim Kartenspiel rc. den wundervollen Vortrag des politischen Kantors, der wie kein zweiter, einen „Hasckk i w e n u“ in polnischer Weise zu trillern versteht. — Nun hören wir. wie in der Zeit der in den Synagogen gebetet und gesungen wurde. Im Seser Hajochsiu II. Teil 60 wird der feierliche Gottesdienst, der gelegentlich der Installation des neuen Reich Galnta. Exilssürsteu. des Oberhauptes der persischen Juden, in der Synagoge statrsand, in folgender Weise geschildert: „Sobald der neue vom Bolle gewählte Reich Galnta die Bestätigung vom Könige erhalten hatte, verfügten sich die Würdenträger der beiden Akademien (Sllra und Pnmbadita) zu ihm, erteilten ihm, indem sie ihre Hände ihm nass Haupt legten, den Segen. Sodann ergriff der Gaon von Snra das Wort und hielt an den neuen Exilarehen eme ergreifende Ansprache, in der er ihn ans die Wichtigkeit seines hohen Amtes, wie ani die Pflichten, die er zit erfüllen hat, anfmerksam machte, lind schloß seine Anrede mit der Mahnung, daß es ihm ja nicht in den Sinn kommen möge, sich als Despot gu ge der den. Die eigentliche Huldigung fand dann an einem Donnerstag in der Synagoge statt. Die Schnlhänpter von Snra und Pnmbadita legten ihre Hände ans sein Haupt und riesen unter Trompetenschall ans: .^Es lebe der Exilssürst! ° Das zahlreich versammelte Volk stimmte mit Enthusiasmus iu diesen Ruf ein. Hieraus wurde der Exilsfürst in seinen Palaü geführt, wo er die zahlreichen Hnidignugsgeschenke entgegenirahln. Am Sabbath derselben Woche fand zu Ehren des neuen Exilarchen ein feierlicher Gottesdienst statt. Am Sabbathmorgen begab sich der Exilarch, von den vornehmsten und angesehensten Männern der Gemeinde begleitet, ins Gotteshaus, wo Tags vorher ein sieben Ellen hohes uiib drei Ellen breites Gerüste für ihn errichtet und mit farbigen, kostbaren Teppichen drapiert worden war. Ar» Fuße des Gerüstes standen vortrefflich geschulte, mit wohlklingenden Stimmen begabte Jünglinge, die von den Gemeinde-Repräsentanten gewählt worden waren. Der Chasan (Kantor) begann „Boruck scheomar" und der Chor siel bei jedem einzelnen Satze dieses Lobliedes mit den Worten „boruch hu" ein, und als der Chasan den Vers „Mismaur scliir lejaum kaschabbos“ rezitierte, respvndierte der Chor „Tauw lehaudans". Ebenso wurden auch die anderen Gebetstücke vom Chore respondiert. Die Würdenträger der beiden Akademien nahmen neben dem Exilarchen ans der Tribüne ihre Sitze ein, und zwar der von Snra zur rechten und der von Pnmbadita zur linken Seile desselben u. s. w. Alts dieser kurzen Schilderung ist klar und deittlich zu entnehmen, daß in grauer Vorzeit schon der Choralgesang in den Synagogen heimisch war. Natürlich halte man damals von einem polnischen oder russischen „Hasckkiwenu ‘ noch nichts gewußt. Diese Kunststücke gehören zu den Erfindungen der modernen Zeit._Ben Minackem. Verschiedene Nachrichten. Wien (Maikir-Gottesdienste). Zur Vermeidung des großen Andranges in den Geineindetempetu während der Haskarah werden vom Vorstande der israel. Kultusgemeinde, wie alljährlich auch heuer, am letzten Tage Pessach, d. i. Dienstag, den 13. April 12 9 Uhr morgens, im Saale des „Hotel Po st" I. Flejschmarkr 16 und im Saale des „Hotel Central", II., Taborstraße 8. anläßlich der Maskir-Audacht feierliche Gottesdienste veraustaltet. Eiurrirt frei. Karren werden nicht ausgegeben -